Archive for November, 2012

30.11.2012 von Jakob Hein
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Nachrichten vom Niedergang der politischen Karikatur XXXIV – Lügen und Märchen

von Jakob Hein

Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen war ein begnadeter Geschichtenerzähler. Dabei ließ er sich nicht fesseln von den Eisentauen der Realität, sondern war auch in der Lage, diese auszuschmücken, zu überwinden und so eine neue, viel schönere, viel reichere, viel buntere Realität zu erschaffen. Seine Geschichten sind bis heute weltweit bekannt, nach seinem Namen ist auch eine tückische psychiatrische Krankheit benannt (über die mehr literarische Bücher geschrieben wurden als klinische Fälle bekannt geworden sind).

Eine seiner Geschichten ist der berühmte Ritt auf der Kanonenkugel: Münchhausen zieht mit den Husaren unter Marschal Münnich vor eine von den Türken eingenommene Stadt. Da diese von den spanischen Reitern zu gut verteidigt wird, der Herr Marschall jedoch unbedingt die türkischen Stellungen auskundschaften möchte, schwingt sich Münchhausen auf eine Kanonenkugel seines Regiments und späht die feindlichen Stellungen aus. Während des Fluges fällt ihm ein, dass er auf dieser Kanonenkugel keinen Rückflug buchen kann und er steigt… weiter lesen

20.11.2012 von Jakob Hein
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Anker und Lokomotive – wenn das mal gutgeht

von Jakob Hein

Irgendwo da unten ankert die Wirtschaftslokomotive

Es ist nicht so, dass der Bundesfinanzminister heute im Bundestag versehentlich das völlig schräge Bild bemühte, Deutschland sei der “Stabilitätsanker und die Wirtschaftslokomotive Europas”. Nein, Herr Schäuble scheint dies für eine besonders gelungene Wendung zu halten. Dabei ist die Metapher gleichzeitig Illustration und Polemisierung der aktuellen wirtschaftlichen Situation in Deutschland, oder, anders ausgedrückt, gleichzeitig Hammer und Amboss phrasengeschwängerten Leersprechs.

18.11.2012 von Heiko Werning
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Kommunismus ist irgendwie auch nicht mehr, was er mal war

von Heiko Werning

Nur wenige Wörter sind derart mit Ideologie aufgepumpt wie der putzige Viersilber Kom|mu|nis|mus, der irgendwas mit Produktionsmitteln in Hand der Allgemeinheit und klassenloser Gesellschaft zu tun haben soll. Sein weltweit mächtigster Verfechter – das stimmt bei dem Land rein quantitativ ja sowieso immer – ist China. Das soeben für die Führung seiner KP und damit des Landes eine Rückrufaktion abgeschlossen hat. Die neu ausgelieferten Modelle sollen in Zukunft noch glatter, besser und vor allem kapitalistischer laufen, einer kann jetzt sogar lachen, ein anderer hat eine singende Frau. Und der neue Parteichef Xi Jinping gilt als Marktliberaler. Über den neuen Oberkommunisten freuen sich nun die Kapitalisten weltweit, so auch der Verbandspräsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels, Anton Börner, der von einer „guten Nachricht für die Weltwirtschaft“ spricht. Überhaupt ist unsere Wirtschaft ganz aus dem Häuschen vor Freude über den Kommunismus aus China.

Vielleicht hört es dann ja bald mal… weiter lesen

18.11.2012 von Jakob Hein
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Nur als Anregung: “Helskägg” heißt Vollbart und wäre doch als Zeichen der Wiedergutmachtung auch ein schöner Name für eine Möbelserie

von Jakob Hein

Was genau war jetzt der Nachrichtenwert an der Mitteilung, dass Ikea Möbel von politischen DDR-Häftlingen herstellen ließ? Galten diese Häftlinge als handwerklich besonders ungeschickt, so dass es ein qualitativer Skandal ist, dass diese Möbel nicht von den kundigen Händen von Taschendieben oder mit den sachverständigen Griffen versierter Mörder gefertigt wurden? Oder hatte man bisher angenommen, dass die Häftlingen in der DDR ihren Alltag mit individueller Freizeitgestaltung und dem Ausmalen von Mandalas verbracht hätten? Dass abends die Schließer vorbeikamen und sagten: „Liebe Gefangene und Gefangeninnen, erst mal einen schönen guten Abend. Ich wollte gern mit Euch die morgige Tagesgestaltung absprechen. Gibt es jemanden der vor zehn Uhr aufstehen möchte? Nein, ok. Was darf’s denn morgen zum Frühstück sein. Der Gregor hatte ja gestern Geburtstag und da dachten wir vom Personal eigentlich, dass wir vielleicht einen Kuchen backen und dann morgen alle gemütlich zusammensitzen.Gegen 12 dachten wir vielleicht, dass ihr Euch nochmalweiter lesen

17.11.2012 von Jakob Hein
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Kryptisches Korea II – How not to drink

von Jakob Hein

Vielleicht beschreibt dieses Bild ganz gut, wie man sich am Ende fühlt

Zu sagen, dass Südkorea ein gastfreundliches Land ist, bedeutet beinahe eine Untertreibung. Absolut jeder scheint größten Wert darauf zu legen, dass der Gast nur den besten Eindruck hat. Junge Leute marodieren durch die interessantesten Sehenswürdigkeiten, um einem kostenlose Führungen aufzudrängen. Das kann einem auch in anderen Ländern passieren, aber hier wollen die jungen Leute hinterher nichts verkaufen. Die Frage, wie es einem gefallen würde, sollte man ohne zu zögern mit:  “Korea ist das schönste Land, das ich jemals gesehen habe.” beantworten, weil sonst die akute Gefahr droht, dass man unverzüglich zu einem köstlichen Essen eingeladen wird.

Der schwierigste Teil an einem koreanischen Essen ist eindeutig das Trinken.

Regel eins: Niemals darf man sich selbst eingießen. Niemals! Damit würde man sagen, dass sich der Gastgeber nicht um einen gekümmert hat, dass dem Gastgeber offensichtlich alles egal ist,… weiter lesen

15.11.2012 von Jakob Hein
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Klos in Korea

von Jakob Hein

Auf vielfachen Wunsch möchte ich hier die Funktion der koreanischen Klos erklären, zumindest insoweit diese über die Funktionsweise deutscher Toiletten hinausgeht.

Man betritt das koreanische Klo in speziellen Bad-Latschen, die links neben der Badtür stehen. Dafür lässt man seine Hauslatschen, die links neben der Haustür standen und die man gegen seine Straßenschuhe getauscht hatte, vor der Badtür stehen und schlüpft in die Sanitärslipper. Dann verrichtet man sein Geschäft meines Wissens ganz so wie in Deutschland, jedenfalls hat mir keiner meiner freundlichen Gastgeber irgendwelche anderslautenden Hinweise gegeben, was aber auch an meiner extrem unsensiblen Art liegen kann.

Beim Hinsetzen wird einem auffallen, dass die Klobrille geheizt ist. Das ist nicht nur angenehm, sondern fördert auch eine gelungene Entleerung, schwer zu erklären wie, irgendwie physiologisch, wer schon mal eine Sitzheizung im Auto angeschaltet hat, wird wissen, was ich meine. Nach diesem gelungenen Akt drückt man auf den im Bild mit einem grünen… weiter lesen

13.11.2012 von Jakob Hein
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Kulinarisches Korea I – Ausländische Spezialitäten

von Jakob Hein

Die koreanische Küche ist ein kunterbunter Kochtopf von Köstlichkeiten. Menschen, denen der Weg ins Land selbst zu weit ist, sei ein Ausflug in ein koreanisches Restaurant ihres Heimatortes empfohlen, wie das “Mandu” in Düsseldorf oder das “YamYam” in Berlin.

In Korea selbst gibt es hingegen Jahr für Jahr mehr ausländische Restaurants. Diese stellen gewissermaßen die Rache Europas für Jahrzehnte schlechter asiatischer Küche in so genannten China-Restaurants dar. Abgesehen von den üblichen Ketten (Ihr habt nichts zu verlieren, außer denen) gibt es noch kleine ausländische Restaurants. Zum Beispiel das “Bärlin”, in dem extrem teures Bier sowie Braten ohne Soße, Kartoffelbrei ohne Milch und das typisch deutsche Gericht Pasta mit Tomatensoße angeboten werden.

Sehr lecker auch die kreativen Angebote von “Han’s Deli”, bei dem man sich spontan fragt, ob das Apostroph nicht noch ein bisschen nach rechts gehört hätte. Was ist das für ein Gericht, in das italienische Eroberer ihr Fähnchen gesteckt… weiter lesen

11.11.2012 von Jakob Hein
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Wohlinformierte Leserbriefe zum Wohl der Menschen

von Jakob Hein

Muss auch noch erforscht werden: Die Parapharmazie

Kürzlich wagte es die „Berliner Zeitung“, einen kritischen Artikel über den Leuchtturm der Lebenswissenschaften, die Krone der medizinischen Schöpfung, das Großartigste seit der Erfindung des Erlenmeyer-Kolbens, also die Charité zu veröffentlichen. Kritisiert wurde, dass ein Bau, der die Berliner Steuerzahler schlappe 85 Millionen Euro gekostet hat, gewissermaßen noch als Baustelle eröffnet wurde. Kritisiert wurden Sicherheitsmängel. Kritisiert wurde die mangelnde Beteiligung der Mitarbeiter, die bei der Eröffnungsfeier nur Zaungäste sein durften. (Nicht kritisiert wurde immerhin der selten dämliche Name des Gebäudes auf dem Gelände des geschichtsträchtigen Campus in Deutschlands Hauptstadt, das mit „CharitéCrossOver“ wohl einen sicheren Platz auf der ewigen Bestenliste der peinlichsten Anglizismen für sich beanspruchen kann. Unter den Mitarbeiterinnen hat sich eh längst die liebevolle Bezeichnung „CC Null“ eingebürgert.) Kritisiert wurde auch, dass es zu den Kritikpunkten keine Stellungnahme vom Vorstand gab.

Dafür aber meldete sich „leser68“ auf den… weiter lesen

10.11.2012 von Jakob Hein
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Konziliantes Korea I

von Jakob Hein

Wie oft schon hat man sich den Kopf gestoßen? Die Verteilung in der Menschheit ist dabei so ungerecht wie das Lohngefüge eines neoliberalen Großunternehmens. Im Durchschnitt stößt sich der Mensch vielleicht zweimal im Jahr den Kopf, aber es gibt ein paar heavy user, die das wöchentlich hinbekommen und ein paar statistische Abnormalitäten, die ganze Jahrzehnte ohne einen kräftigen Wums gegen den Kopf zubringen.

Medizinisch ist das Kopf-Rumsen äußerst schlecht erforscht. Es gibt fast keine prospektiven Studien und immerhin keine Tierversuche, wobei wir hier keine Ideen ins Leben rufen wollen. Überhaupt ist diese statistische Ungleichverteilung ein unterschätzter Faktor im Leben. Wenn man so hört, dass soundsoviel Prozent der Bevölkerung Diabetes, soundsoviel Rücken, soundsoviel Herpes haben, dann denkt man sich doch oft: “Eins davon müsste ich doch auch bekommen, denn zusammengerechnet kommt bei allen Statistiken mehr als hundert raus.” Dann trifft man einen Diabetiker auf Krücken, schaut genau hin – und entdeckt… weiter lesen

09.11.2012 von Jakob Hein
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Kryptisches Korea I – Verbote

von Jakob Hein

Die Nordic-Walking-Gruppe kettenrauchender Klempner mit hygienischen Problemen in den Bereichen Achselschweiß und ultraschnelles Haarwachstum war ja nun wirklich einiges an Problemen gewohnt. Aber was sie anlässlich ihres Ausfluges auf die schöne Insel Jeju hinnehmen sollten, schlug dem Fass den Boden aus. Man erwartete quasi, dass sie nackt an Bord gehen sollten. Da blieben sie doch lieber zuhause.