In meinem Artikel über den Darwinfrosch und das weltweite Amphibiensterben in der Version des Reptilienfonds’ wies ich darauf hin, dass die chemischen Substanzen in der Haut von Fröschen ein großes pharmakologisches Potenzial haben und nannte als Beispiel den Dreistreifen-Baumsteiger, Epipedobates tricolor, ein Pfeilgiftfrosch aus den Regenwäldern Ecuadors. In seinem Kommentar fragte Klaus Angerer mich nach einer Quelle für die Aussage, dass aus Epibatidin, einer Substanz im Hautsekret dieser Fröschlein, bereits ein Medikament auf den Markt gebracht wurde. Ich hatte den Fall seinerzeit, 1998, in Ecuador verfolgt, als ich zu Studienzwecken für einige Monate dort lebte; dort hatte er für ziemlichen Wirbel gesorgt. Ich hatte darüber einen Artikel für die REPTILIA geschrieben, und aus dem Gedächtnis zitiert. Da hätte ich besser nochmals nachgeschlagen – das Medikament war damals nämlich, anders als in meiner Erinnerung, noch längst nicht zur Marktreife gebracht. Wie der Stand heute ist, weiß ich nicht. Aber der… weiter lesen
Archive for September, 2010
Für die Jungle World schrieb ich einen Text über den Darwinfrosch und das globale Amphibiensterben, der ja schon vom Thema her natürlich auch in den Reptilienfonds eingerührt werden muss. Ich stelle hier die ungekürzte (und unredigierte) Originalfassung ein:
Es macht nicht den Eindruck, als wäre Charles Darwin während seiner berühmten Weltumsegelung auf der „Beagle“ sonderlich begeistert gewesen von seinem mehrmonatigen Aufenthalt im Süden Chiles: „1. Januar 1835. – Es erweckt keine trügerischen Hoffnungen; ein heftiger Nordweststurm mit beständigem Regen kündigt das erstehende Jahr an. Gott sei Dank, dass es uns nicht bestimmt ist, auch sein Ende hier zu erleben, sondern dass wir hoffen können, dann auf dem Stillen Ozean zu sein, wo eine blaue Luft uns sagt, dass es einen Himmel gibt – etwas jenseits der Wolken über unseren Köpfen.“ Zu dem Zeitpunkt waren Darwin und seine Leute auf der Insel Chiloe, in der Zone der kalten Valdivianischen Regenwälder.… weiter lesen
Aber gebt bitte nicht gleich alles auf einmal aus! 5 Euro mehr im Monat, das sind immerhin 1,4 % mehr Einkommen. Das ist fast die Hälfte der jährlichen Inflationsrate, so solltet Ihr das mal sehen! Ihr bekommt am Jahresende also nur halb so viel weniger, wie es ohne diesen kräftigen Griff in die Fleischtöpfe des Staates der Fall gewesen wäre. Und da Ihr so viele seid, 6,7 Millionen immerhin, macht das satte 33,5 Millionen Euro zusätzlich im Monat bzw. rund 400 Millionen im Jahr. Das Geld wird aber auch anderswo gebraucht, denn Not und Elend herrschen ja überall. Bei den Banken beispielsweise, denen es bekanntlich teils so dreckig ging, dass sie auch Staatshilfe brauchten, Investment-Hartz-IV sozusagen. Die haben sich noch gar nicht wieder berappelt, gerade mal 200 Mitarbeiter der durch Staatsgeld getragenen Banken verdienen heute wieder mehr als 500.000 Euro im Jahr, also lediglich 100 Millionen. Versteht Ihr, Hartz-IV-Empfänger? Die… weiter lesen
Mein Kollege Volker Surmann von den Brauseboys hat einen Roman geschrieben. “Die Schwerelosigkeit der Flusspferde“, heißt er, und das ist nicht nur ein schöner Titel, es ist vor allem ein außerordentlich gelungener Roman, einer der besten, den ich in den letzten Jahren las. Eine bitter-melancholische Geschichte über das Elend des Kleinkunst- und Comedy-Betriebs. Ein Blick in den Abgrund hinter der Bühnenkomik. Das einzig Ärgerliche an dem Buch: Es musste im Querverlag erscheinen. Gegen den ist an sich nichts zu sagen, es handelt sich um einen recht großen, etablierten und dem Vernehmen nach guten spezialisierten Verlag für Bücher, die sich an Homosexuelle richten. Nur: Surmanns Roman ist mitnichten ein Buch, dass irgendwie speziell schwul ist, was immer das sein mag. Surmanns Roman ist einfach ein guter Roman, dessen Autor und Protagonist eben schwul sind. Da ihm mit einer Kurzgeschichtensammlung nun offenbar ein ähnliches Schicksal droht, hat Volker Surmann einen schönen… weiter lesen
Steinbach vs. Bartoszewski: Auch Meinungsfreiheit kann einem in einer bestimmten Überdosis wie ein Gift vorkommen
von Jakob HeinAlso: die Steinbach-Erika hat es jetzt auf den Punkt gebracht. Endlich sagt’s mal einer, auch wenn’s nur eine Frau ist. Denn der so hoch gelobte Bartoszewski-Władysław hat nämlich einen ganz schlechten Charakter. Sicher, man darf das nicht mehr so ohne weiteres sagen über einen Mann, der
- als Aktivist des Żegota-Komitees die Rettung von 75.000 Juden bewirkte
- der in Auschwitz inhaftiert war
- der am Warschauer Aufstand teilnahm
- der 1949 von der polnischen Staatssicherheit sechs Jahre ins Gefängnis gesperrt wurde
- der seit 1980 in der Gewerkschaft Solidarnosc mitarbeitete, bis er 1981 deswegen verhaftet wurde
- der danach bis 1990 im Exil leben musste
- und der sich heute als außenpolitischer Berater für die deutsch-polnische Verständigung einsetzt.
Aber wo kommen wir da hin, wenn eine aufrechte deutsche Feldwebel-Tochter nicht mehr jeden Polen nach Lust und Laune in der Öffentlichkeit herabwürdigen kann? Wenn plötzlich jemand eine Art Gutmenschen-Bonus bekommt,… weiter lesen
“Sie leben doch schon lange im Wedding, was sagen Sie eigentlich zu den Thesen von Thilo Sarrazin?”
von Heiko WerningDa spricht aber wirklich zum Blinden jemand, der nicht einmal einen Kopf hat: Franz-Josef Wagner schreibt Thomas de Maizière. Jener Wagner, der angesichts der Causa Kachelmann in der „Bild“ noch leutselig davon schwadronierte, man dürfe den Wetterfrosch natürlich nicht vorverurteilen und es sei ja noch ungewiss, ob er tatsächlich die Vergewaltigung begangen hat, aber eines habe er ganz sicher, nämlich Herzen gebrochen, was aber auch sehr schlimm ist, vielleicht, immerhin noch mit einem Fragezeichen versehen, helfe da ja „Kastration“. Jener „Schwanz ab!“-Wagner also schreibt jetzt wieder in der „Bild“ de Maizière, der einen Integrationsaktionsplan vorgelegt hat und darin unverständlicherweise auf ähnlich wirkungsvolle Vorschläge verzichtete, wobei Kastration doch ganz sicher auch eine Lösung wäre angesichts der Sarrazin’schen Beobachtung, dass diese ganzen Ausländer und Unterschichtler sich wie die Karnickel vermehren, und wo nun plötzlich alle sagen, die Tonlage sei ja vielleicht etwas daneben, aber es sei doch gut und richtig, dass jemand… weiter lesen
Karl Miller aus Yahoo.de ist offenbar ein treuer Leser des “Reptilienfonds”. Besonders gefallen hat ihm mein Brief an Wolfgang Röhl, wie er mit dieser schönen E-Mail an mich zum Ausdruck brachte. Wir wünschen auch weiterhin viel Freude mit unseren Produkten.
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Wir sind zu hören & zu sehen:
Jakob Hein & Heiko Werning:
Jeden Sonntag bei der Reformbühne Heim & Welt, 20.15 Uhr, Kaffee Burger, Torstr. 60, Berlin-Mitte
Heiko Werning:
Jeden Donnerstag bei den Brauseboys, 21 Uhr, La Luz, Oudenarder Str. 16-20, Berlin-Wedding
Außerdem:
23.1.2011, Sonntag: Mit Ahne und Udo Tiffert beim Satirischen Lesebühnen-Brunch in der Mensa der TU Cottbus, Einlass ab 10 Uhr, Lesung ab 12 Uhr
31.1.2011, Montag: Mitwirkender beim 5-jährigen Jubiläum des Satyr-Verlags, u. a. mit Uli Hannemann, Daniela Böhle, Volker Surmann, Frank Sorge u.a.; 20.30 Uhr, Kaffee Burger, Torstr. 60, Berlin-Mitte
2.2.2011, Mittwoch: Vortrag “Zwischen Anolis und Wirtelschwanzleguanen: herpetologische Exkursionen auf Puerto Rico und den British Virgin Islands”; Hotel-Restaurant Alt-Connewitz, Leipzig, 19.30 Uhr
9.2.2011; Mittwoch: Mitwirkender beim “Blauen Mittwoch” in Frankfurt/Oder, Kleist-Forum
12.2.2011, Samstag: Kantinenlesen, Alte Kantine, Kulturbrauerei, Berlin-Prenzlauer Berg, 20 Uhr
15.2.2011, Dienstag: Gast bei LSD – Liebe statt Drogen;… weiter lesen
Für die Print-taz vom heutigen Tage habe ich einen kleinen Kommentar geschrieben, die Langfassung folgt hier. Wer sich über die unterschiedlichen Zahlen wundert: Die Kosten für den Papstbesuch in Großbritannien werden hälftig von der Kirche und vom Staat England getragen, aber das war zu komplex für 1900 Zeichen, und beide Versionen stimmen ja auch für sich:
Dona nobis pacem
„Aber gib nicht alles auf einmal aus!“ Man sieht es fast vor sich, wie ein gönnerhaft lächelnder Jesuitenpater seinem ehemaligen Lustknaben einen Scheck über 5000 Euro in die Hand drückt und ihm dabei aufmunternd die Schulter klopft. Etwa diese Summe also wollen die Jesuiten einmalig und abschließend an ihre Opfer als Entschädigung für akute Misshandlung und lebenslange Traumatisierung auszahlen. Rein ökonomisch betrachtet ein guter Deal für die Geistlichen. Hätten sie sich für jede Missbrauchshandlung Strichjungen auf dem freien Markt organisieren müssen, wäre das erheblich teurer gekommen. Beziehungsweise wären sie erheblich teurer… weiter lesen
Es ist ja gar nicht so, dass FJ Wagner von der Bild-Zeitung, den “Quartalsirren” zu nennen eine deutliche Unterschätzung der Frequenz seines Wirkens hieße, immer nur Stuss erzählt. Heute zum Beispiel schreibt er Innenminister de Maizière: “Gehen Sie mit mir nach Neukölln, Wedding. Sie haben Leibwächter, ich nicht. Wenn Sie da jemanden angucken, dann sagt er: Scheiß Deutscher, was du gucken, einen in die Fresse, besser du tot als ich.” Ich weiß schon, warum ich so gern hier wohne.