30.01.2009 von Heiko Werning

Tatsächlich ist es wohl so – heute vor 140 Jahren tauchte der Begriff “Reptilienfonds” erstmals in der deutschen Sprache auf. Otto von Bismarck höchstselbst verschaffte diesem Blog zu seinem Namenspatron. Im sogenannten Deutschen Bruderkrieg 1866 hatte Preußen zuvor die Herrscher von Hannover und Kurhessen besiegt und widerrechtlich ihr Vermögen einkassiert. Um diese zu beschwichtigen, bot Preußen ihnen später Entschädigungszahlungen an. Die nahmen die beiden im Pariser Exil schmollenden Ex-Regenten gerne an, setzten sie aber nicht im Sinne des Erfinders ein, sondern finanzierten damit anti-preußische Zeitungen.
Das verdross den Herrn Bismarck; er wollte das beschlagnahmte Geld daher zukünftig nicht mehr zurückzahlen, sondern einsetzen, um die Besiegten auch publizistisch zu bekämpfen. Im preußischen Landtag warb er für sein Ansinnen: “Wir verdienen Ihren Dank, wenn wir uns dafür hergeben, bösartige Reptilien zu verfolgen bis in ihre Höhlen hinein, um zu beobachten, was sie treiben.” Der Landtag stimmte zu, das ursprünglich geklaute Geld… weiter lesen
26.01.2009 von Heiko Werning
Nun ist es ja so: “Wetten dass …” ist mir völlig schnurz. Die letzte Sendung sah ich vor ca. 20 Jahren, als ich noch bei den Eltern wohnte, seither habe ich sie nie vermisst.
Jetzt geht aber allen Ernstes die CSU wegen einer Wette auf die Barrikaden, bei der Tierpfleger den Kot von Tieren am Geruch erkennen. Dabei ist keineswegs eine solche Wette eine “ekelerregende Entgleisung”, wie die CSU-Tante Angelika Niebler meint, sondern eher billig-dumme Politikerstatements wie eben ihres. Indem es auch heißt: “TV Widerlich und eine derartige Kulturlosigkeit gehören nicht ins deutsche Fernsehen, und schon gar nicht ins Öffentlich-Rechtliche” bzw. “Diesem Verfall der guten Sitten müssen wir Einhalt gebieten, denn hier geht es um das Vertrauen der Zuschauer.” Dabei ist es doch so: Mensch und Tier produzieren Ausscheidungen, das ist etwas ganz Natürliches. Und dass diese bei Tieren von Gruppe zu Gruppe unterschiedlich riechen, ist zunächst einfach nur biologisch… weiter lesen
23.01.2009 von Heiko Werning
In den ersten Wochen des Jahres 2009 fanden in ganz Deutschland zahlreiche Demonstrationen gegen den Krieg im Gazastreifen statt. Zu manchen davon wurde sogar von Palästinensern aufgerufen. In Duisburg übernahm das allerdings die radikale, vom Verfassungsschutz beobachtete islamistische Bewegung Milli Görüs. Der Protestzug von einigen tausend Menschen führte an einem Mietshaus vorbei, aus dessen Fenstern im dritten Stock zwei israelische Flaggen hingen. Das machte die Friedensdemonstranten irgendwie übellaunig. Der Zug geriet ins Stocken, es flogen Eisstücke, Steine und Messer. Einer alten Tradition gehorchend, rief man „Kindermörder Israel“ „Tod Israel“ und „Verrecke!“ Kurzum: Die Lage drohte zu eskalieren. Doch zum Glück griff die Duisburger Polizei rasch ein. Und zwar folgendermaßen: Sie brach die Wohnung, aus deren Fenstern die provokanten Flaggen baumelten, auf, da niemand daheim war (das heißt, da man sich in den Stockwerken verzählt hatte, brach man erst die darunter liegende Wohnung auf, erkannte aber bald die dortige Flaggenarmut… weiter lesen
18.01.2009 von Jakob Hein
Kann man sich heute Abend auch live bei der Reformbühne Heim & Welt (Kaffee Burger, Torstr. 60, Berlin-Mitte) anhören:
Strudel der Beliebigkeit
Gute Tierärzte sind schwer zu finden, wenn es sie überhaupt gibt. Die meisten haben sich sehr früh spezialisiert, sie haben herausgefunden, dass man ziemlich beliebig pfuschen kann, ohne dass einem was passiert – schließlich sind die Opfer Tiere, um Himmels Willen, für die ein paar Paragraphen, aber nicht gleich das ganze Bürgerliche Gesetzbuch gelten. Aber trotzdem ist es doch so, dass man, wenn man ein krankes Pferd hat, und dem geht es nicht gut und dann ist man vom ersten Tierarzt enttäuscht, weil der nichts taugt, also dann geht man doch nicht als nächsten logischen Schritt zum Rossschlächter mit dem Tier.
Heute hat Hessen sich seinen Ministerpräsidenten verlängert. Als Reaktion auf das ungeschickte Agieren einer Sozialdemokratin haben sich die Wähler entschlossen, wieder… weiter lesen
17.01.2009 von Heiko Werning
Meine Prognose für die jungle world: Das Jahr der schlechten Nachrichten.
Und nochmals zur Erinnerung – meine Prognose für die taz: Das Jahr der guten Nachrichten.
16.01.2009 von Heiko Werning

Puerto Rico ist spanischsprachig, gehört aber zu den USA. Ein Bundesstaat sind sie dort aber nicht, sondern nur irgendwie im Repräsentantenhaus vertreten. Die Stimmung auf der Insel ist ziemlich latinomäßig, die shopping malls, die Rauchverbote, die Drive-thru-Apotheken und die Fast-Food-Ketten sind ziemlich US-mäßig. Am besten versinnbildlicht diesen lustigen Latino-US-Misch das Bier des Landes: „Medalla light“ heißt es, und es ist das Einzige, es gibt also kein „normales“ Medalla. Wir sind zunächst entsetzt. Ein Lightbeer? Das wollen wir nicht. Da trinken wir lieber Heineken. Bis ich mal aufs Etikett gucke. Medalla light enthält 4–6 Volumenprozent Alkohol. Im Schnitt also wohl mehr als normales Pils bei uns. Das ist Puerto Rico: Name und Marketing an US-Gepflogenheiten angepasst, aber gesoffen wird, wie es sich gehört. Wir haben die Insel jetzt schon richtig gern.
Bei den Vorwahlen zur Präsidentschaft dürfen sie mitwählen, die Puerto-Ricaner, bei der Präsidentschaftswahl selbst aber nicht. Und wir sind… weiter lesen
15.01.2009 von Heiko Werning
Oliver Nagel von der Titanic hat ein neues, sehr, nun ja: spezielles Blog in die Welt gerufen. Und für spezielle Blogs, da hat einer ein besonders großes Herz:
der Reptilienfonds
10.01.2009 von Jakob Hein
Im Grunde lächerlich
Sehr geehrter Herr Bundesfinanzminister,
Sehr geehrte Damen und Herren,
erlauben Sie mir zunächst, Ihnen alles Gute für das kommende Jahr zu wünschen. Sicherlich haben auch Ihnen die ungeheuer tief schürfenden Analysen der Presse viel Hoffnung gegeben, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise überwunden werden kann. Es wird Sie nicht wundern, dass auch ich mich in diesem Zusammenhang heute an Sie wenden möchte, namens der Reformbühne Heim & Welt, die älteste Lesebühne Berlins und damit Deutschlands und damit der Welt.
Um es geradeheraus zu sagen: wir benötigen einen finanziellen Rettungsschirm über unserer Unternehmung, um einen ökonomischen Zusammenbruch und damit nicht absehbare Folgen für das gesamtwirtschaftliche Gefüge abzuwenden. Wir haben in den letzten Jahren sicherlich nicht schlechter gewirtschaftet als die meisten Banken, denen jetzt ein solcher Schutz gewährt wird. Natürlich haben wir schlecht gewirtschaftet, aber… weiter lesen
06.01.2009 von Heiko Werning

Foto: Der Rosada-Drusenkopf, ein neu entdeckter Landleguan von den Galápagos Foto: G. Gentile / dpa
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Was da heute über die Ticker der Nachrichtenagenturen geht, ist tatsächlich eine zoologische Sensation: Ausgerechnet auf den Galápagos-Inseln, einem der zoologisch am besten untersuchten Gebiete der Welt, ist ein neuer Landleguan entdeckt worden, immerhin eine massige, über 1 m Länge erreichende Echse, zudem auch noch in einem dezenten Pinkton, also nicht gerade besonders unauffällig. Die neue Art gehört zu den Drusenköpfen (Gattung Conolophus), die bislang mit zwei und nunmehr mit drei Arten ausschließlich von den Galápagos-Inseln bekannt ist.
Der Vorgang selbst ist dann bei näherer Betrachtung so ungewöhnlich nicht: Die “neuen” Drusenköpfe leben in einem schwer zugänglichen Teil der Insel Isabela, wo sie aber auch schon 1986 “offiziell” auffielen, weil sie sich durch ihre rosa Färbung eben doch recht gut von den “normalen” gelben Gattungsgenossen unterscheiden. Allerdings gibt es solche Effekte bei Echsen… weiter lesen
05.01.2009 von Heiko Werning
Nach den beiden ausverkauften und doch recht gelungenen Premieren am vergangenen Wochenende kann ich mich jetzt ja trauen, den Hinweis hier einzustellen:

2008 war ein schwieriger Fall. Am Ende fiel alles nur noch. Die Aktienkurse fielen, Soldaten fielen irgendwo im Kaukasus, in Oslo ließ Angela Merkel die Hüllen fallen. Fabian Hambüchen fiel in Peking vom Reck, bei der Telekom fielen Schamgrenzen, Kundendaten fielen vom Laster, und in Österreich und der Schweiz fiel jede Menge Regen auf frierende Fußballer. Alles fiel, nur einer lachte: “Der erste Schwarze im weißen Haus”, fiel als Satz und viel zu oft.
In ihrer kabarettistisch-literarisch-musikalischen Jahresbilanz kratzen DIE BRAUSEBOYS ihre Erinnerungen zusammen und blicken zurück: Was bleibt von 2008, und was gehört auf den Sperrmüll der Geschichte, raus vor die Tür? Und ist da überhaupt noch Platz zwischen all den bibbernden Rauchern?
AUF NIMMERWIEDERSEHEN 2008 ist ein Abend zwischen Fallen, Können, Sein und Sinn, zwischen… weiter lesen