24.02.2013 von Jakob Hein

Junger Ermittler, der mit der alten Kommissarin schlafen wird, bösartige BKA-Beamtin, alter Ermittler, der allein schlafen will, komische Kommissarin
Die Weser soll ausgebaggert werden. Da dies politisch und juristisch umstritten ist, reist ein fünfköpfiges Richtergremium vom Bundesverwaltungsgericht nach Bremen, um sich im Rahmen eines Ortstermins selbst ein Bild zu verschaffen. Zwei der Richter werden sich wohl für den Ausbau entscheiden, zwei dagegen. Entscheidend ist also das Votum von Richter Bauser (Christoph M. Ohrt). Darüber unterhalten sich auch die finsteren Bosse des Weser-Ausbagger-Konzerns, die nicht nur die Natur der Weser schaden wollen, sondern auch in Südamerika finstere Machenschaften treiben. Da taucht ein Video auf, das Bauser beim Sex mit einer Minderjährigen zeigt. Das könnte gefährlich werden, macht den Richter erpressbar. Doch bei der Geldübergabe stirbt der Erpresser, er war der Freund des Mädchens, dass in dem Sexvideo zu sehen war. Die Kommissare Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen)… weiter lesen
16.02.2013 von Heiko Werning

Eine internationale Konferenz, Alltag in der Diplomatenmetropole Wien eigentlich. Doch diesmal geht keine politische, sondern ein waschechte Autobombe hoch. Schnell deutet alles auf das Schreckensszenario jedes Innenpolitikers hin: Ein islamistischer Selbstmordattentäter scheint versucht zu haben, den verhassten US-Vertreter in die Luft zu sprengen. Opfer wurde allerdings neben dem Täter ein Polizist. Nicht nur die Welt, vor allem die Staatsspitze Österreichs ist schockiert, der Innenminister will das Attentat schnellstmöglich aufgeklärt wissen, sein potenzieller Nachfolger steht schon in den Startlöchern, um sich auf diese Weise ganz nach oben zu befördern und zeitgleich noch schnell ein paar schicke Anti-Terror-Gesetze mit weitreichenden Beschränkungen von Bürgerrechten durchzusetzen. Eine Task Force wird gebildet, der neben einer eiskalten Terrorismusexpertin vom Ministerium auch die TATORT-Ermittler Moritz Eisner und Bibi Fellner vom Bundeskriminalamt zugeordnet sind, die die ministeriale Frau Major natürlich nicht leiden können. Viel Platz also für schönsten Schmäh, viel Granteln und Schimpfen und Kompetenzgerangel, Verschwörungstheorien… weiter lesen
26.01.2013 von Jakob Hein

Den weißen Mann mit der Pistole bedrohen, ja so ist der Araber - zumindest in diesem "Tatort (c) SR
Hauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) ist „der Neue“ in Saarbrücken. Aber schon, als er sich zwei Tage vor Dienstbeginn im Baumarkt ein paar Einrichtungsgegenstände kauft, wird er in seinen ersten Fall verwickelt. Er trifft ein Mädchen, das kein Deutsch spricht und elternlos durch den Baumarkt irrt. Stellbrink nimmt das Mädchen bei der Hand und verspricht im Baumarkt, sich darum zu kümmern. Draußen auf dem Parkplatz bemerkt er, wie das Mädchen angsterfüllt zu einem Billighotel in Baumarktnähe hinüber schaut. Da werden die Eltern schon sein, denkt sich Stellbrink und bringt das Mädchen dorthin. Als sie sich dem Hotel nähern, sehen sie auch einen verdächtig aussehenden Araber. Da sich das Mädchen vor ihm versteckt, schlussfolgert der Kommissar, dass dies der Vater ist, folgt dem Mann ins Hotel und klopft an… weiter lesen
05.01.2013 von Heiko Werning
Alle Berliner müssen selbstverständlich am Sonntag um 20.15 Uhr zur Reformbühne Heim & Welt ins Kaffee Burger kommen, wo Jakob Hein, Ahne, Falko Hennig, Uli Hannemann, Jürgen Witte und ich die wunderbare Kleingeldprinzessin Dota sowie Mathias Kopetzki als Gäste begrüßen. Den Berliner TATORT muss man dann eben aufnehmen; mit dem geht das nämlich, mit der Reformbühne nicht. Ich habe ihn mir allerdings für den Tatort-Fundus schon vorab angeschaut und bin sehr angetan. Ganz im Gegensatz zum Kollegen Christian Buß auf Spon, der zum diametral entgegengesetzten Ergebnis kommt. Wo ich schon jetzt einen der besten TATORTe des Jahres sehe, erkennt er den “langweiligsten TATORT aller Zeiten“. Hm, das stimmt mich doch etwas nachdenklich, zumal ich seinen Urteile sonst oft zustimme. Tja. Möge sich jeder selbst ein Bild machen.

Machtlos an der Schmerzgrenze
Es ist der Alptraum aller Eltern: Der neunjährige Benjamin wird entführt. Die eingeschaltete Polizei stellt die Kommissare Ritter… weiter lesen
29.12.2012 von Jakob Hein

Foto: ORF/BR/Kerstin Stelter
Ein Mädchen fährt im Dunkeln allein mit der S-Bahn nach Hause und das am Anfang eines „Tatorts“. Sowas kann nicht gut gehen. Sie macht noch zwei Anrufe und dann ist sie tot. Batic und Leitmayr würden wohl auch durch diesen Fall wie zwei gelangweilte Seelöwen durch den Nordpazifik treiben, wenn sie sich nicht ein Eigentor geschossen hätten. Als Kriminaloberrat Wellisch eine Nachfrage hat, beschweren sie sich bei der Gelegenheit über ihre ungenügende personelle Ausstattung.
„Ich hätte da schon jemanden“, sagt Wellisch und das Unglück nimmt seinen Lauf.
Für uns Zuschauer indes beginnt einer der besten Tatorte des Jahres. Und das liegt zu einem ganz entscheidenden Teil an dem Neuen, der dann kommt. Denn der überaus motivierte und überaus nervende Gisbert Engelhardt ist genau das, was Leitmayr und Batic gefehlt hat. Fabian Hinrichs spielt den ehemaligen Bundeswehrsoldaten und Technikfreak mit maximaler Intensität und Brillanz. Man… weiter lesen
15.12.2012 von Jakob Hein
In der vorigen Woche besprach Kollege Heiko “Wegwerfmädchen“, den ersten Teil der Hannoveraner Doppelfolge. Hier folgt die Besprechung des zweiten Teils.

Die Kommissarinnen Lindholm und Prinz, dazwischen Computerfuzzi (c)ARD
Vom ersten Bild an führt uns der zweite Teil der Doppelfolge dorthin, wo die erste endete: in das Rockermillieu Hannovers. Die Hauptkommissarin Lindholm zeigt sich provokativ vor dem Club von Rockerchef Koschnick. Für sie ist der Fall noch längst nicht vorbei, auch wenn Littchen, Koschnicks Unterling, den Mord aus „Wegwerfmädchen“ gestanden und dafür in den Knast gegangen ist. Genau dort sind wir in der nächsten Szene. Wer Littchen im ersten Teil nicht genügend kennenlernen konnte, wird auch im zweiten Teil dazu wenig Gelegenheit haben, denn er überlebt diesen Tatort nur wenige Minuten. Von einem Informanten verständigt, eilt Charlotte Lindholm ins Gefängnis, wo sie den toten Rocker und die äußerst lebendige Oberkommissarin Clara Prinz (Alessija Lause) antrifft. Das hier… weiter lesen
10.12.2012 von Heiko Werning
Doppelbesprechung zum Doppel-TATORT: Heute Heiko Werning zu “Wegwerfmädchen”, nächste Woche Jakob Hein zu “Das goldene Band“. Beide Texte entstanden für den Tatort-Fundus:

Weggeworfenes Wegwerfmädchen in barocker Farbenpracht Foto: NDR
Auftakt zum ersten „richtigen“ Zweiteiler der TATORT-Geschichte: Vage Einblicke in eine bizarre Party in noblem Ambiente. Edlen, älteren Herren werden in barocke Kleider gehüllte junge Frauen zugeführt, denen vor ihrem Dienst noch rasch eine Spritze verabreicht wird. Aus der dekadenten Orgie wird ein Alptraum, etwas läuft aus dem Ruder. Zwei der minderjährigen Frauen werden in Müllsäcke gestopft und im nächsten Container der allerdings gerade im Streik befindlichen Stadtreinigung entsorgt – Wegwerfmädchen eben. Die Arbeitsverweigerung der Müllwerker rettet einer der Frauen das Leben, die andere ist dagegen tot. Da es sich offenbar um osteuropäische Zwangsprostitutierte handelt, schaltet das LKA sich ein und setzt Charlotte Lindholm auf den Fall an, die bald schon eine Spur ins von Rockern kontrollierte Rotlichtmilieu… weiter lesen
14.10.2012 von Heiko Werning
Ein Journalist und Autor wird tot auf seiner Segelyacht aufgefunden, der Gasherd ist voll aufgedreht. Zu einer Explosion ist es zwar trotzdem nicht gekommen, dafür geht in Kiel bald eine ganz andere Bombe hoch. Denn die Meldung vom Tod des Semi-Prominenten ist Tom Buhrow in den „Tagesthemen“ eine Erwähnung in der Teaser-Live-Schaltung zum Ende der zuvor laufenden Polit-Talkshow wert, deren Moderatorin daraufhin die Fassung verliert. Und ein frisch gebackener Landesminister der Regierung von Schleswig-Holstein steht zur Überraschung der Ermittler Klaus Borowski und Sarah Brandt in der Wohnung des Toten, zu der er einen Schlüssel hat. Und die offenbar überhaupt einiges Interesse weckt, denn der Computer ist noch warm und alle Dateien sind gründlich gelöscht. Plötzlich taucht der BND auf, und ein Name, der auch nach 25 Jahren noch alle elektrisiert – Uwe Barschel, der Mann aus der Wanne. Ermitteln Borowski und Brandt womöglich in zwei Mordfällen?
Es ist schon… weiter lesen
23.09.2012 von Heiko Werning
Ein schwuler Student liegt nackt und ermordet in seiner Wohnung, fast wie für jemanden drapiert wirkt er, sorgfältig eingewickelt in ein Tuch. Da ist gleich klar: Ein gewöhnlicher Raubmord war das wohl nicht, da müssen große Emotionen im Spiel gewesen sein. Aber welche? Konnte der Freund des Opfers das amourös vielseitige Leben seiner Liebschaft nicht mehr ertragen? Oder hat der Streit mit einem ehemaligen Job-Kollegen etwas damit zu tun, der sich nämlich rasch als homophober religiöser Fanatiker entpuppt. Die Verdachtsmomente deuten in ganz unterschiedliche Richtungen – zum Glück stehen gleich vier Ermittler am neuen TATORT Dortmund bereit, ihnen nachzugehen.
Religiös motivierter Hass – das ist natürlich eine aktuelle Pointe, die beim Dreh niemand ahnen konnte. Nun platzt der Film in eine aufgeheizte gesellschaftliche Diskussion um die Rolle der Religion in der Gesellschaft, zwischen Beschneidungsdebatte, dem Pipi-Papst der Titanic und randalierenden Islamern, die mit der Qualität von Youtube-Filmchen ihrer christlichen Brüder… weiter lesen
16.09.2012 von Jakob Hein

Nach so einer Hochzeit droht die baldige Scheidung
Es gibt Leute, die permanent behaupten, das deutsche Fernsehen sei schlimm. Sie würden es zwar nie ansehen, rücken aber dennoch nicht von dieser Behauptung ab. Sie selbst schauen natürlich lieber amerikanische Spitzenserien, frisch aus dem writers’ room, selbstverständlich im Original. Von Serien wie „Stromberg“, dem, was Bastian Pastewka so macht oder den neuen Frankfurter „Tatorten“ haben sie noch nie gehört. Sie wollen auch nichts von diesen Produktionen wissen, weil die ihr Weltbild durcheinanderbringen würden. Der neue Bremer „Tatort“ ist genau der richtige Film für diese Leute.
Es ist die hohe Kunst der Rezension, gute Kritiken zu liefern, anderen Menschen Vorfreude auf einen künstlerischen Genuss zu schaffen, die Qualitäten des Kunstwerks in einem schönen Licht aufscheinen zu lassen. Aber bei „Hochzeitsnacht“ wird das eng. Fangen wir beim Guten an: Der Titel des Films ist recht gelungen, denn die genannte Nacht… weiter lesen