Karibik-Tagebuch (4): 4. November 2008 – US-Wahl auf Puerto Rico

von Heiko Werning

Puerto Rico ist spanischsprachig, gehört aber zu den USA. Ein Bundesstaat sind sie dort aber nicht, sondern nur irgendwie im Repräsentantenhaus vertreten. Die Stimmung auf der Insel ist ziemlich latinomäßig, die shopping malls, die Rauchverbote, die Drive-thru-Apotheken und die Fast-Food-Ketten sind ziemlich US-mäßig. Am besten versinnbildlicht diesen lustigen Latino-US-Misch das Bier des Landes: „Medalla light“ heißt es, und es ist das Einzige, es gibt also kein „normales“ Medalla. Wir sind zunächst entsetzt. Ein Lightbeer? Das wollen wir nicht. Da trinken wir lieber Heineken. Bis ich mal aufs Etikett gucke. Medalla light enthält 4–6 Volumenprozent Alkohol. Im Schnitt also wohl mehr als normales Pils bei uns. Das ist Puerto Rico: Name und Marketing an US-Gepflogenheiten angepasst, aber gesoffen wird, wie es sich gehört. Wir haben die Insel jetzt schon richtig gern.

Bei den Vorwahlen zur Präsidentschaft dürfen sie mitwählen, die Puerto-Ricaner, bei der Präsidentschaftswahl selbst aber nicht. Und wir sind noch keine 24 Stunden auf der Insel, da haben sich schon vier völlig unbeteiligte Leute bei uns für George W. Bush entschuldigt, aber heute sei ja endlich Schluss mit dem. Gleichzeitig wählt Puerto Rico aber auch seinen eigenen Regierungschef. Den ganzen Tag feiern enthusiastische Parteianhänger und legen die ganze Stadt lahm und machen einen unglaublichen Lärm dabei, der sogar die coquis übertönt. Dafür werden viele Fahnen mit Coqui-Motiven aus den Autofenstern gehalten.

Später nachts schlagen die Anhänger der siegreichen neu gegründeten Insel-Partei im Autokorso mit Palmwedeln und Holzprügeln ihre Autos zu Brei. Richtig kaputt. Scheinwerfer, Kotflügel, Außenspiegel – alles geht zu Bruch vor lauter Begeisterung. Der mexikanische Wirt, bei dem wir die Wahlen gucken, steht kopfschüttelnd in der Tür und blickt stirnrunzelnd auf die Straße. “Die sind doch bekloppt. Die hauen ihre Autos kaputt!” Wir gucken verwundert und stimmen ihm zu. “Völlig bekloppt!”, bestätigen wir. „Ja, völlig bekloppt“, wiederholt er, “habe ich vor vier Jahren auch gemacht, aber da hat ja schließlich auch meine Partei gewonnen.”


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