30.03.2012 von Jakob Hein
Nicht oft genug kann vor Mode gewarnt werden, die bei jungen Supermodels im Fotoshooting nach einer umfangreichen Korrektur durch Bildbearbeitungsprogramme gerade noch so nicht vollkommen albern aussieht. Solche Kleidung sieht bei normalen Menschen in aller Regel vollkommen blöde aus.
Ein schönes Beispiel ist die gezeigte rosa Hose. Selbst das irgendwie transzendent in den Wüstensand schauende Fotomodell sieht so aus, als hätte es seiner fünfzehn Jahre jüngeren Schwester die Sommerhose und den Buddeleimer geklaut und den Buddeleimer aber für das Foto in den Weiten seines Pullovers versteckt, der seinerseits die knochigen Folgen der Magersucht zu verbergen sucht. Der Betrachter ist ingesamt verwirrt von der schlechten Harmonie der Körperteile. Der dünne Oberkörper wird großzügig umweht vom Pullover der Größe S, wirkt also fragil und klein. Die Beine hingegen sind groß und gut entwickelt, hier wurde offensichtlich die Frage der Verkäuferin im Fotoshop (“Darf’s ein bisschen mehr sein?”) mit einem kräftigen “Ja!” beantwortet.… weiter lesen
26.03.2012 von Jakob Hein

Gefragtes Gut in FDP-Zentralen: Fluchtstuhl
Wolfgang Kubicki von der FDP (Partei, einige von den älteren werden sich erinnern) hat sich mit einem bemerkenswerten Satz zu dem Umstand gemeldet, dass seiner Partei mehr als doppelt so viele saarländische Wählerinnen ihr Vertrauen schenkten wie der Partei “Die Partei”. Er sagte der Leipziger Volkszeitung “Die Union sollte nicht die Gunst der Stunde nutzen und sich aus einer laufenden Koalition durch Verrat verabschieden.”
Daraus ergeben sich einige Fragen:
1. Was bedeutet in diesem Zusammenhang für einen FDP-Politiker der Ausdruck “Gunst der Stunde”?
2. Was ist eine “laufende Koalition”? Meint WK nicht eher “weglaufende Wähler”?
3. Wofür sonst sollte die Union die Gunst der Stunde nutzen?
4. Wie sollte sich die Union aus der Koalition verabschieden, wenn nicht durch Verrat? Sind Brudermord, Vertragsbruch oder Vorteilsnahme irgendwie elegantere, liberalere Wege?
5. Wurde der “organisierte Liberalismus” (FDP-Youngstar Patrick Döring) im Saarland am Ende von… weiter lesen
24.03.2012 von Jakob Hein

Früher war alles leichter: Zelle zu, Fall gelöst
Es gibt Abende, wo man vom Bedürfnis gesteuert ist, mal wieder einen guten, alten Krimi zu sehen. Mit dem Wiener Tatort „Falsch verpackt“ ist man dann ganz schlecht beraten. Früher lief der meist männliche Kommissar mit messerscharfem Verstand durch die Fälle, entlarvte die wahren Verbrecher und stellte für uns als Zuschauer die Ordnung wieder her. Nicht selten bekam er zum Schluss sogar noch die blonde Frau zum Heiraten.
An einer blonden Frau ist Kommissar Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) zunächst vollkommen desinteressiert, obwohl ihm seine rothaarige und sehr viel jüngere Kollegin Wiesner ungeheuer mit ihrer Schönheit zusetzt. Aber ihm geht es darum, ein paar Kilo abzunehmen, ein bisschen sportlicher zu werden, sich jünger zu fühlen. Er versucht ungesunde Speisen zu vermeiden, was bekanntermaßen gerade in Wien ein astronomisch schwieriges Unterfangen ist. Ein Freund behauptete kürzlich, es sei in Wien gesetzlich untersagt,… weiter lesen
24.03.2012 von Jakob Hein


So unterschiedlich kann man das sehen: Klosymbolik in Leipzig
Gestern war der “Equal Pay Day” so eine Art neuökonomischer Frauentag, irgendwo zwischen dem internationalen Frauentag und dem Muttertag angesiedelt. Der Equal Pay Day wird in Deutschland immer an dem Tag angesiedelt, bis zu dem Frauen theoretisch umsonst gearbeitet haben, wegen des 23% geringeren Einkommens also derzeit am 23. März. Sicher ist es zu kurz gedacht, dass die ungerechte Behandlung von Frauen beendet wäre, wenn Frauen für gleiche Arbeit gleich bezahlt werden würden. Andererseits ist es ein wichtiger Teilaspekt der Ungerechtigkeit und jedenfalls veränderungswürdig.
Einen ganz besonderen Beitrag zu diesem Tag lieferte gestern allerdings Sat 1, indem “Selbst ist die Braut” gezeigt wurde. Dies ist wirklich ein Machwerk von einem Sexismus, der in dieser Purheit schon pornoeske Qualitäten aufweist. Sandra Bullock spielt darin für 5 Minuten eine knallharte Cheflektorin. Es stellt sich heraus, dass sie Kanadierin ist und… weiter lesen
23.03.2012 von Jakob Hein

Alle zwei Jahre die selbe Schlagzeile
1. Ein eigenes Stadion für Heimspiele finden und nicht eins, wo nur in der Ostkurve Fahnen und Köpfe hängen, während der Rest des Stadions fröhlich gröhlt: “2. Liga, Hertha ist dabei.”
2. Die Rolle des Liberos neu und aufregend interpretieren, indem dieser auch als Manndecker einspringt.
3. Den Vorstopper auch Grätschen trainieren lassen.
4. Junge Talente verpflichten: Christian Ziege, Carsten Jancker, Hans-Peter Briegel, Rainer Troppa und diesen aufregenden jungen Libero, der in Bulgarien spielt. Ist Rekord-Torhüter Heinz Rohloff eigentlich noch zu haben?
5. Die Trainerfrage früh lösen, und einen Trainer verpflichten, dessen Anzahl von Ideen noch größer ist als seine Pflegestufe (Stichworte: Ribbeck, Hans-Hubert Vogts, Daum).
6. Dem gesamten Team die Sicherheit vermitteln, dass alle bleiben können, denn um bei Hertha herauszufliegen, muss man Talent haben und was für die Mannschaft geleistet haben.
7. Ruhig zur eigenen Ambition stehen, in zwei, drei… weiter lesen
11.03.2012 von Jakob Hein

SZ Magazin vom 10.3.12
Lena M.-L., Abiturientin (Niedersachsen, Leistungskurs Bioloogie) sagt: “Ich ernähre mich biologisch. Das ist für mich schon genug Luxus.” Tja, wem sagste das? Wir alle, die wir uns chemisch, physikalisch, photovoltaisch oder gar existenzialistisch ernähren, können da nur erstaunt dreinschauen, was man sich als Schlagerstar so leisten kann. Wir würden ja schon zufrieden sein, wenn wir biologisch atmen dürften.
10.03.2012 von Jakob Hein

Noch 'ne Spezialität aus Schleswig: Paragraphenbrezel
Wanderer, wenn Du nach Schleswig kommst und Deinen Kopf zur Nacht im Hotel “Waldschlösschen” am Kolonieweg betten willst, dann wisse folgendes: Einen Kolonieweg mag es auch in Deiner Stadt geben, es mag sogar mehrere Koloniewege in Deiner Stadt geben und die meisten dieser Koloniewege werden nicht mehr als 300 Meter lang sein, kaum dass die meisten von ihnen überhaupt befestigte Wege sind. Der Kolonieweg in Schleswig aber hat es in sich: Er beginnt nur einen Steinwurf vom Bahnhof entfernt (nicht dass jemand so etwas in Schleswig tun würde, Steinewerfen), aber erinnert dann an Heinrich Heines berühmten Spruch über eine Straße in Berlin: “Das ist die große Friedrichstraße. Wenn man diese betrachtet, kann man sich die Idee der Unendlichkeit veranschaulichen.”
Der Kolonieweg im Städtchen Schleswig ist drei Kilometer lang und an seinem Ende, wenn endlich durch das Dunkel der Nacht das Hotel zu… weiter lesen
09.03.2012 von Jakob Hein
Gutes Wetter bringt ja viele Leute auf die Straße. Aber aufgepasst! Es gibt freundliche Gentleman-Bäume mit besten Manieren, auch “High trees” genannt. Aber die “Low trees” mit ihren rüpelhaften Verhaltensweisen und den vielen Schimpfwörtern, vor denen kann man sich nicht genug in Acht nehmen. Stichwort “ausschlagen”.
08.03.2012 von Jakob Hein

Mindestens kein Fortschritt für die Sache der Frauen
Zunächst soll hier allen Frauen zu ihrem internationalen Ehrentag gratuliert werden. Und sicher ist der wichtigste Grund für diesen Tag die leider immer noch bestehende deutliche Benachteiligung der Frauen gegenüber den Männern in Verbindung mit der stupenden Verblendetheit der letzteren für diesen Umstand und/oder seine Zusammenhänge. Insofern ist es schon klar, dass frau auch im kommenden Jahr immer mal etwas machen muss, das vielleicht nicht allen engagierten Frauen gefallen kann.
Aber: Wenn man sich schon für irgendein Werbefoto knipsen lässt, muss es dann ausgerechnet in so einer billig aussehenden abgeschnittenen Bluejeans sein? Muss man dazu auch noch einen billigen Pullover (grün mit grünem Reißverschluss) tragen, den man vor zwanzig Jahren bei cheap & awful geholt hat und der “immer noch gut ist”? Muss man dazu auch noch eine billige Spielzeugbrille kaufen, die so aussieht, als hätte man sie noch aus… weiter lesen
05.03.2012 von Jakob Hein
Die bayerische Gewerkschaft der Polizeit hat einen gar lustigen Karikaturenkalender erstellen, drucken und an die Dienststellen verteilen lassen, der den Polizeialltag karikieren, den Polizei-Jargon treffen und witzig sein soll. Gegen Vorwürfe des Rassismus wehrt sich die Gewerkschaft natürlich entschieden, doch einige Polizeipräsidien haben dennoch einen “latenten” Rassismus in dem Kalender erkannt und dessen Anbringung in Dienststellen untersagt. Insofern latent vom lateinischen Wort für “verborgen” abstammt, ist diese Einschätzung falsch. Kaum sind offener rassistische Karikaturen denkbar. Tatsächlich erinnert einiges an der Machart der Karikaturen an eine andere aus Bayern stammende Publikation, die 1923 in Nürnberg gegründet wurde und nach 1945 nicht mehr erschien.

(c)dpa
Am häufigsten besprochen wurde dieses Bild. Währen der gemalte Witz noch relativ harmlos ist, kann man vor allem in der zeichnerischen Darstellung des Verhafteten kaum etwas Nicht-Rassistisches erkennen. Gut, er trägt kein Bananenröckchen, aber sonst ist hier wirklich alles Schlimme zusammen gekommen. Doch es geht… weiter lesen