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vonHeiko Werning 03.03.2010

Reptilienfonds

Heiko Werning und Jakob Hein über das tägliche Fressen und Gefressenwerden in den Wüsten, Sümpfen und Dschungeln dieser Welt.

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Männchen des Chamäleons Furcifer timoni aus Madagaskar Foto: Jörn Köhler
Die venezolanische Tafelbergkröte Oreophrynella seegobini Foto: Philippe Kok

Niemand weiß, wie viele Tierarten es weltweit gibt. Nicht nur die Zahl der vielen Millionen unbeschriebener Insekten liegt völlig im Dunkeln, auch bei den Wirbeltieren werden ständig neue Arten entdeckt und wissenschaftlich beschrieben. Wie das Fachmagazin TERRARIA für seine März-Ausgabe durch eine aufwändige Erhebung der wissenschaftlichen Fachliteratur ermittelt hat, betragen die Zuwachsraten „neuer“ Spezies bei den Amphibien und Reptilien rund 150 Arten pro Jahr. 2009 wurden genau 310 Arten und Unterarten neu beschrieben: 163 Amphibien und 147 Reptilien. Lurche und Kriechtiere sind damit innerhalb der Landwirbeltiere die beiden am schnellsten wachsenden Gruppen. Im internationalen Jahr der Biodiversität 2010 sind nun etwa 6.600 Amphibien- und 9.100 Reptilienarten bekannt.

Westafrikanische Unterart des Prachtskinks: Lepidothyris fernandi harlani Foto: Philipp Wagner

Während die Amphibien in punkto Artenzahlen schon vor vielen Jahren die Säugetiere übertroffen haben, sind die Reptilien nun ganz nah dran an der bislang artenreichsten Landwirbeltiergruppe, den Vögeln mit rund 10.000 Arten. Vielleicht haben sie diese auch schon überholt, denn unter den vielen Reptilien finden sich noch Hunderte von Unterarten, die genetisch so verschieden sind, dass sie nach modernen Artkonzepten wohl eher als eigenständige Arten gewertet werden müssen.

Der Iberische Laubfrosch, Hyla molleri Foto: Axel Kwet

Einerseits zeigen Amphibien und Reptilien von allen Landwirbeltieren also den größten Zuwachs an neuen Arten, doch andererseits sind diese beiden Tiergruppen auch am stärksten gefährdet. Nach Angaben der Weltnaturschutzunion IUCN gelten 30 % der Amphibien- und 20 % der Reptilienarten als vom Aussterben bedroht. Nach dem Ziel der Biodiversitätskonvention (CBD) sollen die Länder Europas den Verlust ihrer Artenvielfalt im Internationalen Jahr der Biodiversität 2010 gestoppt und andere Unterzeichnerstaaten ihren Artenverlust deutlich verlangsamt haben. Ob dieses Ziel erreichbar ist, wenn man die zu schützenden Arten und ihre Zahl noch nicht einmal annährend kennt, bleibt fraglich.

Eine madagassische Blindschlange, Typhlops andasibensis Foto: Frank Glaw
Der Nacktfingergecko Cyrtodactylus cattienensis aus Süd-Vietnam Foto: Peter Geißler
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