10.05.2013 von Jakob Hein

Auch vorbei: Alkohol und Zigaretten
Am Mittwoch titelte die Bild-”Zeitung”: “Liebes-Aus! Alles vorbei zwischen Desirée Nosbusch und Daimler-Chef Dieter Zetsche”. Für Leser unter 40 muss man dabei ergänzen, dass Frau Nosbusch früher mal Moderatorin war, die heute gelegentlich in Filmen wie “Das Vermächtnis der heiligen Lanze” mitspielt und Herr Zetsche eine Firma leitet, die Autos herstellt, die von Leuten gefahren werden, die Filme wie “Das Vermächtnis der heiligen Lanze” schauen. Das Spannende an der Trennung der beiden ist, dass sie nie zusammen waren. Sie waren einmal bei einem (Pferde-)Reitturnier in Zürich und einmal gemeinsam in einem Restaurant. Aber sowohl Frau Nosbusch als auch die Sprecher von Herrn Zetsche haben nie gesagt, dass die beiden älteren Herrschaften was miteinander hätten. Aber nun: “Liebes-Aus” in Bild, B.Z., Welt und Focus.
Das ist innovativer Journalismus! Durch den endgültigen Abgesang von Meldungen, die man vorher weitgehend erfunden hatte, kann man doppelte… weiter lesen
18.03.2013 von Jakob Hein
Die “B.Z.” tut ja immer so, als würde sie die Stimmung der kleinen Leute wiedergeben, die sie in Wirklichkeit nur macht. Daher ist der Ton häufig von einer Art Gossensarkasmus geprägt, distanziert ohne Humor. “Pannen-Airport BER: Jetzt gibt’s auch noch Computerprobleme” wäre so eine Schlagzeile. “Na bravo”, soll der empörte Bürger da denken. “Mit unseren Steuergeldern können sie es ja machen.” oder auch “Geister-Angst: Die Katze flüchtet zu Mama”. “Na hallo”, denkt sich da der brave Bürger. “Sind die alle bekloppt, oda wat?”
Nun also das: “Der Papst umarmte mich wie einen Bruder”. Was soll das heißen? Sind die nicht Brüder, da im Konklave? Soll er ihn umarmen wie eine Schwester? Welche andere Art der Umarmung wäre möglich gewesen? “Der Papst umarmte mich wie ein zufällig im Weg stehendes Ölfass”? Oder soll das mit dem “Bruder” noch ganz was anderes bedeuten? Wie es auf den T-Shirts beim Australien-Besuch des vorletzten… weiter lesen
03.10.2012 von Jakob Hein
Von den vielen Existenzen auf diesem Planeten ist das Leben des Michael Schuhmacher eine derjenigen, um die man sich am wenigsten Sorgen machen muss. Finanziell ausgesorgt lebt er mit Frau und zwei Kindern im Steuerparadies Schweiz als Privatier. Seine suizidale Neigung zur Hochgeschwindigkeit wird er in diesem Jahr wohl zumindest auf vier Rädern beenden müssen, obwohl zu vermuten ist, dass es ihn immer wieder auf diese oder jene Piste treibt. Außerdem hat er ein Rezept gegen Hirnblutungen, dass er einer großen deutschen “Zeitung” verriet:
Sie sind ja auch schon mal in einem Starfighter der Luftwaffe geflogen. Wie war das denn?
Da hat mich die Vertikale beeindruckt. Wenn der abgeht, da merkst du richtig, wie das Blut aus deinem Kopf entweicht. Dir wird schwarz vor Augen, die Augen gehen zu. Du steckst in einem Kompressions-Anzug, der dagegen drückt, um das Blut oben zu halten, du bist nicht weit weg von der
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16.07.2012 von Heiko Werning
Man sieht es ja ganz klar vor Augen: Nach einem langen und anstrengenden Arbeitstag in seinem Hauptberuf als Papst kommt Josef Ratzinger spätabends nach Hause, wirft das unpraktische Kleidchen und die alberne Mütze, unter der man im Sommer immer so schlimm schwitzt, lässig über die Garderobe, und macht sich ein Feierabendweizen auf. Er freut sich schon darauf, gleich in seinen heiligen Stuhl fallen und die Füße mal hochlegen zu können und vielleicht vor dem Einschlafen noch ein paar Messdienervideos anzuschauen. Jetzt wirft er nur schnell noch einen Blick in den Briefkasten, und, halleluja, er richtet ein kurzes dankbares Stoßgebet zum Himmel: Die neue Titanic ist endlich da! Endlich mal wieder was zu lachen! Vorfreudig reißt er das Kuvert aus der Heimat auf – und dann das: Er selbst ziert das Titelbild, mit einem großen Pipifleck vorne auf der Soutane, dazu die auf diese elende Vatileaks-Affäre gemünzte Schlagzeile „Die undichte Stelle… weiter lesen
15.07.2012 von Heiko Werning
Andrea Seibel!
Was kümmert Sie Ihr strohdummes Geschwätz von gestern, resp. von vor anderthalb Jahren, werden Sie sich gedacht haben, wo Sie als Meinungs-Chefin der “Welt” doch jetzt in der Sache Ratzepapst vs. Titanic irgendeinen humorbefreiten Kommentator irgendwas Sauertöpfisches darüber stammeln ließen, dass die Pipimontage aber gar nicht lustig sei. Dumm nur: Wir haben ein gutes Gedächtnis. Und da fiel uns doch gleich Ihr, nun ja: nennen wir es halt mal Essay für die „Welt“ ein vom Oktober 2010, indem Sie sich so Ihre Gedanken über den Humor machen. Der zusammengefasst, Überraschung!, total toll ist. Denn: „Humor stiftet Gemeinschaft.“ Warum haben wir nicht mehr davon, könnte man jetzt fragen. „Warum haben wir nicht mehr davon? Warum sind unsere politischen Debatten nicht von mehr Gelassenheit und Humor geprägt, sondern von Ressentiment, Invektiven und Gut-Böse-Schismen? Warum ist der öffentliche Streit so schrill, so rasend, dass leise oder zweifelnde Stimmen weggefegt werden… weiter lesen
01.07.2012 von Jakob Hein
Wie schön, dass gerade im Zusammenhang mit Sportereignissen dieser neue, vollkommen entspannte Patriotismus in Deutschland zu sehen ist. Dieser unverkrampfte, neue Nationalstolz, der nichts mit Überheblichkeit zu tun hat. Diese gesunde Euphorie für die eigenen Landsleute, die aber andere Nationen deswegen kein bisschen geringschätzt. Diese anderen Nationen – das soll man mal nicht vergessen – haben ja auch Nationalstolz. Und nicht zu knapp.
Deswegen ist es auch vollkommen klar, dass mit diesem entspannten Nationalstolz auch sportliche Probleme fachlich und patriotisch diskutiert werden können. “Memmen gegen Männer” und:”Wer war Ihrer Meinung nach der größte Versager in Jogis Team? Schreiben Sie uns!” fordert eine 60-jährige Zeitung ihre Leser auf, schon mehr als 1300 Leser machen mit. Die selbe “Zeitung” erklärt auch “Schon bei der Hymne hatten wir verloren”, weil die Ausländer im deutschen Nationaltrikot, oder wie das jetzt heißt, nicht ordentlich das Deutschlandlied mitgeschmettert haben, konnten wir nicht mehr das Fußballspiel gewinnen.… weiter lesen
28.06.2012 von Heiko Werning
So, das war’s: Die Bild-Zeitung wird 60 und hat uns allen zu diesem Anlass eine Jubiläumsausgabe mit ganz viel Retrospektive kostenfrei in den Briefkasten gelegt. Da habe ich mich in dieser Woche auch mal nicht lumpen lassen: Ein Blick ins eigene Textarchiv hat allerlei weitere Würdigungen von Deutschlands größter Zeitung zu Tage gefördert, Ausschnitte aus Texten nur für die BILD-Zeitung, denn jetzt wird zurückgeschenkt. Bitte schön! (Teil 1: 8/2004-5/2006, Teil 2: 10/2006-6/2007, Teil 3: 9/2007-11/2008, Teil 4: 1/2009-2/2011):
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7/2011
Bei den Ausschreitungen unlängst in London fragte die Bild natürlich wieder sofort, ob das nicht auch in unseren Städten passieren könne, auch bei uns gebe es schließlich schlimme Ghettos wie Neukölln oder Wedding. Ich glaube, ich kann sie da beruhigen. Wenn es bei uns überhaupt mal zu Plünderungen kommen sollte, dann höchstens von Bio-Märkten. Und das wäre mir scheißegal.
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10/2011
Philip Rösler war auf die schöne Idee gekommen, vor… weiter lesen
27.06.2012 von Heiko Werning
Die Bild-Zeitung wird 60 und hat uns allen zu diesem Anlass eine Jubiläumsausgabe mit ganz viel Retrospektive kostenfrei in den Briefkasten gelegt. Da will ich mich in dieser Woche auch mal nicht lumpen lassen: Ein Blick ins eigene Textarchiv fördert weitere Würdigungen von Deutschlands größter Zeitung zu Tage. Bitte schön! (Teil 1: 8/2004-5/2006, Teil 2: 10/2006-6/2007, Teil 3: 9/2007-11/2008):

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1/2009
Bild-Zeitung!
Du bist es wieder einmal, die uns aufschreckt vor einer weitgehend verschwiegenen Gefahr. Angesichts des Einstiegs des Staates in die Commerzbank fragst Du: „BRD = DDR light? Wird die Bundesrepublik ein großer Staatsbetrieb?“ Denn: „Es gibt sehr ernstzunehmende Stimmen, die unser Land auf dem Abmarsch Richtung DDR light sehen.“ Und – wer sind diese ernst zu nehmenden Stimmen? Genau die: Springer-Chef Mathias Döpfner: „Die ohnehin erkennbare schleichende Verschiebung unserer freien Wirtschaftsordnung hin zu einer Planwirtschaft light beschleunigt sich.“ Bild dazu: „Wie wahr!… weiter lesen
26.06.2012 von Heiko Werning
Die Bild-Zeitung wird 60 und hat uns allen zu diesem Anlass eine Jubiläumsausgabe mit ganz viel Retrospektive kostenfrei in den Briefkasten gelegt. Da will ich mich in dieser Woche auch mal nicht lumpen lassen: Ein Blick ins eigene Textarchiv fördert weitere Würdigungen von Deutschlands größter Zeitung zu Tage. Bitte schön! (Teil 1: 8/2004-5/2006, Teil 2: 10/2006-6/2007):
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9/2007
In der Diskussion um den in der Türkei wegen des Vorwurfs auf sexuelle Nötigung einsitzenden deutschen Schüler Marco W. schwingt ein Unterton mit, der da lautet: Ach, was soll das schon, die Weiber sollen sich mal nicht so haben, wo gehobelt wird, da fallen auch Späne, bzw. da spritzt eben auch mal Sperma. Aber was heißt schon Unterton?
Franz Josef Wagner in der Bild: “Lieber Marco, zzt. in türkischer Haft,
Du bist 17, Schüler aus Ülzen in Niedersachsen. Was hast Du getan, das Dich zum U-Häftling macht? … An einem Kuß… weiter lesen
25.06.2012 von Heiko Werning
Die Bild-Zeitung wird 60 und hat uns allen zu diesem Anlass eine Jubiläumsausgabe mit ganz viel Retrospektive kostenfrei in den Briefkasten gelegt. Da wollen wir uns in dieser Woche auch mal nicht lumpen lassen: Ein Blick in das Archiv des Reptilienfonds fördert weitere Würdigungen von Deutschlands größter Zeitung zu Tage. Bitte schön! (Teil 1: 8/2004-5/2006):
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10/2006
Sicher, Fotos mit posierenden Soldaten sind nie schön, das liegt in der Natur der Sache. Mit entblößten Penissen schon mal gar nicht, und auch über die Ästhetik afghanischer Totenköpfe kann man geteilter Ansicht sein. Aber was um Himmels Willen hat die Öffentlichkeit denn erwartet? Wer jemals gezwungen war, beispielsweise an einem Freitagnachmittag einen Zug der Deutschen Bahn mit der heimreisenden Soldateska zu teilen, für den dürfte es keine allzu große Überraschung gewesen sein, dass die Jungs sich da unten nicht immer und ausschließlich wie Gentlemen benehmen.
Aus demselben Grund aber, warum sie überhaupt… weiter lesen