Nachrichten vom Niedergang der politischen Karikatur XXIII

Die Photovoltaik im Allgemeinen und die Solarindustrie im Besonderen sind kein einfaches Thema. Einerseits klingt es zunächst naheliegend und sympathisch, aus den Strahlen der lachenden Frau Sonne Strom zu erzeugen, die letzten Endes ohnehin den Großteil der Energien erzeugt hat, die wir Menschen so verbrauchen, mal abgesehen von der Atomenergie, die von ihren Betreibern lieber Kernenergie genannt wird, weil im Kern doch immer das Gesunde sein soll, während Atomenergie so schrecklich an -krieg und -bombe erinnert. Andererseits folgt auch die Erzeugung von Solarenergie in einer kapitalistischen Gesellschaft kapitalistischen Prinzipien. Der eine macht damit Geld, das aus der Tasche eines anderen kommen muss. Da es sich niemand wagt, die milliardenschweren Energiekonzerne zur Finanzierung der Energiewende heranzuziehen, werden private Investoren gelockt, die Geld auf der nicht ganz so hohen Kante haben und parallel wird die Allgemeinheit in Form von steuerfinanzierten Subventionen herangezogen. Das heißt, um die Superreichen (Energiekonzerne) nicht zu ärgern, wird die Allgemeinheit (Arbeiter, Angestellte, Rentner) herangezogen, um die Investitionen von Mittelständlern (Ärzte, Anwälte) lukrativ zu machen.

Wenn man aber eine Energiewende will und damit nicht erst bis nach der Weltrevolution warten möchte, dann läuft es wohl so. Natürlich führen Subventionen nicht gerade zu einem Preisdruck auf die Solarzellenhersteller, denn wenn sich die Käufer ohnehin einen schönen Gewinn erwarten können, können sie sich auch relativ teure Solarzellen leisten. Werden die Subventionen aber gekappt, steigt die Nachfrage nach billigen Zellen und die liefert natürlich der asiatische Markt, der einerseits keine Entwicklungskosten hat und andererseits asiatische Billiglöhne zahlen kann. Schlecht für Unternehmen wie Q-Cells, Hoffnung einer ganzen, ehemals stolzen Industrieregion.

Man kann Subventionen sehr kritisch gegenüberstehen und sie haben häufig komische Folgen. Andererseits werden die anderen Energieerzeuger bis heute massiv staatlich subventioniert – die Verbrenner müssen die Folgekosten nicht zahlen, für die Atomstromwerker werden Endlager, Zwischenlager und Mülltransporte staatlich bezahlt. Bei der Photovoltaik ist kein Endlagerungsproblem zu befürchten und die Erzeugung geht nach Ende der Subventionen sauber weiter.

Wie dem auch sei, der heutigen Karikatur in der SZ vom verlässlich verheerenden “Pepsch” gelingt es, keinen dieser Punkte zu illustrieren. Gezeigt werden Merkel und Rösler, die mit Vorschlaghämmern in der Hand eine große Photovoltaikanlage hinterlassen, in die sie das Wort “Subventionen” gehämmert zu haben scheinen. Zwei Männer stehen fassungslos, auf dem Koffer des einen das Wort “Insolvenz”. Warum haben Merkel und Rösler nicht “Subventionsabbau” in die Anlage gehämmert? Warum steht die Anlage nicht auf “Subventionen” und Merkel und Rösler sägen daran? Was ist in dem Köfferchen mit der Aufschrift “Insolvenz” drin? Wer sind die beiden Männer und warum steht nichts auf ihnen? Wird das pepsche Augenlicht im Alter zu schwach, um auf alle Figuren seiner “Karikaturen” was draufzuschreiben? Wir beantragen die Insolvenz für diese Zeichnung.

Kommentare (10)

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  1. @ThorstenV:
    Das ist nicht richtig. Der Begriff “Atombombe” stammt von H.G.Wells, wie man hier nachlesen kann:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Atombombe
    Der Begriff “Kernwaffe” ist nicht nur treffender sondern auch im Gebrauch:
    http://www.bfs.de/de/ion/kernwatest.html

  2. @roghurt Physiker und Bezeichnungskonventionen: Für die fliesst der Strom doch bis heute von plus nach minus. Is eben so. Konvention.

    Sonderbarerweise dachte noch niemand daran, die Atombombe in Kernbombe umzubenennen.

  3. @roghurt: Schwarz-Weiß-Denken, ist das jetzt gut oder schlecht?

  4. Atomphysik und Kernphysik sind zwei sehr verschiedene Arbeitsgebiete in der Physik. Da Atome aus Elektronenhülle und (gegenüber Hülle winzigem) Kern bestehen, dominieren andere Effekte als im Kern. Da in Kernkraftwerken durch Kernspaltung Energie erzeugt (besser umgewandelt) wird, ist der Name nunmal richtig. Kohlekraftwerke und Solarzellen verdienen da eher den Namen Atomkraftwerk, da die Atomhüllen verändert werden, um elektrische Energie zu erzeugen.
    Ansonsten überzeugt der Artikel durch ein recht starkes Schwarz-Weiß-Denken

  5. @Verwunderer: 1. Subventionen zerstören keine PV-Anlagen, sondern fördern sie.
    2. Merkel und Rösler haben keine Subventionen zusammengehämmert, sondern diese abgebaut.
    3. Der Subventionsabbau hat nicht die Zerstörung von PV-Anlagen zur Folge, sondern führt zu Absatzproblemen europäischer, insbesondere deutscher Solarunternehmen.
    4. Was illustriert ein Köfferchen namens “Insolvenz”? Warum ist die Insolvenz kein Krake oder eine Krankheit, die die deutschen Solarunternehmen bedroht? Wer trägt den Koffer und warum haben Merkel und Rösler in der Zeichnung nichts damit zu tun, obwohl die Politik der Koalition doch für diese Insolvenzen mit verantwortlich ist?

  6. @henriette.hofgen Gemeint ist hier die Verteilungsgerechtigkeit. Klar, auch wir Ärzte müssen die höheren Stromkosten zahlen, aber viele von uns können es sich leisten, in eine PV-Anlage zu investieren, was der Mehrzahl der Angestellten und Rentner nicht so einfach möglich ist. Daher die Rechnung Anzahl Energiekonzerne < Anzahl Ärzte < Anzahl Angestellte.

  7. warum umfasst die subventionen finanzierende allgemeinheit “Arbeiter, Angestellte, Rentner”, aber nicht anwälte, ärzte oder energiekonzerne?

  8. Dass es solche humorbefreiten “politischen” Karikaturen á la fünfziger Jahre in der Tat in manchen Tageszeitungen immer noch gibt, verwunderte mich schon so manches Mal. Da wird z.B. “der Kapitalist” immer noch als dicker älterer Herr mit Melone und Zigarre dargestellt – die Zeichner leben wohl geistig immer noch im Jahr 1955.

  9. Beim ersten Blick auf die Karikatur war ich verwundet, dass jemand die tatsächliche Sachlage von PV und EEG so treffend und aussagekräftig mit ein paar Bleistiftstrichen in Szene setzen kann. Dann lese ich diesen Blog und wundere ich mich, wie jemand so wenig von der Thematik verstehen kann, dass er diese plastische und eindrucksvolle Botschaft nicht auf den ersten Blick erkennt.
    Vielleicht liegt es gar nicht an der offensichtlichen Unkenntnis des TAZ-Autors. Vielleicht gehört einfach zu der Sorte Menschen, denen man eine Pointe erst erklären muss, bevor sie den Witz verstehen.

    Nur um das klarzustellen. Ich sehe in alternativen Energien die einzige Lösungsmöglichkeit für unsere Energie/Wirtschaftsprobleme, sowohl national, wie auch international. Die deutsche Politik aber sorgt nachhaltig dafür, dass sich diese Technologie/Industrie niemals etablieren und langfristig stabilisieren kann. Das ist die Aussage der Karikatur. Was gibt es daran nicht zu verstehen?

  10. Bei der Photovoltaik ist kein Endlagerungsproblem zu befürchten und die Erzeugung geht nach Ende der Subventionen sauber weiter.

    Nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig. Die Produktion von Photovoltaik-Modulen ist eine recht schmutzige Angelegenheit mit erheblichen Belastungen für die Umwelt, vor allem in China. Was mit den vielen Photovoltaik-Modulen später passieren wird, kann heute auch noch keiner richtig sagen, sie enthalten bekanntlich erhebliche Mengen hochgiftiger Schwermetalle. Nicht ohne Grund ist der Einsatz von Cadmium in vielen anderen Bereichen verboten.

    Also: Die Gleichung “Photovoltaik = sauber” stimmt so nicht unbedingt.