30.11.2011 von Jakob Hein

Schlange (nicht ganz im Bild) steht still in Schalterhalle - Stuttgart 21
Im Rahmen der großen Infrastrukturprojekte, die die Bahn in Stuttgart anstoßen will, stellen sich nun auch weitere Fragen. Diese betreffen auch die zwei Fahrkartenautomaten, die für Reisende am Bahnhof “Flughafen/Messe” zur Verfügung stehen: Sollte man nicht die Hinweisschilder, dass sich zwei Stockwerke höher sogar noch ein Fahrkartenautomat befindet, größer ausdrucken, damit sie auch von Bahnreisewilligen am Ende der Schlange gelesen werden können? Oder sollte man nicht den Versuch unternehmen, das als “Stuttgarter Schlange” bekannte Dauerphänomen unterirdisch zu verlegen, damit es aerodynamischer, irgendwie schnittiger aussieht?
Oder ist dieser Raum als Ort internationaler Begegnungen, des neuen, freundlicheren Deutschlands gedacht, weil hier Deutsche gern und tatkräftig ausländische Messebesucher, Flugreisende und sonstige Touristen dabei unterstützen, ihre Fahrkarten zu ziehen, damit man nicht noch eine halbe Stunde länger warten muss, wobei in jeder halben Stunde mindestens ein Koffer von den vollkommen… weiter lesen
29.11.2011 von Jakob Hein

Ach so
Suchend ging er durch die Straßen der Stadt, sich fragend, welchen Teil denn irgendjemand nicht zum Abriss freigeben wollen würde, sich wundernd, warum denn einerseits so ein umfänglicher Protest, gleichzeitig so große Gelassenheit über die Niederlage des Protests möglich war, als er schließlich dieses Bild sah und langsam zu verstehen begann…
22.11.2011 von Jakob Hein

Auch eine effektive Technik gegen Terrorismus
Der Reptilienfonds kann exklusiv eine weitere Panne in der Reihe in der Serie von Pannen enthüllen, die bei den Ermittlungen gegen die süddostdeutschen Nazi-Terroristen. Zwar behaupten böse Zungen, die angeblichen Pannen würden an einen Mann und eine Frau erinnern, die seit Jahren zufällig zusammenlebten, in diesem Zusammenhang aus Versehen drei Kinder hätten, ohne drüber nachzudenken ein gemeinsames Konto führen würden und nun überrascht von der Tatsache seien, dass man ihnen ein eheähnliches Zusammenleben vorwirft, aber das ist natürlich etwas ganz anderes.
Hier jedenfalls können wir etwas ganz anderes offenbaren: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann scheint tiefer in die ganze Angelegenheit verstrickt zu sein, als er bisher zugeben möchte. Denn seit Bekanntwerden des Skandals hat er noch nicht einmal die Vorratsdatenspeicherung gefordert. Dabei konnte man sich auf den CSU-Politiker in dieser Hinsicht bisher immer verlassen. Gegen alles war die Vorratsdatenspeicherung gut: einsame Kätzchen… weiter lesen
21.11.2011 von Jakob Hein

Humor aus München: Uga-uga
Die mit schlechten Karikaturen nie geizende “Süddeutsche” hat am Wochenende wieder einen besonderen Coup gelandet, der uns beinahe verleitet hätte, diese Karikatur mit der Jubiläumsnummer XX zu ehren. Wir haben uns dann aber doch an die mathematische Reihenfolge gehalten.
Geschenkt, dass die Karikatur vom 19.11.11 nichts über das “Engagement” der USA im Pazifik sagt, dass es hier vor allem um die Konkurrenz zu China, um den Welthandel der kommenden Jahrzehnte um die Frage von “Weltmächten” geht. In dieser Hinsicht erwarten wir nichts mehr von Karikaturen. Diese Zeichnung schafft mehr Rätsel als sie gewitzte Antworten geben will, gewissermaßen zahllose Rätsel vs. Null gewitzte Antworten.
Aber dass in der Ausgabe einer Zeitung, in der auf Seite 1,3,4 ff. über den Neonazismus in Deutschland, über rechte Gefahren und die Notwendigkeit zivilgesellschaftlichen Aufbegehrens gegen diese Phänomene geschrieben wird, gleichzeitig eine so platt rassistische Karikatur erscheint, ist schon etwas… weiter lesen
20.11.2011 von Jakob Hein

Ridin' high
Politische Karikaturisten leben in einer Art Märchenwald, der bevölkert ist von den verschiedensten Fabelwesen und Mython. Da gibt es Europa mit dem als Stier verkleideten Zeus, Uncle Sam, Jeanne d’Arc und sogar den deutschen Michel. Alle anderen Wesen aus Märchen und Sagen wie Rotkäppchen, Sterntaler und der Zauberlehrling sind auch sehr beliebt.
Das Ganze ist ebenso verständlich wie altbacken, wird doch so ein Symbol für die Gesamtheit (das Volk, die Nation) gefunden, die auf einen bestimmten Umstand reagiert. Lustiger ist es in der Regel, kleinere Details darzustellen, die pars pro toto Zusammenhänge verdeutlichen.
Aber wenn man darstellen will, dass Herr Monti nunmehr die Nachfolge von Herrn Berlusconi übernimmt, wie kommt man darauf, dass dies durch den Aufsprung auf eine wild bockende Wölfin dargestellt werden kann? Unzweifelhaft soll es Mamma Lupa sein, die Wölfin, die der Legende nach Romulus und Remus säugte, die sagenhaften Gründer… weiter lesen
19.11.2011 von Jakob Hein
Einerseits ist es ja schon ziemlich krass, wie man so auf dem school yard der L.A. Elemental sagte, wenn die eigenen Eltern etwas speziell sind: Zwei lesbische Mütter, drei schwule Väter, ein Tänzer und eine Ballettsängerin. Dennoch fiel Justin B. in dieser crowd ein wenig auf. “Mutter nutzlos, Vater Nutztier”, wie sein Handarbeits-Lehrer Mrs. Woodshop immer zu scherzen pflegte.
Dennoch war Justins Vater immer gut zu ihm gewesen, hatte ihm die Neurodermitis mit Wollfett eingerieben, immer gesorgt, dass der Kleine warm angezogen war und außerdem hatte er ihm das Singen und das Tanzen beigebracht. Noch heute konnte der Vater erkennen, dass der Junge die grundlegenden moves und sounds aus seiner Kindheit behalten hatte, das was Vater ihm an der Wiege so oft vorgesungen hatte. Dass Justin ihn nun abstritt und dazu noch in einer verhunzt weiblichen, komplett agrammatischen Form, das machte Vater Shaun schon echt traurig und wütend. Vielleicht würde… weiter lesen
17.11.2011 von Jakob Hein

Das neue Berlin: Flippig, mondän, weltoffen, modern
Liebe Kinder, früher, vor langer, langer Zeit da waren Elektrogeräte noch reparabel. Wenn also ein Fernseher kaputt war, ein Radioapparat oder ein Küchenmixer, dann schmiss man den nicht in irgendwelche Tonnen und lief zum Elektromarkt, um sich dort den Nachfolger des Küchenmixers zu kaufen, der auch bald wieder in die Tonne finden würde. Nein, in dieser grauen Vorzeit wurden die Geräte nicht selten sogar mit Schaltplänen geliefert, aus denen schlaue Männer lesen konnten, wie die Kondensatoren, Dioden und Potenziometer miteinander verlötet waren.
War also der Apparat kaputt, packte man ihn in einen Sack oder eine Tüte und machte sich auf zum Reparaturladen. Dieser hieß immer “Elektro-Name”, wobei der Name Müller, Meier oder Schulz sein konnte. In “Elektro-Name” saß dann Herr Name, ein Mann zwischen Ende vierzig und Anfang sechzig, der einen blauen Nylonkittel und eine Halbbrille trug. Über diese Halbbrille hinweg… weiter lesen
15.11.2011 von Jakob Hein

Verfassungsschützer bei der Arbeit: Ein richtig großer Fisch im Netz
Wenn die NPD nicht verboten wird, wegen der V-Leute, die in ihr organisiert sind, dann kann das doch eigentlich nur aus ästhetischen Gründen geschehen. Denn durch das Bekenntnis des “Nationalsozialistischen Untergrundes” (also nicht durch Ermittlungserkenntnisse) ist doch Verschiedenes klar geworden: Einerseits scheint das vorrangige Ziel zumindest aber Ergebnis der Arbeit des Verfassungsschutzes nicht das Verhindern schwerer Straftaten zu sein. Denn weder die 14 Banküberfälle der kleinen Terrorzelle noch deren mindestens 10 Morde oder diverse Sprengstoffanschläge wurden durch die Arbeit des Verfassungsschutzes verhindert. Auf die Verhinderung welches Verbrechens sollte also der Verfassungsschutz hingearbeitet haben? Den Bau illegaler Autobahnen? Insgesamt scheint “Beobachtung” durch den Verfassungsschutz eher in einem ornithologischen Sinn zu verstehen sein – zumindest wenn man dem rechtsextremen Spektrum angehört.
Andererseits kann die NPD (“Gas geben”) nicht verboten werden, weil in ihr so viele staatssubventionierte V-Leute sitzen, damit…was? Schlimmeres… weiter lesen
13.11.2011 von Jakob Hein

Herz und Rückgrat beim Pförtner lassen und dann ab ins Studio: Das neue Radio Eins
Die See des RBB-Rundfunks ist im Moment äußerst stürmisch. Während sich Ken Jebsen für bestenfalls unbedachte Äußerungen in seiner Sendung in “Fritz” rechtfertigen muss, wird der Sender für die etwas älteren Hörer (ehem.: “Nur für Erwachsene”) ordentlich umgekrempelt. Da es im März sehr schlechte Hörerzahlen hagelte und im Juni dann wieder bessere, wollte man sich Sicherheit verschaffen und sorgt jetzt für ein durchgehend schlechtes Programm.
Dabei gibt es einerseits kleine, feine Änderungen, dass man zum Beispiel die morgendlichen Werbeblöcke so weit nach vorn zieht, dass man jeweils nach X Uhr 15 und nach X Uhr 45 den Sender abschalten kann und sich bald fragt, ob denn die Sendungsreste dazwischen wertvoll genug zum zurückschalten sind, denn nach den dämlichen Werbeblöcken kommt eh nur noch Musik und die Nachrichten sind nicht selbsttragend.
Als große Änderung… weiter lesen
10.11.2011 von Jakob Hein

An Anmut nicht gespart, noch Mühe: Die Bolschewistische Kurkapelle und Rummelsnuff
Ernstzunehmende Künstler beginnen in der Regel bei sich selbst und nehmen sich ernst. So hatte die „Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot“ ihr gestriges Jubiläumskonzert monatelang vorbereitet und war in den letzten Wochen in einen wahren Probenrausch verfallen, was angesichts der Vielzahl der Musiker und der verschiedenen Arten, mit denen sie ihr Geld verdienen, da dies ungerechterweise mit einer so großen, freien und demokratisch verfassten Kapelle nicht möglich ist, schon organisatorisch erstaunlich ist.
Gestern durfte dann in der ausverkauften Volksbühne das Ergebnis der Proben bestaunt und genossen werden, es hatte sich gelohnt. Es war ein Hochgenuss zu erleben, wie ein Blasorchester nicht nur schmettern und trillern, sondern auch flüstern und leuchten kann. Im ersten Teil gab es vor allem Arbeiterlieder aus den 20er-Jahren, die vor allem Ernst Busch berühmt gemacht hat. Noch vor dreißig Jahren klangen diese ja eher skurril,… weiter lesen