Kryptisches Korea II – How not to drink

Vielleicht beschreibt dieses Bild ganz gut, wie man sich am Ende fühlt

Zu sagen, dass Südkorea ein gastfreundliches Land ist, bedeutet beinahe eine Untertreibung. Absolut jeder scheint größten Wert darauf zu legen, dass der Gast nur den besten Eindruck hat. Junge Leute marodieren durch die interessantesten Sehenswürdigkeiten, um einem kostenlose Führungen aufzudrängen. Das kann einem auch in anderen Ländern passieren, aber hier wollen die jungen Leute hinterher nichts verkaufen. Die Frage, wie es einem gefallen würde, sollte man ohne zu zögern mit:  “Korea ist das schönste Land, das ich jemals gesehen habe.” beantworten, weil sonst die akute Gefahr droht, dass man unverzüglich zu einem köstlichen Essen eingeladen wird.

Der schwierigste Teil an einem koreanischen Essen ist eindeutig das Trinken.

Regel eins: Niemals darf man sich selbst eingießen. Niemals! Damit würde man sagen, dass sich der Gastgeber nicht um einen gekümmert hat, dass dem Gastgeber offensichtlich alles egal ist, dass der Gastgeber einem noch einmal helfen würde, wenn man eine blutende Platzwunde hätte und er neben einem kompletten Operationsbesteck auch noch eine unfallchirurgische Ausbildung.

Regel zwei: Niemals darf das Glas Deines Gegenübers leer sein. Niemals! Es mag verschiedene Arten von Menschen geben: gute, schlechte und nordkoreanische Führer. Aber niemand auf der Welt ist so schlecht und so niedrig, dass man ihm nicht das Glas bis zum Rand füllt. Wenn einen der Gegenüber vor einigen Minuten brutal zusammengeschlagen hat, ist es wohl in Ordnung, seine lodernde Wut dadurch zum Ausdruck zu bringen, dass man beim Nachgießen etwas zögert oder gar mit nur einer Hand eingießt, aber Nachfüllen ist Pflicht. Sollte kein Material zum Nachfüllen mehr auf dem Tisch stehen, ist das Dein verdammtes Problem! Rufe nach dem Kellner, laufe in den Weinkeller, fahre in die Brauerei, um für Nachschub zu sorgen, aber fülle das verdammte Glas nach!

Regel drei: Niemals darf man das Nachfüllen seines Glases verhindern. Niemals! Was würde man damit sagen wollen? Dass man dem anderen seine Menschlichkeit abspricht? Dass man dem anderen sagen will, dass er niedriger als Wurmexkrement ist, weil man nicht einmal die Nichtigkeit des Glasnachfüllens von ihm akzeptiert?

Regel vier: Prost!

Wie man dieses in sich geschlossene System durchbrechen kann, ist mir während meiner Besuche in Korea nie klar geworden. Ich weiß nur, dass immer alle Regeln eingehalten wurden, habe aber keine brauchbaren Erinnerungen daran, wie diese gastlichen Runden beendet wurden.

Kommentare (2)

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  1. Ein Land mit dieser Vergangenheit und seinen fleissigen Menschen ist hier in deutschen Zeitungen leider viel zuwenig beschrieben. Vielleicht auch wegen der ungeliebten amerikanischen Soldaten.

  2. Fabalhafter Artikel wenn man das Land kennt. Sonst fehlen mir die reich gefuellten Fischlaeden, die billigen Uebernachtungen die vielfaeltigen Landschaften mit ihren Tempeln und massenhaften Besuchern. Vielleicht kannst Du mir erklaeren, warum ich beim Eingiessen immer meinen Aermel zuhalten musste – sind hier die ko-tropfen erfunden worden?

    Freundliche Gruesse

    Klaus