vonJakob Hein 06.04.2014

Reptilienfonds

Heiko Werning über das tägliche Fressen und Gefressenwerden in den Wüsten, Sümpfen und Dschungeln dieser Welt.

Mehr über diesen Blog

Now, nobody likes a good laugh more than I do, except perhaps my wife and some of her friends. Oh yes, and Captain Johnson. Come to think of it, most people like a good laugh more than I do, but that’s beside the point.

(Monthy Python)

Werter Herr Pirincci: Sie können jetzt rauskommen. Ihr Witz hat funktioniert. Fast alle sind Ihnen auf den Leim gegangen. Aber jetzt ist Schluss. Es wird nicht mehr lustiger. Bitte sagen Sie jetzt endlich „April, April“ und spenden Sie die Gesamteinnahmen des Buches an den Schwulen- und Lesbenverband. Treten Sie in „Die Partei“ ein und bewerben sich dort um das Amt des Gleichstellungsbeauftragten. Machen Sie irgendwas, aber bitte nicht so weiter.

Sie sind sicher der einzige deutsche Schriftsteller, der „Volksmusik“ und die „Wildecker Herzbuben“ als seine Lieblingsmusik benennt. Nun haben Sie im Umfeld des 1. Aprils ein Buch veröffentlicht, das sich offenbar ausgezeichnet verkauft. In dem Text hetzen Sie gegen Homosexuelle, Gleichberechtigung und auch gegen Ausländer. Thilo Sarrazin verunglimpfen Sie als zu lasch, weil er nicht die Abschiebung von einer Millionen Ausländer aus Deutschland fordert.

Überhaupt ist die These, dass die Ausländer, denen es in Deutschland nicht gefällt, doch bitte aus Deutschland verschwinden sollen, in Ihrem Buch grandios komisch. Denn Sie selbst sind im Sinne Ihres Buches ein Ausländer sind und beschreiben, dass es Ihnen in Deutschland nicht gefällt. Sie sind zum ZDF gegangen und haben dort hemmungslos Thesen verbreiten können, dass beispielsweise die Grünen den von Ihnen so geliebten deutschen Wald mit Windrädern vernichten. Die arme Frau vom Lerchenberg wusste nicht, wie ihr geschah, und sprach schließlich sogar von „Ihren Landsleuten“, obwohl Sie, Herr P. sich ja als Deutscher bezeichneten.

Sie haben das ZDF vorgeführt und die Bild. Und Sie haben die Menschen in Rage gebracht. So viele tausend rechte Beifallklatscher, so entsetzte linke Kritik. Sie haben Ijoma Mangold von der Zeit dazu gebracht, den ersten Hitler-Vergleich seiner beruflichen Laufbahn zu machen. Chapeau!

Man hätte es wissen können. Allein schon die Biografie auf Ihrer Seite strotzt von mehr oder weniger gelungenen Witzen:

Pirincci schrieb schon mit drei Jahren seine Autobiographie („Fläschchen leer“), die jedoch wegen drastischer Schilderungen von Fäkal- und Kotzszenen keinen Verlag fand. Mit zehn Jahren erhielt er den Literaturnobelpreis – bis man ihm sagte, daß es sich bloß um einen Telefonstreich gehandelt habe. Der vermögende Bestsellerautor, der sich nicht zu schade ist, nebenbei auch was bei der Arge abzustauben, lebt heute mit seinen sieben Frauen in Saudi-Arabien. Der leidenschaftliche Pazifist hegt für die Menschheit einen Traum: Die Atombombe ist gefallen, und alle Autoren auf der Welt sind tot – bis auf Akif Pirincci.

 Auch wenn Sie als Lieblingsspiel „Flaschendrehen“ bei facebook angeben oder bei Ihrem Blogeintrag zu Ihrem ZDF-Auftritt schreiben: „Das geht in keine Kuhhaut.“ Köstlich persiflieren Sie die meist nur knapp verhohlene Selbstverliebtheit von Autoren, indem Sie bei Lieblingsbücher schlicht „nur meine eigenen“ schreiben. Wo andere trendige amerikanische Serien als Lieblingssendung benennen, schreiben Sie „Der blaue Bock“, die wahrscheinlich einzige Volksmusiksendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, die es geschafft hat, abgesetzt zu werden. Ja, Sie sind ein Mann des Brachialhumors. War nicht schon Ihr Bestseller „Felidae“ eine großartige Satire auf die gesamte Krimibranche, die immer neue Komissare auf den Markt warf und wirft? Ein Mönch, ein Anwalt, ein ehemaliger Polizist, eine Hausfrau und so weiter – aber eine Katze, das hatte vorher niemand gewagt. Welch ein Clou, dass Ihnen das abgenommen wurde.

Doch jetzt ist es an der Zeit, Schluss zu machen, umzukehren und diesen groß angelegten Witz zu beenden. Denn im Gegensatz zu dem Katzenkrimi, der einen ganzen Rattenschwanz von Katzenkomissaren und seine Verfilmung nach sich zog, wird dieser Witz nicht lustiger, je länger er in der Welt ist. Ihr Buch dient als Nährboden für eine üble Stimmung, ein unklares Rumoren von Unzufriedenheit und drängenden Problemen, in einem Land, wie es sich reicher und sicherer auf diesem Planeten kaum finden lässt.

Darum: Narrenkappe ab und reinen Tisch gemacht, Herr P.! Wir werden es Ihnen danken.

PS Wenn ihr „Sachbuch“ keine Satire sein sollte, dann tut es uns sehr, sehr leid. Sehr.

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/reptilienfonds/2014/04/06/mr-pirincci-tear-down-this-joke/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • „Sie haben Ijoma Mangold von der Zeit dazu gebracht, den ersten Hitler-Vergleich seiner beruflichen Laufbahn zu machen. Chapeau!“

    Als ob es einen Sack Reis in China wieder aufrichten würde, wenn ein Halbneger von der ZEIT wieder einmal jemanden mit der Hitlerkeule niederknüppelt. Die selbsternannte linke „Intelligentia“ ist am Ende, genauso wie der Gender-Lesben-Homo-Stuss, das ewige „Rassismus“- und „Nazi“-Geschrei.

  • Pirrinci hat – nachdem er das Thema Katzen ausgelutscht hat (und seine Erfolge anschliessend mehr als begrenzt waren) – eine neue Goldgrube entdecke. Und die heisst Wirrkonservatismus. Ahnungsloses, weitestgehend sinnfreies Geschwurbel macht sich da immer gut. Zielgruppe sind jene in der Rechten Ecke, die bei Broder intellektuell überfordert sind. Sozusagen ein Sarrazin für (geistig) Arme.

  • Akif Pirincci ist der einzige Deutsche mit türkischen Wurzeln, dem die Linke in Deutschland am liebsten sofort die deutsche Staatsbürgerschaft aberkennen würde, um ihn anschließend in die Türkei abzuschieben.

  • Nein, Satire ist bei Hasspredigern nicht angebracht. Pirincci ist tatsächlich genau der irre Möchtegern-Faschist, als den ihn die Zeit im Hitler-Vergleich präsentiert.

  • Hat der Autor den Blogeintrag auf seiner Seite verlinkt und alle seine Anhänger zum sinnbefreiten Krawall aufgerufen?
    Sein Zielpublikum offenbart der gute Herr Pirincci damit, wenn er in dem verlinkten Interview von einem „entreligionisierten“ Land spricht: Alle, die zu doof sind, das Wort säkular zu kennen.
    Bildung bremst und Piricci-Leser befinden sich auf der Überholspur.

  • Lieber Herr Hein, Narrenkappe ab und reinen Tisch gemacht: Bitte entschließen Sie sich endlich zum Suizid! Wir werden es Ihnen danken. Wenn ihre Existenz keine Satire sein sollte, tut es mir sehr, sehr leid. Sehr. Danach macht diesen Aprilscherz namens TAZ ein für alle mal dicht!

  • Ach komm, Jakob, der Witz hat durchaus noch Potential, das ausgeschöpft werden kann. Gib der Satire eine Chance. Da geht noch was. Lächerlichkeit ist so schnell nicht zu Ende. Das geht noch zu toppen. Die Kommentatoren hier machen doch auch alle noch fleißig mit.

  • Akif schreibt und sagt ausdrücklich, dass er Deutscher ist und sein Land liebt, also gehört er nicht, wie ihr behauptet(lügt), zu den Ausländern, denen es in Deutschland nicht gefällt und die er in deren wahre Heimat zurückschicken möchte. Akif keift gegen euch Linke, das ZDF und die Grünen Antideutschen, und das ist bestimmt nicht „Deutschland“, ihr Linken seid die Brut aus der Hölle oder aus Nordkorea, was weiß ich, aber bestimmt NICHT Deutschland.

  • Die TAZ sollte auch gleich reinen Tisch machen: Macht diesen Oberlehrerscheiß auf Kindergartenniveau einfach zu. Übrigens Marx hat lügend die Wahrheit gesagt und ihr habt es immer noch nicht geschnallt: In der kommunistischen Weltrevolution der Wallstreet werden nützliche Idioten nach der Wegbereitung entsorgt. Bye Bye TAZ, aber das kann ja nicht sein, weil ihr habt ja den totalen Durchblick.

  • Das linksgrüne Weltbild ist, im Gegensatz zum Geschlecht, wirklich ein Konstrukt. Ein schlechtes. Narrenkappe ab und reinen Tisch gemacht. Falls die Migranten-, Gender- und Energiewendeidiotie keine Satire sein sollte, tut es uns sehr leid.

  • DIESER Artikel ist der beste Beweis der Richtigkeit dessen, was Pirincci sagt.

    Euch weht ein eisiger Wind um die Ohren…………auch ohne Akif Pirincci !

    Und das wißt Ihr – nicht als Einzige ! Auch die von der sog. „Konkurrenz“ aus dem Hause SPRINGER !

  • Ich habe auch noch’n April-Witz: Zuwanderung jeder Art ist eine Bereicherung, der Islam ist eine Religion des Friedens, die Energiewende klappt, Judith Butler ist eine prima aussehende und ernst zu nehmende Wissenschaftlerin und es sichert den Lauf der Sterne und das Weltklima, dass immer I_nnen geschrieben wird, der Mindestlohn kommt, sich Schwule und Lesben auf dem CSD und vor Kinderpublikum öffentlich blasen und lecken, der BER eröffnet, Drogenhandel von Asylanten hört auf, die Grünen verfolgen kindersexsympatisanten energisch und Volker und Jürgen erinnern sich, und gründen zusammen mit Claudia, Cem und Dany die Chorbruderschaft zum hl. Alois, schämen sich und man hört nie wieder was von ihnen.

  • War die TAZ nicht die RedenschreiberInnInnInnen von Karl Eduard von Schnitzler vom schwarzen Kanal von DDR2 (jetzt ZDF). Lustig war das damals schon nicht. Jetzt kommt Akif daher und sieht genüsslich zu, wie sich die TAZ die Narrenkappe selbst aufsetzt. In welchem Paralleluniversum befindet ihr euch eigentlich gerade. Ist eigentlich auch egal, den wer die Realität nicht mehr abbilden kann, schafft sich eh ab. Ein Blockparteinsprachrohr weniger.

  • *Das* ist eure Antwort? Auf ein fulminantes, verstörendes, geistreiches, leidenschaftliches und anrührendes Pamphlet mit epochalem Gesellschaftsrüttlerpotential kontert ihr mit drittklassigem, peinlichem „ad hominem“-Quatsch auf Schülerzeitungs-Niveau? Das ist ein perfektes „q.e.d.“ für jeden, der das Buch (anders als ihr) *gelesen* hat. Nein. Es ist kein Scherz. Strike. You lose.

  • Liebe Pirincci-Aufreger, der nächste Witz kommt bestimmt und zwar am 25. Mai. Da wird dann nicht nur der kleine Akif herumwitzeln, sondern da werden sich viele, viele Deutsche totlachen, wenn sie die Gesichter der Politiker und der Medien-Macher sehen!

  • Pirinccis Buch dient nur der TAZ und ihr geistig Gleichgeschalteten als Nährboden für eine üble Stimmung. Korrekt ist, dass die üble Stimmung beim Rest unseres Landes der Nährboden für Pirinccis Buch ist!

  • *killekille* Nein, wird trotzdem nicht witzig. Bitte versucht nicht lustig zu sein, liebe TAZ! Ihr werdet immer die elitären Spaßbremsen und Oberlehrer bleiben die ihr eben seid! Macht euch nicht lächerlich, indem ihr versucht es in Sachen Humor mit Akif aufzunehmen. Ihr vernichtet so vielleicht das letzte bisschen Restrespekt, was der eine oder andere Stammleser noch vor euch hatte!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.