Großer Wahlsieg für gerade noch schlecht beleumundete Minderheit: Horrorclown zieht ein ins Weiße Haus

Donald Trump ist sehr, sehr komisch, aber nicht lustig.

Als jemand, der seit zwanzig Jahren praktisch wöchentlich einen oder zwei Texte schreibt, glaube ich das ungefähr einschätzen zu können. Man kann Witze über ihn machen oder über seine Frisur oder darüber, dass er gewählt wurde, aber er ist nicht lustig und es ist nicht lustig.

Es wäre besser, etwas Lustiges über ihn zu schreiben, weil das Offensichtliche mittlerweile täglich mehrmals von jedem gesagt zu werden scheint. Es wäre besser, etwas Lustiges zu ihm zu schreiben, weil das auch mehr Spaß macht. Aber Trump ist nicht lustig.

Trump ist nicht lustig, auch wenn er gegen den Sumpf vorgehen möchte und dazu eine Regierung aus seiner Familie und ein paar alten Kumpels bauen wird, was umso absurder ist, als dass ausgerechnet er sich also eines Stils bedient, der bis vor einigen Jahren in Südamerika sehr üblich war. Es ist nicht lustig, dass ein steuerbetrügender Milliardär und Bankrotteur aus New York für die abgehängten Massen arbeitender amerikanischer Armer einstehen soll. Es ist nicht lustig, dass ein aktiver Unternehmer die Führung eines Staatswesens übernimmt, dessen Politik aktive Unternehmer im Interesse der Gemeinschaft regulieren sollte.

Es ist vor allem nicht lustig, dass erhebliche Teile unseres Miteinander nicht gut funktionieren. Es ist nicht lustig, dass das System, das die politische Führung organisieren soll, nicht mehr dazu in der Lage ist, politische Führungspersönlichkeiten zu produzieren. Es ist auch noch nicht lustig, dass stattdessen verurteilte Straftäter, gewohnheitsmäßige Lügner, Rassisten und Sexisten von den Wählern dazu auserkoren werden, die Geschicke ihrer Länder zu bestimmen. Und wenn man darüber nachdenkt, wem man so ein Land anvertrauen würde, käme man ja vielleicht auf den Gedanken, dass das kein Lügner, Straftäter oder Bankrotteur sein sollte. Alles nicht mehr gültig, alles nicht lustig. Denn immerhin, wer Trump oder le Pen oder Hofer oder Sydwo oder Urban wählt, wählt diese Personen ja gewissermaßen zu hundert Prozent. Der Wähler oder die Wählerin gibt diese eine Stimme dieser einen Person, nicht etwa dreißig Prozent für Hillary und siebzig für Trump. Das heißt, dass eine Mehrheit derjenigen, die zur Wahl gegangen sind, sich dafür entschieden haben, dass diese Person ihr Land führen soll.

Humor ist Tragödie plus Abstand, sagt der weise Mann und der Abstand fehlt erkennbar. Denn unabhängig von den zahlreichen Personen, die nun ein Land nach dem anderen in autoritäre Strukturen führen, auch Russland, China, die Türkei oder die ganzen Am-Arschistans dazwischen fallen ein, versuchen wir alle geradezu krampfhaft darüber nachzudenken, was das alles zu bedeuten hat und was man dafür tun kann, wertvolle Güter aus der Zeit bis 2010 zu erhalten, wenn es solche Güter geben sollte und erinnern in diesem Nachdenken an einen Mann, der aus dem elften Stock fällt und dabei versucht, darüber nachzudenken, was er tun könnte, um künftig sein Fenster besser vor dem Herausfallen zu sichern.

Immer deutlicher wird erkennbar, dass sich große Teile der Bevölkerung nicht vom etablierten System vertreten fühlen, riesige Teile, wenn man einmal in Betracht zieht, dass das etablierte System wirklich und wahrhaftig gern für hundert Prozent stehen würde, dass es sich also so aufgestellt sieht, als könne es für das ganze Volk dasein und Millionen dieser damit gemeinten Menschen ihre Zustimmung zu diesem Ansatz verweigern, die dann nur noch eingefangen werden müssen von denen die sagen: „Wir fühlen uns für die zuständig, für die niemand zuständig ist.“ Das ist zwar kein arbeitsfähiges Konzept, aber das interessiert ja nicht. Arbeitsfähige Konzepte behaupten immer die anderen zu haben, diese Konzepte münden dann doch immer in der eingebildeten Diktatur von Zahlen wie der Schwarzen Null oder der Syst emrelevanz oder der Weltmärkte, die dieses oder jenes vorgeben. Jemand, der sagt, ich habe gar kein Konzept, wirkt da frisch und innovativ. Vor allem kann es nicht schlechter werden, ist auch, was viele Menschen sagen wollen und sie haben doch recht. Wohl niemand ist ernsthaft davon ausgegangen, dass Hillary Clinton die Probleme der abgehängten Arbeitslosen in Kansas gelöst hätte, womöglich auf Kosten der Investment-Banker.

Und es ist natürlich richtig, dass all diese Bewegungen sich über das Internet finden und sozusagen organisieren, aber das ist doch mehr eine Frage als eine Antwort. Und die Bezeichnung Populismus ist doch vollkommen inhaltsleer, wenn man über politische Mehrheiten spricht und wenn man versucht, das, was da passiert, zu verstehen oder zu analysieren.

Man könnte Parodien darüber schreiben, wie postfaktische Krankenhäuser oder postfaktische Fahrstuhlreparaturen funktionieren würden. Gehen ginge das schon, komisch ist das alles. Aber irgendwie auch nicht lustig.

1 Kommentar

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  1. Sehr Schöner Artikel hat mir gut gefallen.