Wie „Welt online“ und N24 einmal einen Alien oder einen Dino oder auch nur einen Fisch gefunden haben

Heute zeigen „Welt online“ und N24 ein Video aus dem geheimnisvollen China, das wie folgt übertitelt ist: „Rätselhafter Fund – ist das ein Fisch, ein Dino oder sogar ein Alien?“ Tja, schwer zu sagen, denkt man sich da. Fische, Aliens, Dinos  – die gleichen sich ja wie ein Alien-Ei dem anderen. Der Text zu dem Filmchen lässt die Spannung schier unerträglich werden: „In China wurde dieses mysteriöse Tier entdeckt. Es kann schwimmen, krabbeln und hat sogar ein Geweih. Außerdem könnte es gefährlich sein.“ Der Film selbst sagt dann dasselbe noch mal, weiß aber immerhin noch auszuführen: „Es hat ein Geweih mit sechs Fühlern.“ Echt jetzt? Ein Geweih mit sechs Fühlern? Und ich habe jetzt ein Horn, aber ehe ich auch noch ernsthaft gefährlich werde, gehe ich zum Weinen mal ein bisschen in den Keller.
Denn was da gezeigt wird, ist ein trivialer Axolotl, eines der häufigsten Labortiere der Welt. Dem einen oder anderen (außer natürlich „Welt online“- oder N24-Redakteuren) auch bekannt aus dem Hegemannschen Quengelroman „Axolotl Roadkill“. Das wird am Ende zwar auch noch aufgeklärt, aber wieso es eine Erwähnung wert ist, wenn ein Tier, das in praktischer jeder Universität der Welt zu Dutzenden herumpaddelt und das aussieht, wie eine stinknormale Molch- oder Salamanderlarve nun einmal so aussieht, selbst im nächstbesten Tümpel vorm Axel-Springer-Hochhaus, einschließlich des mystischen Geweihs mit sechs Fühlern, formerly known as Außenkiemen, wie so Tiere das nun einmal haben – das bleibt doch ein ziemliches Rätsel. Gibt es in China denn gar keine Reissäcke mehr?

Offenbar nicht. Den Reis haben sie anscheinend an die Axolotl verfüttert, wie im Video zu sehen. Der wird sich freuen. Die lieben Tierchen sind nämlich, wie alle Schwanzlurche, strikte Fleischfresser.

Immerhin: Das gibt mir die Gelegenheit, mal auf den Verein „Frogs & Friends“ hinzuweisen, der sich mit der Vermittlung von Wissen über Amphibien beschäftigt und zu diesem Zweck eine schöne Homepage erstellt hat, die mit Inhalten zu füllen ich die Ehre hatte. Dort gibt es auch erheblich interessantere Informationen zum Axolotl.

Kommentare (3)

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  1. Aber SPIEGEL ONLINE als Lesezeichen?

  2. Wie sollen denn aber auch „Welt online“- oder N24-Redakteure jemals in die Nähe eines Axolotls gekommen sein, wenn sich die Viecher vorwiegend in Universitäten aufhalten?