20.11.2012 von Jakob Hein

Irgendwo da unten ankert die Wirtschaftslokomotive
Es ist nicht so, dass der Bundesfinanzminister heute im Bundestag versehentlich das völlig schräge Bild bemühte, Deutschland sei der “Stabilitätsanker und die Wirtschaftslokomotive Europas”. Nein, Herr Schäuble scheint dies für eine besonders gelungene Wendung zu halten. Dabei ist die Metapher gleichzeitig Illustration und Polemisierung der aktuellen wirtschaftlichen Situation in Deutschland, oder, anders ausgedrückt, gleichzeitig Hammer und Amboss phrasengeschwängerten Leersprechs.
11.09.2012 von Jakob Hein

Ohne Worte wäre etwas besser
Gilt es schon als paranoid, wenn man annimmt, dass manche Karikaturen nur noch in die Zeitung gesetzt werden, um dann in dieser Rubrik hier zu erscheinen? Dass sie da sitzen, die bösen Redakteure, ein Hohnlachen zwischen den harten Lippen hervorpressen, der Ohrring mit lautem Scheppern aus dem geschlitzen Läppchen auf den Redaktionstisch fallend. “Schon ganz gut, Schopf: Merkel in griechischer Feiertagsuniform, Sparstift statt Gewehr. Aber könnten Sie sicherheitshalber noch ‘Sparstift’ draufschreiben und irgendwas mit Hellas und noch irgendeine Figur von hinten, die die gleiche Uniform trägt und auch so ein komischer Stift in der Hand, im Hintergrund der Kontinent Europa, über den die Merkel marschiert und oben irgendein Säulen-Gedöns. Achten Sie bitte darauf, dass da nicht aus Versehen eine Aussagen enthalten ist, vielleicht noch ein paar Euro-Zeichen auf die Bömmelchen, wie wär’s, Schopf? Wir lassen dann nochmal durch die Endredaktion prüfen, dass da… weiter lesen
01.02.2012 von Jakob Hein

Robert Lembke für Fortgeschrittene: Welches Schweinderl soll eigentlich was bedeuten?
Schon mehrfach mussten wir darauf hinweisen, dass die Krise des Euros auch eine Krise der Karikatur bedeutet. Aufgabe der Karikatur ist es ja witzig zu sein, Sachverhalte zuzuspitzen, interessante Parallelen aufzuzeigen, Missstände bloßzulegen.
Die heutige Karikatur in der Süddeutschen versteht es, wohl keine dieser Aufgaben zu erfüllen. Irgendwer schüttet aus einem Riesensack Euros in einen Schweinekoben voller – Witz lass nach! – Sparschweine. Die Szenerie wird beobachtet von den EU-Regierungschefs und Anzugträgern, die die Schilder “Ban”, “ken”, “Speku” und “lanten” bei sich führen.
Was soll das bedeuten? Die Bauern, die in Milliardenhöhe über Jahrzehnte EU-Subventionen bekommen haben, schütten diese nun als Investitionen in die Sparschweine? Wer sind die Sparschweine? Der nicht zustandegekommene griechische Sparkommissar oder wir alle? Wenn es aber wir sind, warum fressen wir dann die Investitionen, die doch aus uns herauskommen müssten, um den Sack zu… weiter lesen
20.11.2011 von Jakob Hein

Ridin' high
Politische Karikaturisten leben in einer Art Märchenwald, der bevölkert ist von den verschiedensten Fabelwesen und Mython. Da gibt es Europa mit dem als Stier verkleideten Zeus, Uncle Sam, Jeanne d’Arc und sogar den deutschen Michel. Alle anderen Wesen aus Märchen und Sagen wie Rotkäppchen, Sterntaler und der Zauberlehrling sind auch sehr beliebt.
Das Ganze ist ebenso verständlich wie altbacken, wird doch so ein Symbol für die Gesamtheit (das Volk, die Nation) gefunden, die auf einen bestimmten Umstand reagiert. Lustiger ist es in der Regel, kleinere Details darzustellen, die pars pro toto Zusammenhänge verdeutlichen.
Aber wenn man darstellen will, dass Herr Monti nunmehr die Nachfolge von Herrn Berlusconi übernimmt, wie kommt man darauf, dass dies durch den Aufsprung auf eine wild bockende Wölfin dargestellt werden kann? Unzweifelhaft soll es Mamma Lupa sein, die Wölfin, die der Legende nach Romulus und Remus säugte, die sagenhaften Gründer… weiter lesen
28.10.2011 von Jakob Hein

Neue Rätsel: Was ist nicht falsch in diesem Bild?
Die so genannte Eurokrise und die Krise der politischen Karikatur haben vieles gemeinsam. Böse Mächte ziehen seit langem finstere Fäden, skrupellose Hintermänner bringen ihre Schäfchen ins Trockene und es leidet die unschuldige Bevölkerung, die von allem viel zu spät erfährt, als es nicht mehr zu verbergen, alles längst zu spät ist.
Und so ist es wohl auch nicht so, dass die Kultur der Karikatur erst mit der Eurokrise gestorben ist. Nur in der einen Krise wird die andere Krise erschreckend deutlich. Aber während für den Euro die Botschafter nach Brüssel brausen, karren sie für die Karikaturen nicht einmal die Kulturminister nach Kotzen, obwohl das sehr notwendig wäre und vorsorglich von hier aus mal dringend gefordert wird.
Heute wieder ein besonders lauter Hilfeschrei der gequälten Karikatur. Gabor Benedek hat sich vorgenommen, mal was zur Eurorettung zu machen und ist dabei… weiter lesen
24.10.2011 von Jakob Hein

Dra di net um und so...
Im Louvre zumindest setzen sie jetzt Mitarbeiter ein, die den Touristen dort noch zusätzlich das Geld aus der Tasche ziehen können, falls da nach dem Bezahlen des Eintritts (ca. 12 Euro) und dem Mieten eines Audioführers (ca. 6 Euro) und dem Erwerb eines Getränks (ca. 6 Euro) überhaupt noch Geld in dieser Tasche ist.
Vermutlich aus juristischen Gründen haben sie dann aber immerhin diese Warnhinweise angebracht, damit hinterher niemand sagen kann, er hätte es nicht gewusst. Letztendlich eine Art der Dummen- und Leichtsinnigenbesteuerung, wie sie schon seit Jahren gefordert wird.
17.10.2011 von Jakob Hein

Die B.Z. besorgt's ihren Lesern: Komplexes Erklärungsmodell
Erich fragte sich manchmal, ob es Verpflichtungen für Schriftsteller gab und wenn ja, welcher Natur diese Verpflichtungen wohl sein könnten. Wenn er zum Beispiel die Verpflichtung fühlte, über die so genannte Eurokrise zu schreiben, war das dann eine Illusion oder etwas, das er verdammt noch mal schon viel früher hätte fühlen müssen. Und wenn es seine Verpflichtung gewesen wäre, worin hätte diese dann bestanden, angesichts der Tatsache, dass er höchstens durchschnittlich viel Ahnung von ökonomischen Zusammenhängen hatte und die Wirtschaftsteile der Zeitungen mit den gleichen Fingern, mit denen er auch die Immobilienteile anfasste, aus dem Konvolut Tageszeitung holte, um sie gleich unten beim Briefkasten zu entsorgen, um diesen Teilen eine sinnlose Reise in den vierten Stock zu ersparen. Seine Verpflichtung, so vermutete Erich, bestand am ehesten darin, die Zusammenhänge, soweit er sie verstand, in Worte zu fassen, um sie möglicherweise für… weiter lesen
10.10.2011 von Jakob Hein

Die Krise Europas ist auch immer die seiner Sprache: Im Louvre 2011
Was Erich keine Ruhe ließ, war dieser verdammte Rettungsschirm. Was bedeutete es, wenn der Rettungsschirm gut war für 220 Milliarden deutscher Euro und noch mehr Milliarden aus Frankreich und anderen Ländern? Gab es denn auch Milliarden aus Griechenland oder Irland? Und wenn nein, warum denn nicht? Seit Jahren hörte Erich, dass auch Deutschland kein Geld hatte und plötzlich waren 220 Milliarden für einen Rettungsschirm vorhanden. Das erinnerte doch sehr an einen angeblichen Freund, der einem leider keine zehn Euro borgen konnte, um sich eine Woche später einen Rolls-Royce zu kaufen. Und wozu sollten die 220 Milliarden Euro gut sein? So wie es immer wieder gesagt wurde, um die Schuldenkrise in Europa in den Griff zu bekommen? Aber wenn Länder wie Griechenland eine Schuldenkrise hatten, was ja letztendlich bedeutete, dass es ihnen nicht mehr möglich war, ihre… weiter lesen
15.09.2011 von Jakob Hein
An vielen Tagen sitzt der Blogger da und hinterfragt den Sinn seines Tuns. Wer soll all das Geschriebene lesen, wenn doch alle selbst zu schreiben scheinen? Der Vorschlag, Transferleistungen nur dann zu zahlen, wenn der so Unterstützte gelobt, keinesfalls öffentlich zu schreiben, hat sich ja auch nicht durchsetzen können.
Aber dann gibt es diese Tage, wo man plötzlich denkt: Da draußen interessiert sich jemand für Dein Blog. So ein Tag war vorgestern. Die “Karikatur” in der Süddeutschen Zeitung lässt doch nur einen Schluss zu: Dort in München sitzen fleißige Leser des “Reptilienfonds”, die besonders diese Rubrik hier zu schätzen wissen. Alle paar Tage lassen sie mal eine besonders absurde Zeichnung abdrucken und schließen dann Wetten darauf ab, wie lange der Reptilienfonds wohl brauchen wird, um darauf zu reagieren. Vielleicht bangen sie auch manchmal, ob es die “Karikatur” tatsächlich in unsere Rubrik schaffen wird.
Aber die beiliegende Zeichnung schafft natürlich die… weiter lesen
12.09.2011 von Jakob Hein

Nur noch selten gesehen: Michel (dt.)
Wie hat er uns gefehlt! Der deutsche Michel. So lange haben wir ihn nicht mehr in den Karikaturen gesehen, dass wir ihn schon fast für ausgestorben hielten. Europa mit der Kuh – ja. Der Globus mit Gesicht – na klar. Sogar der US-Kapitalist mit Zylinderhut – gesehen. Aber der deutsche Michel. Obwohl erst seit hundert oder zweihundert Jahren nicht mehr im üblichen Sprachgebrauch und politisch natürlich mehr als überholt, gab es doch keinen Grund, ihn gleich aus dem Feuchtbiotop der Karikaturen zu verstoßen, gewissermaßen dem Museum für sonst ausgestorbene politische Formen.
Die Euro-Krise ist ja ein Riesenproblem für Deutschland. Wenn man sich die Kurven vor der gemeinsamen Währung und nachher anschaut, kann man natürlich den Eindruck haben, hier hätten einige wenige (Deutschland) gut gewirtschaftete und andere schlecht (die anderen). Denn schließlich sind die Zinsen für Staatsanleihen aus europäischen Ländern mit “i” im… weiter lesen