Selbst gebastelte Geschenke für kleine Fußballfans

Die andauernden Diskussionen über Gewalt in den Stadien, das weniger als bigotte Erschrecken darüber, dass das ständige Anheizen einer dramatischen Stimmung tatsächlich am Ende auch die Köpfe und Herzen der Fußballanhänger erreicht und Folgen hat, die massive Zensur bei den Fernsehübertragungen, andererseits das ständige Zeigen von Bilder, die wir – wie uns gebetsmühlenartig eingebläut werden soll – “im Fußball nicht mehr sehen wollen” – all das hat zu einem enorm gewachsenen Interesse an Ultra-Fans und insbesondere Pyrotechnologie in Fußballstadien geführt. Würden die Fans bestimmter Mannschaften eines Tages keine Bengalos anzünden, wären die Bildmedien extrem enttäuscht. Sicher könnten die Ultras mittlerweile versuchen, da Kooperationsverträge mit den Fotografen und Kameraleuten zu bekommen.

Die Frage ist nur, welches Ziel all diese Maßnahmen eigentlich verfolgen sollen. Wenn jemand bisher ein Stadionverbot riskierte, um Pyrotechnologie ins Stadion zu schmuggeln, die er zunächst vor allem unter Gefährdung seiner eigenen Gesundheit anzünden wollte, um damit die Anerkennung seiner Kumpels zu erlangen, die – so hofft er – stolz auf ihn sind, weil er sich für sie alle über Regeln hinwegsetzt, warum sollte der jetzt sein Verhalten ändern? “Oh, jetzt wo alle Welt über meine Pyros spricht, wo mein Verhalten Millionen von Fernsehzuschauern gezeigt wird, wo meine Regelüberschreitungen Konsequenzen für den ganzen Verein, ja für die Liga haben – da werde ich noch mal in mich gehen, mein Verhalten kritisch reflektieren und es dann abstellen. Mein Ziel war es ja nicht, auf mich aufmerksam zu machen, sondern meine Hände zu wärmen und durch die erhöhte Beleuchtung Strom für die Flutlichtanlage zu sparen, weil ich nämlich sehr ökologisch eingestellt bin. Und wenn die Fußballfunktionäre unzufrieden mit mir sind, macht mich das zutiefst traurig. Jetzt, wo ich verstanden habe, wie falsch mein Verhalten ist, will ich mich immer auf einen gemütlichen Stehplatz setzen, da ist die Sicht eh besser und man verschüttet seine Cola nicht. Danke, Funktionäre!”

Jedenfalls sind auch die fußballverrückten Kinder mittlerweile ganz heiß auf Pyrotechnologie. Eine Stadionszene, wie sie das aus dem Fernsehen kennen, ist ohne Bengalos absolut unvollständig. Da aber Playmobil auf dem Gebiet bisher nichts anbietet, hier der Tipp zur selbstgebastelten Weihnachtsfreude: Die Spitze eines Streichholzes entfernen und in der Mitte einen halben Zentimeter einkerben. Die Unterseite des Streichholzes mehrfach mit Klebeband abkleben, damit es in die Hände passt. Dann zwei Zentimeter Wollfaden in die Kerbe schieben – fertig. Auch Ihre Kinder werden große Freude haben!

Kommentare (4)

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  1. Eben. Aber hast du die vielen Opfer des Streichelns etwa schon vergessen. Also ich wurde früher von meiner Mutti ziemlich oft gestreichelt und heute vergesse ich manchmal in der Straßenbahn zu bezahlen. Und wer muss dafür aufkommen? Na? Richtig, der Steuerzahler.

  2. @Ahne: Was ist denn so schlimm am Verharmlosen? Dadurch ist doch noch niemandem geschadet worden. Verharmlosen ist so etwas wie Streicheln, bloß auf politischer Ebene.

  3. Warum muss ich jetzt an Familie Hoppenstedt denken? Ach ja, “Es hat puff gemacht.”
    (“Sie bekommen es original-verpackt.” )

  4. Hallo?! Wer verharmlost denn da und gibt auch noch eine Anleitung zum Bombenbasteln, oder so ähnlich? Staatsschutz, übernehmen sie bitte.