28.06.2009 von Heiko Werning
Sollte das der Jury eigentlich zu denken geben? Nicht mal auf ihre Shortlist hat Karsten Krampitz es geschafft, sodass er an dem etwas bizarren Preisverteilungsbingo gar nicht teilnehmen konnte, und dann holt er den Publikumspreis, und der Jubel im Klagenfurter Saal lässt annehmen, dass die Stimmung bei den Zuhörern vor Ort ähnlich war. “Bieder” – pah. Würdelos, dass dann nicht mal jemand eine Laudatio auf den Publikumspreisträger hält, was den Eindruck unterstreicht, dass sich da eine ziemliche Kluft auftut. Na ja, wenigstens Frau Keller fand noch einen Satz am Rande. Aber was soll’s – Glückwunsch, Krampe!
(Süß fand ich ja, wie Ralf Bönt souverän seinem offensichtlich überforderten Preisüberbringer Mut machte.)
Nachtrag 12:12 h:
Oha, sehe gerade: Sogar mit deutlichem Abstand hat Krampitz gewonnen: 268 Stimmen, das sind 20 %, hat er abgestaubt, auf Platz 2 Catherina Satanik mit 173 Stimmen, Platz 3 Gregor Sander mit 134 Stimmen.
27.06.2009 von Heiko Werning
Peter Wawerzinek, Bachmannpreisteilnehmer früherer Jahre, hat für kurze Zeit Hoffnung geschöpft und sich sofort wieder beruhigt, dennoch meint er:
Das Wunder Krampitz ist möglich
Karsten Krampitz zum Bachmannpreis einzuladen, ist für sich genommen eine mutige, hoffnungsvolle Tat gewesen, ein Zeichen allen, die auf das Wunder innerhalb der Literatur warten. Vom schreibenden Tellerwäscher in die weltweite Millionenauflage. In diesem Sinne ist die Jurorin Hildegard Elisabeth Keller als Vorreiterin zu loben. Man darf sie auch eine weibliche Robin Hood unter den sieben Kritikern titeln. Die Voraussetzungen für einen derartigen Geniestreich sind in Klagenfurt durchaus gegeben, wenn auch zu fürchten ist, dass sie nicht genutzt werden. Heutzutage haben sich nicht mehr so viele Autoren dichtgedrängt dem Urteil von Jury und Publikum zu stellen. Die strikte Vorauswahl nach dem Prinzip: Vorgestellt wird nur noch, was in den Töpfen der Verlage köchelt, schließt die Einladung von Talenten und angehenden Dichtern aus dem Nix hervor aus.… weiter lesen
25.06.2009 von Heiko Werning
So, das war’s also. Bleiben zwei Dinge festzuhalten:
a) Für diese Veranstaltung zu gut gelesen. Das scheint die dort zu erschrecken, wenn so ein Text etwas Leben bekommt.
b) West-Juroren wollen beim Hören des Wortes “Spitzel” sofort “schurkig”, “infam”, “intrigant” und “böseböse” dazu haben, “so wie im Fernsehen” eben, sonst ist es nix.
25.06.2009 von Heiko Werning
Gestern abend ist der soundsovielte Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt eröffnet worden. Und die Sache verspricht diesmal, interessant zu werden. Zumindest ist mit Karsten Krampitz ein Autor dabei, der schreiben kann, der etwas zu sagen und vor allem: der Humor hat. Und der übrigens noch zu haben ist.
Er liest am heutigen Donnerstag von 12-13 Uhr, man kann sich das live auf 3sat anschauen. Am Samstag zwischen 15 und 20 Uhr kann man dann für ihn stimmen, damit er wenigstens den Publikumspreis bekommt. Nicht einfach so, sondern schon mit einer passablen Begründung, die muss man dort eingeben.
Wer schon mal einen guten Grund haben möchte, der schaue sich einfach mal das Video der Mitbewerberin Katharina Born an, wie sie weichgezeichnet und in verlangsamten Bildern bedeutungsschwanger durch Paris schwebt und als ersten Satz mal eben fallen lässt, dass Peter Handke bei ihrem Daddy zu Besuch war. Große Güte. Aber wahrscheinlich stehen diese… weiter lesen
17.06.2009 von Heiko Werning
Ach, lange schon wollte ich mal auf einen der direkten Nachbarn hinweisen: Denn unter den vielen schönen tazblogs gefällt mir (neben den endlos mäandrierenden Ausführungen von Helmut Höge und dem wunderbaren Latin@rama selbstverständlich) das Popblog “Monarchie & Alltag” besonders gut. Nicht nur, weil es eine der wenigen Quellen ist, die sich zumindest in Teilen mit meinen musikalischen Interessen beschäftigen, sondern auch wegen der großartigen Reihe “Schmähkritik”. Und jetzt, wo mein geheimer, lang gehegter Wunsch endlich in Erfüllung gegangen ist, dass mal ein Text von mir, über dessen Urheberschaft Herr Ihle gar nichts wissen konnte, in die Reihe Einzug fand, da, ja da weise ich nun also endlich darauf hin: Lest “Monarchie & Alltag”!
15.06.2009 von Heiko Werning

„Unter Linken“, ein knallhartes Enthüllungsbuch von SPIEGEL-Schreiber Jan Fleischhauer, Jahrgang 1962 und Kind von von ihm sogenannten Linken, ist der Überraschungs-Bestseller der Saison und macht die Feuilletons mit sich voll. Die Geschichte des einsamen konservativen Widerstandskämpfers, der hilflos dem linksradikalen Mainstream in Deutschland ausgesetzt ist, hat den Nerv der Leser getroffen – und verlangt nach mehr. Der Reptilienfonds präsentiert exklusiv den Vorabdruck: „Unter Linken II – von einem, der aus Versehen noch konservativer wurde“.
1964:
Irgendwas stimmt doch nicht in diesem System. Heute Nachmittag im Sandkasten hat der Bruno mir einfach ein Förmchen weggenommen! Das ist dieser überall verbreitete linke Mainstream, Enteignungen, Eigentum als Diebstahl, es werden keine Grenzen mehr respektiert. Und was macht Mama? Sitzt auf der Bank und unterhält sich!
1968:
Mama sagt, dass ich den Giovanni nicht nur deswegen hauen darf, weil er ein Itaker ist. Wie immer: Die Linke… weiter lesen