Posts Tagged ‘Literatur’

11.02.2012 von Jakob Hein
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Berliner Lesebühnen fordern: Schokoladen schließen! Klappt die Bürgersteige hoch! Der Letzte macht das Licht aus!

von Jakob Hein
Seit 1989 sind in Berlin Dutzende von Lesebühnen  entstanden: Ensembles von Autorinnen und Autoren, die in Kneipen und Clubs ihre neuen Geschichten vorlesen.Berlin schmückt sich gern mit diesen Veranstaltungen, die jedes Jahr von Tausenden von Berlinern und Touristen besucht werden und die inzwischen etliche namhafte Kabarettisten und Schriftsteller hervorgebracht haben.Leider interessiert sich die Berliner Politik nicht dafür, was für die Entstehung einer solchen lebendigen Szene notwendig ist: Cafés, in denen die Getränkepreise so niedrig sein können wie der Eintritt. Kneipen, in denen Künstlerinnen und
Künstler einfach etwas ausprobieren können, ohne dass es Geld abwerfen muss. Clubs, deren Betreiber sich nicht ständig sorgen müssen, wie sie die grotesken Renditen für die Hausbesitzer erwirtschaften können.
Nun soll auch der Schokoladen schließen und von der Polizei geräumt werden.Ohne Orte wie den Schokoladen wären die Berliner Lesebühnen nie entstanden!Bis vor wenigen Jahren konnten wir uns leicht trösten, wenn wieder einer

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02.12.2011 von Heiko Werning
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Maulwurf der Herzen

von Heiko Werning

„Ach jo!“ – es ist nicht nur Zuckerschlecken auf der Welt, selbst für ihre kleinsten Bewohner. Windelwechsel, die ungeliebte Mütze, Schlafengehzeit: „Ach jo!“ Von Tschechien bis nach Kalifornien erklingt der charakteristische Stoßseufzer, eine der ersten stimmlich-modulierten Äußerungen zahlloser Erdenbürger, und wer könnte heute noch sagen, wer zuerst da war: der kleine Seufzer oder der kleine Maulwurf?

Seit Zdenek Miler den verborgen lebenden Insektenfresser 1957 erstmals ins Licht der Öffentlichkeit gezeichnet hat, begeistert er rund um die Welt kleine und allerkleinste Kinder, als frühe Pelzversion der Teletubbies mit seinen rein lautmalerischen Äußerungen. Nach einer kurzen Phase früher Redseligkeit ist der Krtek, wie er in seiner Heimat heißt, vollständig verstummt, schon deswegen ist er zu loben. Gut, die freundliche Daddelmusik, die die Filmchen untermalt, ist auch nicht jedermanns Sache, aber wer je dem Akustik-Terror von Benjamin Blümchen oder gar Cosmo und Wanda ausgesetzt war, liebt… weiter lesen

26.10.2011 von Heiko Werning
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Ichzeit, Duzeit, Er-sie-es-Zeit

von Heiko Werning

Ich kann nicht einschlafen. Zweifel quälen mich. Woher kommen wir? Wohin gehen wir? In welcher Epoche schreiben wir? Das sind so die Fragen, die mich kein Auge zutun lassen. Mich tief empfindenden Schriftsteller. Wenn da nicht immer diese Selbstzweifel wären! Ist das überhaupt Literatur? Schreibe ich überhaupt zeitgemäß? Habe ich zuviel Kaffee getrunken am Nachmittag?

Aber ich kenne sie gut, die Nächte, in denen ich nichteinschlafen kann. Ich habe vorgesorgt. Ich habe mir die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ans Bett gelegt.

Da trifft es sich gut, dass einer von uns, nämlich Maxim Biller, endlich einige Antworten für uns gefunden hat. Und sie in die Zeitung hineingeschrieben hat, unter dem schönen Titel „Ichzeit“.

„Wir leben, lesen und schreiben schon lange in einer literarischen Epoche und wissen es nicht.“ Und in der Tat – ich hätt‘s nicht gewusst. Aber hätte ich es zumindest ahnen können? „Vielleicht ahnen wir es, wenn wir nach der Lektüre von Tellkamps Turm denken, das war noch besser als eine Folge von Breaking Bad.“ Nein, ich hätte es nicht ahnen können. Denn mir gefällt nicht nur jede einzelne Folge von Breaking Bad besser als Tellkamps wichtigtuerischer Langeweiler-Turm, sondern sogar jede Ausgabe der Sendung mit der Maus. Umso wichtiger also, dass Maxim Biller endlich mit der Sprache rausrückt, selbst wenn ich dafür seinen ganzen, langen, wahrscheinlich sehr tief empfundenen und sicher nicht schlecht bezahlten Artikel in der FAS lesen muss, sonst werde ich es nie erfahren, denn außer Maxim Biller kam, glaube ich, noch keinem von uns in den Sinn, dass die besten Romane der letzten 25 Jahre mehr verbindet als ihre Qualität: „Dass die besten Romane der letzten 25 Jahre mehr verbindet als ihre Qualität, kam, glaube ich, noch keinem von uns in den Sinn.“ Ich lese gebannt weiter.

Angefangen hat alles, so Biller, mit Rainald Goetz, weil der sich beim Vorlesen „selbst verletzte“, indem er sich nämlich vor der Kamera beim Vorlesen eine kleine Schnittwunde zugefügt hat, womit er „etwas unerhört Neues wagte“, denn „er stellte seine ganze verletzende und verletzliche Person stolz ins grelle öffentliche Licht.“ Darauf hätte im Grunde natürlich auch schon vorher mal jemand kommen können: Einfach mal seine eigene Person ins grelle, öffentliche Licht stellen! Darauf hätte natürlich auch schon vorher mal jemand kommen können, nach all den Jahrhunderten voll schwächlicher, unglaubwürdiger, langweilender Er-Erzähler: „Die Literatur braucht wieder ein starkes, glaubhaftes, mitreißendes Erzähler-Ich – sonst hört ihr uns, die tief empfindenden Dichter und Denker, im immer lauter werdenden Medienlärm nicht mehr.“ Und Biller im Medienlärm nicht mehr zu hören – das ginge ja nun gar nicht!

Es folgte Fausers Rohstoff: „Dieser Roman tut weh, so schön und tief empfunden ist er. Und genau das ist er auch.“ Also: Das genau ist er: schön und tief empfunden. Das tut weh. „Wie schade, dass der existenzielle Trinker Fauser, der ein paar Jahre später morgens um vier auf einer bayerischen Autobahn betrunken überfahren wurde, über seinen Amy-Winehouse-Tod nicht mehr selbst schreiben konnte. Es wäre sein stärkster Text geworden.“ Das ist in der Tat sehr schade. Man könnte den Gedanken vielleicht sogar noch einen Tick weiterdrehen und bedauern, dass im Grunde … weiter lesen

15.10.2011 von Jakob Hein
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My fair Frankfurt 2011

von Jakob Hein

Stand im Rampenlicht: Der Computer, auf dem man sogar Texte lesen kann.

Da der diesjährige Buchpreisträger einfach nur nett, bescheiden und völlig neurosenfrei ist und niemand nackt durch die Ausstellungshallen lief, galt es, mal wieder das Ende des gedruckten Buches zu befürchten. Dieses Ereignis steht seit der Einführung des Radios unmittelbar bevor und auch in Deutschland ist der Absatz von eBooks stark gestiegen und liegt jetzt schon bei 0,5 Prozent des Gesamtmarktes. Fantastisch! Wenn sich diese Entwicklung noch fortsetzt, werden in ein paar Jahren nurmehr 98 Prozent der Leser gedruckte Bücher lesen. Zeit, sich einen Kamin für die Regale anzuschaffen!

Andere Bücher aus dem selben Verlag: "Pussy Power 4" und "Sweet shaven Angels"

Ungewöhnliche Standdekoration: Brennholz vorn, hinten Bücher

Wohl darauf spielt wohl auch der geschätzte “Kein & Aber”-Verlag aus der Schweiz mit seiner sehr ungewöhnlichen Deko an? Zum Thema “Holz” auch der Kalender… weiter lesen

22.08.2011 von Jakob Hein
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Hier steht schon mal, wer den Deutschen Buchpreis gewinnt (I)

von Jakob Hein

Trotz sehr renommiertem Autor chancenlos: Autor zu alt, falscher Verlag

Der sich immerhin Deutsch nennende Buchpreis veröffentlicht keine Kandidatenliste und auch keine engere Auswahl, sondern – oho – eine Longlist und dann eine Shortlist und zum Schluss einen Preisträger. Das Ganze geht natürlich vollkommen unabhängig und ausschließlich im Dienste der Literatur vonstatten, keinerlei andere Einflüsse kommen zur Geltung. Dass Hertha Müller den Nobelpreis bekam, hatte keinerlei Einfluss auf das Urteil der Juroren, wie auch Melinda Nadj Abonji rein zufällig in jenem Jahr den Preis zugesprochen bekam, als ein rassistischer Ex-Senator aus Berlin (Thilo, bitte verklag mich!) gerade seine Millionenauflage verkaufte. Und obwohl das Ganze vollkommen unabhängig und ausschließlich nach literarischen Aspekten beurteilt wird, möchten wir hier ein paar begründete Prognosen wagen. Wer sich die Spannung noch bis zum Oktober erhalten will, möge nun nicht weiterlesen, ginge es um einen Krimi, würden wir hier schon mal den… weiter lesen