Arte jetzt als Messe-Diener?

von Jakob Hein

Die Grenze zwischen Qualität und Quantität ist mitunter hauchdünn.

Es gäbe soviel, was man im Fernsehen zeigen könnte: Alle Folgen von “Monthy Python’s Flying Circus” oder die sehr lustige Serie “Extras” über Nebendarsteller, in der sich die Creme de la Creme englischer Filmstars als komplette Ekelpakete darstellt (legendär: David Bowie) oder ein paar alte Folgen von “Pinky und der Brain” über zwei Mäuse auf dem Weg zur Weltherrschaft. Es wäre auch in Ordnung, einfach mal zwei Stunden lang nur ein schwarzes Bild zu senden, aus Solidarität mit Wikipedia und als Fanal gegen die allerorten verbreitete Geschwätzigkeit.

Aber der gebührenfinanzierte Sender “arte”  hat all dies gestern nicht gemacht. Statt dessen zeigten sie lieber fast zwei Stunden lang Werbung im Abendprogramm. Auf der Berliner Textil-Messe “Fashion Week” gibt es eine Veranstaltung namens “Style Nite”. Dort zeigen Models Mode während Bands Musik spielen. Natürlich war die Choreographie perfekt, klar dass die Mode modern war, aber warum das alles im Fernsehen gezeigt werden musste,  mit langen Einblendungen der präsentierten Modelabels, blieb unklar. Deren Marketing-Menschen müssen sich vor Freude in die Designerhosen gemacht haben, denn während man sonst für zwanzig Sekunden Fernsehwerbung viel Geld bezahlen muss, gab es hier zwanzig Minuten Werbung für umme. Während anderswo Moderatoren abgesägt werden, weil sie Werbung für Weight Watchers machen und die Markennamen von Taschentuchpackungen abgeklebt werden, damit es ja keine Probleme gibt, strömte nun im “Qualitätsfernsehen” arte die Werbung in Breitband über den Schirm. Von Automessen, der Grünen Woche oder Messen für Heimelektronik werden die Gala-Veranstaltungen auch nicht stundenlang abgefilmt und einen Tag später gesendet, warum eigentlich nicht?

“Moderiert” wurde das Ganze von irgendeinem Joghurt oder so, der zwischen den Models in der Garderobe umher schlich, vermutlich ein Spitzname. Wenn die Sendung irgendwann noch irgendeine reflektorische, hinterfragende, aufklärerische Ebene bekam, dann erst viel, viel später, weil wir abschalten mussten, als die Models in hautengen Bodysuits anfingen Can-Can zu tanzen.


2 Kommentare zu "Arte jetzt als Messe-Diener?"

  1. Ihr Deutsch ist heute noch schlechter als sonst schon. Muss schlimm gewesen sein, die Sendung.

  2. Herzlichen Dank für Ihren Zuspruch!

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