Offener Brief: Danke, Dirk Niebel!

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(c) dpa

Sehr geehrter Herr Dirk Niebel,

mir ist schon klar, dass Sie als Bundesminister besseres zu tun haben, als offene Briefe von irgendwelchen Bürgern zu lesen. Wenn ich Ihnen jetzt noch sage, dass ich gelegentlich für Zeitungen schreibe, was ja die meisten, die das tun, heutzutage dazu verführt, sich als Journalisten zu bezeichnen, weil das aber auch das einzige Kriterium geworden ist, das man von Journalisten erkennen kann, weil, wenn keiner mehr zu den Leuten hinfährt, die Sachen nur noch im Internet zusammenkopiert und nicht einmal mehr die Leute angerufen werden, über die man irgendwelchen Unsinn verbreitet, dann fragt man sich, welche Kriterium denn bitte einen Journalisten von irgendeinem anderen Schreiber unterscheiden soll, der Artikel in der Zeitung veröffentlicht, jedenfalls, wenn ich Ihnen auch das noch sage, werden sie mich womöglich gar für einen Journalisten halten, Herr Niebel, und dann stehe ich gewiss nicht mehr in Ihrer Gunst, denn Journalisten haben Ihnen in den letzten Jahren immer wieder übel mitgespielt.

Dennoch war es mir ein tiefes inneres Bedürfnis, mich heute an Sie in Form eines offenen Briefes zu wenden, denn ich wollte einfach mal Danke! sagen. Ganz dickes Lob für Ihre Arbeit, ein Bienchen mit Sternchen-Aufklebern drumherum und Glitzerstaub obendrüber! Wirklich, ganz vielen Dank. Sie haben einen absolut großartigen Job gemacht! Einfach einwandfrei. Mir ist schon klar, dass viele in Deutschland dieser Meinung sind, genau genommen praktisch alle, aber ich denke, dass man sich zu oft einfach nicht die Zeit nimmt, um das auch mal auszusprechen. Man verbringt so seine Tage, denkt: „Niebels Dirk macht heute mal wieder einen Super-Job. Meine Herren, so gut wäre ich auch gern mal“, aber dann sagt es ja keiner. Klar, Sie bekommen ein Gehalt, aber andererseits würde Ihnen das ja auch jeder zahlen, vermutlich sogar mehr als sie jetzt bekommen. Doppelt so viel würde ich Ihnen zahlen, wenn ich die Kohle hätte. Also die Anerkennung, die Sie verdienen, wird Ihnen viel zu oft einfach nicht gegeben und darum dachte ich mir, dass es Ihnen vielleicht ein bisschen Freude macht, wenn ich Ihnen auf diesem Weg meine Anerkennung und meinen ewigen Dank ausspreche. Mein erster Sohn ist leider schon geboren, sonst könnte ich ihn nach Ihnen benennen. Dirk, das wäre doch mal ein schöner Name. Jetzt könnte ich nur noch mit dem dritten Sohn dienen und selbst da hat meine Frau schon ziemlich deutlich gemacht, dass das mit ihr persönlich nicht machbar ist und dann wäre es ja nun wirklich nicht so der Hit, wenn ich meinen Drittgeborenen, den ich irgendwie an meiner Frau vorbei geschmuggelt habe oder den ersten Sohn aus einer Affäre von mir nach Ihnen benennen würde, also das wäre Ihnen und Ihrer Leistung, sehr geehrter Herr Niebel, einfach nicht angemessen. Denn Sie haben einen Super-Job gemacht und nicht irgendwas Drittrangiges oder gesellschaftlich nicht vollständig Akzeptiertes wie das Zeugen eines außerehelichen Kindes, sondern einfach nur eine vollständig perfekte Leistung erbracht, eine Landung auf dem unendlich kleinen Punkt, der Perfektion heißt. Super.

Wenn es noch Sozialismus wäre und Sie unter sozialistische Bedingungen Minister wären und wenn es eine Initiativbewegung für die Mitarbeiter des Bundeskabinetts zur allseitigen Leistungssteigerung der Regierungsarbeit gäbe, dann würde diese Bewegung mit Sicherheit die „Dirk-Niebel-Bewegung“ getauft werden, eine groß angelegte Initiative zur Übererfüllung der Regierungspläne. Andererseits denke ich, dass Ihnen das mit dem Sozialismus gar nicht so behagen würde, weil sie ja derzeit in einer ganz anderen Richtung unterwegs sind. Aber ich würde mir da keine übertriebenen Sorgen machen. Ich habe unter beiden Systemen gelebt und kann Ihnen sagen: Gute Leute werden überall gebraucht und Spitzenleute wie Sie sucht man überall händeringend. Sie, Herr Niebel, wären auch in der DDR ein Super-Minister geworden, da würde ich mir überhaupt keine Sorgen machen.

Aber was ich am allerbesten an Ihnen finde, ist, dass Sie bei aller Perfektion und Überlegenheit in der Amtsführung immer noch Mensch geblieben sind. So muss man Ihren Geschmack was Kleidung betrifft nicht unbedingt mögen. Diese Mütze gibt uns allen, die wir nicht täglich an den Laufstegen dieser Welt sitzen das gute Gefühl: „Man kann auch der besteste Bundesminister Niebel sein und trotzdem noch aus sentimentalen Gründen eine ziemlich peinliche Landser-Mütze tragen, was vielleicht im Ausland nicht überall gleich gut ankommt.“ Und es geht mir so wie vielen, dass ich es einfach nur liebenswürdig finde, wenn Sie mal einen halben Arbeitstag in Afghanistan damit zubringen, einfach mal zu shoppen, sich dann günstig einen Teppich zu schießen, anstatt den ganzen Tag dort das Gejammmere von irgendwelchen Opfern zu ertragen. Und dass Sie dann versucht haben, den Teppich am Zoll vorbei zu schmuggeln – keck, sehr menschlich. Nachher müssen Sie dann noch in Deutschland Steuern zahlen, für einen afghanischen Teppich. Was soll denn das bitte? Wer weiß denn, wofür diese Steuerkohle überhaupt verblasen wird? Tausend Sympathie-Punkte von hundert möglichen für Sie, Dirk Niebel. Meine Meinung.

Ich finde es auch prima, dass Ihnen Werte wie Freundschaft noch etwas bedeuten. Die meisten heute kennen das doch gar nicht mehr. Gerade die jungen Leute. Klicken auf den Daumen nach oben und das ist dann für die Freundschaft. Da sind Sie aus einem anderen Holz! Wenn sie von einem tollen Job hören, dann lassen Sie es Ihre Freunde wissen! Und dann spießern sie auch nicht so herum mit „Qualifikation“ und „Vorerfahrungen“. Heute soll man höchstens fünfundzwanzig sein, studiert haben und dreißig Jahre Berufserfahrung haben. Da sind Sie als Notabiturient und Zeitsoldat ganz anders unterwegs. Ein Mann, ein Wort, einfach toll, Herr Bundesminister. Auch dass es Ihnen da nicht so Pfennigfuchser-mäßig auf einer paar zehntausend Euro mehr oder weniger pro Jahr ankommt, das finde ich einfach großartig! Schließlich haben Sie doch haufenweise Geld gespart bei diesen dämlichen Dritte-Welt-Ländern, wo das Geld ja doch nur im Sand versickert ist. Da ist dann eben mal was übrig für ein paar Freunde und warum soll man das denen nicht geben? Warum? Ich mag Sie. Wenn es ginge, würde ich Sie gern einfach mal knuddeln.

Und weil Sie so sympathisch sind, ist es vielleicht auch alles andere als ein Wunder, dass Ihre Freunde alle auch mit Ihnen in der gleichen Partei sind. Das ist doch aber klar: Wenn man so einen netten Menschen wie Sie kennt und mit ihm abhängen will, dann muss man eben als einfacher Prophet zum Berg der Großartigkeit gehen. Und wer down mit Dirk sein will, der muss eben in seine posse eintreten und das ist nun mal die F to the D to the motherfucking P. Und so kommt es dann, dass in Ihrem house eine ganze Menge FDP-Mitglieder arbeiten. Aber wenn im Apfelbaum der Blitz einschlägt an einem Tag, wo man Durchfall hat, dann heißt das ja auch nicht, dass Blitzeinschläge in Apfelbäumen Diarrhö verursachen würden. In der DDR, von der vorhin schon die Rede war, da wären auch all Ihre Mitarbeiter im Ministerium in der selben Partei wie Sie gewesen und das hätte niemanden gestört.

Aber das Beste ist ja wohl, dass Ihnen dieses Politik-Ding so liegt. Jetzt gibt es keine Kohle mehr, wenn man einfach nur arm ist, und das ist auch gut so. Denn sonst gäbe es ja gar keinen Anreiz mehr dafür reich zu sein und Reichsein ist ja wohl der besteste Zustand, den es überhaupt nur gibt. Dann würden sich ja die Staaten anstellen, arm zu werden, wenn dann Dirk the N angedüst käme, um ihnen die deutsche Staatsknete rüberzureichen. Nein, von Dirk the dagger gibt es nur Geld, wenn auch wir etwas dafür bekommen. Wer unterschreibt, zukünftig seine Bodenschätze mit dem großen D zu teilen, der bekommt auch Geld von uns. Früher hat man das deutsche Geld in Truppen investiert, die dann da unten Hunger und Durst leiden mussten, heute schickt Big D einfach nur noch das Geld und wir bekommen alles, was gut ist. Die ganzen Entwicklungshilfeunternehmen haben Sie zusammengelegt, damit das alles effizienter ist. Das finde ich gut! Das endlich mal auch Entwicklungshilfe profitorientiert gemessen wird. Was können wir mit der Dritten Welt verdienen. Das wurde Zeit! Krankenhäuser werden privatisiert, die Bahn sowieso und aus der Entwicklungshilfe können wir auch noch richtig Geld machen. Sie haben gesagt, die Entwicklungspolitik muss abgeschafft werden und Sie haben es durchgezogen.

Ich bin Ihnen so dermaßen dankbar und finde Sie einfach tippitoppi. Wenn jemand den Karren aus dem Dreck geholt hat, wenn jemand dafür verantwortlich ist, dass es mit diesem Land wieder vorangeht, dann Sie, Herr Niebel. Wenn die FDP wieder in den Bundestag kommt, dann wäre das nicht nur sehr gut, sondern allein Ihr Verdienst. Sie sind nämlich einsame Spitze. Ganz allein, ganz weit vorn. Mal sehen, ob ich noch andere Unterzeichner für diesen offenen Brief zusammenbekomme oder ob wir einfach am Wahlsonntag alle miteinander zeigen, wie gut wir Sie finden. Ich weiß gar nicht, was ich noch sagen soll, außer einfach: Dank Ihnen, Dirk Niebel!

Kommentare (8)

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  1. Pingback: Offener Brief: Danke, Herr Bundesaußenminister! | Reptilienfonds

  2. @ Herr Maslow

    Planet Meinungsfreiheit

  3. Sehr geehrter Herr Hein,

    Kompliment, das ist das Beste, was ich seit einiger Zeit in einem Blog gelesen habe. Die Tränen standen mir in den Augen und ich konnte zwischenzeitlich nicht mehr weiter lesen, weil ich so lachen musste.

    @Mr Greenberg: Von welchem Stern der Galaxis kommen Sie denn so?

    Gruss aus dem hochschwarz-gelb gestreiften Münster des heiligen Pflege-Bahrs

  4. Sehr geehrter Herr Greenberg,
    und was bitte sollte Sie das angehen? Und was hat es im Kontext dieses Textes hier verloren?

    Nein, antworten Sie bitte nicht, es würde nur noch schlimmer.

  5. Sehr geehrter Herr Hein,

    wieviel Geld haben Sie im abgelaufenen Jahr für Menschen in dritten Ländern gespendet?

  6. Kompliment Herr Niebel. Alle ihre Freunde werden Sie nun im BMZ überleben. Denn während Sie sich nach dem Wahlsonntag nach einer neuen Beschäftigung umsehen müssen, haben sich Ihre Protégées wie die Maden im Speck festgefressen. Aber sicher hat auch einer Ihrer Freunde eine Beschäftigungsidee…

  7. Es gibt in Deutschland noch immer viel zu wenige “Charaktertypen”, wie den Niebel. Man muss kein Bayer sein, um gute Freunde gut unter zu bringen und die Fleischtöpfe zu besetzen. Man muss überhaupt nichts können, wenn man zur “richtigen” Truppe gehört, wird für einen gesorgt. Danke für diesen ganz wichtigen Artikel!

  8. Im Wahlkampf 2009 hat ein Mann namens Niebel, FDPler war er wohl, ein Ministerium abschaffen wollen.
    Kurz danach war er Minister in genau diesem Amt.
    Er ist einfach ein Idi….