Posts Tagged ‘Schlechte Werbung’

14.04.2013 von Jakob Hein
blogavatar

Meinungsfreiheit heißt eben auch, für alles Werbung machen zu dürfen

von Jakob Hein

Wenn man sich mal überlegt, was für ein Aufwand es für die Natur ist, einen anständigen Winter hinzubekommen: Sonnenlicht vermindern, Temperaturen herunterfahren, Schneeproduktion, Eisblumen, und, und, und – dann kann man sich doch eigentlich nur wundern, mit welcher Leichtigkeit die Natur solche Projekte mehrmals jährlich erfolgreich durchzieht. Der jetzt kommende Frühling jedenfalls bringt neben Wärme und steigenden Säften auch blühende Pflanzen. Und weil die Evolution bei den Pflanzen noch nicht weit genug ist, dass diese sich in Bars oder Stundenhotel treffen können, vermehren sie sich durch Bestäubung. Das heißt, sie schicken ihre Samen durch die Luft in der Hoffnung, irgendjemanden werden sie schon erreichen. Treffen sie nun aber menschliche Schleimhaut, dann führt das zu Abstoßungsreaktionen. Es ist ja auch widerlich: Wer hat schon gern Sperma in Nase oder Bindehaut und sei es nur von Pflanzen. Nun gut, könnte man den Schleimhäuten entgegen rufen: Schütz Euch doch besser. Aber das ist… weiter lesen

23.02.2013 von Jakob Hein
blogavatar

Geheimnisse des gastronomischen Gewerbes

von Jakob Hein

Es sollte den Mitarbeitern des Familienhotels “Goldener Löwe” immer und ewiglich ein Rätsel bleiben, warum in ihrem Hotel für reisende Familien, ältere wandernde Ehepaare und Geschäftsreisende der Umsatz für den frisch gepressten Orangensaft nach Platzieren der neuen Werbeaufsteller auf jedem Frühstückstisch zurückging, hingegen die Nutzung des kostenpflichtigen Internets stieg.

03.02.2013 von Jakob Hein
blogavatar

Kurze, völlig unwichtige Zwischenfrage

von Jakob Hein

Angenommen, es steht einem der Sinn nach dieser leckeren Brotspezialität mit Rucola und Parmesan am Berliner Hauptbahnhof (wo die Werbung prangte). Wie sagt man dann? “Bitte eine Fick-elle.” oder “Ich hätte gern eine Fi-sell” oder “Ich bekomme eine Fi-tschele”?

Wahrscheinlich werden die meisten sagen: “Und noch so ein belegtes Baguette-Dings da.” Da wird doch die Verkäuferin wohl nicht sagen: “Oh lala, meinen Sie etwa die Ficelle?”

Wird sich doch nicht durchsetzen, die Sache… Hauptsache, es sagt keiner Weckerl.

01.01.2013 von Jakob Hein
blogavatar

Prost Neujahr und Prost Mahlzeit

von Jakob Hein

Viele Menschen scheinen sich im Sinne eines kontrollierten Trinkens am Jahresanfang eine großzügige Alkoholmenge vorzunehmen. Im nachfolgenden Jahr verlieren sie die Kontrolle, trinken zu wenig und schlittern dann am Jahresende in die Sinnkrise: Wie sollen sie den ganzen Alkohol schaffen, sollen sie sich für nächstes Jahr etwa weniger vornehmen? Hektisch versuchen sie dann meistens noch vor Jahreswende so viel zu trinken, wie überhaupt zu schaffen ist, um das eigene Konto für das nächste Jahr nicht kürzen zu müssen.

Wenn man nach einem solchen Trinkgelage am 1. Januar einen brummenden Kopf und einen flauen Magen sein eigen nennt, stärkt wohl nichts so sehr Körper und Seele wie eine dieser köstlichen “Ket-Knacker” (gesehen am Bahnhof Lichtenberg). Es gibt sie offensichtlich in den Geschmacksrichtungen Verkehrsunfall, Rindersperma und Spinatdurchfall. Schwer, sich da zu entscheiden.

02.12.2012 von Jakob Hein
blogavatar

Es ist uns eine Zeit angekommen

von Jakob Hein

Dankbar sollte man dem Oberpollinger sein. Vermutlich auch dem Unterpollinger und den Pollinger selbst, aber letztere haben keine Anzeigen geschaltet. Der Oberpollinger erinnert uns mit einem einzigen Foto noch einmal, was alles schlimm an Weihnachten und dem ganzen Drumherum ist:

Alle müssen sich vollkommen verkleiden, auf dem Foto ist nur die Bekleidung dargestellt, aber auch seelisch soll man ja in so einen verlogenen Modus gehen, sehr gut zu sehen im aufgeplusterten “Chic” des armen kleinen Mädchens, das förmlich vor Qual aus dem Griff der bösen Großmutter, ja aus dem Bild, aus dem ganzen Au-Weia-nachten zu springen scheinen will. Die aufgetakelte, böse Großmutter dominiert das Bild. Sie erinnert uns an dysfunktionale Verwandtschaftsbeziehungen, durch die wir uns Ende Dezember quälen sollen, obwohl wir alles andere lieber täten. Oma hat sich auch so angezogen, dass sie gerade so in einem sauber geputzten Ledersessel sitzen kann. Mit den Kindern spielen, oder auch nur einen… weiter lesen

05.10.2012 von Jakob Hein
blogavatar

Neue Trennung Deutschlands

von Jakob Hein

Aller wohlfeilen Einheits-Rhetorik zum Trotz gibt es eine neue Mauer in dem, was früher Deutschland hieß. Und die Erbauer dieser Mauer prahlen auch noch in ganzseitigen Anzeigen damit. Das Staatsgebiet ist jetzt unterteilt in den armen Norden, der weiterhin “Deutschland” heißen wird, einschließlich den ostdeutschen Bundesländern, dem Ruhrgebiet und den Problemländern Saarland, Bremen, Schläfrig-Holzbein etc. Im Süden hingegen haben die ehemaligen Bundesländer Bayern, Bade-Württebersch und Rheinland-Pfalz eine autonome Republik des Reichtums errichtet “Schwäbisch-Hall-Land”, das vom “Flüschterfuchs” regiert wird.

Unglaublich reich, unglaublich mächtig, aber trotzdem: Wer will da schon wohnen? Fünfzig Kehrwochen im Jahr, das Oktoberfest wird zwölfmal im Jahr gefeiert und Gemüse ist illegalisiert. Hat schon seine Ordnung.

19.08.2012 von Jakob Hein
blogavatar

Unvollständige Gedichte

von Jakob Hein

In diesen verrückten Zeiten kennt man sich ja gar nicht mehr aus. Die Psychiater tun so, als wären sie Friseure “Einfach mal quatschen”, “Coaching” oder wie Ildiko von Kürthy im Interview sagt: “Ich hatte eine Mischung aus burn-out, Nervenzusammenbruch und Depression”.  Nein wirklich?

Und die Friseure tun so, als wären sie Psychiater mit “mehr als nur Haareschneiden”, “ganzheitlichen Wellness-Paketen” und “Streicheleinheiten für Kopfhaut und Seele”. Aber das Gedicht hier, von dem einen Friseur, das ist doch unvollständig, oder? Da fehlt doch ein Wort, gell? Oder bin das nur ich?

Naja, “Du bist mein Reim auf Schmerz” summend verabschiede ich mich zur Reformbühne, wo wir heute bei 100 zahlenden Gästen das Brett dicht machen müssen (Auflage). Kommt also lieber gleich mit!

08.03.2012 von Jakob Hein
blogavatar

Auch die Abwesenheit von Frauenpower kann Männer sauer machen

von Jakob Hein

Mindestens kein Fortschritt für die Sache der Frauen

Zunächst soll hier allen Frauen zu ihrem internationalen Ehrentag gratuliert werden. Und sicher ist der wichtigste Grund für diesen Tag die leider immer noch bestehende deutliche Benachteiligung der Frauen gegenüber den Männern in Verbindung mit der stupenden Verblendetheit der letzteren für diesen Umstand und/oder seine Zusammenhänge. Insofern ist es schon klar, dass frau auch im kommenden Jahr immer mal etwas machen muss, das vielleicht nicht allen engagierten Frauen gefallen kann.

Aber: Wenn man sich schon für irgendein Werbefoto knipsen lässt, muss es dann ausgerechnet in so einer billig aussehenden abgeschnittenen Bluejeans sein? Muss man dazu auch noch einen billigen Pullover (grün mit grünem Reißverschluss) tragen, den man vor zwanzig Jahren bei cheap & awful geholt hat und der “immer noch gut ist”? Muss man dazu auch noch eine billige Spielzeugbrille kaufen, die so aussieht, als hätte man sie noch aus… weiter lesen

31.01.2012 von Jakob Hein
blogavatar

Guten Appe-Beat!

von Jakob Hein

Die Genregrenzen lösen sich zunehmend auf, hätte man früher gesagt, als die Menschen noch etwas mit dem Begriff des Genres anfangen konnte. Heute, da kann man sich sofort Schauspieler nennen, wenn man nur ausreichend hysterisch ist, sofort Musiker, wenn man ein Instrument gerade halten kann, sofort Maler, wenn jemand Geld dafür bezahlt und sogar wenn man die Musik anderer Leute zu Gehör bringt, gilt man heute als Musikschaffender.

Klar, dass in so einer Welt auch Köche längst nicht mehr die Erfüllungsgehilfen irgendwelcher Traditionen sind, sondern kreative, wilde, freie Menschen, die aus dem, was der Planet so hergibt, Essen zaubern. Und wie schön ist es da, wenn DJ Cooker am Abend nicht die “Symphonie aus Sauerkraut” oder die “Arien über Apfelrotkohl” herunterleiert, sondern einfach mal ein paar frische “Hits mit Hack” auflegt. Wer freut sich nicht, wenn er ein paar “Asia Hack Muffins und mehr” appetitlich angerichtet auf seinem Tellerchen findet?… weiter lesen

13.01.2012 von Jakob Hein
blogavatar

Österreich: so bleiben Besucher Fremde

von Jakob Hein

Zwei Frauen im Dirndl stehen auf einer Art Steg, der sich von den Stegen bei uns daheim darin unterscheidet, dass er nicht mit einem Ufer verbunden ist.

Die Frauen schauen sich in die Augen, entspannt schreiten sie geradeaus, der klaren Tiefe des Sees entgegen, den sicheren Tod vor sich, durch ihre traditionelle Kleidung ahnen wir, dass sie noch der Tradition folgen, dass die Madln nicht am Schwimmunterricht teilnehmen durften, es sei denn in besonderen Fällen, mit einer Sondererlaubnis vom Herrn Pfarrer.

Der Flözner-Ehi hat die Damen offensichtlich hierher gepaddelt, er muss ihnen nun beim Sterben zusehen und soll die ersoffenen Weibsbilder zum Schluss zurück zum Weiher bringen, wo ihre Körper verbrannt und ihre Herzen vom Dorf-Gspinschti im rohen Zustand verspeist werden, während die entmenschten Kinder um den Fuder springen, fröhlich “Satanas, Satanas” kreischend.

Nur mit den Kleidern soll der Ehi heuer guat aufpasche, denn die kann man allweil noch gut… weiter lesen