Konziliantes Korea I

Wie oft schon hat man sich den Kopf gestoßen? Die Verteilung in der Menschheit ist dabei so ungerecht wie das Lohngefüge eines neoliberalen Großunternehmens. Im Durchschnitt stößt sich der Mensch vielleicht zweimal im Jahr den Kopf, aber es gibt ein paar heavy user, die das wöchentlich hinbekommen und ein paar statistische Abnormalitäten, die ganze Jahrzehnte ohne einen kräftigen Wums gegen den Kopf zubringen.

Medizinisch ist das Kopf-Rumsen äußerst schlecht erforscht. Es gibt fast keine prospektiven Studien und immerhin keine Tierversuche, wobei wir hier keine Ideen ins Leben rufen wollen. Überhaupt ist diese statistische Ungleichverteilung ein unterschätzter Faktor im Leben. Wenn man so hört, dass soundsoviel Prozent der Bevölkerung Diabetes, soundsoviel Rücken, soundsoviel Herpes haben, dann denkt man sich doch oft: “Eins davon müsste ich doch auch bekommen, denn zusammengerechnet kommt bei allen Statistiken mehr als hundert raus.” Dann trifft man einen Diabetiker auf Krücken, schaut genau hin – und entdeckt das Herpes-Bläschen über seiner Lippe. Statistisch gesehen nehmen diese Menschen eine ungeheure Last auf sich.

Was hat das alles mit der Novemberrevolution, der Reichsprogromnacht oder dem Fall der Berliner Mauer, die jetzt aber wieder in einer ersten Stufe erweitert werden soll (Nachtigall usw. usf.) – ich weiß es nicht. In Korea jedenfalls ist das Kopfrumsen verboten und – man sollte es nicht für möglich halten – dadurch praktisch unbekannt. Die Versorgung von Platzwunden ist dort eine unbekannte Kunst. Zumindest, wenn die riot police ihre Knüppel im Sack lässt.

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