Die Photovoltaik im Allgemeinen und die Solarindustrie im Besonderen sind kein einfaches Thema. Einerseits klingt es zunächst naheliegend und sympathisch, aus den Strahlen der lachenden Frau Sonne Strom zu erzeugen, die letzten Endes ohnehin den Großteil der Energien erzeugt hat, die wir Menschen so verbrauchen, mal abgesehen von der Atomenergie, die von ihren Betreibern lieber Kernenergie genannt wird, weil im Kern doch immer das Gesunde sein soll, während Atomenergie so schrecklich an -krieg und -bombe erinnert. Andererseits folgt auch die Erzeugung von Solarenergie in einer kapitalistischen Gesellschaft kapitalistischen Prinzipien. Der eine macht damit Geld, das aus der Tasche eines anderen kommen muss. Da es sich niemand wagt, die milliardenschweren Energiekonzerne zur Finanzierung der Energiewende heranzuziehen, werden private Investoren gelockt, die Geld auf der nicht ganz so hohen Kante haben und parallel wird die Allgemeinheit in Form von steuerfinanzierten Subventionen herangezogen. Das heißt, um die Superreichen (Energiekonzerne) nicht zu ärgern, wird… weiter lesen
“Werkstoffe und Verarbeitungsqualität haben Mittelklasse-Niveau, das große und vielseitige Display des Bordcomputers ist sauber in das dreiteilige Zentralinstrument integriert, das Touchscreeen-Infotainment lässt sich einfach bedienen und leicht ablesen. Dagegen stellt das überfrachtete Multifunktionslenkrad hohe Anforderungen an die Fingerfertigkeit des Benutzers, der optionalen FlexSteer-Lenkung haftet in allen drei Stellungen eine leicht teigige Künstlichkeit an und das Angebot an Assistenzsystemen erschöpft scih im nervigen Spurverlassenswarner.” (SZ vom 2.4.2012 über irgendein Auto)
Um uns als Kinder gefügig zu machen, brauchte es keine Drohungen mit dem Schwarzen Mann. Die Eltern und Lehrer der reichen westfälischen Verwaltungsstadt Münster arbeiteten perfider: Regelmäßig verschickten sie ihre Schutzbefohlenen für einen oder zwei Tage unter dem Vorwand, ein Bergbaummuseum in Bochum oder die Wale im Zoo von Duisburg zu besuchen. In Wirklichkeit aber dienten diese Ausflüge in den nur dreißig Kilometer entfernten Pott einzig dazu, uns vor Augen zu führen, dass nicht alles eitel Sonnenschein ist auf der Welt. Die Botschaft war klar: Wenn ihr nicht fleißig lernt und das Abitur macht, dann kommt ihr ins Ruhrgebiet!
Verfall und Elend waren schon lange vor der Wiedervereinigung der emotionale Markenkern des Ruhrgebiets, nur deswegen konnte jemand wie Herbert Grönemeyer überhaupt Erfolg haben. Warum singt der Mann da so kläglich und zappelt so seltsam und macht so schreckliche Musik, und warum sind seine Texte so furchtbar? Ach, der ist ausm… weiter lesen
Wie man sich unbeliebt macht, wenn man unpopulär ist: Die geheimen Erfolgsrezepte der FDP
von Jakob Hein
Man konnte ihnen zumindest nicht vorwerfen, keine Eier zu haben
Während andere nach versteckten Eiern stöbern , brauchen Schlecker-Mitarbeiterinnen dieses Ostern nicht lange suchen: Die größte Überraschung findet sich in ihrem Briefkasten. Als die ersten Meldungen kamen, dass die Länder Sachsen, Niedersachsen und Bayern die Auffanggesellschaft nicht mittragen, war es zunächst rätselhaft, was die Gemeinsamkeit dieser ist. Zweimal Sachsen, zweimal Freistaat – was war da los? Des Rätsels Lösung war es schließlich, dass in diesen Ländern die Wirtschaftsministerin von einer Partei aus dem Block “Sonstige” geführt werden, die für staatliche Lenkung nur eine Bedingung macht. Diese Bedingung ist: Es muss sich bei den Begünstigten um reiche Männer handeln.
Denn klar, die Minderheit der reichen Männer braucht staatliche Hilfe, um nicht gänzlich auszusterben. Wenn wir die reichen Männer nicht hätten, wo sollten dann die ganzen Touristen schlafen? Auf der Straße? Denn es sind, das dürfen wir nicht vergessen, reiche… weiter lesen
Nicht oft genug kann vor Mode gewarnt werden, die bei jungen Supermodels im Fotoshooting nach einer umfangreichen Korrektur durch Bildbearbeitungsprogramme gerade noch so nicht vollkommen albern aussieht. Solche Kleidung sieht bei normalen Menschen in aller Regel vollkommen blöde aus.
Ein schönes Beispiel ist die gezeigte rosa Hose. Selbst das irgendwie transzendent in den Wüstensand schauende Fotomodell sieht so aus, als hätte es seiner fünfzehn Jahre jüngeren Schwester die Sommerhose und den Buddeleimer geklaut und den Buddeleimer aber für das Foto in den Weiten seines Pullovers versteckt, der seinerseits die knochigen Folgen der Magersucht zu verbergen sucht. Der Betrachter ist ingesamt verwirrt von der schlechten Harmonie der Körperteile. Der dünne Oberkörper wird großzügig umweht vom Pullover der Größe S, wirkt also fragil und klein. Die Beine hingegen sind groß und gut entwickelt, hier wurde offensichtlich die Frage der Verkäuferin im Fotoshop (“Darf’s ein bisschen mehr sein?”) mit einem kräftigen “Ja!” beantwortet.… weiter lesen

Gefragtes Gut in FDP-Zentralen: Fluchtstuhl
Wolfgang Kubicki von der FDP (Partei, einige von den älteren werden sich erinnern) hat sich mit einem bemerkenswerten Satz zu dem Umstand gemeldet, dass seiner Partei mehr als doppelt so viele saarländische Wählerinnen ihr Vertrauen schenkten wie der Partei “Die Partei”. Er sagte der Leipziger Volkszeitung “Die Union sollte nicht die Gunst der Stunde nutzen und sich aus einer laufenden Koalition durch Verrat verabschieden.”
Daraus ergeben sich einige Fragen:
1. Was bedeutet in diesem Zusammenhang für einen FDP-Politiker der Ausdruck “Gunst der Stunde”?
2. Was ist eine “laufende Koalition”? Meint WK nicht eher “weglaufende Wähler”?
3. Wofür sonst sollte die Union die Gunst der Stunde nutzen?
4. Wie sollte sich die Union aus der Koalition verabschieden, wenn nicht durch Verrat? Sind Brudermord, Vertragsbruch oder Vorteilsnahme irgendwie elegantere, liberalere Wege?
5. Wurde der “organisierte Liberalismus” (FDP-Youngstar Patrick Döring) im Saarland am Ende von… weiter lesen

Früher war alles leichter: Zelle zu, Fall gelöst
Es gibt Abende, wo man vom Bedürfnis gesteuert ist, mal wieder einen guten, alten Krimi zu sehen. Mit dem Wiener Tatort „Falsch verpackt“ ist man dann ganz schlecht beraten. Früher lief der meist männliche Kommissar mit messerscharfem Verstand durch die Fälle, entlarvte die wahren Verbrecher und stellte für uns als Zuschauer die Ordnung wieder her. Nicht selten bekam er zum Schluss sogar noch die blonde Frau zum Heiraten.
An einer blonden Frau ist Kommissar Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) zunächst vollkommen desinteressiert, obwohl ihm seine rothaarige und sehr viel jüngere Kollegin Wiesner ungeheuer mit ihrer Schönheit zusetzt. Aber ihm geht es darum, ein paar Kilo abzunehmen, ein bisschen sportlicher zu werden, sich jünger zu fühlen. Er versucht ungesunde Speisen zu vermeiden, was bekanntermaßen gerade in Wien ein astronomisch schwieriges Unterfangen ist. Ein Freund behauptete kürzlich, es sei in Wien gesetzlich untersagt,… weiter lesen

So unterschiedlich kann man das sehen: Klosymbolik in Leipzig
Gestern war der “Equal Pay Day” so eine Art neuökonomischer Frauentag, irgendwo zwischen dem internationalen Frauentag und dem Muttertag angesiedelt. Der Equal Pay Day wird in Deutschland immer an dem Tag angesiedelt, bis zu dem Frauen theoretisch umsonst gearbeitet haben, wegen des 23% geringeren Einkommens also derzeit am 23. März. Sicher ist es zu kurz gedacht, dass die ungerechte Behandlung von Frauen beendet wäre, wenn Frauen für gleiche Arbeit gleich bezahlt werden würden. Andererseits ist es ein wichtiger Teilaspekt der Ungerechtigkeit und jedenfalls veränderungswürdig.
Einen ganz besonderen Beitrag zu diesem Tag lieferte gestern allerdings Sat 1, indem “Selbst ist die Braut” gezeigt wurde. Dies ist wirklich ein Machwerk von einem Sexismus, der in dieser Purheit schon pornoeske Qualitäten aufweist. Sandra Bullock spielt darin für 5 Minuten eine knallharte Cheflektorin. Es stellt sich heraus, dass sie Kanadierin ist und… weiter lesen

Alle zwei Jahre die selbe Schlagzeile
1. Ein eigenes Stadion für Heimspiele finden und nicht eins, wo nur in der Ostkurve Fahnen und Köpfe hängen, während der Rest des Stadions fröhlich gröhlt: “2. Liga, Hertha ist dabei.”
2. Die Rolle des Liberos neu und aufregend interpretieren, indem dieser auch als Manndecker einspringt.
3. Den Vorstopper auch Grätschen trainieren lassen.
4. Junge Talente verpflichten: Christian Ziege, Carsten Jancker, Hans-Peter Briegel, Rainer Troppa und diesen aufregenden jungen Libero, der in Bulgarien spielt. Ist Rekord-Torhüter Heinz Rohloff eigentlich noch zu haben?
5. Die Trainerfrage früh lösen, und einen Trainer verpflichten, dessen Anzahl von Ideen noch größer ist als seine Pflegestufe (Stichworte: Ribbeck, Hans-Hubert Vogts, Daum).
6. Dem gesamten Team die Sicherheit vermitteln, dass alle bleiben können, denn um bei Hertha herauszufliegen, muss man Talent haben und was für die Mannschaft geleistet haben.
7. Ruhig zur eigenen Ambition stehen, in zwei, drei… weiter lesen
Einheitsabitur, in Ordnung, aber zumindest die niedersächsischen Standards reichen nie und nimmer
von Jakob Hein
SZ Magazin vom 10.3.12
Lena M.-L., Abiturientin (Niedersachsen, Leistungskurs Bioloogie) sagt: “Ich ernähre mich biologisch. Das ist für mich schon genug Luxus.” Tja, wem sagste das? Wir alle, die wir uns chemisch, physikalisch, photovoltaisch oder gar existenzialistisch ernähren, können da nur erstaunt dreinschauen, was man sich als Schlagerstar so leisten kann. Wir würden ja schon zufrieden sein, wenn wir biologisch atmen dürften.
