vonJakob Hein 17.01.2014

Reptilienfonds

Heiko Werning über das tägliche Fressen und Gefressenwerden in den Wüsten, Sümpfen und Dschungeln dieser Welt.

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Einige Bekanntheit hat die wohl tausend Jahre alte Fabel von der Schildkröte und dem Skorpion, in den letzten Jahrhunderten meist mit einem Frosch anstelle der Schildkröte wiedergegeben: Die Schildkröte transportiert den Skorpion über einen Fluss. Kurz vor dem Ufer versucht der Skorpion die Kröte zu stechen, was im Erfolgsfall für beide den Tod bedeuten würde:

O du undankbarer Geselle! Dir zu helfen, begab ich mich in Gefahr, dir beizustehen, trage ich dich durch das Wasser. Hast du denn unsere Freundschaft vergessen?“ schrie die Schildkröte.

Ich denke wohl an unsere Freundschaft“, sagte der Skorpion, „doch zwingt mich meine Natur, jeden zu stechen und jedem zu schaden, sei er mein Freund oder Feind!“

Und da dachte die Schildkröte mit bitterem Herzen: ‚Recht haben die Weisen gesagt: „Wer ein schlechtes Wesen hat, wird es eines Tages schon zeigen!“ und „Jemanden von niedriger Gesinnung hegen, heißt seinen Ruf den Winden preisgeben und den Schlüssel zu seinem eigenen Wesen verlieren.

Die Deutsche Stiftung Organspende hat ihre Jahreszahlen für 2013 veröffentlicht. Diese sagen aus, dass die Organspendenbereitschaft in Deutschland derzeit so niedrig ist wie seit mehr als zwanzig Jahren nicht mehr. Der Grund für diesen Negativrekord ist gleich bei der Hand: Es liegt an dem 2012 bekannt gewordenen Skandal, dass Ärzte von Transplantationszentren bei Organspenden wohl betrogen und gelogen haben. Die Prozesse laufen, die kontinuierliche Berichterstattung hält die Erinnerung wach.

Der Organspendeskandal hat das Vertrauen in die gerechte Vergabe von Spenderorganen anscheinend nachhaltig erschüttert.“ (Spiegel, 15.1.2014)

„An mehreren Universitätskliniken waren zuletzt Manipulationen im Zusammenhang mit Lebertransplantationen aufgedeckt worden. In der Folge brachen die Spenderzahlen in Deutschland dramatisch ein.“ (taz, 15.1.2014)

Einen Grund für die „dramatische Entwicklung“ sieht die Stiftung im Skandal um Manipulationen bei Organtransplantationen, der sich schon 2012 ausgewirkt hatte.“ (Süddeutsche Zeitung, 15.1.2014)

An mehreren Universitätskliniken waren Manipulationen im Zusammenhang mit Lebertransplantationen aufgedeckt worden. In der Folge brachen die Spenderzahlen in Deutschland im Jahr 2012 dramatisch ein.“ (tagesschau.de, 15.1.2014)

Der Transplantationsskandal hat das Vertrauen in die Transplantationsmedizin erschüttert und ist der Hauptgrund für die weiter zurückgehende Zahl der Organspende in Deutschland.“ (Bundesärztekammer, 15.01.2014

Marlene Mortler wird neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung“ (Bundesministerium für Gesundheit, 15.1.2014)

 Außer dem Bundesgesundheitsministerium, das offensichtlich nichts zu dem Fall zu sagen hat, herrscht eine weitgehende Übereinstimmung in der Berichterstattung: Die 2012 bekannt gewordenen Betrügereien in den Transplantationszentren sind ursächlich dafür, dass immer weniger Menschen ihre Organe spenden wollen. Und wenn man die Angelegenheit gelöst hat, dann werden die Menschen schon zur Vernunft kommen. Oder, wie es der Präsident der Bundesärztekammer ausdrückt:

Selbstverwaltung und Gesetzgeber haben nach dem Transplantationsskandal ein ganzes Maßnahmenbündel für mehr Transparenz und Kontrolle in der Transplantationsmedizin auf den Weg gebracht. Unter anderem haben wir das Mehraugenprinzips bei der Anmeldung von Wartelisten-Patienten eingeführt und die Befugnisse unserer Prüfungs- und Überwachungskommission erheblich ausgeweitet. Heute können wir feststellen, dass diese Maßnahmen greifen und die Transplantationsmedizin in Deutschland so sicher ist wie noch nie.“

Aber ist diese Sichtweise nicht bequem, einseitig und verkürzend? Liegt es wirklich nur an diesem einen Skandal, der zum Glück auch gerade gerichtlich geklärt wird? Entgegen dieser einseitigen Erklärung sollen hier ein paar grundsätzlichere Thesen formuliert werden:

  1. Der Organspende„skandal“ hat niemanden im Gesundheitswesen überrascht

Seit Jahren gibt es in den Krankenhäusern drei Prioritäten: Geld, Geld und Geld. Die Fallpauschalen beziffern die Behandlungskosten für einzelne Diagnosen. Die Belegungszahlen garantieren die Auslastung und sind entscheidend in den Verhandlungen mit den Krankenkassen. Die Ausgaben für teure Medikamente müssen gesenkt werden. Die durchschnittliche Verweildauer muss gesenkt werden. Die Diagnosen müssen fachgerecht kodiert werden, um das Maximum aus jedem Fall herauszuholen. Zu kranke Patienten müssen vermieden werden, weil sie Verlust einbringen. Reinigungspersonal, Wachpersonal und Pflegepersonal werden ausgelagert, um Kosten zu sparen, auch wenn das zulasten der Patientensicherheit geht (Hygiene, Diebstahl). Und so weiter und so fort. Im Zusammenhang mit der Aufdeckung des Organspendeskandals wurden Bonuszahlungen in Chefarztverträgen diskutiert: Wenn ein Chefarzt die Zahl der lukrativen Behandlungsfälle seiner Abteilung steigert, bekommt er Bonuszahlungen. Dies natürlich über die Gelder der Privatpatienten, die ohnehin direkt in seine Tasche fließen.

Bei all diesen Maßnahmen handelt es sich um gewollte ökonomische Beeinflussungen medizinischer Behandlungen. Es ist auf jeden Fall doppelbödig und letztendlich zynisch, diese Entwicklung massiv zu befördern und sich andererseits verwundert darüber zu geben, dass diese Entwicklung Folgen hat. Wenn es hohe persönliche und berufliche Anreize dafür gibt, unter allen Umständen lukrative Operationen wie Transplantationen in einer Abteilung durchzuführen, wie kann man sich da wundern, dass der Wettbewerb mit allen Mitteln geführt wird? Wenn ein Krankenhaus so niedrige ethische Normen zeigt, die Reinigung von Intensivstationen an Drittfirmen zu verkaufen und somit bewusst in Kauf nimmt, dass Niedriglohnmitarbeiter die verantwortungsvolle Aufgabe der Krankenhaushygiene entscheidend mit übernehmen, die nach getaner Schwerstarbeit beim Jobcenter ergänzende finanzielle Leistungen beantragen müssen, wie soll dann dieses Krankenhaus von den ärztlichen Kollegen dieser Mitarbeiter verlangen, höheren ethischen Normen zu folgen? Man ist erinnert an einen klassischen Kardinalfehler der Kindererziehung: „Tue nicht, was ich tue, sondern tue was ich dir sage.“ Warum sollen ethische Belange in der Leitung eines Krankenhaus eine nachgeordnete Rolle spielen, für den einzelnen Arzt aber plötzlich einziger Maßstab seines Handelns sein? Würde ein Arzt ausschließlich das Wohlbefinden seiner Patienten im Auge haben, müsste er sich bald einen anderen Arbeitsplatz suchen, wo er seinen Patienten helfen kann. Wo das sein soll, ist hier nicht bekannt, jedenfalls braucht er nicht in deutschen Krankenhäusern zu suchen.

  1. Der Organspende„skandal“ hat die Patienten nicht überrascht

Man muss schon vor Gesundheit strotzen und eine mehr als gesunde Abneigung gegen alles Medizinische haben, um als Patient*in nichts von der Ökonomisierung im Gesundheitswesen mitbekommen zu haben. Man darf noch nie in einer Arztpraxis angerufen haben, um die Frage „Wo sind Sie denn versichert?“ gehört zu haben. Man darf noch nie an einem Krankenhaus vorbeigelaufen sein, wo neben den regulären Kliniken und Stationen nun überall Privatkliniken und Stationen aufmachen. Man darf kein Brillenträger sein und kein Hörgerät brauchen. Man darf keine pflegebedürftigen Angehörigen haben. Vor allem aber darf man nie krank oder gar Unfallopfer gewesen sein und sich niemals mit Menschen über die Themen Ärzte und Gesundheit unterhalten zu haben. Man darf auch keine Zeitung zum Thema gelesen haben und Radio und Fernseher nur zu garantiert Nachrichten-freien Zeiten einschalten.

Da diese Bedingungen aber auf nahezu niemanden zutreffen, kann man wohl sagen, dass praktisch jeder von der die tiefgreifenden Ökonomisierung der Medizin weiß. Alle bestreiten, dass es eine Zwei-Klassen-Medizin gäbe. Aber das ist nur insofern wahr, als es tatsächlich eine Fünf-Klassen-Medizin gibt. Erster Klasse fahren die voll privat Versicherten, deren teure Policen auch noch die unsinnigsten medizinischen Verfahren bei völliger Gesundheit übernehmen. Sie sind die beliebtesten Patienten: Egal, wie gesund sie sind, der Arzt kann immer noch etwas an ihnen verdienen. In der zweiten Klasse sind die privat versicherten Beamt*innen und andere Privatversicherte mit kleinen Einschränkungen. Eigentlich wird eine ganze Menge bei ihnen bezahlt, aber die Kirsche auf dem Sahnehäubchen wird oft nicht mehr übernommen: Einzelzimmer, de luxe-Essen, Massagen zahlt ihre Kasse nicht. Schon schließen sich einige Türen der Privatkliniken vor ihren Nasen. Dritte Klasse sind die gesetzlich Versicherten mit soliden Kassen. Hier dürfen keine Namen genannt werden, aber in den diversen Testportalen gibt es immer wieder zwei, drei Kassen, die unkompliziert abrechnen und auch ein, zwei zusätzliche Leistungen für ihre Versicherten bieten. Klasse vier sind die gesetzlich Versicherten mit den prekären Kassen. Hier dürfen keine Namen genannt werden, aber es gibt Kassen, vor denen sich die Krankenhäuser fürchten, die immer wieder Leistungen kürzen wollen, alle Kosten argwöhnisch prüfen und statt zusätzlichen Leistungen gern mit zusätzlichen Gebühren aufwarten. In Klasse fünf finden sich die nicht Versicherten wieder: Asylbewerber und andere Menschen mit kompliziertem Aufenthaltsstatus, deren medizinische Versorgung zwar offiziell übernommen wird, wo die Kostenübernahme aber de facto so kompliziert ist, dass man rein ökonomisch gesehen, jedem von einer Behandlung dieser Patienten abraten müsste.

Dass in dieser durchökonomisierten, nur auf Profit bedachten Welt immer wieder Skandale passieren, überrascht daher die meisten Menschen nicht, sondern es bestätigt nur eine Vielzahl täglicher Erfahrungen und Nachrichten. Insofern traf der Organspende-„Skandal“ auf eine mittlerweile sehr kritische Bevölkerung. Niemand war schockiert, dass für unfehlbar und untadelig gehaltene Ärzt*innen in gestärkten weißen Kitteln anderes als das Wohl der Patient*innen im Blick hatten. Vielmehr bestätigte es für viele wohl auch ein bereits langfristig gewachsenes Misstrauen.

  1. Die Leute sind nicht einfach zu doof, einen Organspendeausweis auszufüllen

Wenn die Menschen weniger Organe spenden, dann kann man das dem „Unwissen“ oder der „Unsicherheit“ oder „zu wenig Information“ oder der „Angst“ zuschreiben. Deswegen braucht man jetzt auch mehr „Aufklärung“, damit die Menschen „wieder Vertrauen“ in die Transplantationsmedizin bekommen. Warum werden die Menschen in dieser Betrachtungsweise so behandelt, als wären sie alle nur zu ungebildet, um sich endlich einen Organspendenausweis zu besorgen? Wenn die selben Menschen ihre Stimme bei Wahlen abgeben sollen, sind die meisten doch auch nicht zu dumm, diese viel kompliziertere Entscheidung zu treffen. Warum zieht man nicht in Betracht, dass sich die Menschen bewusst und nach Abwägung verschiedener Umstände gegen eine Organspende entschieden haben?

Vielleicht möchten die Menschen ihre Organe nicht spenden aus Gründen, die Medizin und Politik mit zu verantworten haben. Weil die Patienten das Vertrauen in die Medizin verloren haben. Allein schon die Zusicherung des Vorsitzenden der Deutschen Stiftung Organtransplantation „Kein Patient muss in Deutschland befürchten, wegen einer Organspende von den Ärzten zu früh aufgegeben zu werden.“ spricht Bände. Woher will er das wissen? Wenn es weniger Spenderorgane auf einem „Markt“ gibt, der „dem Wettbewerb unterliegt“, wer kann dann für einen ethisch einwandfreien Umgang garantieren? Der Krankenhausdirektor, der die Chefarztverträge aushandelt? Oder der kaufmännische Direktor, der alles an Drittfirmen gibt, was geht? Die Menschen machen die persönliche Erfahrung, dass ihre Kopfschmerzen unwichtiger sind als die eines Privatversicherten, dass eine ukrainische Oppositionspolitikerin mit Rückenschmerzen monatelang von Professoren persönlich behandelt wird, während ein deutscher Kassenpatient mit den selben Rückenschmerzen niemals in den Genuss so einer intensiven Behandlung kommen würde.

Sicher, Organspenden können Leben retten. Im Idealfall verlängert das Organ eines ohnehin Verstorbenen das Leben und dessen Qualität eines Lebenden um viele Jahre. Aber zwischen der Entnahme des Organs beim Toten und der Einpflanzung dieses Organs beim Empfänger stehen ethisch komplexe Prozesse. Der Spender hofft, dass er nicht vorschnell aufgegeben wird – hier muss er sich noch am wenigsten Sorgen machen. Aber er hofft auch, dass ein Organ der richtigen Person gegeben wird, dass Prinzipien von Moral und Gerechtigkeit eingehalten werden. Die Zweifel hieran sind nun überdeutlich. Damit ist auch die Hoffnung verbunden, dass der Zustand des Empfängers den Sinn der Transplantation rechtfertigt. Dass also einerseits die Transplantation medizinisch sinnvoll ist, dass aber auch der Empfänger mit dem Organ gut umgehen kann und nicht schwerwiegende andere Gründe gegen eine Transplantation sprechen. Aber – und darüber wird so gut wie nie gesprochen – mit der Organspende unterstützt der Verstorbene auch das Gesundheitssystem an sich. Ohne den Spender gäbe es keine Transplantationsmedizin, keine Transplantationschirurgen. Die Menschen informieren sich schon, wenn sie zehn Euro spenden möchte, ob die Organisation ihren Normen und Werten entspricht. Und eine Organspende kann man wohl ohne weiteres die wertvollste Spende nennen, die ein Mensch machen kann. Da ist es klar, wofür man eine solch wertvolles Ding spenden möchte: Für ein menschliches, freundliches, an ethischen Werten und nur nachrangig an Geld und anderen niederen Motiven orientiertes System.

Es ist verständlich, wenn viele Patient*innen nicht mehr glauben können, dass dieser Wunsch erfüllt werden kann. Die fehlende Bereitschaft, Organe zu spenden, wäre in dieser Betrachtungsweise auch ein Misstrauensvotum gegen eine Medizin, in der eine ethische Betrachtungsweise in den Hintergrund getreten ist. Wer mehr als sechs Massagen braucht, muss selbst dafür bezahlen, obwohl er krankenversichert ist. Verständlich, wenn sich Menschen unter diesen Umständen dagegen entscheiden, ihre eigenen Organe im Falle eines Falles an diesen profitorientierten Moloch zu verschenken.

Ärzteschaft und Politik könnten grundlegende Dinge ändern, aber das ist unwahrscheinlich. Und so bleibt es wahrscheinlich bei den Aufrufen und Appellen, sowie der unverrückbaren Annahme, dass die Menschen nur noch nicht informiert genug dafür sind, das Richtige zu tun.

Dass die Schildkröte den Skorpion über den Fluss gebracht hat, kann man ihrer noblen Gesinnung zuschreiben. Wenn sie aber danach mit ihrer Familie ein Fährunternehmen für Skorpione gründet, wird das wohl niemand mehr für nobel halten.

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https://blogs.taz.de/reptilienfonds/2014/01/17/organspendenbereitschaft-niedrig-warum-sollten-schildkroten-ein-fahrunternehmen-fur-skorpione-eroffnen/

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kommentare

  • jawoll Frau Gast,

    ich bin ja erstaunt darüber wie Sie den Tod für all Ihre Mitmenschen gleich mit definieren, ich definiere mich über mein Gehirn,mein Wesen, weil es das ist was mich ausmacht, scheint bei Ihnen nicht der Fall zu sein,also wie sollte bei Ihnen noch ein Hirntot diagnostiziert werden,Sie sind ja anscheinend schon mitten drin.Was mich aber wirklich wütend macht, ist Ihre böse Art die „vielen Organempfänger“ als kreisende auf „Ihre“ Organe wartenden Geier zu bezeichnen, die an allem auch noch selbst Schuld sind. Ich finde auch Sie sollten alle Ihre Organe schön behalten und falls Sie doch einmal in die Verlegenheit kommen sollten, eine dieser bösen Zivilsations Krankheiten zu erleiden, dann hoffe ich doch, das ja keiner auf den Gedanken kommt Sie zu fragen ob Sie gern weiterleben möchten, denn das müßten Sie dann mit einem „Nein“ beantworten , manche Leben sind länger und mache kürzer und ein Recht auf weiterleben gibt es in Ihrem Fall Gott sei Dank dann auch nicht.

  • @Fritz: Nein, es war nicht schon immer ein Frosch. Einfach dem Link folgen, da finden Sie ein sehr schöne, sehr spannende wissenschaftliche Abhandlung zu dem Thema.

  • ‚Einige Bekanntheit hat die wohl tausend Jahre alte Fabel von der Schildkröte und dem Skorpion, in den letzten Jahrhunderten meist mit einem Frosch anstelle der Schildkröte wiedergegeben‘ … Nein, es war schon immer ein Frosch, da ein Skorpion eine Schidkröte nur schwer zwacken oder töten kann – ansonsten: Kein Profit mit meinen Innereien … wenn man mich fragen würde, ob ein Organspendeausweis meine Überlegenschancen verringert, so würde ich sagen: Ja. Meine behandelnden Ärzte können meine Organe zwar nicht direkt verticken, aber mich auszuschlachten bringt sehr viel mehr Kohle, als mich zu retten.

  • Na dann, Frau Gast,
    Damit sie mit Ihrer Aussage nicht zu einseitig dastehen, möchte ich Sie dringend darum bitten, nicht nur einen „Keine-Organspende-Ausweis“, sondern auch einen „Um-Himmels-Willen-Gebt-mir-kein-Spenderorgan-sondern-Lasst-mich-einfach-sterben-Ausweis“ immer dabei zu haben. Besser noch: Lassen Sie sich das tätowieren. So können Sie für mich sicherstellen, dass meine Organe nicht ausversehen in Ihnen landen. Wäre ja schade.
    Nebenbei: Ein faszinierendes Menschenbild haben Sie da. Glückwunsch dazu.
    Ach ja, und, wenn es dann soweit ist, auf ein gesundheistbewustes Ableben.
    Ihr Jan H.

  • Ach, Frau Gast,
    das schöne am Veganismus ist ja seine so häufig damit einhergehende grundsätzliche Menschenfreundlichkeit, wie von Ihnen hier gezeigt. Einfach rundheraus sympathisch! Da möchte man aus lauter Freude darüber direkt mit dem Rauchen anfangen. Oder besser gleich mit Heroin.

  • Der Beitrag ist schon mal weiterführend als die übliche Berichterstattung zur Organspende, lässt aber wie alle anderen drei wesentliche Aspekte aus:

    1. Der „Organspender“ ist nicht schon ‚ohnehin verstorben‘. Er lebt noch, sonst wären seine Organe nicht verwendbar. Er stirbt durch die Organentnahme. Das Hirntodkriterium, erfunden, um die Organentnahme überhaupt ethisch vertretbar zu machen, hat sich in der Zwischenzeit oft genug als fehlerhaft erwiesen und müsste neu diskutiert werden. Ist nicht kürzlich erst eine seit drei Monaten ‚Hirntote‘ von einem gesunden Kind entbunden worden? Wie tot kann dieser Organismus wohl gewesen sein? Es gilt nach wie vor die alte Regel: Wer noch warm ist, ist nicht tot.

    2. Das Eigenverschulden vieler Organempfänger muss diskutiert werden. Solange hier nur die peinliche „Schenk mir dein Herz“-Propaganda der DSO verbreitet wird, wird sich an der ‚mangelnden‘ Bereitschaft nichts ändern. Das ist wenigstens ein Vorteil des „Skandals“ und der Berichterstattung über die Prozesse, bei denen sie dann auflaufen, die Zeugen: Alkoholiker, Ex-Junkies, Leute, die an ganzen Sammlungen von selbstangeschafften Zivilisationskrankheiten leiden. Als gesundheitsbewusste, nichttrinkende und nichtrauchende Veganerin kann ich da nur sagen: meine Leber gehört mir. Für so jemanden lasse ich mich nicht bei lebendigem Leib ausschlachten.

    3. Auch eine Änderung der Denkrichtung könnte helfen: Wie kommen diese Leute eigentlich dazu, auf anderer Menschen Organe zu ‚warten‘? Manche Leben sind länger, manche kürzer. Es gibt kein Recht auf Ersatzteillieferung.

    Ich hatte zwischen 18 und 39 Jahren einen Organspendeausweis, bis ich durch einen Rundfunkbeitrag auf die kommerzielle Auswertung Sterbender bei der ‚Organspende‘ aufmerksam gemacht wurde. Heute trage ich einen Keine-Organspende-Ausweis in mehreren Sprachen.

  • Ich habe den Organspendeausweis ausgefüllt und angekreuzt: NEIN, ich widerspreche einer Entnahme von Organen oder Geweben. Warum trauen sich das so wenige? Weil sie sich doch irgendwie von den Kampagnen unter Druck setzen lassen und nicht als die „Bösen“ gelten wollen?

  • In Ihrem Artikel finden sich diverse Rechtschreib- oder Tippfehler. Vermutlich klemmte die Sternchentaste. Bitte korrigieren: Beamt*innen, Patient*innen etc.

  • Ja, es gibt sicher schwarze Schafe. Sowohl unter Medizinern als auch unter Journalisten und in allen anderen Bereichen auch. Und natürlich geht auch mal etwas schief. Der Mensch ist nun mal nicht unfehlbar.

    Aus meiner Sicht als Organspendeausweisinhaber liegt allerdings die Vermutung sehr nahe, dass die Bereitschaft zur Organspende insbesondere verringert wird durch die ständige Verbreitung von Vorurteilen und Schlechtgerede wie z.B. in diesem Artikel.

    Um es krass zu formulieren: Mich kotzt mich genau diese Art von Artikel an. Keine Ahnung haben, aber scharze Dünste verbreiten.

  • „Ärzteschaft und Politik könnten grundlegende Dinge ändern“ – ja – und patienten koennten ihre termine einhalten und nicht nach unberechtigten krankmeldungen fragen und weniger rauchen und zuhoeren und weniger luegen und „das Richtige tun“.

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