vonJakob Hein 19.02.2013

Reptilienfonds

Heiko Werning über das tägliche Fressen und Gefressenwerden in den Wüsten, Sümpfen und Dschungeln dieser Welt.

Mehr über diesen Blog
Wer ist wie prominent?

Achtung! Das Folgende ist nicht wichtig. Wer sich nicht für Prominente interessiert, dem sei gratuliert und geraten, nicht weiterzulesen. Der Artikel beschäftigt sich nicht mit dem Weltfrieden und ignoriert gänzlich, dass es Wichtigeres auf der Welt gibt. Da diese Erkenntnis unübertrefflich tiefgründig ist, bitten wir, sie nicht in Kommentaren noch vertiefen zu wollen. Schließlich ist es doch klar: Wer sich mit solchem Unsinn wie unten befasst, dem ist auch noch mit dem gewitztesten Kommentar nicht auf den Weg der wahren Erkenntnis zu helfen. Daher lehnen wir dankend ab.

Es gibt Menschen, die einer breiten Öffentlichkeit bekannt sind. Für diese hat sich der Begriff des „Promis“ eingebürgert. Der Gradmesser der Öffentlichkeit ist seit Jahrzehnten das Fernsehen und daran hat die Allgegenwärtigkeit des Internets (noch) nichts geändert. Das könnte daran liegen, dass der Medienkonsum im Internet individueller ist. Aber wer ein Promi ist, wird weiterhin im und durch das Fernsehen definiert.

Der Begriff des Promis soll hier nicht diskutiert werden. Er unterscheidet sich signifikant von seinem Ursprung, dem Begriff des „Prominenten“. Ein Prominenter oder eine Prominente waren herausragende Persönlichkeiten, zu denen das Publikum mit einer gewissen Bewunderung aufschauen konnte, am ehesten vielleicht vergleichbar zu heutigen A-Promis. Aber zu diesen Prominenten gesellten sich bald sehr bekannte Menschen, die vom Publikum nicht nur bewundert, sondern auch belächelt, teilweise offen ausgelacht wurden. In Analogie zu den B-Filmen wurde für die Kategorie nicht-bewunderter, bekannter Menschen die Kategorie der B-Promis eröffnet. Doch durch diese Öffnung kam es bald zu einer Weiterentwicklung des Promi-Wesens nach unten. Da es aber beim Film eigentlich nur die Kategorien A-Film und B-Film gab und die Restkategorie C-Film (= mit noch weniger Mitteln als ein B-Film produziert), lief die Film-Analogie bald ins Leere.

Tatsächlich findet sich aber bis heute keine gültige Definition der verschiedenen Promi-Kategorien. Wikipedia erklärt noch die B-Promis und verweist auf den schönen Schweizer Begriff der Cervelat-Prominenz, aber darüber hinaus konnten wir keinen weiteren Definitionsversuch finden. Es gibt ein paar Diskussionen, diese gleiten aber schnell in konkrete Namensnennungen oder in Häme ab, was nicht sonderlich hilfreich ist, da viele der Namen bald vergessen sind, das Phänomen der Buchstaben-Prominenz uns aber weiterhin begleiten wird.

Deswegen wollen wir hier einen Definitionsvorschlag unterbreiten:

A-Promi Fernsehstar – ein Mensch, der durch die Mitwirkung in Kinofilmen, Musik, Sport, Fernsehauftritten oder Politik im Fernsehen allgegenwärtig ist.
B-Promi Medienstar – ein Mensch, der in den Medien sehr präsent ist, aber vor allem durch das, was er ist, weniger durch das, was er tut. So kann ein Schauspieler weniger wichtige Rollen spielen, aber immer wieder interessante Interviews geben oder eine Nachrichtensprecherin außergewöhnlich gut aussehen.
C-Promi Skandalstar – ein Mensch, der in den Medien wegen einer Normabweichung über längere Zeit sehr präsent ist. So kann der C-Promi sehr übergewichtig sein oder besonderen Körperschmuck tragen oder für eine spezielle, sehr ungewöhnliche politische Einstellung bekannt sein.
D-Promi Has been – war mal ein B-Promi oder ein C-Promi und kann diese Medienpräsenz auf abgeschwächter Stufe aufrecht erhalten, da sich das interessante Verhalten des B-Promis erschöpft hat oder der Skandal des C-Promis vorbei ist.
E-Promi Should be – eine kluge Schriftstellerin, ein Nobelpreisträger oder eine anderweitig beeindruckende Person, die aber nicht Promi-tauglich ist, da sonstige Voraussetzungen für Medienpräsenz fehlen: Sieht nicht gut genug aus, spricht zu lange Sätze, benutzt kompliziertere Worte als „Baum“. Man sollte solche Menschen öfter im Fernsehen sehen, wird immer wieder zu den seltenen Anlässen gesagt, wenn sie im Fernsehen sind und dann werden sie nie wieder eingeladen.
F-Promi Wannabe – wäre gern ein höherer Promi und ist erkennbar bereit, alles dafür zu geben, insbesondere seine Würde. Diese bedingungslose Anbiederung an das Publikum verschafft eben diesem Publikum ein angenehmes Machtgefühl, so dass der F-Promi tatsächlich eine bestimmte Medienpräsenz erhält.
G-Promi Zweite-Hand – seine Ehefrau oder sein Bruder sind höhere Promis oder sie selbst ähneln auf irgendeine Art einem höheren Promi („Der Elvis von Emsland“) und können zum Einsatz kommen, wenn die echten Promis nicht verfügbar sind.
Umlaut-Promi Never has been – war mal ein F- oder G- Promi und wird nun für irgendein Format gebraucht (Dschungelcamp, Promi-Dinner, Autohauseröffnung), das mit „Promis“ glänzen möchte, ohne dass ein echter Promi auch nur in der Nähe dieses Formats gesehen werden möchte. Seine „Prominenz“ muss in der Regel recht kompliziert erklärt werden.
 Sonderzeichen-Promi (Ergänzung 02.01.15)  Um die Verachtung gegen lautstarke Nichtprominente noch zu steigern, wird heute teilweise der Begriff des Sonderzeichen-Promis als Steigerung von „Umlaut-Promi“ verwendet.

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/reptilienfonds/2013/02/19/definitionsversuch-fur-a-b-und-so-weiter-promis/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.