06.07.2011 von Jakob Hein

Scott McLaren, erster von Hunderten
Der 20-jährige Scott McLaren war der 375. britische Soldat, der diese Woche für die Freiheit in Afghanistan sterben durfte. Weil sein Verschwinden und dann sein Tod mit einem Besuch des Premierministers zusammenfiel, bekam er deutlich mehr mediale Aufmerksamkeit als der 2. – 374. tote Brite dort, ganz zu schweigen von den afghanischen Toten Nr. 1 – ca. 40.000.
Aber der “Evening Standard” nimmt die Überführung der Leiche immer hin zum Anlass, die bizarre Schlagzeile: “Hunderte weitere Soldaten kommen aus Afghanistan nach Hause” unter dem Bild des toten Soldaten zu bringen. Vermutlich sehr Nachwelt-orientiert, die Gazette.
22.06.2011 von Jakob Hein
Immer wenn man denkt, schlimmer kann es nicht mehr kommen, vermag einen die “Süddeutsche Zeitung” zu überraschen. Die Thematik der Gespräche zwischen Taliban und der afghanischen – sagen wir mal: Regierung ist komplex. Aber keiner der großen Konflikte dieser Welt ist ohne Dialog zufriedenstellend gelöst worden, Terroristen – das sind immer die anderen.
Die vorliegende Karikatur erfüllt das Schlimmste, was man sich nur wünschen kann und würde jedem noch so üblen Blatt zur Ehre gereichen. Der US-Soldat, der heldenhaft die Hand ausstreckt, das Sternenbanner auf dem Herzen und “Gesprächsstoff” ausruft. Der Taliban im Kaftan mit Turban, Vollbart und Hakennase, der zwischen Waffen und Opiumpflanzen fragt “Welcher Stoff?” Fehlt noch das tote, halb angegessene Christenkind in einer weiteren Kiste. Muss denn niemand sonst brechen, wenn er sowas sieht?
Zunächst, die Karikatur ist nicht lustig. “Welcher Stoff? – Gesprächsstoff”, da lacht noch nicht mal der greiseste Ex-Deutschlehrer. Der Witz ergibt sich höchstens… weiter lesen
09.06.2011 von Jakob Hein
Klar, die Afghanistan-”Strategie” der USA funktionierte vielleicht nicht ganz so großartig, wie man das eigentlich hätte erwarten können. Aus irgendeinem Grund reagierten die Afghanen etwas gereizt auf den Umstand, dass alle zehn Jahre andere ausländisch finanzierte Armeeeinheiten durch das Land zogen, um den Frieden mit kriegerischen Mitteln zu erbomben schaffen. Obwohl diese Strategie schon in so vielen Ländern funktioniert hatte, wollte es am Hindukusch nicht klappen. Vermutlich brauchte man einfach noch mehr Truppen, Tote und Granaten, um endlich einen demokratischen Staat dort zu errichten installieren. Trotzdem, für Lena war das noch lange kein Grund, nicht trotzdem ihren Eltern- und (Klein-)Kinder-Gottesdienst gerade auch für Soldaten zu öffnen. Vielleicht würden sich ja im Sanierungsgebiet Winsstraße neue Aufgaben für sie finden lassen.