08.09.2011 von Jakob Hein
Klar, Politiker wollen sich immer als Menschen zeigen, denn sie wollen von Menschen gewählt werden und sie wollen auf keinen Fall, dass diese Menschen vorher ihre Wahlprogramme lesen, die im Übrigen weitgehend ununterscheidbar sind. Alle wollen “eine lebenswerte Stadt”, “mehr Sicherheit”, “Zukunft für unsere Kinder” und ähnlich unverbindlichen Quark. Also probiert man durch Bilder zu vermitteln, dass es sich ganz warm und kuschelig anfühlt, den Kandidaten zu wählen.
Der amtierende Bürgermeister wird ja in Berlin tatsächlich ob seiner Schlitzohrigkeit gemocht. “Berlin is alt aber arm” oder so ähnlich, das hat vielen gefallen. Aber wenn man sich mit einer alten Frau fotografieren lässt für ein Wahlkampfplakat, dann sollte der Blick sagen: “Ich kümmere mich gern um ältere Leute” und nicht “Guck mal, die Alte weiß nicht was hier passiert und wir machen daraus ein Wahlkampfplakat. Und dann schreiben wir wieder drunter ‘Berlin verstehen’, was irgendwie voll die Doppelverarsche ist.” Während die… weiter lesen
04.09.2011 von Jakob Hein

Gefällt es Dir bei uns, Tante? Ja? Warum sagst Du das dann nicht Deinem Gesicht?
Einerseits sagte Leo Rosten ganz richtig über W.C. Fields: Jeder der Babys und Hunde hasst, kann kein ganz schlechter Mensch sein. Andererseits lautet ein altes Branchengesetz im Fernsehen: Kinder und Hunde gehen immer und bringen Quote.
Es ist daher nachvollziehbar, dass sich Politiker gern mit Kindern zeigen wollen, aber dabei darf der Fotograf nicht nur auf die Kindergesichter schauen, die hier natürlich allerliebst sind. Aber die Kandidatin: Ihre Oberlippe ist erkennbar hochgezogen, was man an der verstärkten Falte vom Nasenrand zum Mundwinkel erkennen kann. Die Augen sind beide leicht geschlossen und der rechte Mundwinkel ist noch etwas höher gezogen als der linke. Man kann es zuhause selbst ausprobieren: Mit so einem Gesicht fühlt man sich nicht warm oder fürsorglich, dieses Gesicht eine Mischung aus Ekel und Verachtung aus.
Das kann alles Mögliche… weiter lesen
09.05.2011 von Jakob Hein
Es ist ein evolutionärer Vorteil, dass Menschen mit ihren Gesichtern Emotionen ausdrücken können. So erkennt der Gegenüber schnell Freude aber auch Gefahr. Die Gesichtsausdrücke werden unwillentlich angenommen und müssen nicht lange Genehmigungsprozesse durch die Großhirnrinde durchlaufen. Das wäre ja auch schlimm gewesen in Urzeiten, wenn jeder Mensch sich erst hätte überlegen müssen, was für ein Gesichtsausdruck zu einem anstürmenden Löwen am besten passt.
Hier ein Bild von AFP, das zeigt, wie der niederländische Kronprinz und seine Frau Zeugen einer Amokfahrt am Königinnentag
2009 werden. Das Hamburger Abendblatt schreibt dazu: “Fassungslos vor Entsetzen blicken Kronprinz Willem-Alexander und seine Frau, Prinzessin Máxima, von ihrem Bus aus auf den Amokfahrer.”
Beim Willem sieht man Schreck und Überraschung. Seine Augenbrauen sind hochgezogen und er hält sich die Hand vor den Mund, den er offensichlich im Schreck geöffnet hat. Auch seine Augen sind weit geöffnet. Maxima beginnt schon, die Konsequenzen der Amokfahrt zu… weiter lesen