Archive for Februar, 2010

27.02.2010 von Heiko Werning
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Erdbeben in Chile

von Heiko Werning

Wir sind umzingelt von Leid, Katastrophen, Tod und Schmerz. Das ist keine besonders originelle Erkenntnis. Man kann wohl nur so halbwegs durchkommen, wenn man das alles in vernünftigem Maß verdrängt. Irgendwo in den westdeutschen Einfamilienhaus-Vororten geht das vielleicht am besten, hier im Wedding wird einem hier und da schon mal etwas nachdrücklicher auch ungewollt bewusst gemacht, dass es mehr gibt als hübsche Kaktusgärten und Sonnenterrassen, und wenn man mal richtig nach draußen kommt, in Länder, in denen es – bei allem Genörgel über den hier endemischen Wahnsinn – weit weniger kuschelig zugeht, und wenn man in diesen Ländern auch wirklich draußen rumkommt, wie man das als Reisender in Sachen Reptilien und Amphibien automatisch macht, dann muss man zwangsläufig seine Weltsicht ein wenig modifizieren und diversen Widersprüchlichkeiten sehr direkt unterwerfen.

Was aber nutzt das ständige Relativieren? Wenn Haiti zum Maß aller Dinge werden müsste, weil mehr Katastrophe wohl hoffentlich für eine… weiter lesen

26.02.2010 von Jakob Hein
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Jakob Hein: Wieder ein Text über den Augsburger Bischof, der einen weiten Bogen um den nahe liegenden Schulhofreim macht, mit dem der Bub bestimmt früher immer gefoppt worden und mutmaßlich deshalb heute so speziell ist

von Jakob Hein

Walter Mixa hat wieder zugeschlagen. Der Aufhetzer von Augsburg wurde befragt zu der derzeitigen Aufklärungswelle einer offenbar guten jahrzehntelangen Tradition des Missbrauchs von Kindern durch ihr Lehrpersonal an katholischen Schulen. Natürlich ist das gemein, ihn dazu zu befragen, dass ist so, als würde man einen Kölner fragen, warum denn die Düsseldorfer so eine schlechte Meinung haben, als würde man einen Nazi fragen, was denn die Juden an seiner politischen Einstellung zu bemängeln haben. Von Bruder Walter wird da nie eine Antwort zu hören sein, die verschiedene Aspekte der Diskussion besonnen abwägt und schließlich auch einen Teil der Schuld seiner eigenen Organisation zuschreibt.

Aber im Fall der jahrzehntelangen Serienmissbräuche von katholischen Geistlichen an Minderjährigen hat er eine besonders originelle Erklärung gefunden: „Die so genannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellem Kontakt zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig.“

Wow!… weiter lesen

25.02.2010 von Heiko Werning
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Gunnar Heinsohns Welt: ein Uterus

von Heiko Werning

Gunnar Heinsohn ist Demograph. Das ist wahnsinnig praktisch, weil er damit praktisch alle relevanten Probleme der Welt erklären kann.
Kriege beispielsweise. Jahrhunderte lang grübelten Philosophen und Politiker über die Ursachen, Heinsohn erklärt es uns ganz einfach: Krieg entsteht nämlich durch einen Überschuss an Jungmännern in der Gesamtbevölkerung („youth bulge“), für die es keine gesellschaftliche Verwendung gebe und die deshalb halt in den Krieg zögen. Nun könnte man einwenden, dass es sich mit solchen statistischen Zusammenhängen verhalte wie mit den berühmten Drogensüchtigen, die sich alle einstmals mit Zahnpasta die Zähne putzten, aber das wäre unangebracht, vor allem deswegen, weil Heinsohns Kernthese schon bei oberflächlicher Prüfung einfach falsch ist, denn die Geschichte kennt reichlich Kriege ohne auffälligen „Jungmännerüberschuss“. Weshalb die Theorie auch vor allem Anhänger unter jenen findet, die auf Plausibilität und Logik ohnehin nichts geben, wie etwa der Popphilosoph Sloterdijk.
Nach dem gescheiterten Anschlag eines im Jemen zum Terroristen… weiter lesen

23.02.2010 von Jakob Hein
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Jakob Hein: Wie „Aloe vera mondstill“ entstanden ist

von Jakob Hein

Wie sah der Arbeitsprozess an „Aloe vera mondstill“ denn aus? Morgens erst mal eine Runde joggen – hat sie ja ihrem Onkel Harald erzählt – dann an den Schreibtisch setzen und am Buch arbeiten. Was macht eine Minderjährige eigentlich morgens am Schreibtisch? Hat sie etwa vorzeitig das Streber-Abitur abgelegt und wartet auf einen Studienplatz an einer Elite-Uni? Oder hat sie die Schule abgebrochen und muss bis zur Volljährigkeit warten, bevor sie einen Job als Alkoholausschenkende antreten darf? Warum hat ihr niemand eine Lehre empfohlen oder irgendetwas Normales? Warum sitzt sie überhaupt am Schreibtisch?

Wie sie da jedenfalls so sitzt, da denkt sie sich: „Jetzt mal Schriftstellerin, das würde ziemlich gut kommen. So – was’n jetzt? Ach so, was über das eigene Leben. Klar, das kann ich machen: Mutter gestorben, Abitur abgebrochen. So – lass mal sehen. Zwei Seiten.

Kling, kling. Hallo. Ja! Verlag? Ich wollte mich melden, weilweiter lesen

22.02.2010 von Heiko Werning
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Wolfgang Röhl!

von Heiko Werning

Da versuchen Sie sich wieder und wieder in so etwas wie satirischen Texten, aber so sehr Sie sich auch abstrampeln, über Sottisen wie diese kommen Sie einfach nicht hinaus: „Simplify your life! Ein Lob der Schublade“, schreiben Sie ganz keck, um dann gleich ein paar Passende anzubieten: „Und erst der beliebte „Migrationshintergrund“! Wer davon fabuliert, auch wenn es sich offensichtlich um einen Fall von Migrationsvordergrund handelt, wandert ins Kästchen mit der Aufschrift „Multikultiträumer“. Wenn einer ständig die „von Menschen gemachte“ Erderwärmung beschwört – rein ins Kästlein, wo die Gläubigen der Church of Global Warming liegen. Wer dauernd „Solidarität“ einfordert, von dem darf man annehmen, dass er es auf die Kohle anderer Leute abgesehen hat und auf nichts sonst.“ Usw. usf. Eine besonders zu lobende Schublade ist Ihnen dabei aber leider offenbar entgangen: Wer ohne jeden Anflug von Witz, Stil und Geist zwanghaft, ungelenk und krampfhaft offene Scheunentore der politischen Unkorrektheit… weiter lesen

20.02.2010 von Jakob Hein
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Jakob Hein: Nur kurz was zu „Axorotl Totkill“ – erst habe ich lange überlegt, ob ich überhaupt was zu diesem Quatsch mache, aber letztendlich war es dann für mich einfacher und schneller, den Text zu schreiben, als ihn mit einem Dutzend Texte zu unterdrücken

von Jakob Hein

Einige schimpfen jetzt mit der Frau Hegemann herum, weil sie ihr Buch kopiert hat. Einige, die das Buch besonders intensiv gelobt haben, müssen nun bei diesem Lob bleiben, weil sie in den letzten Jahrzehnten keinen Fehler gemacht haben und nun nicht damit anfangen werden. Ihren Frust lassen sie lieber am nächsten Buch eines anderen jungen Autors oder noch besser am nächsten Buch von der Hegemann aus. Gemein ist das halt, insofern sie ja das Buch nicht einmal selbst geschrieben hat. Der Freund eines engen Freundes ihres 61-jährigen Vaters (gemeint sind der 48-jährige Rene Pollesch und der 53-jährige Harald Schmidt) holt die Siebzehnjährige zu sich ins Fernsehen, wo sie weiter so tun kann, als wäre sie wahnsinnig abgeklärt und nicht eine verunsicherte Jugendliche, die ihre letzten Reste von Babyspeck gern hinter ihren langen Haaren versteckt.
Was ja Helene Hegemann übersieht, ist, dass sie sich selbst verarscht. Wenn sie mit gefälschter… weiter lesen

18.02.2010 von Heiko Werning
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Na los, Broder, Böss & Ihr Klimaskeptiker: Jetzt könnt Ihr uns fertig machen! Für ein freies Radio in Berlin.

von Heiko Werning

Ich persönlich habe mit Radio ja überhaupt nichts am Hut. Ich höre praktisch nie Radio. Ich bin in den letzten Jahren, glaube ich, häufiger im Radio gewesen, als dass ich es gehört hätte. Aber das soll ja kein Maßstab sein.

Radio könnte eine schöne Sache sein, das will ich gerne glauben. Es gibt regelrechte Radio-Enthusiasten. Leider haben die es nicht leicht. Denn der Äther ist voll mit gruseligen Wellen. Wenn ich überhaupt Radio höre, dann im Auto, und das benutze ich selten. Aber wenn ich darin, z. B. in Berlin, auf der Suche nach dem Info-Radio vom RBB oder Radio 1, durch die Frequenzen drehe, gilt es, starke Nerven zu bewahren. Denn allzu leicht gerät man auf die Wellenlänge von RadioBerlin 88,8 oder gar 104,6 RTL oder womöglich Radio Energy, und dann bekommt man Kopfschmerzen. Von der Musik dort auch oft schnell, noch schneller aber, wenn man versehentlich einen der… weiter lesen

14.02.2010 von Heiko Werning
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Buchpremiere: Heimat, Heimweh, Heimsuchung (Mo 15.2. Berlin, Kaffee Burger)

von Heiko Werning

Kaum ein Roman, der nicht davon handelt: “Woher komme ich?” Und: “Wohin gehe ich?” Sei es die Bibel oder die Buddenbroocks – erzählt wird die gleiche Geschichte: die Vertreibung aus dem Paradies. Um das Weh mit der Heimat geht es in dieser Anthologie, nicht um 2000 Jahre Deutschland (Varusschlacht), 60 Jahre Bundesrepublik und auch nicht um 20 Jahre Mauerfall.

Herausgegeben von Karsten Krampitz, dem Bachmannpreisträger der Herzen, und Heiko Werning. Mit Beiträgen von 38 Autoren: Daniela Böhle, Bov Bjerg, Ahne, Jakob Hein, Jürgen Witte, Manfred Maurenbrecher,  Falko Hennig, Uli Hannemann, Sebastian Krämer, Anselm Neft, Frank Sorge, Robert Weber, Volker Surmann, Harry Pross, Helmut Höge, Peter Wawerzinek, Jochen Reinecke, Michael-André Werner, Donata Rigg, Udo Tiffert, Annett Gröschner, Andreas Gläser, Paul Bokowski,  Thilo Bock, Claudia Gülzow, Falko Hennig, Martin Hyun, IKA, Henry-Martin Klemt, Bernd Kramer, Robert Rescue, Manja Präkels, Uwe von Seltmann, Erik Steffen, Carmen Winter, Mario Wirz.

Erschienen ist das… weiter lesen

13.02.2010 von Heiko Werning
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Noch ein Axolotl-Straßenopfer: Bernd Graff, c/o Süddeutsche!

von Heiko Werning

Es ist natürlich nur eine Petitesse – aber  in der Trauersache Axolotl schreiben:

Nun drehen sie alle irgendwie durch: Die trendbesoffenen Kritiker, die sich sowohl als Kollektiv der Hochjazzer und mittlerweile auch als schlechte Verlierer erweisen. Ein Fräulein Hegemann, das von Intertextualität schwadroniert und dieses Wort kaum unfallfrei über die Zungenrampe bringt, geschweige denn: wüsste, was es bedeutet.

Und dann selbst nicht mal das grammatikalische Geschlecht des verhandelten Lurchs unfallfrei über die Tastaturrampe bringen:

Eigentlich wäre jetzt Schweigen angebracht. Doch das Geschwurbel ums tote Axolotl der Plagiatorin Hegemann geht ungebremst weiter.

- also wirklich! Denn es heißt: der, der, der Axolotl. Nicht “das”. Kapiert? Und jetzt wäre Schweigen angebracht, denn Sie, Bernd Graff, sind halt auch nur so ein irgendwie durchgedrehter Trendsuffkopp, gelle?

12.02.2010 von Heiko Werning
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Axolotl Roadmap

von Heiko Werning

Da sich die Anfragen diverser Medien in REPTILIA-Redaktion und Natur und Tier – Verlag häufen, weil eines der Geschöpfe aus unserem speziellen Zuständigkeitsbereich gerade ganz ungewollt in der aktuellen Feuilleton-Diskussion sehr präsent ist, hier mal ein bisschen “Basiswissen Axolotl”, das ich so ähnlich schon mal ganz zu Beginn dieses Blogs im Juni 2006 gepostet hatte:

Schlangen haben ja traditionell in vielen Kulturen einen mindestens ambivalenten, oft auch schlicht einen beschissenen Ruf. Nehmen wir als Beispiel die mexikanische Staatsflagge. Auf ihr ist eine aus Schlangensicht ziemlich martialische Szene dargestellt: Ein Adler sitzt auf einer Opuntie, eine der Charakterkakteen Lateinamerikas, und hat eine Schlange im Schnabel, am Schwanz übrigens eindeutig als giftige Klapperschlange erkennbar. Dass es dieser nicht gut ergeht, ist offensichtlich. Was hat es damit auf sich?


In präkolumbianischer Zeit erlebte das mexikanische Hochland eine Einwanderungswelle von Norden. Die Atzteken, damals noch ein nomadisches Volk, drangen von Nordamerika aus… weiter lesen