Leider viel zu halbherzig, die Schweizer Entscheidung von gestern, aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Jetzt bitte nur noch Kirchtürme (unbedingt: mit Glocken!), Synagogenkuppeln und die ganzen anderen religiösen Belästigungen verbieten, dann wird das doch was.
“Müssen Polizisten geschützt werden?”, fragt die taz heute auf ihren Meinungsseiten, und da ich immer ein großes Herz für bedrohte Arten habe, war meine Antwort ganz klar: natürlich!
P.S. Süß auch wieder einige der Kommentare. Ich glaube, Autonome und ihre Freunde müssen wir auch sehr gut schützen und bewahren. Im Zusammenhang mit Heiligendamm verweise ich gern noch einmal auf einen alten Reptilienfonds-Beitrag.
Die Reise scheint durchaus einige Widernisse bereit zu halten …
… denn ein ordentlicher grippaler Infekt hat mich noch kurz vor dem Abflug erwischt, und so musste ich gestern auch mit Fieber ins Flugzeug einsteigen.
Dazu ein wirklich verlockendes Projekt:
Eden hat auf seinem Gelände u. a. einen ganz besonderen „Frosch“ gefunden: und zwar eine Art der Gattung der Schwarzkröten (Gattung Melanophryniscus), die ich anhand seiner Fotos nicht sicher identifizieren konnte, vielleicht sogar eine bislang unbeschriebene Art. Nun haben wir ausgemacht, dass ich ihn für eine Nacht besuche, um mir vor Ort ein Bild zu machen – aber nur, sofern das Wetter gut genug ist. Gut genug heißt für Schwarzkröten, möglichst tagelanger Starkregen. Zwei Tage Trockenheit (kurze Regengüsse zählen als “Trockenheit”), und alle Schwarzkröten sind wie vom Erdboden verschluckt.
Ein paar Hindernisse unterwegs:
Am Strand hat der Tornado reihenweise Häuser abgedeckt und z. B. auch eine Schule zum Einsturz gebracht. In Rio Grande do Sul sind sieben Personen durch herabstürzende Ziegel, Bäume usw. erschlagen worden, und ganz besonders tragisch, ja bizarr, mutet der Fall eines Feuerwehrmannes im Hilfseinsatz an. Der Mann ist beim Zerteilen von Ästen und Bäumen auf der Straße abgerutscht und in die laufenden Messer seiner Motorsäge gefallen – ihm war nicht mehr zu helfen. Und ich habe von all dem gar nichts mitgekommen, ich saß nämlich zu der Zeit noch abgeschottet in den fensterlosen Kellerräumen der PUC-Universität – bis das Licht ausging, während ich grade meinen letzten Blogeintrag schrieb.
Auch die Anreise ins Gebiet verläuft interessant:
Zweimal gerate ich sehr ins Schwitzen, denn vermeintliche Seilreste auf der Straße entpuppen sich beim Drüberfahren als Stromkabel, mit den dazugehörigen Masten, die seitlich im Gebüsch liegen! Dann taucht hinter mir im Rückspiegel, wie aus dem Nichts, ein kleinerer LKW mit enormer Geschwindigkeit auf. Offenbar will er seinen Schwung in den Anstieg „mitnehmen“ und die ganze Kolonne schnell noch überholen. So „schießt“ er also links an mir vorbei, während sich im selben Moment der PKW vor mir entscheidet, ebenfalls noch schnell einen Teil der Kolonne zu überholen und daher nach links auszuscheren. Im letzten Moment gelingt es dem LKW-Fahrer noch, mit einem Ruck noch weiter nach links zu ziehen, wo es ausnahmsweise mal sogar eine Art Standstreifen gibt. So gerät der LKW zwar heftig ins Schlingern, der Fahrer kann das Fahrzeug aber wieder unter Kontrolle bringen und überholt mit dem Restschwung sogar noch einen weiteren PKW.
Aber es lohnt doch:
Die Schwarzkröten hier sind einfach fantastisch! Unglaublich! Freund Eden, ich danke Dir! Für mich ist das eine neue Art, die ich in den bald 15 Jahren meiner Forschungstätigkeiten in Brasilien bisher nie finden konnte. Man braucht aber wirklich sehr viel Glück und noch mehr schlechtes Wetter, um Schwarzkröten zu finden. Jedenfalls ein ganz wunderbares Erlebnis, das bei den extremen Wetterbedingungen aber fast schon vorauszusehen war: ganz viele rufende Männchen (nicht quakend, sondern eher leise trillernd), dazu einige Pärchen im sog. Amplexus (Paarungsumklammerung) und auch Kaulquappen zusammen in einem kleinen Bächlein! Wir haben dieses Jahr ein sog. El-Nino-Jahr, und in diesen in Süd-Brasilien dann sehr nassen Jahren blühen die Schwarzkrötchen so richtig auf. Allein diese Nacht war die Anreise aus Deutschland zweifellos wert!
Heute auf der Wahrheitsseite der taz: Eine (wahre) “Geschichte zum Winden” von mir über die kulinarische Wirbellosenverwertung: “Ein bisschen schleimig”
Heute Mittag stand er noch bei den Aufmachern auf SPIEGEL-online: ein Artikel aus dem aktuellen SPIEGEL über Oskar Lafontaine, (da noch) unter dem Titel „Oskars großer Bluff“, der, kurz zusammengefasst, den Verzicht von Lafontaine auf den Fraktionsvorsitz der Linken im Bundestag als eine Art Wahlbetrug ausdeutet, um unter diesem Deckmäntelchen dann das zu tun, was zumindest im seriöseren deutschen Journalismus lange Zeit als Tabu galt, nämlich über das vermutete Sexualleben von Politikern zu berichten. Ein bisschen winden sich die Autoren Stefan Berg und Markus Deggerich noch: „Es ist eine Geschichte, in der es um die Privatsphäre von drei Politikern geht, und die ist normalerweise für die Öffentlichkeit tabu. Doch in diesem Fall muss sie erzählt werden, weil hier das Private höchst politische Folgen hat.“
Zunächst könnte man einwenden, dass hier ja gar nicht „das Private höchst politische Folgen hat“, sondern eher der ganz öffentliche Rückzug vom Fraktionsamt. Aber nein, nach dieser verdrucksten Rechtfertigung wird völlig ungehemmt drauflos spekuliert: Eine Liaison von Oskar mit Sahra Wagenknecht sei der wahre Grund, die habe Oskars Ehefrau nicht gefallen, worauf sie ihn halt ins Saarland zurückberief. Gestützt wird diese Bettwäschenhypothese, indem die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zitiert wird, die schließlich auch darüber berichtet habe, und auffälligerweise sei der Bericht nicht dementiert worden. Schaut man sich den FAS-Artikel allerdings an, müsste man – wollte man die Sache eben nicht an die große Glocke hängen – schon reichlich bekloppt sein, würde man ihn dementieren, denn der macht sich letztlich nur über die „Bunte“ lustig, die in halbseidenen Andeutungen die Geschichte schon mal publik gemacht hatte (was übrigens von Frau Wagenknecht sehr wohl dementiert wurde).
Wie dem auch sei, heute Nachmittag dann berichtet SPIEGEL-online als Aufmacher von einer Krebserkrankung Lafontaines, die offenbar bereits vor seinem Rückzug von der Fraktionsspitze diagnostiziert war und nun operativ behandelt werden soll. Für mich zumindest klingt das nach einem ganz guten Grund, den Fraktionsvorsitz nicht zu übernehmen. Und prompt ist die Geschichte über „Oskars großen Bluff“ plötzlich von der Startseite verschwunden. Vielleicht hätte sie eben doch nicht erzählt werden müssen. Vielleicht hätte sie auch einfach nicht erzählt werden sollen.
Dass man anderer Leute Texte nicht klaut, sollte selbstverständlich sein.
Dass es juristisch mindestens fragwürdig, vor allem aber komplett sinnlos und idiotisch ist, ein knappes Drittel eines Textes als Zitat zu übernehmen, wenn man selbst dazu praktisch nichts zu sagen hat, ist offenkundig.
Dass man nicht mit fiesen Dienstleistern paktiert, die sich u. a. aus merkwürdig in Rechnung gestellten Abmahngebühren o. Ä. finanzieren, sollte einem eigentlich schon der gesunde Menschenverstand sagen, ebenso, dass es, unabhängig von juristischen Erwägungen, einfach unklug und unnötig ist, auf kaum beachtete, nicht-kommerzielle Zitierblogger mit dem Anwalt loszugehen, selbst wenn man formaljuristisch im Recht ist.
Das ist alles so naheliegend, dass man sich über die allgemeine Aufregung nur wundern kann.
Ebenso wie darüber, dass meines Wissens noch niemand den Kern der Sache benannt hat:
Dass nämlich jemand das unfassbar peinliche Geschreibe von Frau Schweitzer so gut findet, dass er es auszugsweise wiedergibt und zum weiteren Lesen empfiehlt, das allerdings wäre in meinen Augen eine Strafe von 1000 oder 2000 Euro lässig wert – als pädagogischer Beitrag zur Geschmacksbildung.
So, da wäre ich wieder. Hat also wieder nicht geklappt mit dem Bloggen von unterwegs. Zu viel zu tun, zu viel zu sehen, zu viel zu recherchieren, und die Kinder wollen ja auch unterhalten werden. Ich werde mich aber, so zumindest erneut der Vorsatz, bald hier an die Aufarbeitung machen. Von all den tausenden Bildern wollen ja wenigstens einige ans Licht der Öffentlichkeit, und die Kapazitäten so eines Naturreiseführers, der daraus werden soll, sind schließlich endlich.
Nach drei Monaten und 19.000 km in den Wüsten Nordamerikas ist es eher wieder ein Schock, zurück in den Wedding zu kommen. Dunkler, kalter, grauer und nasser kam er mir selten vor. Glücklicherweise hat ein lieber Freund diesmal zuvor die Heizung angeschmissen und mir die neue CD von Element of Crime auf den Schreibtisch gelegt, sodass es außen und innen schön warm wird.
Dass das Bier in meiner Hand alkoholfrei ist, ist Teil einer Demonstration
Gegen die Dramatisierung meiner Lebenssituation
Doch andererseits sagt man, das Schweinesystem sei auf nüchterne Lohnsklaven scharf
Deshalb steht da auch noch ein Whisky, weil man dem niemals nachgeben darf.
Bei den Bühnen geht es für mich jetzt ganz normal weiter, gestern Abend schon ein schöner Wiedersehensabend bei der Reformbühne Heim & Welt im Kaffee Burger, Donnerstag dann bei den Brauseboys, ausnahmsweise nicht wie üblich im La Luz, sondern gleich um die Ecke im kuschligen Mastul in der Liebenwalder Str., direkt gegenüber unserer alten Heimat, dem Laine-Art. Kollege Paul Bokowski hat netterweise sogar eine Begrüßungsmontage gebastelt:
Alles Weitere, und das ist derzeit zum Glück gar nicht so viel, in den Terminen, die ich gleich mal aktualisieren werde.
Nicht nur zum Bloggen bin ich unterwegs nicht gekommen, zum Lesen leider auch nicht, jedenfalls nicht jenseits der Reptilien- und Reiseliteratur. Da musste ich all die schönen Bücher wieder ergebnislos nach Hause schleppen. Einzig den neuenGedichtbandvonFranz Doblergönnte ich mir und schrieb darüber drüben in der jungle world.
Und in der Edition Tiamat erschien ein Werk, das die Herzen der Menschen im Osten im Sturm erobern wird: “Unter Zonis – Zwanzig Jahre reichen jetzt so langsam mal wieder“, mit Beiträgen u. a. von Klaus Bittermann, Hartmut El Kurdi, Stefan Gärtner, Uli Hannemann, Harry Rowohlt, Oliver Maria Schmitt, Martin Sonnneborn, Fritz Tietz, Horst Tomayer, Joseph von Westphalen, Rayk Wieland, Hans Zippert, Jenni Zylka – und eben von mir. Ich kläre darin über die DDR-Lieblingsspeise Würzfleisch auf und verrate eines der letzten großen Geheimnisse des Kalten Krieges.
Und abschließend weise ich gern noch auf ein schönes Musikvideo des Ex-Brauseboys Nils Heinrich hin, in dem die Kollegen Marc-Uwe Kling und Wolf Hogekamp brillieren und das besonders meinen Nachbarn hier von Shok Muzik und AggroBerlin ans Herz gelegt sei, Ihr Opfer: