31.07.2012 von Jakob Hein

Kann man alles reiten, wenn man nur will
Es muss ja nicht immer so brachial daherkommen: “Seit 2008 wird zurückgeritten.” Conaisseure freuen sich auch über den Kommentar zur Siegerehrung der Mannschaften:
“Es sind die Momente, die jetzt erst so richtig wahrgenommen und realisiert werden. Du stehst da oben und bist Olympiasieger. Der Moment, wenn gleich, wenn die Nationalhymne intoniert wird, dir die Tränen in die Augen schießen, die Wimpern durchfeuchten und dann wie ein wärmender Sonnenstrahl die Tränen die Wangen herunterperlen. Das ist der Moment, wo du spürst: Du bist Olympiasieger. Der Krone der Reiterei: Gold für Deutschland in der Mannschaft.”
Tränen- und auch sonst durchfeuchtet:
der Reptilienfonds
30.07.2012 von Jakob Hein
“Nimmt der 6,6-Liter V12 säuselnd die Arbeit auf, so erledigt er das ohne jedes Zeichen von Unwillen, selbst wenn man ihm, was unwahrscheinlich ist, seine volle Leistung von immerhin 570 PS abverlangen sollte. [...] Kein Zweifel: Dieses Auto macht einen besseren Menschen aus Dir – jedenfalls dann, wenn man zuvor nicht das Geld verdienen musste, um ihn sich leisten zu können. [...] Ja, man ertappt sich dabei, dann und wann, die weiche Urgewalt der 780 Nm Drehmoment auszukosten. Am Ende aber überlässt man sich lieber der exquisiten Luftfederung, schwebt durch Wälder und überwindet flüsternd Höhenzüge, man lässt sich befächeln von der Vierzonen-Klimaanlage und vernimmt doch nur die Klänge aus den 16 Lautsprechern der 600 Watt-Anlage. [...] Was ist schon Geld.” SZ vom 30. Juli 2012 über irgendein Auto mit 16 Liter / 100 km.
28.07.2012 von Jakob Hein

Warten auf Organe von Nah und Fern
Derzeit stehen zwei leitende Ärzte der Universitätsklinik Göttingen im dringenden Verdacht, Daten ihrer Patienten gefälscht zu haben, damit diese schneller an Spenderorgane herankommen. Dies ist keinesfalls der “bedauerliche Einzelfall”, als der er natürlich erwartungsgemäß von zahlreichen Beteiligten bezeichnet werden wird. Kürzlich erst trat der Vorstand der Deutschen Stiftung Organspende zurück, nachdem der eine in sechs Dienstjahren dreimal den Luxus-Dienstwagen gewechselt hatte, der andere illegale Transplantationspraktiken gebilligt hatte und alle zusammen für eine halbe Millionen Euro Möbel gekauft und Ärzte ohne deutsche Zulassung in Hannover hatten arbeiten lassen. Bei der derzeitigen Praxis kann man gespannt auf den nächsten Skandal warten.
Deutlich wird, dass es auf dem Organspendenmarkt eine Lücke gibt zwischen dem zu erzielenden Gewinn pro Organ und dem gezahlten Preis. Man kann sich leicht vorstellen, dass diese Lücke erheblich sein muss, wenn Ärzte in hoher Stellung mit hohen fünfstelligen oder niedrigen… weiter lesen
20.07.2012 von Jakob Hein

Hier auch unbedingt mal Einsatzkräfte hinschicken.
Diesmal wäre es beinahe soweit gewesen, dass erstmals das traditionelle Reptil im sommerlichen Badesee sein erstes Menschenopfer gefordert hätte.
Was war geschehen? Am 7. Juli war ein Mann gegen 19.30 Uhr mit seinem Hund spazieren. Als er sich nach einem Stock bückte, habe er einen etwa “40 cm langen, muskulösen Schwanz” entdeckt. Er hielt es für ein Krokodil “woraufhin er aufschrie und sich in Sicherheit brachte”. Eine Stunde später benachrichtigte er sogar die Polizei, woraufhin tatsächlich Wasserwacht, Feuerwehr und Polizei bis 1 Uhr nachts nach dem mörderischen Reptil suchten – vergebens. Allerdings: “Gegen 23.30 wurde ein größeres Tier am Ufer entdeckt, das jedoch sofort abtauchte.” Man konnte nicht sagen, ob es das Krokodil war – ausgeschlossen war es aber auch nicht mehr. Klar, dass zur Sicherheit der Bürger ein Badeverbot für den Kiesweiher ausgesprochen wurde, schließlich herrschte Reptilienalarm.
Doch die… weiter lesen
16.07.2012 von Heiko Werning
Man sieht es ja ganz klar vor Augen: Nach einem langen und anstrengenden Arbeitstag in seinem Hauptberuf als Papst kommt Josef Ratzinger spätabends nach Hause, wirft das unpraktische Kleidchen und die alberne Mütze, unter der man im Sommer immer so schlimm schwitzt, lässig über die Garderobe, und macht sich ein Feierabendweizen auf. Er freut sich schon darauf, gleich in seinen heiligen Stuhl fallen und die Füße mal hochlegen zu können und vielleicht vor dem Einschlafen noch ein paar Messdienervideos anzuschauen. Jetzt wirft er nur schnell noch einen Blick in den Briefkasten, und, halleluja, er richtet ein kurzes dankbares Stoßgebet zum Himmel: Die neue Titanic ist endlich da! Endlich mal wieder was zu lachen! Vorfreudig reißt er das Kuvert aus der Heimat auf – und dann das: Er selbst ziert das Titelbild, mit einem großen Pipifleck vorne auf der Soutane, dazu die auf diese elende Vatileaks-Affäre gemünzte Schlagzeile „Die undichte Stelle… weiter lesen
16.07.2012 von Jakob Hein
Was auch immer die Fifa ist, die Mafia kann nur vor Neid erblassen, weil die Fifa das, was sie tut, ungeniert und ungehindert im Licht der Öffentlichkeit tut und praktisch kein Risiko eingeht. Zunächst ist unklar, was die Fifa ist. Sie ist keine GmbH und auch keine AG und kein e.V. , denn dann müsste sich der Laden ja irgendwelchen Regeln unterwerfen. Die Fifa ist eine “Körperschaftliche Personenverbindung” nach dem Schweizer Zivilgesetzbuch mit irgendwelchen Pseudoregeln, Ausschüssen, Komitees und so weiter.
Nun könnte jeder eine solche Verbindung gründen, deswegen wäre das noch lange kein Geschäftsmodell. Aber die Fifa hat nun auch noch das Glück, einen ebenso heiß begehrten wie virtuellen Artikel im Angebote zu haben: Den Weltfußball. Dieser wird von Millionen Zuschauern begehrt und kann daher für Millionen und Abermillionen von Schweizer Franken verscherbelt werden, ohne dass die Fifa dafür irgendetwas anderes machen muss, als die Hand aufzuhalten. Indes ist… weiter lesen
15.07.2012 von Heiko Werning
Andrea Seibel!
Was kümmert Sie Ihr strohdummes Geschwätz von gestern, resp. von vor anderthalb Jahren, werden Sie sich gedacht haben, wo Sie als Meinungs-Chefin der “Welt” doch jetzt in der Sache Ratzepapst vs. Titanic irgendeinen humorbefreiten Kommentator irgendwas Sauertöpfisches darüber stammeln ließen, dass die Pipimontage aber gar nicht lustig sei. Dumm nur: Wir haben ein gutes Gedächtnis. Und da fiel uns doch gleich Ihr, nun ja: nennen wir es halt mal Essay für die „Welt“ ein vom Oktober 2010, indem Sie sich so Ihre Gedanken über den Humor machen. Der zusammengefasst, Überraschung!, total toll ist. Denn: „Humor stiftet Gemeinschaft.“ Warum haben wir nicht mehr davon, könnte man jetzt fragen. „Warum haben wir nicht mehr davon? Warum sind unsere politischen Debatten nicht von mehr Gelassenheit und Humor geprägt, sondern von Ressentiment, Invektiven und Gut-Böse-Schismen? Warum ist der öffentliche Streit so schrill, so rasend, dass leise oder zweifelnde Stimmen weggefegt werden… weiter lesen
13.07.2012 von Heiko Werning
Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier ist widersprüchlich und ambivalent. Einerseits würde sich wohl die Mehrheit der Menschen, zumindest in den Industriestaaten, als tierlieb bezeichnen, werden in jedem dritten deutschen Haushalt von der Katze bis zum Goldfisch allerlei Mitgeschöpfe gehätschelt und geknuddelt, gilt vielen gar Freund Tier als der bessere Mensch. Und andererseits hat ein nicht unbeträchtlicher Teil genau dieser Tierliebhaber nicht das geringste Problem damit, nach ausführlichen Streicheleinheiten für den heimischen Fiffi oder Rex in die Küche zu gehen und dort aus dem Körper der tierischen Kollegen des besten Freundes geschnittene Fleischbatzen in die Pfanne zu hauen. Einerseits gilt es als Skandal und barbarische Verhaltensweise, dass in manchen Ländern Hunde und Katzen auf dem Speiseplan stehen, was nicht nur Verachtung, sondern auch Boykottaufrufe nach sich zieht, während andererseits dieselben Empörten nichts gegen die Schlachtung von Ferkel, Lämmchen oder Pute einzuwenden haben. Rational, so viel ist klar, ist das alles… weiter lesen
12.07.2012 von Jakob Hein

Keine Darstellung des Papstes - sowieso nicht, mit den Regenbogenfarben und all dem...
Die Klage gegen die Titanic wegen der “abartigen” (Dt. Bischofskonferenz) Darstellung des Papstes führt im Übrigen ein Herr Lehr von der Kanzlei Redeker, Sellner, Dahms, der sich damals auch so umfassend um die öffentlichkeitsrechtlichen Angelegenheiten des damaligen Bundespräsidenten Christian “Bobby Car” Wulff gekümmert hat. Was aber, wenn Herrn Lehrs Arbeit diesmal vom selben Erfolg gekrönt ist wie damals? Seinerzeit trat ja zuerst Herr Glaeseker, die “rechte Hand” (Deutschlandfunk) von Herrn Wulff zurück, laut “Stern” nannte man ihn sogar den “heimlichen Stellvertreter Wulffs”. Schließlich musste der Bundespräsident selbst das Schloß Bellevue räumen.
Was passiert, wenn die Kanzlei sich genauso gründlich um “Fleckgate” wie um die “Causa Wulff” kümmert? Vielleicht tritt zunächst der Papst zurück, aber dann? Schmeißt dann sein Boss auch die Brocken hin? Zieht sich zurück in ein Eigenheim in Großburgwackel oder… weiter lesen
11.07.2012 von Jakob Hein

Keine Darstellung des Papstes
Wer berät eigentlich den Vatikan in medienrechtlichen Angelegenheiten? Irgendwelche verbohrten alten Männer ohne Humor? Angesichts der in Frage kommenden Kandidaten kann man es sich kaum anders vorstellen.
Jedenfalls ist die “Titanic” dem Papst nunmehr zu großem Dank verpflichtet. Dank der dämlichen Klage des Vatikans sollte es jetzt gelingen, die gesamte Auflage des Juli-Heftes zu verkaufen. Und das wegen einem nicht einmal besonders guten Titelbild. Die Presse stürzt sich natürlich im Sommerloch begierig auf dieses Thema und berichtet ausführlichst über das Titelbild, nebst einiger älterer Titelbilder, wenn sie nicht wie die “taz” einfach den Titel zeigen. So bekommt die “Titanic” eine Reichweite, die ohne diese Aktion nicht denkbar wäre. Lustig ist es, wenn Radio Vatikan “Die Stimme des Papstes und der Weltkirche” zum Titel erklärt: “…mit einem mittels Bildmanipulation eingefügten Urinfleck auf der Soutane”, während die “Titanic” doch sagt, es solle sich um Fanta… weiter lesen