11.05.2013 von Jakob Hein

Bei genauer Betrachtung eine Art moderner Beichtstuhl: Das Auszahlsystem
Es gibt im Leben eines Autoren wenig Erfreulicheres als nette Leser. Unser netter Leser xiti schrieb uns folgendes:
…ich lese gern euren Reptilienfonds; beim jüngsten Beitrag “Preziosen provinzieller Presse” fiel mir sofort ein Beitrag vom Wochenende aus dem Eifeler Lokalteil der Aachener Zeitung ein.
Und xiti hat recht. Dieser Beitrag unter dem Titel “Gottesdienst in der Kneipe – Jugendliche ansprechen” ist eine echte Preziose. Denn Frau Alice Klein hat sich unter Jugendlichen umgehört und recherchiert, warum “äußerst selten Jugendliche auf den [Kirchen-]Bänken sitzen: “die Messen sind langweilig”, “die Musik ist öde” und “die Texte kann man nicht verstehen” – das sind so Sachen, die Alice Klein herausgefunden hat.
Darum machte sie jetzt einen Gottesdienst in der Imgenbroicher Bodega. Der dortige Besitzer findet die Idee super, denn er “kennt die Kirche aus seiner Schulzeit” und “weiß, wie langweilig es… weiter lesen
09.05.2013 von Jakob Hein
11.08.2012 von Jakob Hein
Es gibt Menschen, die lange Flugreisen machen, nur um Ruhe und Abgeschiedenheit zu finden. Dabei ist die Ruhe doch so nah. In Vorpommern zum Beispiel wird am Dienstag der Strom abgestellt von 8 Uhr bis ca. 15.30, man kann sich vorstellen, dass es auch ein wenig länger dauern könnte. Bei “eventuellen Rückfragen” kann man ja anrufen, aber erstens ist ja alles klar und zweitens sollte man dann auch eventuell das Telefon gut aufgeladen haben, weil es an dem Tag mit Rückfragen sonst schwierig wird.
Kein Problem! Denn hier gibt es keine Kühlschränke, keine Teufelszeuge wie das Internetz-Server, keine alten Menschen an Beatmungsgeräten. Und es steht ja im Kleingedruckten: Das hat kaum Auswirkungen, wenn man die Geräte in der Zeit einfach nicht benutzt. Genial! Aber die Leute hier werden all das eh kaum bemerken, wenn sie sich die Gerste für ihren Ersatzkaffee auf dem Küchenofen rösten und mit den Holzscheiten ihre… weiter lesen
20.07.2012 von Jakob Hein

Hier auch unbedingt mal Einsatzkräfte hinschicken.
Diesmal wäre es beinahe soweit gewesen, dass erstmals das traditionelle Reptil im sommerlichen Badesee sein erstes Menschenopfer gefordert hätte.
Was war geschehen? Am 7. Juli war ein Mann gegen 19.30 Uhr mit seinem Hund spazieren. Als er sich nach einem Stock bückte, habe er einen etwa “40 cm langen, muskulösen Schwanz” entdeckt. Er hielt es für ein Krokodil “woraufhin er aufschrie und sich in Sicherheit brachte”. Eine Stunde später benachrichtigte er sogar die Polizei, woraufhin tatsächlich Wasserwacht, Feuerwehr und Polizei bis 1 Uhr nachts nach dem mörderischen Reptil suchten – vergebens. Allerdings: “Gegen 23.30 wurde ein größeres Tier am Ufer entdeckt, das jedoch sofort abtauchte.” Man konnte nicht sagen, ob es das Krokodil war – ausgeschlossen war es aber auch nicht mehr. Klar, dass zur Sicherheit der Bürger ein Badeverbot für den Kiesweiher ausgesprochen wurde, schließlich herrschte Reptilienalarm.
Doch die… weiter lesen
10.03.2012 von Jakob Hein

Noch 'ne Spezialität aus Schleswig: Paragraphenbrezel
Wanderer, wenn Du nach Schleswig kommst und Deinen Kopf zur Nacht im Hotel “Waldschlösschen” am Kolonieweg betten willst, dann wisse folgendes: Einen Kolonieweg mag es auch in Deiner Stadt geben, es mag sogar mehrere Koloniewege in Deiner Stadt geben und die meisten dieser Koloniewege werden nicht mehr als 300 Meter lang sein, kaum dass die meisten von ihnen überhaupt befestigte Wege sind. Der Kolonieweg in Schleswig aber hat es in sich: Er beginnt nur einen Steinwurf vom Bahnhof entfernt (nicht dass jemand so etwas in Schleswig tun würde, Steinewerfen), aber erinnert dann an Heinrich Heines berühmten Spruch über eine Straße in Berlin: “Das ist die große Friedrichstraße. Wenn man diese betrachtet, kann man sich die Idee der Unendlichkeit veranschaulichen.”
Der Kolonieweg im Städtchen Schleswig ist drei Kilometer lang und an seinem Ende, wenn endlich durch das Dunkel der Nacht das Hotel zu… weiter lesen
13.06.2011 von Jakob Hein
Durch verschiedene Zufälle des Lebens verbrachte ich dieses Wochenende in Leipzig und konnte mir so mal das Wave-Gothic-Treffen (WGT) ansehen. Kurzum: Es war ziemlich dunkel. Lustig war, dass die Leipziger mittlerweile völlig immun gegenüber den dunkel Drapierten sind und sich entspannt über die nächste Eierschecke unterhalten, während neben ihnen T-Shirts das nahende Ende der Welt herausschreien.
Das Ganze ist mittlerweile so dermaßen harmlos, dass sich sogar die “Bild” dafür begeistert, Sonderseiten schaltet und sogar eine Reporterin standesgemäß staffieren lässt.
Für die Teilnehmer gab es Bändchen wie im Pauschalhotel, mit denen man sogar kostenlos Straßenbahn fahren konnte. So mussten die düster Dreinblickenden nicht mal ihr gefährliches Starren unterbrechen, wenn der Kontroletti kam.
Auf dem offiziellen T-Shirt stand: “Ich bin W-G-Tarier”, wobei einem das “arier” sauer aufstieß, wenn man die vereinzelten Teilnehmer in SS-Uniformen (natürlich ohne Runen) sah. Die anderen T-Shirts hatten jeweils eine Aufschrift, die aus den… weiter lesen
01.06.2011 von Jakob Hein
Angesichts des Himmelfahrtswochendes fühlte sich der Spreewelten-Bahnhof Lübbenau bestens gerüstet. Trotz Schienenersatzverkehrs konnte es nämlich ermöglicht werden, Informationen zum Schienenersatzverkehr zu erhalten. Nicht auszumalen, was gewesen wäre, wenn es keinen Schienenersatzverkehr gegeben hätte, wo hätten sich die Reisenden darüber informieren können? Aber das einerseits hochwertig gefertigte und andererseits bereits vergilbende Transparent wiesen darauf hin, dass dieser Zustand schon lange bestand und noch lange bestehen würde.
(Die Frage zweier Reisender mit Fahrrad, wie sie denn nun nach Berlin kommen sollen, beantwortete die Zugbegleiterin übrigens mit einem professionellen: “Mit Fahrrad? Ach du Scheiße!”)
19.04.2011 von Jakob Hein

Klaus Peter G. war ganz Geschäftsmann. Klar, war es damals von einigen als ungewöhnlich empfunden worden, als er das Sortiment seines Krankenhaus-Shops erweitert hatte. Aber der Restposten Vuvuzelas war einfach zu günstig gewesen, als dass G. hätte widerstehen können. Die weißen Vuvus liefen am besten, sie konnten für oder von den Patienten selbst dekoriert werden. Zwar war selbst die Krankenhausleitung anfangs skeptisch gewesen, aber gerade von den besonders sensiblen Intensivstationen waren noch nie Klagen wegen der Vuvuzela-Klänge gekommen.
18.04.2011 von Jakob Hein

Was sind das für Puppen? Und warum sind sie so komisch angeschrägt? Vielleicht dienten sie früher als anatomisch-chirurgische Modelle, wo noch der Blinddarm (links) Platz findet und die ganzen unwichtigen Körperteile weggelassen wurden? Sollen Sie verdeutlichen, dass der Rest des Körpers keine Rolle mehr spielt, wenn man eine solche Hose trägt? Ich habe es nicht herausgefunden.