TV-Tipp: Nicht der Süden (3sat Do/Fr 20.15 Uhr)
von Heiko WerningIch hatte ja schon mal kurz davon berichtet, und nun, ein gutes Dreivierteljahr später, ist es so weit: „Nicht der Süden“, die Geschichte von Volker Strübing und Kirsten Fuchs, zwei Berliner Lesebühnenkünstlern und Schriftstellern, die auszogen, auf einem Schiffchen in die Arktis zu fahren, ist fertig: die vierteilige Fernsehserie, die ab heute auf 3sat (20.15 Uhr) ausgestrahlt wird (Teil 2: morgen, Freitag; Teil 3 & 4: nächste Woche Donnerstag und Freitag) und das zugehörige Buch.
Zunächst mal die dringende Anguck-Empfehlung: Teil 1 habe ich schon vorab gesehen, und aus den anderen Teilen einige Ausschnitte – das lohnt sich ganz unbedingt. Man muss deswegen aber keineswegs auf die Brauseboys heute Abend verzichten: Wir zeigen die Sendung heute (und nächsten Donnerstag) im Laine-Art vor der Show – schließlich ist Kirsten ja unser Stamm-Brausegirl, und Volker ist unser uneingeschränkter Meister im Beteuern, auch mal als Gast kommen zu wollen, es dann aber doch nie zu tun. Eine Diva war er also schon bevor er zum Fernsehstar wurde.
Verblüffend finde ich bei „Nicht der Süden“ neben dem wirklich aufregenden Abenteuer an sich vor allem, dass die das praktisch alles selbst gemacht haben: Das Drehbuch ist von Volker und Kirsten, Regie führte Volker, und Hauptdarsteller sind sie auch noch.
Die Idee war es, einen dokumentarisch-literarischen Reisebericht zu verfassen, und die Wahl fiel auf die zwei in der Hoffnung, dass sie für ein ebenso unterhaltsames wie ungewöhnliches Ergebnis sorgen. Und das hat allemal geklappt.
In Teil 1 wird das Projekt vorgestellt, und es geht von Dänemark zu den Färöer-Inseln. Die beiden besuchen einen Windpark mitten im Meer und eine Aquakultur, außerdem werden sie ziemlich durchgeschaukelt auf hoher See. Die Bilder von der Reise sind äußerst beeindruckend, die Kamera fängt die epische Wildheit des Nordens in wunderbaren, stimmungsvollen Aufnahmen ein. Die Gespräche bemühen sich, die eingetretenen Wege zu verlassen, was insgesamt erstaunlich gut gelingt. Und die Berichte von unterwegs sind schön direkt und sehr unterhaltsam. Alles sehr gelungen also. Einige der Scherze wirken auf mich etwas zu gezwungen, ein bisschen so wie: „Wir sind hier ja schließlich als humoristische Literaten gebucht, jetzt muss es also auch mal lustig werden“. Manchmal. Manchmal ist es aber auch wirklich sehr komisch. Am besten gefallen mir die Passagen, wo die beiden tatsächlich gerade „in Aktion“ sind und sich auf die Situation einlassen können, die also nicht nachgespielt sind, was teils ein wenig gekünstelt wirkt. Und ein bisschen fehlte vielleicht noch der Mut, ganz die üblichen Wege der TV-Reportagen zu verlassen, schließlich ist es ja „richtiges“ Fernsehen. Ein paar mal meinte ich, da eine gewisse Hemmung angesichts dessen zu spüren. Ist vielleicht aber auch Quatsch.
Das Buch zum Film ist ebenfalls die Empfehlung wert, obschon ich es noch gar nicht gelesen habe. Aber in Auszügen gehört, und das klang schon sehr vielversprechend. Teil 1 ist eine durchgehende Erzählung von Kirsten, eine Zukunftsreportage über die Suche nach dem letzten Eisbären in der Mitte der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts. Teil 2 des Buches ist ein Interview von Volker mit sich selbst, wo er praktisch das ganze „behind the scenes“ ausplaudert. Dazu gibt es einen Fototeil im Buch, der leider nur in Teilen gelungen ist, weil irgendein Design-Trottel vermutlich auf der Fachhochschule gelernt hat, dass viele Freiflächen toll sind. Bei dem kleinen Buchformat aber führt das dazu, dass manche Bilder kaum wirken bis gar nicht erkennbar sind, das ist ein bisschen ärgerlich. Aber andererseits auch nicht so schlimm, weil dem Buch nämlich noch eine DVD beiliegt, auf der Teil 1 der Serie zu sehen ist, was natürlich weniger spannend ist, wenn man es eh im Fernsehen sieht oder aufzeichnet, aber der eigentliche Clou ist das als Diashows getarnte Herzstück des Projekts, zumindest für mich: Großartige Fotos, hinterlegt mit von Volker und Kirsten eingelesenen Texten, und das können sie halt letztlich immer noch am allerbesten: selbst geschriebene Texte vorlesen. Das allein lohnt den Buchkauf ganz unbedingt.
Zusammengefasst also: tolle Bilder, tolle Reise, tolles Projekt. Ich wünsche ihm viel Erfolg. Damit das vielleicht demnächst Mode wird und wir alle mal wegfahren dürfen. Ich erwähnte ja schon, ich kann gerne mal mit einem Kamerateam durch die Karibik dümpeln auf der Suche nach Wirtelschwanzleguanen. Oder nach Feuerland auf der Spur des südlichsten Reptils der Welt.
Fotos: ZDF/Alexander Lembke & Sabine Streckhardt
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Nachtrag 22.03.
Robert Weber hat’s nicht so gut gefallen. Ich sehe das weit weniger streng, wie oben ausgeführt, aber lesenswert ist es doch: Nicht das Gelbe.





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Hm, ist natürlich gefährlich, Kollegen zu kritisieren, aber ich muss sagen, dass mich der Film doch sehr enttäuscht hat. Eine Mischung aus Peter Lustig und die Sendung mit der Maus. Nett und gefällig halt. Wenn ich gehässig wäre, würde ich sagen: Da kann ich auch zwei Langweilern beim MauMau spielen zugucken, aber zum Glück bin ich ja nicht gehässig. Mir fehlen einfach die Konflikte und: Wo ist hier irgendwo das Abenteuer? So ist alles ein wenig für die strickende Hausfrau gedacht – vielleicht auch für Elke Heidenreich (“Ein wunderbares Buch.”) Vielleicht steigert es sich ja noch in den nächsten Teilen. Das Buch habe ich gelesen, zumindest den Teil, den man lesen kann, nämlich Volkers, der auch deutlich spannender ist, als das Filmergebnis. Kirstens bemühtes Geschwurbel über die Suche nach dem letzten Eisbären habe ich die ersten 20 Seiten ausgehalten, dann dachte ich mir, nö, das muss ich mir echt nicht antun. Wird trotzdem ein großer Erfolg werden, nehm ich mal an.
Toller Film, allerdings fand ich Kirstens geheulsuse um einen toten Fisch nervig. Und warum es uns interessieren sollte, dass Sie um die Rotorblätter gerannt ist erschließt sich mir nicht wirlich – Zeitschindigall ick hör Dir trapsen. Auf jeden Fall eine tolle Kameraarbeit! Gute Ideen und ein frischer Look! SEHENSWERT!
@ Robert: Meinst du mit den zwei Langweilern, die MauMau spielen und denen du nicht zugucken willst, vielleicht Konrad Endler und mich? Wir sehen uns, Freundchen!
Mit Sicherheit. Aber, wie gesagt, Ihr beide wärt ja noch die bessere Wahl gewesen.
Tja, was soll ich sagen, ziemlich krabbelwitzig das Ganze. Zwei Dichter die nichts von der Welt wissen, keine ernste Frage stellen können, immer nur auf den nächsten Gag aus sind. Fürs Fernsehen mitunter sehr ungewöhnlich, aber ditt wolln Schriftsteller sein? Die kleine Eisbärgeschichte so was von einfallslos, die/das selbstgeführte Interview ganz putzig, ja putzig ist das alles. Für Penäler und Lesebühnenclowns.
@ Tanja D.: Lesebühnenclowns? Und Sie beschweren sich über Schriftsteller, “die nichts von der Welt wissen”? Und wissen doch selbst nicht mal vor der eigenen Haustür Bescheid? Das ist nicht putzig, das ist einfach dämlich. Ksch, ksch, raus aus diesem Blog.