31.01.2012 von Jakob Hein
Die Genregrenzen lösen sich zunehmend auf, hätte man früher gesagt, als die Menschen noch etwas mit dem Begriff des Genres anfangen konnte. Heute, da kann man sich sofort Schauspieler nennen, wenn man nur ausreichend hysterisch ist, sofort Musiker, wenn man ein Instrument gerade halten kann, sofort Maler, wenn jemand Geld dafür bezahlt und sogar wenn man die Musik anderer Leute zu Gehör bringt, gilt man heute als Musikschaffender.
Klar, dass in so einer Welt auch Köche längst nicht mehr die Erfüllungsgehilfen irgendwelcher Traditionen sind, sondern kreative, wilde, freie Menschen, die aus dem, was der Planet so hergibt, Essen zaubern. Und wie schön ist es da, wenn DJ Cooker am Abend nicht die “Symphonie aus Sauerkraut” oder die “Arien über Apfelrotkohl” herunterleiert, sondern einfach mal ein paar frische “Hits mit Hack” auflegt. Wer freut sich nicht, wenn er ein paar “Asia Hack Muffins und mehr” appetitlich angerichtet auf seinem Tellerchen findet?… weiter lesen
22.01.2012 von Jakob Hein

Die Grenze zwischen Qualität und Quantität ist mitunter hauchdünn.
Es gäbe soviel, was man im Fernsehen zeigen könnte: Alle Folgen von “Monthy Python’s Flying Circus” oder die sehr lustige Serie “Extras” über Nebendarsteller, in der sich die Creme de la Creme englischer Filmstars als komplette Ekelpakete darstellt (legendär: David Bowie) oder ein paar alte Folgen von “Pinky und der Brain” über zwei Mäuse auf dem Weg zur Weltherrschaft. Es wäre auch in Ordnung, einfach mal zwei Stunden lang nur ein schwarzes Bild zu senden, aus Solidarität mit Wikipedia und als Fanal gegen die allerorten verbreitete Geschwätzigkeit.
Aber der gebührenfinanzierte Sender “arte” hat all dies gestern nicht gemacht. Statt dessen zeigten sie lieber fast zwei Stunden lang Werbung im Abendprogramm. Auf der Berliner Textil-Messe “Fashion Week” gibt es eine Veranstaltung namens “Style Nite”. Dort zeigen Models Mode während Bands Musik spielen. Natürlich war die Choreographie perfekt, klar dass die… weiter lesen
21.01.2012 von Jakob Hein

Guck mal, da oben! (Abgebildete Person ist übrigens absichtlich unkenntlich, war aber auch keine Bundespolitikerin, mit der sie minimale Ähnlichkeit zu haben schien)
Ist es eigentlich eine Art Behinderung, wenn man nicht versteht, was ein durchgestrichenes Mobiltelefon und daneben das Piktogramm einer Person, die mahnend ihre Lippen mit dem Zeigefinger verschließt, bedeuten soll? Oder ist es einfach eine Art Extremsportart, wo man sich Schilder aussucht und dann ganz konkret gegen sie handelt? In den meisten Fällen ist es ja tatsächlich so, dass Schilder lügen. Zum Beispiel “Keine Beförderung ohne gültigen Fahrschein möglich” – totaler Quatsch, wie die meisten wissen, die das schon mal ausprobiert haben. Genauso wie das Schild “Hier kein Durchgang”. Das ist in komplexen Gebäuden ein sicherer Hinweis dafür, dass genau an dieser Stelle ein einwandfrei funktionierender Durchgang ist, die Leute dahinter bloß nicht wollen, dass da Hinz und Kunz durchlatschen.
Aber wenn man schon gern… weiter lesen
20.01.2012 von Jakob Hein
Es ist schön, im Bioladen Quellen der Inspiration zu finden. So ist hier zum Beispiel die Inspiration für den sehr funkigen, mit knalligen Bläsersätzen gespielten Smash-Hit “Diagnose Funk”:
“Ich ging einmal zum Doktor
Und sagte: Ich habe ein Problem:
Meine Füße wollen immer tanzen,
und können nicht still stehen.
Der Doc, er sah mich an
Und sagte: Mann, Du bist wirklich krank!
Und das, woran Du leidest
Ist die Diagnose Funk!
(Chor: Diagnose Funk, Diagnose Funk – ein Leben lang!)”
Klar: Schwarze Anzüge auf der Bühne, Sonnenbrille, Frauen im Abendkleid.
16.01.2012 von Heiko Werning
Als im Februar letzten Jahres der tunesische Präsident Ben Ali von seinem wütenden Volk aus dem Land gejagt wurde, löste das Schockwellen aus, die die ganze Region erschütterten. Ein Regime nach dem anderen geriet ins Wanken: erst Mubarak und Gaddafi, und heute, ein Jahr nach dem Beginn der Aufstände: Assad und Wulff.
Wie gelähmt schien das deutsche Volk lange Zeit unter der Schreckensherrschaft des Niedersachsen, der seine Untertanen systematisch mit seiner schwiegersohnesken Ausstrahlung, seinem an ungezählten Pixi-Büchern geschärften Intellekt und seiner Rauflust, die selbst einen unter Beruhigungsmitteln stehenden Pandabären erschaudern lässt, rundum paralysierte und in tiefe Agonie trieb. Doch hinter der Fassade des leicht irren, aber im Grunde harmlosen Exzentrikers, des schillernden Paradiesvogels Christian Wulff, plünderte der Bundespräsident sein Land in nie gekannter Rücksichtslosigkeit aus und führt ein luxuriöses Lotterleben, das jeglichen Moralvorstellungen höhnt. Er hatte in den letzten Jahrzehnten nachweislich Sex mit zwei verschiedenen… weiter lesen
14.01.2012 von Jakob Hein

Feine Doppelmoral: Bei Medikamenten für kranke Vögel meckern, aber wenn man ihnen Drogen gibt, nichts sagen.
„Keime aus dem Hühnerstall“ und „Nicht scharf auf Antibiotika“ mit solchen und ähnlichen Schlagzeilen wird in unverantwortlicher Weise durch die Journaille wieder die nächste Sau – pardon, das nächste Masthenderl durchs Dorf gejagt. Nachdem man keine Feder mehr findet, die man noch beim Bundespräsdialhahn, bzw. –Wulff rupfen kann, geht es nun zum nächsten Pseudoskandal. Wie üblich wird das Problem dabei aus einer völlig eingeengten, reißerischen Perspektive betrachtet, die journalistische Ausgewogenheit entspricht der Besonnenheit eines Lynchmobs im Alabama.
Unbestritten ist es, dass jährlich etwa 900 Tonnen Antibiotika in der Tiermast eingesetzt werden, davon aber entfällt nur ein Teil auf die knusprigen Henderl, schließlich muss auch noch für die Ochsen und Sauen etwas übrig bleiben. Klar, dass hier die üblichen Vegetarier wieder einen Grund sehen, auf die fleischverarbeitende Industrie einzuteufeln, aber das sind… weiter lesen
13.01.2012 von Jakob Hein
Zwei Frauen im Dirndl stehen auf einer Art Steg, der sich von den Stegen bei uns daheim darin unterscheidet, dass er nicht mit einem Ufer verbunden ist.
Die Frauen schauen sich in die Augen, entspannt schreiten sie geradeaus, der klaren Tiefe des Sees entgegen, den sicheren Tod vor sich, durch ihre traditionelle Kleidung ahnen wir, dass sie noch der Tradition folgen, dass die Madln nicht am Schwimmunterricht teilnehmen durften, es sei denn in besonderen Fällen, mit einer Sondererlaubnis vom Herrn Pfarrer.
Der Flözner-Ehi hat die Damen offensichtlich hierher gepaddelt, er muss ihnen nun beim Sterben zusehen und soll die ersoffenen Weibsbilder zum Schluss zurück zum Weiher bringen, wo ihre Körper verbrannt und ihre Herzen vom Dorf-Gspinschti im rohen Zustand verspeist werden, während die entmenschten Kinder um den Fuder springen, fröhlich “Satanas, Satanas” kreischend.
Nur mit den Kleidern soll der Ehi heuer guat aufpasche, denn die kann man allweil noch gut… weiter lesen
12.01.2012 von Jakob Hein
Gewissermaßen von Amts wegen ist der “Reptilienfonds” dazu verpflichtet, die wohl erste offizielle Audienz eines Reptils beim Heiligen Stuhl zu vermelden. Papst Benedikt traf sich vorgestern mit einem recht frisch geschlüpften Exemplar crocodylus rhombifer. Der Heilige Vater soll von der Begegnung sehr angetan gewesen sein. Dass das Reptil diese Gefühle entgegnete ist hingegen angesichts der wenig artgerechten Bedingungen im Vatikan für diese bedrohte Tierart äußerst unwahrscheinlich, aber das war ja noch nie eine Hauptsorge der katholischen Kirche bei Begegnungen mit Minderjährigen.
Sicher wird es zum Entzücken beigetragen haben, dass dem 60 cm langen Krokodil während der gesamten Audienz das Maul zugehalten wurde. Ein Modell mit Zukunft?
12.01.2012 von Jakob Hein
Also früher gab es ja nur normale Schuhe und im Winter zog man sich Stiefl an. Die waren für Männer und Frauen gleichermaßen unbequem, von der ARmee entlehnte Funktionsbekleidung, niemand konnte das Ende des Schnees abwarten, denn die unbequemen Dinger zog man nicht freiwillig an und aus zog man sie nicht gern selbst, es gab sogar “Stiefelknechte” zu kaufen: Holzbohlen mit einer Aussparung, in die man seine Stiefelhacken pressen konnte, um die verdammten Dinger vom Fuß zu bekommen. Dann ging es weiter zu den Mokassins, bis man endlich Sandalen anziehen konnte, natürlicher Fußkomfort, im Frühling gern auch noch mit Socke, im Sommer ohne.
Heute kennt sich ja kein Mensch mehr aus mit den Outdoor- und Backpacker- und Walking- und so weitering- Schuhen. Aber reduzierte Stiefel, dazu hat man damals Halbschuhe gesagt.
10.01.2012 von Jakob Hein
Nachdem der Fall Wulff zunächst zu einem Skandal heranreifte, passiert nun das, was mit reifem Obst so passiert: Nach und nach fängt es an zu faulen und im Lauf der Zeit wird man nicht mehr wissen, ob der Gestank nachgelassen oder man sich nur an ihn gewöhnt hat. Vermutlich wird der Fall dafür sorgen, dass perspektivisch das Amt des Bundespräsidenten überhaupt abgeschafft werden kann. Diese Perspektive wird sogar dadurch, dass Wulff in seinem Schloß in zentraler Lage noch ein paar Jahre wohnen bleibt, sogar noch wahrscheinlicher. Und man kann es ihm kaum verdenken – ein paar Minuten zum Musical am Potsdamer Platz, eigener Anlegeplatz für die Weiße Flotte, eine Schultheiß-Kneipe um die Ecke, ganz schnell zur Baumblüte nach Werder – wer würde sowas schon freiwillig aufgeben bei dem Gehalt? Und der Vorschlag, einen gigantischen politischen Stuhltanz zu veranstalten (formerly known as “Reise nach Jerusalem”), in dem Guttenberg Bundespräsident wird, Wulff… weiter lesen