Climategate und die Achse des Blöden (8): Thierry Chervel sieht rot
von Heiko WerningAu weia, bei Thierry Chervel vom Perlentaucher sind jetzt alle Sicherungen durchgebrannt. In seiner wutschnaubenden Suada gegen alle, die es wagen, die „Achse des Blöden Guten” zu kritisieren, ist ihm vor lauter Um-sich-beißen offenbar einiges durcheinander geraten. Warum er ausgerechnet meinen Beitrag zu den Verschwörungstheorien der Wetterfrösche von der Achse in seine Reihe der Islamophobiekritikerkritik stellt, bleibt sein Geheimnis, dass er damit aber ausgerechnet ebendiese Achsenschreiber und vor allem Henryk M. Broder (der ja doch nur das Gewäsch von seinem Geschäftspartner Maxeiner nachplappert) nun ausgerechnet per Dekret zu „Aufklärern“ verklärt, ist für jemand, von dem man annehmen sollte, sich zumindest näherungsweise mit dem Bedeutungsgehalt solcher Begriffe auszukennen, geradezu bizarr. Von nichts ist Broders kenntnisfreie Klima-Stänkerei weiter weg als von auch nur einem Zipfel Aufklärung.
Denn Aufklärung bedeutet ja nun gerade, althergebrachte Vorstellungen und Ideologien durch das Rationale, durch nachvollziehbare, überprüfbare wissenschaftliche Erkenntnisse – nun ja: eben aufzuklären.
Wenn Broder sich aber vorbehaltlos auf die Seite der Klimaskeptiker schlägt, betreibt er das exakte Gegenteil: Er ist – in Sachen Klima – ein Anti-Aufklärer, ein Mystifizierer, jemand von der Klarheit dessen, der bei Vollmond Krötenschleim mit Kräutern mörsert, jemand, der einer irren Weltverschwörungstheorie das Wort redet – immer sitzen ja irgendwo an den Schalthebeln der Macht sinistre Eliten, die ihren Profit daraus ziehen, das gemeine Volk auszusaugen.
Wäre es nur ein akademischer Streit, könnte man darüber hinwegsehen, angesichts der drohenden globalen Folgen aber – und selbst, wenn diese auch nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit einträten –, ist es leider eine gemeingefährliche Wahnvorstellung. Das ist halt das Problem, wenn man, wie Thierry Chervel, ein Leben nur im feuilletonistischen Elfenbeinturm denkt und verbringt und von der dinglichen, Naturgesetzen gehorchenden, echten Welt da draußen noch nie etwas mitbekommen hat.
Und nebenbei: Inwieweit die exzessive Islamkritik von Broder & Co. noch als Aufklärung durchgehen kann, scheint mir doch auch äußerst fragwürdig. Aufklärung jedenfalls, die immer nur blindwütig in eine Richtung schlägt, geht am Kern des Begriffs völlig vorbei; denn so schafft man nur neue vorurteilsbehaftete Ideologien. So suspekt mir jede Religion an sich auch ist, so mittelalterlich und menschenverachtend der Islam oftmals daherkommt, so durchgeknallt und gefährlich seine fanatischen Anhänger auch sind und so peinlich das Lavieren vieler Politiker und Journalisten im Umgang mit ihm – so lange man sich im Tunnelblick nur darin verbeißt und damit hunderte Millionen Menschen, die den ganzen Klimbim allahseidank nur so am Rande schadlos mitglauben, wie das ja auch bei erfreulich vielen Mitgliedern anderer Religionsclubs mit ihrem ganz spezifischen Aberglauben der Fall ist, so lange ist das keine Aufklärung, sondern eben Hetze.
Im Vergleich zur „Achse des Guten“ jedenfalls wäre selbst die „Sendung mit der Maus“ mit dem Begriff „fundamentalistische Aufklärung“ treffender charakterisiert.
Kommentar schreiben
Broder ist ja eigentlich ganz lustig. Wenn da nur diese Klimaerwärmungsleugnung nicht wäre.
Auch wenn der Diebstahl sicherlich ein schlechtes Licht auf eine Gruppe von Klimaforschern und ihr Verhalten im Umgang mit anderen Meinungen und Gegenthesen wirft, an den wesentlichen Dingen hat sich nichts geändert.
Was das Ganze mit dem Islam zu tun hat, bleibt wohl ein Geheimnis. Aber macht nichts. Islamisten sind eh out, die gelbe Gefahr ist in.
Ich verstehe diese Nähe von Klimaskeptizismus und Islam-Bashing auch nicht so recht, aber es gibt sie halt (siehe die Achse und ihr Fußvolk bei PI); kommt vermutlich von den amerikanischen Rechtsauslegern bei den Republikanern (“Drill, baby, drill!”).
Ooooooch, armes Heiko.
Brauchst Du ‘n Taschentuch?
Ich glaube, die Verbindung besteht einfach nur in Figuren wie Henryk B. ff. Wenn er jetzt noch ein anderes Thema findet, wo er die “etwas andere Meinung” beziehen kann, so wie: Die Schwerkraft ist ein dreiste Lüge der Physiker-Mafia”, dann kann man über den Hinweis Broder-> Achse des Guten auch noch jeden anderen Quark in seinen Wutbeutel packen.
@Chrischan74 – Wofür? Text gelesen? Aber will nicht ins Köpfchen? Oder einfach nur auf Reizwort reagiert? Pawlowsche Kommentatoren sind doch was Feines.
@Jakob: Na ja, ganz so einfach ist es nicht. Islamophobie und Klimawandelleugnung gehen in allen möglichen Blogs und Schriften des rechten Rands Hand in Hand. Vielleicht ist es auch das Feindbild “Grüne”, und beides wird irgendwie verboten, wasweißich. Aber Du bist der Psychiater, ich bin ja nur der Beobachter all dieser Reptilien.
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,672709,00.html
So blöd kann also die Achse der Blöden nicht sein?!
@KureInfo! Ja, das war mir klar, dass das hier sofort auftaucht. Das wirft natürlich alle Erkenntnisse um, wenn auf Tausenden Seiten eine schlampig recherchierte Quelle zitiert wird. Ärgerlich und peinlich. Aber mal andersrum: Bei der gewiss akribischen Überprüfung durch Klimafanatiker aller Art ist das die einzige (womögliche) Panne, die auffällt (also, jenseits der Fantasien der notorischen Leugner) – spricht in meinen Augen eher nicht für die Unplausibilität der eigentlichen Aussagen. Und berührt diese letztlich ja nicht mal.
Schön passend zu Chervels Aufklärungsgefasel ausgerechnet in der “Welt” eine bemerkenswerte Analyse von Till R. Stoldt:
http://www.welt.de/politik/deutschland/article5906693/Islamkritik-als-Schlachtgesang-der-Gehaessigen.html#vote_5374795
Gut, dass es inzwischen eine Debatte gibt. Aber warum beschränkt sie sich darauf, den Islamkritikern Polemik oder Schlimmeres vorzuwerfen?
Interessant wäre es für mich, wenn der Einfluss des Islam, von Koran und Hadithen (in denen ja ohne Zweifel kulturabgrenzende Aussagen mannigfach vorhanden sind) auf die Kulturen, die aus islamischen Ländern stammen, beleuchtet würde.
Ich sehe tatsächlich den Grund für die ablehnende Haltung vieler Muslime gegenüber unserer Gesellschafts- und Werteordnung tatsächlich in der islamischen Kultur begründet.
Aber für Gegenargumente bin iich offen.
http://diepresse.com/home/panorama/klimawandel/533682/index.do?_vl_backlink=/home/science/index.do
(Kleiner Nachtrag)
Lieber Herr Werning,
Thierry Chervel “sieht rot” bzw. – eigentlich – liefert einen ellenlangen Aufsatz auf. Auf den könnte man nun inhaltlich eingehen, sich mit den vielen vielen Argumenten auseinandersetzen und diese, wenn man ihnen nicht zustimmt, widerlegen. Einfacher ist es natürlich, (wie Sie) gerade das nicht zu tun, und stattdessen zunächst kurz persönlich zu werden, um dann schnell und geschickt zum Broder-Achse-des-Blöden-Bashing überzugehen.
Das ist im übrigen auch der Geheimtipp unter den “38 Kunstgriffen” der “Eristische Dialektik” Schopenhausers: Wenn einem sonst nichts einfällt, den Gegner persönlich angehen, beleidigen und die Qualifikation ansprechen.
Ein bisschen inhaltsleer, um nicht zu sagen: armselig, ist das schon!
Herr Albert,
mit dem Lesen haben Sie es aber auch nicht so, oder? Mein Text ist zunächst eine direkte Replik darauf, dass Chervel meinen Ausgangsbeitrag zur Stützung seiner These des Broder-Bashing heranzieht. Und da ich mich zur Klima-Einstellung der Achse geäußert habe, finde ich es nur sinnvoll, genau auf diesen Teil auch zu reagieren. Chervels These ist, Broder sei ein Aufklärer, ich bestreite das und finde, dass ich das ganz gut begründen kann.
Obschon ich mich hier zur Islamdiskussion weiter gar nicht geäußert habe, bin ich dann auch darauf noch kurz inhaltlich eingegangen.
Aber da ich damit offenbar Ihre Idole angegriffen habe, ist das natürlich nur “armselig”. Toll, und das soll dann wahrscheinlich der kontroverse Feuilleton-Stil sein, den Chervel ellenlang herbeisehnt, was?
Pingback: Twitter Trackbacks for Reptilienfonds - Climategate und die Achse des Blöden (8): Thierry Chervel sieht rot - tazblogs [taz.de] on Topsy.com
Lieber Herr Werning,
selbstverständlich ist Herr Broder mein Idol, und zwar aus folgendem Grund (ich zitiere Chervel): “Broder, schrieb Thomas Assheuer in der Zeit, “gibt sich stets Mühe, lustig zu schreiben, aber er meint es bitterernst”. Das ist der Unterschied: Seine Gegner sind nicht mal lustig.”
(Und: Nein, Maxeiner, Miersch und Sie halte ich im Unterschied zu Broder für überhaupt nicht lustig!)
Wie auch immer: Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass es in ihrem Beitrag eher nicht argumentativ zur Sache geht, sondern auf der persönlichen Ebene. “Armselig” ist da natürlich kein “kontroverser Feuilleton-Stil, sondern eine Meinung, die sich eben darauf bezieht.
Herr Albert,
es war nicht meine Absicht, über Humor mit Ihnen zu streiten. Und ja, Henryk Broder finde ich auch durchaus manchmal lustig.
Warum Sie allerdings meine in meinen Augen doch recht deutliche Argumentationskette nicht als solche erkennen mögen, selbst wenn Sie sie nicht teilen würden – gut, da kann ich dann auch nicht helfen.
Lieber Herr Werning,
erst einmal mein Lob dafür, sich (als Journalist) mit mir (dem Leser) auf eine kleine “Diskussion” einzulassen. (Ja, ich finde, dass kann man durchaus mal loben, wenn das Leserfeedback nicht einfach so verpufft.)
Eines noch: Ich mag Ihre Argumentationskette nicht nicht erkennen, ich kann sie einfach nicht erkennen. Das ist dann allerdings wohl mein Problem.
PS: Im übrigen finde ich die “Klimaskepsis” auf der Achse im allgemeinen bestenfalls öde und im besonderen (Peiser) schwer erträglich…
Wenn ich es richtig verstehe, geht es Chervel im “Perlentaucher” um das Argument, dass die Aufklärung an ihre Grenzen gerät, wo sie die Meinungsfreiheit – eines ihrer unerlässlichen Fundamente – im Namen der Toleranz aufzugeben bereit ist. Denn da stellt sich die Frage, was dies für eine Toleranz sei, die auf einer Einschränkung eines universellen Toleranzbegriffs beruht. Das unterkomplexe Denken derer, die “selber schuld” rufen, wenn der Zeichner einer provokanten und satirischen Zeitungsillustration mit Morddrohungen überzogen wird, jenen aber, die dies als Einschränkung der Freiheit und Zurückweichen vor deren Feinden bezeichnen, Rigorismus vorwerfen, erfüllt mich intellektuell mit Sorge und emotional mit Übelkeit. “Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung”, schrieb, nur zur Erinnerung, Kant. Ich weigere mich geradezu, von Morddrohern meinen Verstand leiten zu lassen, und am Weltklimarat muss Kritik immerhin zulässig bleiben. Aus meiner Sicht sind die Mierschs und Broders Whistleblower, die darauf immer wieder hinweisen. Dass sie sich “Achse des Guten” nennen, auch das möge stets mit bedacht werden, zeugt von einer Selbstironie, die eine weitere aufklärerische Grundtugend demonstriert, die Skepsis, die sich im Idealfall auch gegen sich selbst zu richten habe. Chervel reiht sich da ein und differenziert, das ist sehr ehrenwert. Seine Analyse, dass die Feuilletons sich mit ihrem falsch verstandenen Toleranzgesäusel selbst die Spitze genommen haben, ist leider in sich stimmig. Sie arbeiten sich an Broder ab, indem sie ihm den Fundamentalismus vorwerfen, den sie jenen, die ihnen sofort jede Freiheit beschneiden würden, sobald sie die Kontrolle über sie gewönnen, offenbar jederzeit nachzusehen bereit sind. Da fehlt jeder Maßstab. Und richtig traurig ist, dass hier unterschwellig unterstellt wird, dies sei im Sinne der Toleranz gegenüber dem Islam. Nein! Das wäre nur dann im Sinne einer solchen Toleranz, wenn man den Islam mit dessen fundamentalistischen Glaubensbrüdern identifizieren könnte. Das ist aber nicht der Fall. Die allermeisten Moslems lehnen diese scheinheilige, sie im Grunde diskriminierende Toleranz ebensosehr ab, wie sie Terror und Fundamentalismus in den eigenen Reihen nicht tolerieren.
Herr Albert, Herr Journalist,
dann will ich es noch mal versuchen, es aus meiner Sicht zu darzustellen.
Zunächst: In der Kritik am Relativismus von Meinungsfreiheit sind wir uns sicher einig – so uninteresant ich persönlich die dänischen Karrikaturen auch fand, so klar ist es, dass diese veröffentlicht werden durften und das man das auch verteidigen muss. Es wird sowieso viel zu viel Rücksicht auf irgendwelche religiösen Befindlichkeiten genommen, keineswegs nur dem Islam gegenüber. (Wer nimmt eigentich Rücksicht auf die Befindlichkeiten von Nichtgläubigen?)
Aber da fängt es bei Chervel eben schon an, unscharf zu werden, und das meinte ich mit “Dinge durcheinander bringen”: Denn es ist ja nicht so, dass Broder und die Achse-Schreiber sich nur in dieser Sache klar positionieren. Sondern eben z. B. auch gleich beim Klima weitermachen. Das hat Chervel nun durch das Zitieren meines Beitrags explizit mit eingebracht, und hier habe ich klar widersprochen: Natürlich muss Kritik am IPCC und an jedem einzelnen Aspekt der Klimaforschung möglich sein; viele Fragen sind ja ungeklärt und provozieren den Streit der Fachleute, Fehler werden, siehe die Himalaya-Gletscher-Geschichte, selbstverständlich auch gemacht, die Fragen der politischen Bewertung sind ohnehin streitbar etc. pp. Aber: Wenn man hingeht, und den menschgemachten Klimawandel in Abrede stellt, wie es auf der Achse systematisch geschieht, ist das zwar auch zulässig, aber halt idiotisch. Es verläst den Boden der einigermaßen sinnvollen Diskussion, denn dieser Klimawandel ist eine Tatsache, an der kein einigermaßen klarer Forscher im Grundsatz zweifelt. Und damit ist der Klimaskeptizismus auf der gleichen Stufe wie das Gerede der Kreationisten. Man könnte auch behaupten, es gebe keine Schwerkraft. Was immer. Alles zulässig, aber vor allem eines ganz sicher nicht: aufklärerisch.
Und das genau habe ich oben versucht aufzuzeigen: Chervel nimmt in seiner Suada Broder und die Achse generell in Schutz unter dem Primat, diese seien Aufklärer – ich sage: jemand, der sich um allgemein anerkannte naturwissenschaftliche Erkenntnisse einen Dreck schert und stumpf irgendeinen mythologischen Weltverschwörungsquark erzählt (und nichts anderes ist der Klimaskeptizismus), ist das Gegenteil eines Aufklärers.
Und in einem zweiten Schritt habe ich dann außerdem die Meinung vertreten, dass die Form der Islamkritik, wie sie zunehmend betrieben wird (und man lese auf der Achse nur die Beiträge des Pardon-Ruinierers Bernd Zeller), hat mit Aufklärung auch nichts mehr am Hut, sondern nur noch mit Hetze.
Diese Hetze zu kritisieren ist in meinen Augen kein Widerspruch zur Notwendigkeit einer Islamkritik, zum Entgegentreten gegen die Gläubischen, zum Zurückweisen ihres Befindlichkeitsgequatsches. Das kann man aber machen, ohne gleich jeden Anhänger dieser Religion unter terroristischen oder terrorismusduldsamen Generalverdacht zu stellen und zu diskriminieren. Das verstehe ich unter Aufklärung, und das sehe ich bei der Achse und anderen quasi hauptberuflichen Islamkritikern eben als nicht gegeben. (Und das schien mir auch der wesentliche Tenor der Mehrzahl der von Chervel angegriffenen Artikel zu sein.)
Ich habe mich im Einzelnen ja nicht zu den von Chervel kritisierten Islamkritikerartikeln geäußert, denen ich auch nicht vollständig zustimme. Aber Chervel hat die (und mich) ja auch nur in einen Topf geworfen, um sich dann letztlich an den eigentlich gar nicht unbedingt strittigen Teilen abzuarbeiten. Und das ist schlicht demagogisch und einen kleinen Klapps aus diesem kleinen Blog allemal wert.
Sind die “Achse”-Schreiber immer schlau und gut? Nö. Der eine oder andere ist schlauer und besser als seine Mitstreiter. Das liegt in der üblichen Bandbreite menschlicher Fehlbarkeit.
Auch die wichtigsten Vertreter der Richtung, die, die man ernst nehmen darf und so ernst nimmt, dass ihre Beiträge gedruckt und debattiert werden, überziehen gelegentlich. Aber was sie im Kern immer wieder tun, ist doch, beim Klimarat den Dissens mit der Begründung in den Vordergrund zu stellen, “dies ist keine Religion”. Obwohl auch ich der Ansicht bin, dass Unrecht habe, wer die menschgemachte Erwärmung als solche in Frage stellt, teile ich diese Begründung. Gerade weil die Sicht auf die menschgemachte Erwärmung in Politik und Publizistik je nach Perspektive Züge religiösen Fanatismus’ oder fanatischer Ketzerei angenommen hat, müssen derzeit internationale Einigungen über konkrete Maßnahmen scheitern. Es gibt auf allen Seiten eine “Ganz oder gar nicht”-Mentalität, die im Ergebnis zum “Gar nicht” oder doch zu einem wiederum allseits inakzeptablen “Kaum noch” führt. Die Religiösen in dieser Frage halten dem früh und weit industrialisierten Teil der Welt vor, besonders er müsse besonders radikal seine gesamte Lebensweise ändern, als wäre es möglich, in den Rückwärtsgang zu schalten – oder als wären sie selbst tatsächlich dazu bereit. Zugleich rechtfertigen sie damit die Haltung der anderen, die sich erst noch entwickeln wollen. Wie immer in der Religion wird der Versuch gemacht, alle Wunden zugleich zu heilen und alles auf einmal aus einem Dogma heraus erklären zu wollen. Wie aber stellt man sich diesem Problem? Indem man eben ruft: Vieles hier ist Spekulation! Schaut genau hin, denkt, argumentiert pragmatisch, lasst die Maximalforderungen! Es ist so wie die Feststellung, dass die Erde keine Scheibe sei – wie sonst wäre das Dogma der Kirche anzugreifen gewesen? Habt den Mut, Euch Eures eigenen Verstandes zu bedienen.
Zum anderen Thema. Natürlich gibt es in der Achse Typen, die den Islam mit dem Islamismus verwechseln. Aber gefallen sind die Namen Broder (so weit zur Achse) sowie Kelek und Ayaan, die nicht einmal dazugehören, so weit ich weiß. Diesen “Starschreibern” der Richtung kann man dies nicht unterstellen, sie sind satisfaktionsfähig. Genau wie Chervel. Sie werden jedoch angegriffen mit moralisch aufgeladenen Argumenten (Toleranz!), die ihre Glaubwürdigkeit in Frage stellen sollen. Dafür sehe ich diesen Grund: Sie haben bittere Wahrheiten gesagt, mit denen sich die Betroffenen ungern auseinandersetzen. Was wiederum, siehe Chervel, zu beweisen war.
Ansonsten sind wir uns einig: Auch von der Achse des Guten will ich meinen Verstand nicht leiten lassen. Aber im Gegensatz zu all jenen, die in den vorgenannten Themen sonst so ihre Zeigefinger erheben, würden die diese Leitung selbst dann vehement ablehnen, wenn ich sie ihnen freiwillig übertragen wollte. Wenigstens die Schlaueren der “Achse” scheinen sich jedenfalls in so weit im Griff zu haben.
Herr Journalist,
na ja, so diametral weit auseinander liegen wir wahrscheinlich gar nicht, aber dieses: Ich halte genau den Vorwurf der “Klimareligion” für besonders ablehnungswürdig und perfide (das dann natürlich wegen seiner Griffigkeit auch besonders gern in den ganz trüben Gewässern von PI & Co. gerne aufgegriffen wird), und, um noch mal darauf zuürckzukommen, für anti-aufklärerisch. Zunächst mal ist es eine äußerst billige rhetorische Nummer, das, was man selbst betreibt – nämlich ein Beharren auf einer unhaltbaren, unbewiesenen Position Kraft reinen Glaubens -, plötzlich dem Gegner vorzuwerfen, der genau das nämlich nicht tut. Die Klimaforschung veröffentlicht in begutachteten wissenschaftlichen Zeitschriften, sie diskutiert, sie betreibt eben: nachprüfbare Wissenschaft (nachprüfbar natürlich immer im Rahmen der Möglichkeiten – ich kann`s nicht, und Sie vermutlich auch nicht). Die Klimaskeptiker machen das Gegenteil, behaupten hundertfach widerlegten Unsinn einfach immer wieder, und weil die anderen logischerweise im Recht sind und daher immer weiter widersprechen, werden sie absurderweise plötzlich zur Religion erklärt. Tut mir leid, das ist unterste Schublade.
Und auch hier zum anderen Thema: Natürlich hat gerade Broder auch viel Kluges dazu geschrieben, und das oft sogar witzig. Aber mir kommt es sehr deutlich so vor, als würde er immer fanatischer und verbitterter, und gerade im Zusammenspiel mit der Achse und den flankierenden Kommentaren dort sehe ich das bestärkt. Wäre ihm an der Trennung Islam/Islamismus gelegen, könnte er ja auch mal ein paar deutliche Worte oder eine hübsche Polemik gegen seinen fiesen Fankreis (erneut: siehe PI) schreiben, was er aber auch wohlweislich unterlässt. Obwohl ich Broder also eigentlich ganz gern mochte (und übrigens auch gern schon mal mit ihm aufgetreten bin) und natürlich auch immer noch immer wieder mal Texte von ihm gut finde, meine ich, dass er genau durch das einseitige, undifferenzierte Geschrei sich auch längst von sinnvoller Islamkritik in hetzerische Islamophobie verabschiedet hat. Auch die beiden Damen sehe ich ähnlich, und ich finde nicht, dass sie durch ihre Biographien sakrosankt sind. Im Tenor also halte ich die von Chervel angegriffenen kritisierenden Artikel also für richtig (natürlich den einen mehr, den anderen weniger) und umgekehrt de Beitrag von Chervel für falsch, für ärgerlich sogar. Deswegen mein Beitrag hier.
Pingback: LokBlog » Das Klima bleibt weiterhin ein aufregendes
Zu den Kontinuitätslinien beim Kampf um die Kultur-Kolchose
http://wp.me/pt2oW-mX
Lieber Herr Werning,
wir sind uns tatsächlich nicht so fern, wie es scheinen mag. Auch wenn ich nun in einem Topf sitze mit “PI & Co.”. Ich lege größten Wert auf die Feststellung, weder diesen, noch jenen nahe zu stehen. Meine Herzkranzgefäße und mein Magen wären nicht stark genug.
Ein Beispiel, warum ich dennoch einen Punkt sehe in dem Vorwurf, der Klimaschutz habe religiösen Charakter angenommen: Vollkommen irrational ist das Beharren auf so genannten Hybridantrieben oder gar reinen Elektroantrieben bei Kraftfahrzeugen. Von Nachhaltigkeit und guter CO2-Bilanz kann da in der Regel keine Rede sein, und ein kleiner Diesel (Direkteinspritzer, Leerlaufabschaltung etc.) kann im Durchschnitt besser sein als die Kult-Hybride aus Japan, was den Spritverbrauch betrifft, braucht aber den giftigen Akku nicht. Dieser Gedanke ist aber hoch unpopulär und unmodisch, also rennen die meisten trotzdem begeistert in andere Richtungen, ohne groß darüber nachzudenken. Und bei reinem Stromantrieb hochgiftige Akkus mit Strom aus fossilen Energieträgern zu laden, bringt dem Klima und der Umwelt genau genommen: nix. Jedenfalls nicht global, sondern nur lokal. Auch wer vor zwanzig Jahren in einer gut ausgestatteten Familienlimousine mit 75 oder 90 PS und Zweiwege-Kat gut (wenn auch zugegebenermaßen weitgehend spaßfrei) vorwärts gekommen ist und im Drittelmix um die 8,5 Liter verbraucht hat, fragt sich, warum so etwas unter 130 PS und 10 Litern heute nicht mehr zu haben ist und warum Teilhybride gefeiert werden, die mit zusätzlichen Elektromotoren die 1,5 Liter wieder einsparen, wo doch die Energiebilanz bei deren Produktion und die Umweltbilanz der zusätzlichen Akkus unmöglich besser sein kann, als bei Herstellung der Autos vor 20 Jahren.
Noch ein Beispiel, das auf dem vorigen aufbaut: Die Reduktion des Verkehrs ist ein Fetisch, ebenso die Themen Hybrid oder E-Antrieb. Die Energieproduktion ist das größere Problem, aber auch dem Publikum schwerer zu vermitteln und abstrakter, daher weniger für eine emotionale Aufladung (und somit für Medien und Politik) geeignet. Noch größer mit Blick auf den Treibhauseffekt ist aber das Problem des menschenverursachten Verschwindens der größten CO2-Speicher der Erde, der tropischen Urwälder. Worüber aber wurde in Kopenhagen gestritten? Darüber, dass urwaldlose Indurstriestaaten nicht maßlos in Vorleistung gehen wollten, um Mindestgarantien von ebenso urwaldlosen Tigerstaaten zu erhalten, die schon aus Geltungsbedürfnis, aber auch, um Wettbewerbsvorteile zu bekommen, Vorleistungen erzwingen wollen. Rational ist anders. Aber Rational ist Ketzerei.
Was ich damit sagen will, ist dies: Mir sind Leute sympathischer, die im falschen Ton die richtigen Fragen stellen, als solche, die brav alles hinnehmen, wie es ihnen von Fachleuten und anderen Autoritäten verzapft wird, ohne auch nur aus ihrer eigenen Lebenserfahrung heraus die Widersprüche, Haken und Ösen der Argumente zu erkennen. Ich bin kein Klimaforscher, ganz richtig. Aber deshalb begebe ich mich noch lange nicht in die Hände von jemandem, der aus der Zeitung abschreibt, dass bis 2035 der Himalaya abgeschmolzen ist, um erst Jahre später zu bemerken: Stimmt nicht, dazu ist das einfach zuviel Eis. Ich mag ihn selbst dann nicht als Führungsperson akzeptieren, wenn ich meine, dass er im Grunde recht hat, auch wenn er sich um Tausende Kubikkilometer Eis geirrt hat.
Wer aber in seinem Dissens zur vorherrschenden Meinung selbst fanatisch wird, ist auch ein Idiot. Da stimme ich Ihnen vollkommen zu. Ich sehe nur nicht, dass das auf Chervel zutrifft. “PI & Co.” sind nicht satisfaktionsfähig, aber das überträgt sich doch nicht zwingend auf jene, denen sie zustimmen mögen oder die sie einseitig adoptieren, um ihre eigenen intellektuellen Defizite auszugleichen.
Herr Journalist,
Moment, da missverstehen Sie mich aber sehr: Ich bin keineswegs der Meinung, dass alles, was da unter dem Label Klimaschutz an interessanten Dingen propagiert wird, richtig, sinnvoll oder auch nur unschädlich ist. Bei den Hybridautos kenne ich mich nicht gut genug aus, teile aber mit meinem Sechzehntelwissen Ihre Bedenken. Und das gilt für viele andere Aspekte auch.
Das ist aber doch gar nicht mein Thema: Nicht sinnvoll diskutabel ist die Tatsache der menschgemachten Erderwärmung. Wer dagegen, wie Broder und die Achse und sich solidarisierend eben auch Chervel, zu Felde zieht, ist in meinen Augen im besseren Fall einfach ein Idiot, ein Verschwörungstheoretiker, im schlechteren muss man Bösartigkeit oder Interessengesteuertheit vermuten.
Welche Schlüsse nun aus der anthropogenen Klimaerwärmung gezogen werden müssen, welche Maßnahmen sinnvoll sind und welche nicht usw. – das ist natürlich in höchstem Maße diskutabel.
Und was den Regenwald angeht: Natürlich ist das eine Frage größter Bedeutung, und natürlich ist das immer noch der Kern der Artensterben-Problematik. Eine Klimaschutzmaßnahme, die – wie bei Biosprit – zum Abholzen von Urwaldflächen führt, ist vollkommen verfehlt und höchst schädlich.
Die Himalaya-Gletscher nur am Rande: Das ist doch wirklich eine Petitesse. Natürlich ist das peinlich für das IPCC (aber auch für viele andere, einschließlich der Klimaskeptiker, die das ja auch nicht zuvor aufgedeckt haben), aber doch letztlich völlig bedeutungslos. Die Gletscher schmelzen trotzdem, halt langsamer und vielleicht nicht in dem Ausmaß, aber was soll`s. Das ändert weder etwas an der Erderwärmung noch an den drohenden Folgen. Und wenn das 3 Jahre nach Erscheinen das bisher einzige ist, was an diesem Bericht tatsächlich als falsch erkannt wurde, dann ist der Bericht wohl recht gut.
Ein Letztes: Natürlich kann Broder zunächst nichts dafür, dass die Dumpfbacken von PI ihn verehren. Bei der inflationären Textproduktion dieses Männchens aber könnte doch hier und da mal einer dabei sein, der es glaubwürdig machen würde, dass er mit der Bande nichts zu tun haben will (die er früher sogar mal verlinkt hat). Außer einem halbherzigen Statement, dass er mit denen nichts am Hut habe, ist mir da bislang nichts bekannt. Und das finde ich wiederum durchaus aussagekräftig. Broders gestörte Wirklichkeitswahrnehmung zeigt sich auch schön darin, dass er unlängst auf der Achse auf Leserkommentare hinwies, die auf einen klimaskeptischen Beitrag von ihm bei Radio 1 eintrudelten, die er als Beweis deutete, dass man in Deutschland zwar alles mögliche kritisieren dürfe, aber eben nicht die Klimareligion, da drehen sie dann durch. Wenn man sich dann die Lesermeinungen anschaut, die er auch gleich auf seine Seite gestellt hat, sind diese zwar durchaus bestimmt und z. T. nicht sehr freundlich, verglichen aber mit dem Kommentarmüll, den Sie z. B. hier unter Teil 1 der “Achse des Blöden”-Serie finden, äußerst gesittet und harmlos, was wiederum Broders Diktum erkennbar ad absurdum führt. So ist das eben, wenn man nur noch in eine Richtung gucken kann.
Freundliche Grüße,
Heiko Werning
Was tun mit “Dumpfbacken” usw.? Aufhängen, verbannen, verbrennen, einsperren, wegschließen, verbieten, beschimpfen, verachten, mißachten?
Und wie ich sehe, gibt es weitere Eristiker hier. Schön!
Lieber Herr Werning,
je mehr wir reden, desto einiger werden wir uns. Das ist ganz schlecht im Internet, wo der “Kommentarmüll” bekanntlich auch Teil des Entertainments ist, aber dann doch nur mit Einschränkungen dem Bloggenden selbst zugerechnet werden darf, oder? Streicht der den Müll, ist er ein Zensor und böse. Streicht er ihn nicht, macht er ihn sich zueigen – auch böse.
Nun ja.
Whatever.
Um fröhlich einen neuen Ball auszuspielen: Was halten Sie vom aktuellen “FAZ”-Feuilletonaufmacher der Frau Kelek? Ich gebe zu, dass ich mich mit dieser ihrer Positionierung so was von einig fühle, dass ich kurz davor bin, in genau demselben, Kelekschen Sinne gewissermaßen als bekennender Hassprediger der Aufklärung auf die Barrikaden zu springen. Zumal ich wie immer mit dem Rigorismus des Aufklärers gar nicht in jedem Detail “hurra” schreien muss, um zuzustimmen: Da, wo ich es nicht kann, gebrauche ich meinen eigenen Verstand (im Sinne meines obigen Kant-Zitats) und differenziere, oder ich bringe, wie Frau Kelek, den einschlägigen Voltaire-Satz zum Einsatz. Aber bei diesem Artikel geht auch meine Freude an den Details sehr weit…
Ich bin gespannt. Herzliche Grüße zurück.
@ Konrad Fischer: Dumpfbacken ignoriert man, so weit sie in ihrer selbst verschuldeten Dumpfbackigkeit verharren.
2350 2035 … kann doch mal passieren. Da hat sich eine Null etwas noch vorn gedrängt. Das ist doch normal.
Herr Journalist,
entschuldigen Sie bitte die späte Antwort; die Zeit war knapp am Wochenende, und ich wollte den Kelek-Artikel doch wenigstens noch mal in Ruhe lesen, bevor ich antworte, nachdem ich ihn zunächst nur überflogen hatte.
Nein, gegen seinen Inhalt habe ich zunächst nichts vorzubringen, vieles sehe ich auch so, manches entzieht sich meiner Beurteilung einfach mangels Kenntnis.
Was mich stört ist, dass der Beitrag m. E. am Kern der Kritik – zumindest meiner Kritik – vorbeigeht: Ich kritisiere die Tendenz der derzeit besonders ins Auge fallenden Islamkritik, Moslems generell unter einen Generalverdacht zu stellen, ein feindliches Klima in der Gesellschaft gegen sie aufzubauen, immer nur in eine Richtung zu schlagen und dadurch ein verzerrtes Bild zu zeichnen. Inwieweit Frau Kelek dazu beiträgt, kann und will ich gar nicht beurteilen, sie hat, allein schon aus biographischen Gründen, sicher ihre ganz eigenen, sehr berechtigten Prioritäten. Ich habe mich hier aber der “Achse des Guten” gewidmet, und da halte ich meine Kritik unbedingt aufrecht: Durch die Beiträge dort, und speziell auch durch die von Broder, der ja gern auch erwiesene Falschmeldungen noch verbreitet, wenn sie seinem Ziel der “Islamkritik” dienen, wird eben ein solches Zerrbild befördert, das dann von den Hohlköpfen in der zweiten Reihe (siehe PI u. Ä.) gerne etwas tatkräftiger zu einer gefährlichen Strömung umgesetzt wird, an deren Ende einfach tumber Rassismus steht.
Oder, um es zusammenzufassen: Den Islam kann man meinetwegen so heftig und ausdauernd kritisieren, wie man es mit jeder Religion machen sollte. Wenn diese Kritik an der Religion aber umschlägt in pauschalierende Vorverurteilung jedes einzelnen Gläubigen oder auch nur dem religiösen Umfeld Entstammenden, wird sie gefährlich und ist zu bekämpfen.
Freundliche Grüße,
Heiko Werning
“Wer nimmt eigentich Rücksicht auf die Befindlichkeiten von Nichtgläubigen?”
Danke für die Bemerkung Herr Werning, das frage ich mich nämlich auch immer öfter.
Einen schönen Tag und mit freundlichen Grüßen
Alfred Vail
@ Werning: Bei Ihrem letzten Absatz machen wir endlich gemeinsam Picknick und trinken Brüderschaft.
Herzliche Grüße, J.
Hallo Herr Werning,
verzeihen Sie, mein Posting mag etwas off-topic sein. Trotzdem eine
kurze Replik zu folgender Einlassung von Ihnen:
>Welche Schlüsse nun aus der anthropogenen Klimaerwärmung >gezogen werden müssen, welche Maßnahmen sinnvoll sind und >welche nicht usw. – das ist natürlich in höchstem Maße diskutabel.
hört, hört. Das schien mir vor wenigen Tagen noch anders auszusehen. Ich begrüße Ihre in meinen Augen neue Positionierung.
>Und was den Regenwald angeht: Natürlich ist das eine Frage größter >Bedeutung, und natürlich ist das immer noch der Kern der Artensterben->Problematik.
unstrittig meine Meinung. Ich sehe dies zwar eher pharmakologisch-medizinischer Perspektive. Uns gehen eine ganze Reihe potentieller Arzneimittel verloren, wenn z.B. Pilze oder Pflanzen aussterben, ohne dass wir sie vorher analysiert haben.
>Eine Klimaschutzmaßnahme, die – wie bei Biosprit – zum Abholzen von >Urwaldflächen führt, ist vollkommen verfehlt und höchst schädlich.
ebenso unstrittig meine Meinung. Ich denke jedoch, dass Biosprit aus Bio-Algen, die in Bio-Reaktoren gezüchtet werden können, eine gute Alternative zu obigem Problem sind. Wir könnten hierzu direkt CO2 aus
Braunkohlekraftwerken verwenden, wie erste Probeversuche in Deutschland gezeigt haben.
>Die Himalaya-Gletscher nur am Rande: Das ist doch wirklich eine >Petitesse. Natürlich ist das peinlich für das IPCC (aber auch für viele >andere, einschließlich der Klimaskeptiker, die das ja auch nicht zuvor >aufgedeckt haben), aber doch letztlich völlig bedeutungslos.
Das Fehlen der Aufdeckung des Nicht-Abschmelzens der Himalaya-Gletscher ist deswegen nicht bemerkt worden, weil u.a. die geologische Vereinigung Indiens selbst in einer Ihrer Pressemeldungen darauf hin-gewiesen hat, dass diese Angelegenheit noch nicht abschließend geklärt worden ist. Bis dato fehlen von den ca. 140 zu beurteilenden Gletschern im Himalaya vollumfängliche Daten über den Mengenverlust an Eis. Unter uns: das fehlt auch in den deutschen Alpen, aber sei’s drum….
Ich denke, wir könnten zumindest eine Marketing-Nummer des IPCC ad acta legen, nämlich, dass diese politische Organisation die Mehrheit des wissenschaftlichen Konsensus vertreten würde. Das tut sie nachweislich nicht. Man lade sich die aktuelle Publikation des NIPCC 2009 unter
http://www.climatechangereconsidered.org/ herunter. Ich verweise auf
die Seiten 751ff des PDF-Dokumentes. Dort sind allein 31.478 US-Amerikaner mit Universitätsabschlüssen (darunter 578 Atmosphären-
und 2240 Erdforscher, 985 Umweltforschr, 935 Mathematiker, usw.)
gegen die aktuelle Meinung des menschengemachten Klimawandels.
Wer sich übrigens über die Fragwürdigkeiten der Klimarechenmodelle in Englisch erkundigen will, youtube nach dem Titel “Why the IPCC Models are wrong” von PhD Spencer, Principal Research Unit, University of
Alabama in Huntsville vom 4. März 2008. Das ist die Einrichtung, die u.a. die Satelliten-Wärmemessungen der oberen Athmosphärenschichten bewertet hat. Ein Fachvortrag auf einem Kongress … IMHO sehr aufschlussreich und ein Beleg für die These Prof. Bob Carters, dass die Rechenmodelle des IPCC höflich ausgedrückt absoluter Schrott auf Steuerzahlers Kosten sind.
Wer sich ein wenig über die wirtschaftliche Denke der Grünen Aktivisten informieren möchte, dem sei “The Free-Market Case for Green” bei Youtube empfohlen.
Man bilde sich also bitte eine eigene Meinung .. gute Englischkenntnisse sind hierbei allerdings zwingend erforderlich.
Just wanna say …. follow the money … and soylent green is people!
Hallo Journalist,
auch hier fürchte ich, bin ich etwas off-topic. Ich bitte um Nachsicht:
>Vollkommen irrational ist das Beharren auf so genannten >Hybridantrieben oder gar reinen Elektroantrieben bei Kraftfahrzeugen. >Von Nachhaltigkeit und guter CO2-Bilanz kann da in der Regel keine >Rede sein,
man darf hierbei nicht vergessen, dass die Hybrid- und E-Car-Entwicklung analog zur H2-Brennstoffzellentechnologie ihren primären Auslöser durch die rigide Umweltpolitik in Californien hatte. Dort ist es herstellerseitig ein absolutes Muss, solche Fahrzeuge im Portfolio zu haben. Das weitete sich in den letzten Jahren aus und zog sowohl Technologie aus der BRD nach den USA als auch umgekehrt. Der E-Hype wundert nicht, er ist die Folge der Umorientierung der Anbieter weg von Kalifornien hin zur EU und anderen Märkten.
>und ein kleiner Diesel (Direkteinspritzer, Leerlaufabschaltung etc.) kann >im Durchschnitt besser sein als die Kult-Hybride aus Japan, was den >Spritverbrauch betrifft, braucht aber den giftigen Akku nicht.
kann ich nur bestätigen. Mein alter Fiat Sceicento schluckte als LPG-Fahrzeit 7 Liter, unter Benzin 5 Liter und der Fiat Panda verzehrt 5,5 Liter Super. Unterschied: der alte Wagen hatte ein um 1/3tel geringeres Leergewicht bei gleicher Zuladung als der neue Wagen.
Ich halte E-Mobile derzeit für keine Alternative, solange sie nicht mindestens 4 Sitze plus Kofferraum und 500 km Reichweite haben
und die Ladezeit für eine Betankung unter 3 Stunden liegt. Frühestens der neue Tesla wird hier eine Alternative sein, aber da wage ich
zu bezweifeln, ob dergleichen nach Europa kommt zu einem akzeptablen Preis. Vom Betanken von Kurzstrecken-E-Cars an Laternen halte ich wenig als Mittel- und Langstreckenfahrer.
Was die CO2-Bilanz angeht, so interessiert mich das beim E-Car wenig. In 50-60 Jahren geht der Sprit sowieso aus und Strom aus der Wüste wird dann billiger sein. Es stellt sich dann nur die Frage, wie kriege ich den Strom schnell genug in den Tank, wie weit reicht die Ladung und wie teuer wird der Wagen sein … den Staat wird’s interessieren, wie er die KfZ-Steuer klassifizieren kann und wie er den Ladungsstrom besteuern wird, wenn ich das von zu Hause aus tue. Grinsend denke ich an die heutigen Photovoltaik-Anlagen-Besitzer, die künftig (wie die Bauern mit dem subventionierten Diesel) “illegal” ihren Wagen betanken werden in
30 Jahren….
Herr Upjohn,
da haben Sie einfach nicht gut genug gelesen. Da ist keine neue Positionierung. Ich habe hier Stellung bezogen gegen jene, die den anthropogenen Klimawandel leugnen, nicht mehr und nicht weniger. Und da finde ich Ihre neuerlichen Hinweise genau so absurd wie alle Stellungnahmen dazu vorher. Da wir das nun aber erschöpfend wechselseitig dargestellt haben, belassen wir es mal dabei. Dass ich Ihre merkwürdige Wissenschaftler-Aufzählung für uninteressant halte, so lange keiner dieser Wissenschaftler ordentliche Publikationen in ordentlichen Fachzeitschriften zum Thema veröffentlicht hat, brauche ich nicht eigens zu erwähnen, hoffe ich.
Hallo Herr Werning,
>da haben Sie einfach nicht gut genug gelesen. Da ist keine neue >Positionierung. Ich habe hier Stellung bezogen gegen jene, die den >anthropogenen Klimawandel leugnen, nicht mehr und nicht weniger.
danke für die Aufklärung. Solch ein Missverständnis kann leicht auftreten,
denn es gibt mindestens 4 Lager in der Diskussion, wenn ich das richtig sehe.
1) das Lager der “totalen Klimaleugner” = es findet kein Klimawandel
statt
2) das Lager der “Klimaskeptiker” = es gibt keinen anthropogenen,
CO2-verursachten Beitrag zum Klimawandel
3) das Lager der “Klimawandelbefürworter” = es gibt einen anthropo-
genen CO2-verursachten Beitrag zum Klimawandel
4) das Lager der “Klimahysteriker” = der Mensch alleine sei an allen
Veränderungen des Klimas schuld
Ich selbst zähle mich zum Lager Nummer 2, wenn Sie erlauben. Die Teilnehmer des Lagers 1 und 4 erfüllen in meinen Augen wohl eher
die Kriterien der Diagnose “Querulantenwahn” (ICD-10 F22.8) und
bedürfen meines Erachtens nach keine Sekunde Beachtung … außer
für den Hinweis, dass die nächste Psychiatrie bestimmt in Reichweite
ist. Und da Behauptungen auch in der Presse, gerade bei der Klimadebatte, ja Diskussionen um Messdaten sind und nicht etwa um politisch-religös anmutende Wahngebäude, kann man diese Argumente stets validieren, messen, prüfen und dann akzeptieren oder fortwerfen.
So funktioniert Wissenschaft … alles andere ist Kinderkram.
>Und da finde ich Ihre neuerlichen Hinweise genau so absurd wie alle >Stellungnahmen dazu vorher.
na, das dürfen Sie doch selbstverständlich. Das ist doch ihr gutes Recht.
Fühlen Sie sich etwa durch meine Gegenwart in der Verbreitung Ihrer Ansicht eingeengt? Falls ja, wie käme das denn zustande? Ich bin halt noch der überholten Auffassung, dass man etwas nachprüfen sollte, wenn es unglaubwürdig ist.
Ein Beispiel: ich checke gerade die CO2-Daten des Brotjacklriegel. Dass dort der CO2-Sensor 18 m weit weg von einem Heizungskamin stand und dass der Sensor 1972-2004 vom Umweltbundesamt betrieben wurde, ist eines der vielen Schmankerl, die man so findet. Da auch noch meteorologische Daten wie Windrichtung und
Windgeschwindigkeit angegeben sind, ist es leicht, anhand der CO2-
Konzentration herauszufinden, wo im z.B. Februar der Kamin wohl unter
Dampf gestanden hat. Unter uns: ich finde, man kann aus den Graphiken
gerade der 1970iger Jahre sehr schön sehen, wann im Januar bis März
der Schornstein geraucht hat. Das bildet sich nahezu exzellent ab. Am
1. Februar 1972 z.B. ist der durchschnittliche CO2-Messwert der Station
am niedrigsten morgens um 3 Uhr, steigt dann bis 8 Uhr an, sinkt bis
10 Uhr, steigt dann zwischen 12-14 Uhr an, sinkt bis 18 Uhr und steigt
dann wieder an, um sein Maximum um 20 Uhr zu erreichen, dass im
Mittel um 20 ppm höher liegt als um 3 Uhr morgens. Ein Schelm, wer
dabei denkt, dass das so ziemlich die Heizperioden für eine Ölfeuerheizung sind, die regelmäßig und gerade zu verbrauchsstarken Zeiten, wenn aufgestanden, morgens geduscht, Mittag gegessen, abends vor der Glotze gesessen hinauf- und dann nachts ab 22 Uhr wieder zum Schlafen heruntergeregelt wird. Lustig ist, dass im gleichen Jahr im Monat August (da ist die Heizung aus) eine ganz exzellente, offenbar nicht heizungsverfälschte CO2-Kurve zu erkennen ist (hohe Werte zwischen 22-4 Uhr, dann geht die Sonne auf, der CO2-Spiegel sinkt bis 16 Uhr und steigt mit zunehmender Dunkelheit wieder an – ein ganz normaler, biologischer Zyklus).
Die Datensätze sind in Publikationen des UBA veröffentlicht, ergo wohl auch in Klimamodelle eingelaufen. So etwas macht Sie nicht ein wenig nachdenklich, nein? Nun, das muss es nicht….. denn ich halte es für absolut sinnvoll, den Klimawandel im Abstrom des Heizungskamins zu messen, Sie doch auch, oder?
>Da wir das nun aber erschöpfend wechselseitig dargestellt haben, >belassen wir es mal dabei.
Wissen Sie, mich erinnert dies eher an die leicht durchschaubare Taktik der Zeitschrift Nature, als diese vor 2 Jahren die Diskussion um Michael Manns Hockeystick durch eine abschließende Publikation tot treten wollte. Gelang allerdings nicht … warum auch? Immerhin lebt Wissenschaft nicht vom Konsens, sondern vom Beweisen bzw. dem Widerlegen von Thesen. Das gilt selbstverständlich nicht für Blogs oder
Tageszeitungen. Da zählt wohl eher der Hype, egal, aus welchen Gründen, richtig?
>Dass ich Ihre merkwürdige Wissenschaftler-Aufzählung für >uninteressant halte, so lange keiner dieser Wissenschaftler ordentliche >Publikationen in ordentlichen Fachzeitschriften zum Thema veröffentlicht >hat, brauche ich nicht eigens zu erwähnen, hoffe ich.
Ja, Sie haben recht. Sie hätten das besser nicht auch noch extra
weit und breit erwähnen sollen. Sei’s drum…..
Ich weiß zwar nicht genau, wenn Sie meinen (Sie drücken sich leider so schön unklar aus, was mir als wissenschaftlich arbeitender Mensch etwas missfällt), aber ich nehme an, Sie spielen auf Prof. Bob Carter und Prof. Richard Lindzen an, richtig?
Falls ja, beide sind in 10 Sekunden zu ergoogeln (ich helfe Ihnen ja
gerne bei den allereinfachsten Internet-Recherchen). Einfach
in Google “Prof. Bob Carter publication” oder “Prof. Richard Lindzen publication” eingeben, schon hat man ……
Carter unter http://members.iinet.net.au/~glrmc/
Lindzen unter http://www-eaps.mit.edu/faculty/lindzen.htm
Auf beiden Pages sind Sub-Links mit Publikationslisten vorhanden.
Kleiner Tipp: Professoren sind öffentliche Personen, die leben davon,
dass man sie bzw. ihre Publikationen auch findet.
Da könnten Sie auch pi mal Daumen die über 230 Fachpublikationen
von Lindzen und die paar Dutzend Fachpublikationen von Carter nach-
sehen (bibliographische Angaben, Abstracts und/oder Volltexte). Wenn Sie jetzt noch übereifrig wären, könnten Sie z.B. in Berlin, wo Sie ja zu wohnen scheinen, in eine Fachbibliothek gehen (z.B. der Charité) und
sich dort versuchen, am Bilbiotheksterminal die dort gelisteten Fach-papers als PDF downzuloaden (sofern die Uni diese Journale bezieht)
und mal beim Teechen oder Käffchen durchlesen. Ich kann das z.B. in einer Uni-Bibliothek, die keine 110 km von mir weg ist, so gar 24 Stunden täglich, wenn ich das will. Und eine andere weniger gut ausstaffierte Uni-Bibliothek ist keine 5 km von mir weg.
Ach ja, um Sie noch ein wenig zu stippeln. Youtuben sie mal nach den Vorträgen des besonders Anti-Klima-Roten-Tuchs Lord Christopher Monckton und checken Sie dessen Folien nach. Da habe ich bisher, soweit ich sie geprüft habe, keine Fehler gefunden und auch keine falschen Zitate. Aber naja, wer bin ich schon…..
Herr Upjohn,
ich werde mich hier nicht auf inhaltliche Scharmützel einlassen, dafür bin ich – trotz durchaus solider naturwissenschaftlicher Ausbildung und beruflicher Erfahrung – viel zu wenig Fachmann, und, mit Verlaub, es wirkt auf mich auch nicht so, als verstünden Sie mehr von der Materie. Ich habe alles Wesentliche verlinkt, und da erklären Leute die Dinge, die in dem Gebiet arbeiten.
Wenn Sie aber ähnlich arbeiten wie bei Ihre “Klima-Fraktionierung” wundert es mich nicht, dass Sie auf die Skeptikerpropaganda reinfallen – denn eine Fraktion 4 gibt es überhaupt nicht. Mir jedenfalls ist kein relevanter Forscher bekannt, der behaupten würde, der Mensch sei *allein verantwortlich* für den Klimawandel.
>Fühlen Sie sich etwa durch meine Gegenwart in der Verbreitung Ihrer >Ansicht eingeengt?
Wenn dem so wäre, würde ich ihre Kommentare einfach gar nicht freischalten.
Hallo Herr Werning,
>Die Himalaya-Gletscher nur am Rande: Das ist doch wirklich eine >Petitesse. Natürlich ist das peinlich für das IPCC (aber auch für viele >andere, einschließlich der Klimaskeptiker, die das ja auch nicht zuvor >aufgedeckt haben), aber doch letztlich völlig bedeutungslos. Die >Gletscher schmelzen trotzdem, halt langsamer und vielleicht nicht in >dem Ausmaß, aber was soll`s.
Die Gletscher im Himalaya ziehen sich bereits seit Mitte des 19. Jahr-
hunderts zurück (da gab’s noch keine CO2-verursachende Industrialisierung by the way).
Himalayan and Trans-Himalayan Glacier Fluctuations Since AD 1812
Paul A. Mayewski and Peter A. Jeschke
Arctic and Alpine Research, Vol. 11, No. 3 (Aug., 1979), pp. 267-287
>Das ändert weder etwas an der Erderwärmung noch an den drohenden >Folgen.
vor allem, weil wir derzeit seit 15 Jahren keine Erwärmung mehr haben und der aktuelle Winter der kälteste in den letzten 10-30 Jahren ist. Aber das ist jetzt nur meine persönliche Meinung, wenn ich zum Fenster hinausblicke, nach dem ich heute morgen zum x-ten Mal Schnee geschippt habe in diesem Winter. Aber den Briten geht es auch nicht besser:
http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/agrar_news_themen.php?SITEID=1140008702&Fu1=1263139856
Die University of Illinois hostet Satellitenaufnahmen der letzten 40 Jahre
für die arktische Polarregion. Man mache sich über die Fluktuation der Eiskappe selbst ein Bild unter http://arctic.atmos.uiuc.edu/cryosphere/.
Die Ausdehnung nahm eine Weile etwas ab, nimmt aktuell aber wieder deutlich zu.
Daten der Satelliten European Remote Sensing Satellites (ERS-1 und
ERS-2) zeigen für die Jahre 1992-2003 eine Zunahme des Eischildes
Grönlands im inneren Bereich (+6,4 cm/Jahr) und eine Abnahme am
Rand im Bereich unter 1500 Meter Meereshöhe (-2 cm/Jahr), so dass
eine Nettozunahme des Eisschildes um +5,4 cm/Jahr resultiert (Johannessen OM et al. Recent ice-shield growth in the interior of
greenland. Science 310 (5750): 1013-1016) oder auch als Vortrag
http://dup.esrin.esa.int/stse/files/news/ESA_CliC_Sandven.pdf aus dem Jahre 2009; siehe Folie auf Seite 9.
Satellitengestützte Radartelemetrie zeigt eine Zunahme der Masse
des arktischen Eisschildes von 1992 bis 2003 um 45 Mrd. metrische
Tonnen, was mit einer Meeresspiegelreduktion von jährlich 0,12 mm
verbunden ist (Davis et al. 2005, Snowfall-driven growth in east antartic ice sheet mitigates recent sea-level rise. Science 308(5730): 1898-1901).
Die folgende URL zeigt in meinen Augen das so typische “nach-dem-Wind-Schreiben” der Presselandschaft als u.a. Folge der Publikation von Davis. Zuerst Zeter und Mordi (= wir ertrinken alle, die Pole schmelzen)
im April 2005, dann dreht sich der Wind um 100% und die Presse fällt entsprechend um und produziert neue Schlagzeilen 4 Wochen später:
http://www.worldclimatereport.com/index.php/2005/05/27/antarctic-ice-a-global-warming-snow-job/
Wir sind hier ja in einem TAZ-related blog, ergo ist das hier ein Hort
von Wissenschaftlichkeit und Datenanalyse, nicht wahr? Deshalb mein
Standpunkt hinsichtlich Zutreffens von Thesen ganz im Sinne von
Bob Carter.
Wenn die These lautet, der Himalaya schmilzt wegen des anthropogenen CO2-bedingten Klimawandels und es zeigt sich, dass die Gletscher schon 100 Jahre früher zu schmelzen begonnen haben,
ist die These tot.
Wenn die These lautet, das die Polkappen schmelzen, diese Kappen aber nachweislich zu- und nicht abnehmen, ist die These tot.
Wenn das grönländische Eisschild schmelzen soll (weil offenbar nur auf die Schmelze an den niedrig gelegenen Rändern geachtet wird), aber zentral die Eisdicke dreimal so schnell steigt wie sie in der Peripherie sinkt, ist die These tot.
Müssen wir erst alle promovierte Eisenbahningenieure und promovierte Ökonomen wie Herr Pachauri werden, bis wir uns (rein zufällig gar nicht selten unter Herausgeberschaft des Tata Energy Research Instituts) zum Klimawandel äußern dürfen? Und darf man dann auch darauf hinweisen, dass, wenn man etwas über das TERI googelt, man u.a. auf Links wie jenen hier stößt? http://www.wrm.org.uy/bulletin/43/India.html.
Dort regt man sich ziemlich über das TERI auf und wer sind nun diese üblen “Verleumder”? Nun, es sind Regenwaldschützer….. tja, die Welt ist schon absurd…..
Hallo Herr Werning,
den Namen Upjon muss ich Ihnen doch nicht wirklich erklären, oder?
Falls doch …es ist eine alte Pharma-Firma. Aber irren Sie sich nicht,
ich bin dort nicht tätig.
>ich werde mich hier nicht auf inhaltliche Scharmützel einlassen, dafür >bin ich – trotz durchaus solider naturwissenschaftlicher Ausbildung und >beruflicher Erfahrung – viel zu wenig Fachmann,
lassen Sie uns mal ehrlich spielen. Ich kann durchaus erkennen, wie
Sie sich verhalten. Ich finde derartige Spielchen auch ermüdend. Ich finde allerdings noch ermüdender, sich so zu generieren, wie Sie das offenbar nötig zu haben scheinen. Ich will Ihnen gar nichts Böses, aber wenn das, was Sie zu sufflieren scheinen, wahr zu sein hat, weiß ich, dass wir beide keinen Kompromiss erzielen werden. Wozu auch?
>und, mit Verlaub, es wirkt auf mich auch nicht so, als verstünden Sie >mehr von der Materie.
korrekt. Und ich schäme mich nicht im mindesten dafür. Wozu auch?
Ich frage die alten Standardfragen, wie sie alle, die wissenschaftlich
tätig sind, fragen (und die Sie offenbar vergessen möchten, was ich
mehr als bedaure). Die Fragen sind:
a) messe ich das, was ich messen möchte, überhaupt korrekt?
b) ist das, was ich messe, wirklich das, was ich messen sollte?
c) wie genau beschreibt das, was ich messen möchte, überhaupt das,
was ich messen möchte?
d) welche Folgerungen schließe ich daraus (wobei das individuell
verschieden ist und genau das macht die Wissenschaft im Kern
aus)
Unter uns: das sind Fragen, die schon Archimedes und Kollegen
gefragt haben! Denken Sie an den alten Vorsokratiker BIAS, der laut
Legende mit Hammer und Meisel in die Mauern des Tempels in
Delphi gehämmert haben soll: “die Meisten sind schlecht”. Alles Klar?
>Ich habe alles Wesentliche verlinkt, und da erklären Leute die Dinge, >die in dem Gebiet arbeiten.
mal unter uns: so what? Ich tat das auch. Gibt’s da ernsthaft Differenzen?
Falls ja, brauchen wir Erwachsene wirklich “Glaubensklimatologie”?
Falls ja, wie kindisch ist das denn?
>Wenn Sie aber ähnlich arbeiten wie bei Ihre “Klima-Fraktionierung” >wundert es mich nicht, dass Sie auf die Skeptikerpropagandar
>einfallen – denn eine Fraktion 4 gibt es überhaupt nicht.
Schauen Sie: mein 12jähriger Sohn und ich betrachten diesen Blog seit einiger Zeit. Schon mein Sohn erkennt, wie der Hase läuft, ohne dass ich es ihm erklären muss. Meinen Sie ernsthaft (so von Mann zu Mann), dass Sie mich blöffen können mit Märchen, die jeder Youngster mit
12 Jahren locker wiederlegen kann? Ich wäre auf Sie ja gar nicht
aufmerksam geworden, wenn mein Kleinster mich auf Sie nicht aufmerk-
sam gemacht hätte. Wozu also diese ganzen Spielchen, hm?
> Mir jedenfalls ist kein relevanter Forscher bekannt, der behaupten >würde, der Mensch sei *allein verantwortlich* für den Klimawandel.
echt jetzt? Dann fragen Sie mal Rahmstorf und IPCC….. (sorry, war
nur scheinbar ‘n Witz). Ich will Ihnen gar nicht Übel kommen mit den
divesen Publikationen, die GENAU das behaupten, was Sie meinen,
dass es als meine “Klasse 4″ nicht gäbe. Wozu auch?
>>Fühlen Sie sich etwa durch meine Gegenwart in der Verbreitung Ihrer >>Ansicht eingeengt?
>Wenn dem so wäre, würde ich ihre Kommentare einfach gar nicht >>freischalten.
Sehen Sie, lieber Herr Werning, ich kann AUCH sehen. Danke dafür, dass wir nicht mehr in der DDR leben. Ich habe wohl vernommen,
was Sie gesagt haben. Ich kann analog wie Sie zwischen den Zeilen
lesen. Das kann man nicht nur in Berlin, das kann man auch im
sonstigen Westen und nicht erst seit 30 Jahren.
Mein Rat: Unterwerfung ist lächerlich. Wir sind hier alle (hoffentllich) Erwachsene und wir sind es, die reale Probleme zu bewerten haben.
Glauben ist out, weil kindisch. Wir Erwachsene sind`s, die die Realität zu
bewerten haben und wir sind es, die für unsere Kinder die Zukunft gestalten. Und die Zukunft ist Wissen und niemals (religöser oder
politisch motivierter) Glauben. So – und niemals anders – ist es.
Alles andere ist Mist (um mal den überholten Müntefering indirekt
zu zitieren).
So, und jetzt spielen Sie einfach in Ihrer Loge und ich spiele in meiner
Welt.
Und die Mitleser sollten sich klar darüber sein (ich denke, so blöd
kann kann ja keiner mehr sein), dass wir alle wissen, was hier wirklich
läuft. Die Männer unter uns wissen, dass wir intellektuelle Herrschafts-
spielchen gespielt haben (und jeder mag sich selbst seinen Teil denken,
wer dabei gewonnen oder verloren hat, wobei das in Wahrheit irrelevant ist
Schönen Abend noch.
___
P.S.: Ich weiß wohl, dass das IHR Blog ist. Es möge IHR BLOG bleiben.