06.09.2012 von Jakob Hein
Man stelle es sich vor: Chaotische Krisenkonferenz in der Karikaturenredaktion. Die Themen stapeln sich: Eurokrise, Wahlkampf in den USA, Organspendenskandal, Streik von Ärzten und Lufthansa-Personal, etc. pp. Die dreißig besten Karikaturisten Deutschlands haben per Fax oder Email ihre neuesten, kontroversen Entwürfe eingereicht, die die Themen des Tages hart (manchmal zu hart?) verhandeln. Alle Zeichnungen werden an die Wand projiziert, Zigarettenrauch schwängert die Luft ebenso wie knallharte Diskussionen dies tun. Das Rot der Gesichter wandelt sich stufenlos in immer dunklere Farben. Wut, Engagement, Freude, Termindruck. Ab und an steckt ein Assistent den Kopf durch die Tür:
“In vier Minuten ist Schlusskonferenz.”
“Noch einen Moment, wir haben es gleich, gebt uns noch zehn Minuten mehr! Nur zehn.”
“Ihr bekommt acht!”
Der wutentbrannte Chefredakteur höchstselbst ist mit Herausgeber und Chef vom Dienst ins Zimmer getreten und schaut sich die verschiedenen Zeichnungen an. Da fällt sein Blick in den Mülleimer: “Da Zeichnung! Grüne, Sonnenblume… weiter lesen
04.09.2011 von Jakob Hein

Gefällt es Dir bei uns, Tante? Ja? Warum sagst Du das dann nicht Deinem Gesicht?
Einerseits sagte Leo Rosten ganz richtig über W.C. Fields: Jeder der Babys und Hunde hasst, kann kein ganz schlechter Mensch sein. Andererseits lautet ein altes Branchengesetz im Fernsehen: Kinder und Hunde gehen immer und bringen Quote.
Es ist daher nachvollziehbar, dass sich Politiker gern mit Kindern zeigen wollen, aber dabei darf der Fotograf nicht nur auf die Kindergesichter schauen, die hier natürlich allerliebst sind. Aber die Kandidatin: Ihre Oberlippe ist erkennbar hochgezogen, was man an der verstärkten Falte vom Nasenrand zum Mundwinkel erkennen kann. Die Augen sind beide leicht geschlossen und der rechte Mundwinkel ist noch etwas höher gezogen als der linke. Man kann es zuhause selbst ausprobieren: Mit so einem Gesicht fühlt man sich nicht warm oder fürsorglich, dieses Gesicht eine Mischung aus Ekel und Verachtung aus.
Das kann alles Mögliche… weiter lesen
06.08.2011 von Jakob Hein
Im Wahlkampf gibt es bestimmte Worte, die man gern verwendet: alle, gemeinsam, Bürger, für oder uns. Der Bürger soll sich angesprochen fühlen, den Hemdsärmel sich hochstreifen sehen, das Gefühl haben: “Jetzt gehts los” (SPD). Insofern ist die Berliner Grünen-Kamagne: “Da müssen wir ran” zunächst irgendwie nachvollziehbar. Das mit dem “müssen” kann man diskutieren, bei der Wahl geht es ja gerade um wollen, warum soll der Bürger etwas wollen, das in müssen resultiert? Aber die Botschaft ist klar: Dem Finger gleich legt sich ein Pfeil auf die Probleme der Stadt und dann hilft’s halt nichts: Da müssen wir ran.
Nur wenn man die gleiche Symbolik für die Spitzenkandidaten verwendet, wird es widersprüchlich. “Volker Ratzmann – da müssen wir ran”. “Stau auf der Köpenicker Straße – da müssen wir ran”. Ja was denn nun, müssen wir an die Probleme und sind mithin die Kandidaten auch Teil des Problems statt Teil… weiter lesen
20.07.2011 von Heiko Werning
Berlin liegt in Trümmern. Das Übliche ja sowieso – Arbeitslosigkeit, Bankrott, Ausländer, Hundehaufen –, aber es ist alles noch viel schlimmer: „Schulleiter mutieren zu Verwaltungsbeamten“, „Leistungsdruck schon in der 3. Klasse“, „Orchideenfächer werden ignoriert“, „Gerade in zentral gelegenen Gebieten gibt es zu wenig Parkplätze“, „Taxichaos am Hauptbahnhof“, „Ödnis am Alex“, „Multiresistente Krankenhauskeime“, „Berliner Schüler lernen fast nichts über das Unrechtsregime der DDR“, „Der nächste Winter kommt bestimmt, Berlin ist immer noch nicht vorbereitet“, und, falls noch jemand Zweifel hat: „Unbekannt und dennoch überfordert: die einheitliche 115-Nummer für die Verwaltung“.
Es ist ein Wunder, dass überhaupt noch Leben möglich ist in der Hauptstadt. Wenn man es denn Leben nennen möchte.
Dieser deprimierende Befund kommt von niemand anders als der Berliner CDU, die in einer bemerkenswerten Fleißarbeit die „100 wichtigsten Probleme“ der Stadt nebst 76 „Ergänzungsproblemen“ zusammengetragen hat. Nein, mangelnde Detailliebe kann man den Hauptstadtchristdemokraten nicht vorwerfen:… weiter lesen
28.06.2011 von Jakob Hein

Springer-Konferenz diskutiert Leserkommentare
Jede Zeitung erfreut sich ja bekanntlich der Leserschaft, um die sie gerungen hat. Deswegen sind die Kommentare zum Bild-Artikel “Grüne sagen Ja zum Atomausstieg 2022″ besonders aufschlussreich.
Einen breiten Platz in der Diskussion nehmen Sachargumente ein. So argumentiert beispielsweise canadian87: “Die dumme Roth wenn ich schon sehe. Da bekomme ich immer so ein KOTZ- Gefühl.” Dem stimmt Michael54 zu: “Wenn ich diese Roth sehe, wird mir schlecht!!” Sky479 weitet da den Blickwinkel, wenn er erörtert: “Roth, die Frau ist zum kotzen,gefolgt von Tretin,Künast,Ströbele. Alles Lügner und machtgeile Versager.” Candian87 erläutert daraufhin seinen Standpunkt genauer: ” Roth, Künast, Schröberle, Tritin, und alle anderen Ex-RAF Verbrecher nur zum Kotzen.”
Leser padirri lenkt unsere Aufmerksamkeit noch auf einen weiteren grünen Politiker: “Özdemir was ist der Deutscher ? Was will der in unserer Politik soll sich um sein herkunftland kümmern.”, worauf hin zwergi zu bedenken gibt: “Özdemir erinnert… weiter lesen
26.06.2011 von Jakob Hein

Aller Ausstieg ist schwer
Die Grünen und ihre Parteitage gehören ja bestimmt zu den schwerer erträglichen Dingen auf dieser Welt, weil die Machtansprüche nicht offen bekundet werden dürfen, sondern hinter einer dünnen Maske aus political correctness unzureichend versteckt werden. Aber die Berichterstattung über den gestrigen Sonderparteitag zum Atomausstieg weckt wirklich solidarische Gefühle. Die “Zeit” spricht von einer “Redeschlacht” die da stattgefunden habe, der “Focus” von einer “Zerreißprobe“, der “Stern” schreibt von “Grüne im Dilemma – heftige Kontroverse zum Atomausstieg“. Aber zum Glück, so kann man lesen, hat die Vernunft dann trotzdem noch gesiegt und “Grün sagt Ja zum schwarz-gelben Atomausstieg“.
Was für eine Zeit, in der es schon als “Zerreißprobe” gilt, wenn eine politische Partei ausführlich und mit offenem Ausgang im Rahmen eines Parteitags über eine richtungsweisende politische Entscheidung diskutiert? Viel entscheidender als die Frage, ob die Grünen wieder zurück zu ihrem alten Ausstiegsmodell… weiter lesen