Die Berliner Charité wurde 1710 als Pesthaus gegründet, doch die Pest erreichte Berlin gar nicht. Und das war nur der Auftakt für 300 Jahre voller Pleiten, Pech und Pannen, über die der Schriftsteller Falko Hennig in seinem Buch “Der Eisbär in der Anatomie” ebenso fundiert wie amüsant berichtet. So gesehen beweist das Haus Traditionsbewusstsein, als es auch sein 300-jähriges Jubiläum ordentlich versemmelt hat. Durch die Herausgabe einer Chronik, die Plagiate enthält und daher von der Charité wieder vom Markt genommen wurde. Verantwortlich für das Desaster sind nach Meinung der Charité aber keineswegs die Herausgeber des Werkes, sondern eben jener Falko Hennig, den sie als eine Art Ghostwriter engagiert hatten. Unter Umständen, über die seitdem heftig gestritten wird, inzwischen auch vor Gericht. Hennig jedenfalls besteht darauf, dass er keine Plagiate verfasst habe, die Charité wiederum will ihm auch seine Darstellung der Geschehnisse gerichtlich untersagen lassen. Mein taz-Artikel über die Sache verschwand… weiter lesen
Archive for März, 2011
Es wird Zeit, die Aufmerksamkeit auf ein Buch zu lenken. Auf ein sehr schönes Buch. Ach was: auf ein sehr, sehr schönes Buch.
Frank Sorge hat es geschrieben, es erscheint zur Buchmesse im Eichborn-Verlag und es heißt “Brunnenstraße 3″. Es verfolgt das wichtige Genre des episodischen Entwicklungsromans, meinen Beitrag zur Literaturgeschichte, und erzählt die Geschichte von, nun ja: Frank Sorge, der einstmals am längeren Ende der Sonnenallee in Neukölln geboren wurde, prägende lange Jahre in der Brunnenstraße 3 neben dem Beate Uhse lebte und, nachdem die Gentrifizierung sich dorthin metastasiert hatte, in den Wedding floh. Es sind wunderbare Geschichten, sprachlich verspielt, humorvoll, dabei erzählerisch ausgefeilt und vor allem voll aufrichtiger Zuneigung für all die Gestalten, die sich jenseits der Agenturen, PR-Büros und Imageberater durchschlagen.
Dass das alles sehr schön ist, weiß ich, weil ich alle Geschichten in früheren Stadien von unseren gemeinsamen Brauseboys-Auftritten kenne. Und weil ich… weiter lesen
