Also, am Sonntag gibt es wahrhaftig keinen Grund, des TATORTs wegen die Reformbühne Heim & Welt (Berlin, Kaffee Burger,Torstr. 60, U Rosa-Luxemburg-Platz) zu schwänzen. Da begrüßen Jakob Hein, Ahne, Uli Hannemann, Falko Hennig, Jürgen Witte und ich als Gäste Hinark Husen vom Frühschoppen und den obercharmanten Liedermacher Martingo. Und den Videorekorder muss man meiner Meinung nach nicht programmieren, denn anders als der geschätzte Kollege Christian Bussin der sonntaz finde ich “Vergessene Erinnerung” ganz furchtbar. Aufgeschrieben habe ich das einmal mehr für den empfehlenswerten Tatort-Fundus.
Kommissar Zufall wird befördert
Dramatischer Einstieg in der niedersächsischen Provinz: Charlotte Lindholm verursacht bei einer nächtlichen Fahrt durch das deutsch-niederländische Grenzgebiet einen Autounfall, als plötzlich zwei Menschen vor ihr auf der Straße auftauchen. Sie ist sich sicher, dass mindestens eine der Personen dabei zu Schaden gekommen ist, leidet aber an einem partiellen Gedächtnisverlust, und ihre Retter wissen nichts von einem anderen Unfallopfer. Und… weiter lesen
Angesichts des Tons, der von Henryk Broder und seinen Freunden immer wieder in die Debatten gebracht wird, fällt es vielen oft nicht leicht, sachlich zu bleiben. Dabei muss man vor diesen konservativen Revolutionären mindestens dreimal den Hut ziehen.
Einerseits schaffen sie es eben durch unsachliche, populistische, persönlich beleidigende, gehässige und sich mindestens am Rande des diskursiven Konsens bewegende Äußerungen den Ton der Debatten über die Religionsfreiheit für den Islam und die Klimafrage zu bestimmen. Gern werden Hitler- oder Holocaust-Vergleiche bemüht. Das wirkt frisch und unverkrampft, mutig stemmen sich die Achsenkräfte des Guten auch gegen political correctness. Ja! Endlich tut mal jemand etwas gegen diese verdammte political correctness! Man muss doch endlich mal wieder Neger, asozial und Titten sagen dürfen!
Zwei Dinge übersehen die Herrschaften dabei geflissentlich und mit ihnen die begeisterte Öffentlichkeit: Erstens ist das, was heute political correctness heißt, Teil einer sprachliche Bewegung,… weiter lesen
Wer sich nach all den irren Feuilletondebatten über Islam und Islamkritik und Islamisierung und Immigration und Integration mal wieder etwas erden und einen Hauch der Realität erleben möchte, der besuche uns doch mal im Wedding, wo man sich das alles live und in Farbe (hellgrau, dunkelgrau, mittelgrau) anschauen und anhören kann. Das reinigt das verquaste Intellektuellenköpfchen.
Und wer nicht kommen kann, der kann sich aber die wunderbare Zeitschrift “Der Wedding” anschauen. Axel Völcker, Julia Boeck und ihrem Team ist es gelungen, aus dem angeblich tristesten aller Berliner Bezirke (“eines der härtesten Krisengebiete des Landes” – Der Spiegel) ein Magazin zu extrahieren, dessen Optik ebenso Avantgarde wie sein Inhalt längst einen großen Schritt weiter in der neuen Realität eines neuen Deutschlands ist, indem multikulturelle Gesellschaften keine naive Ideologie mehr sind, sondern lebenswirkliche Selbstverständlichkeit, und das alles mit viel Empathie, Humor und einem Willen zum Journalismus, der so vielen Großzeitschriften und… weiter lesen
unter der Überschrift „McDonalds und die Montagsautos der Evolution“ zeigen Sie sich für die „Welt“ als „großer Fan“ des Bulettenkonzerns, denn: „McDonalds funktioniert ja vor allem in offenen Gesellschaften, in denen die Enge des ‘alle überwachen alle’ bzw. des ‘hier kennt jeder jeden’ aufgebrochen ist.“ Wovon die Filialen in z. B. Peking, Moskau und Riad beredt Zeugnis ablegen. Dennoch gibt es einen großen Wermutstropfen: „Leider zieht das große M aber alle Bevölkerungsschichten an. Also auch den Bodensatz der Gesellschaft, der nichts mit sich anzufangen weiß und in früheren Zeiten mit Begeisterung für Kaiser oder Führer fiel.“ Was Ihnen das Essen pappig macht, denn: „Da stehen sie dann an der Kasse, bestellen für 5 Euro Hamburger und zeigen ihren Freunden, die am Tisch warten, lachend den Hitlergruß, den diese erwidern. Nicht weil sie Nazis sind, sondern weil sie auf eine sehr reine und allumfassende Art dumm sind.“ Und nicht nur das:… weiter lesen
Au weia, bei Thierry Chervel vom Perlentaucher sind jetzt alle Sicherungen durchgebrannt. In seiner wutschnaubenden Suada gegen alle, die es wagen, die „Achse des Blöden Guten” zu kritisieren, ist ihm vor lauter Um-sich-beißen offenbar einiges durcheinander geraten. Warum er ausgerechnet meinen Beitrag zu den Verschwörungstheorien der Wetterfrösche von der Achse in seine Reihe der Islamophobiekritikerkritik stellt, bleibt sein Geheimnis, dass er damit aber ausgerechnet ebendiese Achsenschreiber und vor allem Henryk M. Broder (der ja doch nur das Gewäsch von seinem Geschäftspartner Maxeiner nachplappert) nun ausgerechnet per Dekret zu „Aufklärern“ verklärt, ist für jemand, von dem man annehmen sollte, sich zumindest näherungsweise mit dem Bedeutungsgehalt solcher Begriffe auszukennen, geradezu bizarr. Von nichts ist Broders kenntnisfreie Klima-Stänkerei weiter weg als von auch nur einem Zipfel Aufklärung.
Denn Aufklärung bedeutet ja nun gerade, althergebrachte Vorstellungen und Ideologien durch das Rationale, durch nachvollziehbare, überprüfbare wissenschaftliche Erkenntnisse – nun ja: eben aufzuklären. weiter lesen
Häufig steht ja in Zeitungen eh nur der Quatsch von gestern oder irgendwas, das man so oder ähnlich längst schon vermutet hatte. Umso erfreulicher, dass die Zeitungen heute mit einem echten Knaller aufwarten können: “Guido Westerwelle: FDP nicht käuflich – Im Zusammenhang mit der Millionenspende blablabla …”
Liebe Zeitungen, dafür vielen Dank! Aber müsste die Schlagzeile nicht korrekterweise lauten: “Guido Westerwelle: FDP nicht mehr käuflich”? Denn offensichtlich hat sich doch da was geändert bei der FDP. [Jakob Hein]
What a Wonderful World
Häufig hilft es dem Denken, über das Hier und Jetzt hinauszusehen. Dies ist auch in der Klimadebatte eine sinnvolle, häufig von beiden Seiten genutzte Methode. Die einen sagen: In fünfzig Jahren ist die halbe Welt untergegangen und dann werdet ihr sehen, dass man Geld nicht essen kann. Die anderen sagen: In fünfzig Jahren ist alles so auf der Welt wie immer und dann werdet ihr euch ordentlich für euren Weltuntergangsscheiß schämen.
Was ist, wenn die Dinge so eintreffen, wie beide Seiten annehmen? Wenn die Klimawarner Unrecht haben sollten, aber all ihre Forderungen durchgesetzt hätten, dann würden in fünfzig Jahren die Betriebe ihren Ausstoß von Treibhausgasen sinnlos reduziert haben. Vollkommen unnötig würden die Menschen auf Flugreisen verzichten müssen, weil die Besteuerung von Kerosin in keiner Weise notwendig gewesen wäre. Alle paar Meter würde man über Schienen stolpern, die Personenschäden mit… weiter lesen
Es ist ja nicht so, dass ich bei einem herzhaften Berlin-Bashing nicht immer auch gerne mittäte, aber was Sie in Ihrem Artikel „Berlin, die Hauptstadt der verspielten Chancen“ da so aus der „Welt“ herausschreiben, das lässt ja doch etwas stutzen. Ich fasse mal zusammen: Alles kaputt, alles pleite, überall Ausländer, und dann auch noch: „Dass sich das so bald ändern wird, steht nicht zu erwarten. Laut Studie rangiert Berlin bei der wirtschaftlichen Dynamik, also der Entwicklung in jüngster Zeit, auf Platz sechs – als letztes der ostdeutschen Bundesländer.“ Aber eben auf Platz 6 von 16, also noch vor allen Westländern. Und ist denn Berlin eigentlich so ein klassisches „ostdeutsches Bundesland“? Oder könnte da womöglich auch die Sache mit der Teilung … West-Berlin, Sie erinnern sich? Nein? Das wundert mich nicht. Denn für solche Kinkerlitzchen haben Sie keine Zeit, Sie wenden sich Wichtigerem zu: „Die illegalen Partys sind längst durchorganisiert, im… weiter lesen
Während in der “Welt” wieder die Paranoia-Symbionten Maxeiner & Miersch ganz viele X für ein U verkaufen wollen, decken die Lesebühnenfreunde Ivo Lotion und Anselm Neft in einem Video für dieselbe Zeitung ein ganz großes Ding auf – von Klimaskeptikern bis Islamophoben: Berlin zittert vor unheimlichem Klima-Yeti. Sehr lustig.
Die charmante Sarah Bosetti arbeitet an einem Dokumentarfilm über die Berliner Lesebühnen und filmte bei der Reformbühne Heim & Welt am 3.1.2010 mit – so auch meinen Beitrag “Abwrackprämie”.