Climategate und die Achse des Blöden (11): Henryk Broder und der Witz
von Heiko WerningIn seinem intellektuellen Kreuzzug gegen die Islamkritikkritiker auf Perlentaucher und Welt online schrieb Thierry Chervel:
Henryk Broder ist ein Riese! Ganz allein ist er in der Mehrheit gegenüber all den kleinen Feuilletons. Die tapfere kleinere Minderheit aus Freitag, taz, Zeit, Süddeutsche, FAZ und FAS hat in den letzten Wochen ihren ganzen Mut zusammengenommen, um hinter dem anarchistischen Witz Broders den dunkel schimmernden “Fundamentalismus der Aufklärung” bloßzulegen. Broder, schriebThomas Assheuer in der Zeit, “gibt sich stets Mühe, lustig zu schreiben, aber er meint es bitterernst”. Das ist der Unterschied: Seine Gegner sind nicht mal lustig.
Kann man so sehen. Oder so sehen:
Die Titanic kommentiert Broders neustes Tätigkeitsfeld als Klimaskeptiker in der (überhaupt sehr schönen) aktuellen Februar-Ausgabe (und online hier) so:
Mensch, Henryk M. Broder,
da stellen Sie im Grunde nun schon die personifizierte Bestätigung für die Erderwärmungstheorie dar, bei all der heißen Luft, die Sie notorisch produzieren, aber es reicht Ihnen immer noch nicht. Was ist los? Will denn kein muslimischer Sack Couscous mehr umfallen? Oder warum müssen Sie sich nun auch noch am Klima vergreifen? So faselten Sie, diesmal im Rheinischen Merkur, bar jeder auch nur groben Ahnung der klimatologischen Zusammenhänge von einem »epidemischen Wahnsinn, der sich als Vernunft geriert«, und meinten damit jede auch noch so schüchterne Überlegung, ob man aus der einen oder anderen Erkenntnis der Klimaforschung möglicherweise irgendwann mal Konsequenzen für Wirtschaft und Politik ziehen müßte. Aber was interessieren Ergebnisse jahrzehntelanger Forschung, wo Sie uns doch glasklar vorrechnen: »Das anthropogene, also von Menschen verursachte CO2, macht ein bis drei Prozent des gesamten freigesetzten CO2 auf der Erde aus. Wir könnten also den Flugverkehr komplett einstellen, alle Autos, Rolltreppen und Aufzüge stillegen, auf den Gebrauch von Bügeleisen, Waffeleisen und Schuhputzautomaten verzichten – und hätten noch immer 97 bis 99 Prozent CO2 in der Atmosphäre.« Abgesehen davon, hihi, daß nicht mal wir Ihnen eine Atmosphäre mit 97 % CO2 wünschen würden, obschon die damit garantierte Aussicht auf Ruhe vor Ihnen sehr verlockend ist, wollen wir es mal zur Erklärung mit einer Analogie versuchen: Selbst in Ihrem Körper werden wohl so fünf Liter Blut fließen. Nehmen wir mal an, ein paar Milliliter davon bilden – Sie kennen das ja: Übergewicht, Sesselfurzerei, Cholerikertum – eines Tages ein kleines Gerinnsel, das dann in Ihrem Kreislauf herumschwimmt. Dieses sozusagen anthropogene Blut würde dann nicht einmal 0,1 % ausmachen, aber trotzdem könnte es zu schlimmen Verheerungen in, sagen wir, Ihrem Oberstüberl führen.
Ach? Schon passiert?
Dachte sich bereits:Titanic
Und Broders hauptberufliche Islamkritisiererei auf titanic-magazin.de so:
Islamkritik im Aufwind
Nach den jüngsten bekannt gewordenen Kindesmißbrauchsfällen durch katholische Geistliche wird die Kritik am Islam immer lauter. “Es ist doch kein Wunder”, so Henryk M. Broder auf Spiegel online, “daß katholische Mönche so reagieren angesichts des Drucks durch die immer aggressivere Islamisierung Westeuropas, die die christlichen Werte geradezu aus dem Land, äh, bläst.”
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Mal wieder sehr unterhaltsam. Der Reptilienfonds ist schon mein liebster Blog. Gerade weil ich den Küsten-Taipan so gerne habe.
Jetzt warte ich auf Anna.
Die Leute von Titanic sind mal wieder richtig stark.
Mal davon abgesehen, dass das mit den 3% anthropogenem CO2 ausgemachter Unsinn ist, aber so ist das ja meistens mit den Leugnern.
Momentan sind wir bei 388 ppm, 1970 bei 320 ppm, die letzten 400.000 Jahre lagen kurzzeitige Maxima bei 300 ppm, die letzten 1000 Jahre um die 250 ppm. Das sind dann keine 3%, sondern 33% anthropogenes CO2 am CO2 Gehalt.
Was er wohl meint, ist, dass im Vergleich zu natürlichen Emissionen menschliche Emissionen nur 3,6 % ausmachen. Das Problem dabei ist zweierlei:
1. dass die Erde ohne den Menschen im Gleichgewicht wäre.
2. dass die CO2 Emissionen ansteigen
Wenn ich pro Jahr 3% mehr ausgebe, als ich verdiene, bin ich irgendwann pleite. Wenn ich noch dazu meine Ausgaben steigere, mein Gehalt aber gleich bleibt, bin ich früher pleite. Wenn ich jetzt noch Zinsen zahle, die mit den Schulden steigen (positives Feedback), dann bin ich noch früher pleite.
Es wäre schön, wenn Herr Broder sich erst über die Wissenschaft informieren würde (z.B. hier http://www.skepticalscience.com/human-co2-smaller-than-natural-emissions.htm ), bevor er mit solchen Argumenten von Milchmädchen am Stammtisch um sich wirft. Das ist um so trauriger, da es eigentlich weit unter seinem Niveau ist.
@flin
Es ist leider gar nicht unter seinem Niveau, diese “3 Prozent” drücken die angestrengte Gedankenarbeit aus, die Herr Broder auch sonst leistet.