Posts Tagged ‘SPD’

17.09.2012 von Jakob Hein
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Nachrichten vom Niedergang der politischen Karikatur XXXI

von Jakob Hein

Die Frage, wen die Sozialdemokratische Partei Deutschlands dafür nominieren wird, im kommenden Jahr als theoretischer Kandidat für das Amt des Bundeskanzlers anzutreten, interessiert – schockierend, aber wahr – keine Sau. Die Auswahl besteht aus drei weißen westdeutschen Männern zwischen 53 und 65 Jahren mit Anzug, von denen einer Vizekanzler in einer großen Koalition werden könnte, wenn es gut läuft. Und da die Frage immergleich seit qualvollen Monaten unablässig durch die Medien spült, ist man als Zuschauer mittlerweile mehr genervt von ihr als die drei in Frage stehenden Männer selbst.

Aber dass es gelingt, dieses vollkommen ausgelutschte, nichts hergebende, überragend unwesentliche Thema aus der Vielzahl der Themen in einer Welt in Bewegung herauszupicken und es dann auch noch in spezieller Geist- und Pointenlosigkeit in einer wilden Orgie des zeichnerischen Nichts kontextfrei in einen Raum der Bedeutungslosigkeit zu katapultieren, drapiert von bedeutungslosen Sprechblasen samt unverständlicher Beimengung einer schlechten Karikatur der Amtsinhaberin, die… weiter lesen

06.12.2011 von Jakob Hein
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Nachrichten vom Niedergang der politischen Karikatur (XX)

von Jakob Hein

War erst eingereicht als "Heilige drei Könige", wurde so aber für lustiger befunden

Nichts, absolut gar nichts erwarten wir uns noch von der politischen Karikatur in Deutschland anno 2011 ff. Aber immer wieder erhoffen wir uns, dass die Untergrenze der Geschmacklosigkeit endlich erreicht worden ist, dass es nicht mehr abwärts gehen kann, dass irgendwelche Standards, irgendeine Art nachvollziehbarer redaktioneller Arbeit verrichtet wurde.

Nun ist “K-Frage” in hohem Maße eine “so genannte”, ein hausgemachter Eintopf aus der Suppenküche für arme Journalisten, der wirklich auch nur dort gegessen wird und keinen Eingang in das große Kochbuch der Alltagssprache gefunden hat. Der Begriff “K-Frage” ist bequem, wenn man nicht zwischen Kanzlerkandidatur, Beliebtheit, Wahlchancen und hierarchischer Stellung in einer Partei unterscheiden will. Er suggeriert, dass es sich hier um ein klar definiertes Phänomen handelt, obwohl es doch Schwafelei und Schaumschlägerei vom Feinsten ist. Es gibt das “F-Wort” und es gibt das “L-Wort”,… weiter lesen

02.12.2011 von Heiko Werning
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Große Koalition in Berlin: Immerhin die Autobahn!

von Heiko Werning

Lustig wäre es, dieser Tage durch Berlin zu ziehen und den Menschen ein Foto eines bestimmten, eher unauffällig aussehenden, in einem unauffälligen Anzug gekleideten, nett lächelnden, Brille tragenden Herrn im gehobenen mittleren Alter vorzulegen und zu fragen, um wen es sich handeln könnte. Vielleicht würden manche auf den örtlichen Sparkassenleiter tippen, andere auf irgendeinen Abteilungsleiter im Bürgeramt, und sicher einige auf den netten Onkel von nebenan, der den Kindern manchmal Geschichten vorliest, bei denen diese sich zwar furchtbar langweilen, aber weil es so leckere Plätzchen gibt, gehen sie eben doch hin. Auf die richtige Lösung aber käme vermutlich niemand: Frank Henkel, der Spitzenkandidat der Berliner CDU und zukünftiger Vize-Chef von Berlin.

Es ist schon seltsam: Da wählen die Berliner zu rund 70 % dem linken Spektrum (was immer das auch heißen mag heutzutage) zugerechnete Parteien, setzen die FDP auf Augenhöhe mit der Tierschutzpartei und stabilisieren… weiter lesen

17.11.2011 von Jakob Hein
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Handwerkerweisheiten für Situationen des Lebens

von Jakob Hein

Das neue Berlin: Flippig, mondän, weltoffen, modern

Liebe Kinder, früher, vor langer, langer Zeit da waren Elektrogeräte noch reparabel. Wenn also ein Fernseher kaputt war, ein Radioapparat oder ein Küchenmixer, dann schmiss man den nicht in irgendwelche Tonnen und lief zum Elektromarkt, um sich dort den Nachfolger des Küchenmixers zu kaufen, der auch bald wieder in die Tonne finden würde. Nein, in dieser grauen Vorzeit wurden die Geräte nicht selten sogar mit Schaltplänen geliefert, aus denen schlaue Männer lesen konnten, wie die Kondensatoren, Dioden und Potenziometer miteinander verlötet waren.

War also der Apparat kaputt, packte man ihn in einen Sack oder eine Tüte und machte sich auf zum Reparaturladen. Dieser hieß immer “Elektro-Name”, wobei der Name Müller, Meier oder Schulz sein konnte. In “Elektro-Name” saß dann Herr Name, ein Mann zwischen Ende vierzig und Anfang sechzig, der einen blauen Nylonkittel und eine Halbbrille trug. Über diese Halbbrille hinweg… weiter lesen

13.09.2011 von Jakob Hein
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Problematische Wahlkampfplakate (X)

von Jakob Hein

Mit zunehmender Nähe der eigentlichen Wahl, steigt die Zahl problematischer Wahlkampfplakate, auch wenn die Temperatur des Wahlkampfes weiterhin kaum etwas übersteigt, das einem zum Ausziehen der mentalen Strickjacke bewegen würde. Rot-Grün oder Rot-Rot wird es werden, irgendwie die Wahl zwischen Schnupfen und Erkältung, immerhin wird die braune Pest wieder an der Stadt vorbeigehen und wohl nicht einmal eine leicht gelbliche Hepatitis wird es werden.

Dennoch ist das Verlockende an einer Wahl eben die theoretische Freiwilligkeit des Vorgangs, die Souveränität des Wählers, seine Möglichkeit, zwischen allen möglichen Optionen auszuwählen, und sich dann die leckerste Praline aus der Bonbonniere politischer Köstlichkeiten zu picken. Da ist der Slogan “Wer Wowereit will, muss SPD wählen” kontraproduktiv. Zunächst wirkt beides nicht sehr attraktiv. Wowereit haben wir doch schon, warum sollen wir den wollen? Und dann dieses Junktim, das so klingt, als ob die Autoren das mit der Partei da auch nicht besonders schön fänden, aber… weiter lesen

08.09.2011 von Jakob Hein
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Problematische Wahlkampfplakate (IX)

von Jakob Hein

Klar, Politiker wollen sich immer als Menschen zeigen, denn sie wollen von Menschen gewählt werden und sie wollen auf keinen Fall, dass diese Menschen vorher ihre Wahlprogramme lesen, die im Übrigen weitgehend ununterscheidbar sind. Alle wollen “eine lebenswerte Stadt”, “mehr Sicherheit”, “Zukunft für unsere Kinder” und ähnlich unverbindlichen Quark. Also probiert man durch Bilder zu vermitteln, dass es sich ganz warm und kuschelig anfühlt, den Kandidaten zu wählen.

Der amtierende Bürgermeister wird ja in Berlin tatsächlich ob seiner Schlitzohrigkeit gemocht. “Berlin is alt aber arm” oder so ähnlich, das hat vielen gefallen. Aber wenn man sich mit einer alten Frau fotografieren lässt für ein Wahlkampfplakat, dann sollte der Blick sagen: “Ich kümmere mich gern um ältere Leute” und nicht “Guck mal, die Alte weiß nicht was hier passiert und wir machen daraus ein Wahlkampfplakat. Und dann schreiben wir wieder drunter ‘Berlin verstehen’, was irgendwie voll die Doppelverarsche ist.” Während die… weiter lesen

20.07.2011 von Heiko Werning
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Eine mit Plastik überdeckte Brache – der Berliner Wahlkampf hat begonnen!

von Heiko Werning

Berlin liegt in Trümmern. Das Übliche ja sowieso – Arbeitslosigkeit, Bankrott, Ausländer, Hundehaufen –, aber es ist alles noch viel schlimmer:  „Schulleiter mutieren zu Verwaltungsbeamten“, „Leistungsdruck schon in der 3. Klasse“, „Orchideenfächer werden ignoriert“, „Gerade in zentral gelegenen Gebieten gibt es zu wenig Parkplätze“, „Taxichaos am Hauptbahnhof“, „Ödnis am Alex“, „Multiresistente Krankenhauskeime“, „Berliner Schüler lernen fast nichts über das Unrechtsregime der DDR“, „Der nächste Winter kommt bestimmt, Berlin ist immer noch nicht vorbereitet“, und, falls noch jemand Zweifel hat: „Unbekannt und dennoch überfordert: die einheitliche 115-Nummer für die Verwaltung“.

Es ist ein Wunder, dass überhaupt noch Leben möglich ist in der Hauptstadt. Wenn man es denn Leben nennen möchte.

Dieser deprimierende Befund kommt von niemand anders als der Berliner CDU, die in einer bemerkenswerten Fleißarbeit die „100 wichtigsten Probleme“ der Stadt nebst 76 „Ergänzungsproblemen“ zusammengetragen hat. Nein, mangelnde Detailliebe kann man den Hauptstadtchristdemokraten nicht vorwerfen:… weiter lesen

24.05.2011 von Jakob Hein
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Nochmal in die Werkstatt

von Jakob Hein

Die SPD (Partei) möchte jetzt “Nicht-Mitgliedern ein Stimmrecht in bedeutsamen Personalfragen geben”. Dabei soll jeder Bürger, der sich dafür registrieren lässt, über Kanzlerkandidaten oder Landratsämter mit abstimmen dürfen, wird allerdings auch an den damit verbundenen Kosten beteiligt. Offensichtlich plant die SPD sogar Frauen für solche Wahlen zuzulassen. Sollte dieses Beispiel Schule machen, könnte in einer fernen Zukunft vielleicht sogar die gesamte Regierung durch die Bürger – völlig gleichgültig, ob sie nun in der SPD sind oder nicht – gewählt werden. Fraglich ist natürlich nur, ob der Kaiser diesem radikalen Schritt zustimmt. Allerdings hofft die SPD durch populäre Kanzlerkandidaten wie Markus Lanz, Lothar Matthäus oder Woody Woodpecker auch letzte Zweifler überzeugen zu können.