Archive for the ‘Alle Einträge’ Category

29.04.2013 von Jakob Hein
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Nicht der Reiche ist schuld an seinem Reichtum, sondern die Situation, in der er lebt

von Jakob Hein

Geld ist für die Wirtschaftspolitik so etwas wie Wasser für den Bau. Zu wenig ist schlecht, zu viel ist auch schlecht und an jeder noch so kleinen Ritze, bei jedem noch so kleinen Konstruktionsfehler macht es sich gnadenlos bemerkbar. Es regnet von oben durch kleine Lücken des Dachs, es dringt von unten durchs Fundament, es spritzt an den Putz, es zerdrückt das Vordach im Winter. Mit dem Geld ist es praktisch genauso. Während die meisten nicht einmal den genauen Unterschied zwischen dem SGB und dem BGB kennen, findet das Geld noch die unwahrscheinlichsten, schon fast undenkbaren Lücken zwischen transkontinentalen Steuergesetzen. Das Geld überwindet spielend jede Ländergrenze, das Geld kennt keinen Unterschied zwischen legal und illegal, es kennt nur den Unterschied zwischen genug und zu wenig.

Genug ist, wenn das Geld sich selbst mobil machen kann. Wenn das Geld Arme und Beine hat. Wenn genügend Geld da ist, um vonweiter lesen

27.04.2013 von Jakob Hein
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Der letzte Parteitag der Partei der Arbeit Koreas ist schon mehr als dreißig Jahre her

von Jakob Hein

Und dazu wurde auch noch das Internet live übertragen

Gerade jungen Leuten ist es wichtig, Geschichte zu erleben. Sie wollen nicht nur erzählt bekommen, wie es war, sondern sie sollen sich einfühlen können, eine emotionale Vorstellung vom Geschehenen erhalten.

So ist es schwer zu erklären, wie sich die Parteitage der SED anfühlten. Einerseits zelebrierten sich da die hochdekorierten Machthaber, andererseits war das doch alles auch erschreckend bedeutungslos. Höhepunkte waren nicht zu befürchten, da jegliche Kritik verboten war. Jede Geste war tausendfach geprobt und von höherer Stelle abgesegnet. Rituell musste den Obersten gedankt werden, die in ebenso ritueller Schein-Bescheidenheit die mächtigen Häupter senkten. Alle Entscheidungen werden natürlich in Hinterzimmern vorher getroffen, das offizielle Gremium dient nur noch dem öffentlichen Abnicken.

Nun, liebe Jugend, wenn Ihr wirklich wissen wollt, wie das damals war, dann müsst Ihr Euch nur eine Verleihung des “Deutschen Filmpreises” anschauen. Dieser wunderbare Exzess von Unspontaneität, wo… weiter lesen

19.04.2013 von Jakob Hein
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Sternstunden des Kfz-Journalismus VII

von Jakob Hein

Auch dieses Auto hält nicht überall, aber an Tankstellen

“In einer Zeit, in der fast alle nur noch in Turbogewalt schwelgen und den Kompressor mit seinen Schleppverlusten in die CO2-Hölle wünschen, legt er eine mechanische Roots-Brücke über das Laderloch und spricht schon aus dem Drehzahlkeller blitzartig wie ein Bürohengst auf eine Gehaltserhöhung an. Das Spiel mit dem rechten Pedal wird zum Sinneskitzel. Feiste 450 Nm Drehmoment zwischen 3500 und 5000 Touren zerren an weniger als 1,9 Tonnen – vor allem Alu.”

Die “auto motor und sport” vom 10.1.13 über irgendein Auto mit 10 Liter Verbrauch, das man für 91.160 Euro einfach kaufen kann.

16.04.2013 von Jakob Hein
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Wenn schon ein Ruck durch Deutschland geht, welche Richtung hat er?

von Jakob Hein

 

Ganz so leicht darf man es sich auch nicht machen

Wenn man sich das heutige politische Koordinatensystem zwischen den Polen links und rechts ansieht, kann man den Eindruck gewinnen, die Gesellschaft wäre nach rechts gerückt. So ist es möglich, rassistisch gewordene Begriffe in Kinderbüchern zu verteidigen und sich gleichzeitig als Linker zu fühlen. Ebenso ist es möglich, von einer weltjüdischen Zusammenarbeit zwischen den USA und Israel auszugehen, und gleichzeitig als Linker zu gelten. Auf der rechten Seite gilt praktisch jede Form von Nationalismus und Xenophobie als akzeptabel, einschließlich der Verbreitung von Thesen genetischer Minderwertigkeit bestimmter Bevölkerungsgruppen, so lange die Protagonisten dieser Thesen nicht in Serien Menschen ermorden oder die Wiedererrichtung von Konzentrationslagern in Polen fordern oder einen kleinen Kreis verstorbener Politiker aus der Nazizeit verehren. Wenn allerdings nationalistisch eingestellte Deutsche andere Bürger mit einem Einwanderungshintergrund verprügeln, dann gilt das nicht als fremdenfeindlich motivierte Straftat. Der heimattreue Deutscheweiter lesen

14.04.2013 von Jakob Hein
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Meinungsfreiheit heißt eben auch, für alles Werbung machen zu dürfen

von Jakob Hein

Wenn man sich mal überlegt, was für ein Aufwand es für die Natur ist, einen anständigen Winter hinzubekommen: Sonnenlicht vermindern, Temperaturen herunterfahren, Schneeproduktion, Eisblumen, und, und, und – dann kann man sich doch eigentlich nur wundern, mit welcher Leichtigkeit die Natur solche Projekte mehrmals jährlich erfolgreich durchzieht. Der jetzt kommende Frühling jedenfalls bringt neben Wärme und steigenden Säften auch blühende Pflanzen. Und weil die Evolution bei den Pflanzen noch nicht weit genug ist, dass diese sich in Bars oder Stundenhotel treffen können, vermehren sie sich durch Bestäubung. Das heißt, sie schicken ihre Samen durch die Luft in der Hoffnung, irgendjemanden werden sie schon erreichen. Treffen sie nun aber menschliche Schleimhaut, dann führt das zu Abstoßungsreaktionen. Es ist ja auch widerlich: Wer hat schon gern Sperma in Nase oder Bindehaut und sei es nur von Pflanzen. Nun gut, könnte man den Schleimhäuten entgegen rufen: Schütz Euch doch besser. Aber das ist… weiter lesen

12.04.2013 von Jakob Hein
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Lecker Kutschergulasch

von Jakob Hein

 

"Iss mich bitte", sagt die Wurst (ungefähre Übersetzung a.d. Koreanischen)

Linguisten haben gewissermaßen mit archäologischen Methoden die Mutter aller indoeuropäischen Sprachen zu rekonstruieren versucht. Durch Vergleiche und interne Rekonstruktionen glauben sie, Vorstellungen von der Sprache gefunden zu haben, die einige Tausend Jahre vor unserer Zeit gesprochen wurde und auf die alle indoeuropäischen Sprachen zurückzuführen sind, sei es Sanskrit, Litauisch, Englisch oder Deutsch. Schon in dieser prähistorischen Sprache hat das Wort „skand“ einen Platz, es heißt dort so etwas wie „springen“.

Aus dieser Wurzel entwickelte sich wohl das griechische „skandalon“, das soviel wie „Falle für einen Feind“ oder „etwas, worüber man stolpern kann“ bedeutet hat. Im Lateinischen wurde dann „scandalum“ zu „Stein des Anstoßes“ im wörtlichen wie im übertragenen Sinne, um sich dann im Französischen „scandale“ zur noch heute bekannten „Empörung, ausgelöst durch Fehlverhalten oder abfälliges Reden“ zu entwickeln. Der französische scandale fand dann seinen Weg ins Deutsche,weiter lesen

09.04.2013 von Jakob Hein
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Männer, die in eine weit entfernte Zukunft sehen können

von Jakob Hein

 

Auf BER wird sich so schnell kein Flügel bewegen

Ministerpräsident Platzeck kündigt an, dass Bahnchef Mehdorn möglicherweise schon bald das Eröffnungsdatum des neuen “Flughafens” BER ankündigen wird. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hat klargestellt, dass ein halbes Jahr nach der Eröffnung des neuen Flughafens in Berlin-Schönefeld die Betriebserlaubnis für den alten Flughafen Berlin-Tegel erlischt und letzterer dann geschlossen wird. Wesentlich ist es zu wissen, dass Ramsauer Mitglied einer radikalkatholischen Splitterpartei ist, deren Mitglieder nach der Wahl eines neuen Oberhauptes ganz offensichtlich gottähnliche Hoheitsgefühle verspüren und sich deswegen auch nicht scheuen, weit in die Zukunft zu blicken, obwohl doch der Blick in die Zukunft verstellt wird von den Nebeln des Ungewissen und dem schlierigen Regenschleier der Eventualität, so dass die Sicht selbst des Scharfsinnigsten selten weiter reicht als vielleicht ein paar Tage. In anderen Religionsgemeinschaften, an deren Spitze ein allwissender und allmächtiger Gott steht, würden Ramsauers Äußerungen leichtweiter lesen

24.03.2013 von Jakob Hein
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Geheimnisse des gastronomischen Gewerbes II

von Jakob Hein

Keine Ahnung, was diese Zimmerdekoration sollte. Ich habe jedenfalls die ganze Nacht kein Auge zubekommen, weil ich akute Angst hatte, an diesem Ort nicht wieder aufwachen zu können.

Nicht schön, diese furchtbare Mode der Wandbeschriftungen. Man kann auch “Café” und “Latte macchiato” für die Wand kaufen, allerdings habe ich in Privatwohnungen noch keine Preisschilder gesehen. Naja kommt noch – bei den Mieten. Viel schöner heute abend die “Reformbühne Heim & Welt” mit dem famosen Nicolic, der goldenen Stimme Kreuzbergs und der wunderbaren Ilka Schneider mit Berichten aus China und der Welt.

23.03.2013 von Jakob Hein
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Die Kinderbuchdebatte frisst ihre Schaumküsse

von Jakob Hein

Leider hat es ja nicht geklappt mit dem Papst aus Ghana. Denn so egal mir dieses Thema eigentlich ist, hatte ich mir eine schöne Deutsch-Hausaufgabe für alle Befürworter der Reinheit literarischer Originaltexte ausgedacht: “Begründe nochmals, warum das Wort ‘Neger’ vollkommen unproblematisch und wertungsfrei ist. Beziehe Dich auf Deinen Originaltext sowie den neuen Papst, den Du in Deinem Text mehrfach mit dem von Dir als unproblematisch und wertungsfrei identifizierten Wort direkt ansprichst. Lies Deinen Text vor Deiner Kirchengemeinde, denn – he – Du bist ja bestimmt in einer Kirchengemeinde.”

Dafür betreibt jetzt der Thienemann-Verlag Schindluder mit seinem verstorbenen Erfolgsautoren Ottfried Preußler. Dieser hatte sich nämlich explizit gewünscht, dass der rassistische Begriff aus den Neuauflagen seiner Kinderbücher entfernt wird. Das hat der Millionenbestseller bestimmt nicht getan, um noch mehr Bücher zu verkaufen. Und der alte Mann hat die Entscheidung auch nicht aus Angst vor irgendjemand getroffen – zu fürchten hatte er den… weiter lesen

22.03.2013 von Jakob Hein
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Neuer Chef am Flughafen BER – exklusiver Bericht von der Wahl 2024

von Jakob Hein

 

Der Neue braucht auf jeden Fall Köpfchen

Aus dem kleinen Schornstein aus Blech steigt endlich weißer Rauch auf. Die kleine Möwe, die bis eben possierlich daneben gesessen hat, fliegt nach wenigen Zügen vom weißen Rauch davon wie ein Kolibri. Das kann nur eines heißen: da unten hat Klaus Wowereit den Konsum vom schwarzen Afghanen eingestellt und lässt das Crystal Meth im Pfeifchen blubbern. Die Aufsichtsratssitzung ist vorbei und ein neuer Flughafenchef ist gefunden, der Regierende Bürgermeister bereitet sich auf eine lange Nacht voll Party und Schampus vor, denn jetzt ist es endlich wieder vorbei, das lange Warten, das bange Harren, das wange Zarren, das harte Bangen.

Das Volk der Stadt hat sich längst auf dem Platz vor dem Roten Rathaus versammelt und freut sich nun aufgeregt auf die Verkündigung des neuen Flughafenchefs. So will es in Deutschlands Hauptstadt schon seit Jahrzehnten die Tradition. Und wieder könnte esweiter lesen