12.04.2013 von Jakob Hein

"Iss mich bitte", sagt die Wurst (ungefähre Übersetzung a.d. Koreanischen)
Linguisten haben gewissermaßen mit archäologischen Methoden die Mutter aller indoeuropäischen Sprachen zu rekonstruieren versucht. Durch Vergleiche und interne Rekonstruktionen glauben sie, Vorstellungen von der Sprache gefunden zu haben, die einige Tausend Jahre vor unserer Zeit gesprochen wurde und auf die alle indoeuropäischen Sprachen zurückzuführen sind, sei es Sanskrit, Litauisch, Englisch oder Deutsch. Schon in dieser prähistorischen Sprache hat das Wort „skand“ einen Platz, es heißt dort so etwas wie „springen“.
Aus dieser Wurzel entwickelte sich wohl das griechische „skandalon“, das soviel wie „Falle für einen Feind“ oder „etwas, worüber man stolpern kann“ bedeutet hat. Im Lateinischen wurde dann „scandalum“ zu „Stein des Anstoßes“ im wörtlichen wie im übertragenen Sinne, um sich dann im Französischen „scandale“ zur noch heute bekannten „Empörung, ausgelöst durch Fehlverhalten oder abfälliges Reden“ zu entwickeln. Der französische scandale fand dann seinen Weg ins Deutsche,… weiter lesen
02.01.2013 von Heiko Werning
Weihnachten ist es immer besonders schlimm. Dass nach Jazz, Privatfernsehen und Halloween eines Tages auch Truthähne über den Atlantik zu uns kommen würden, wäre an sich ja noch zu verkraften gewesen. Aber diese Adams-Turkeys nerven mit ihrer Penetranz ganz ungeheuerlich. Seit sie herausgefunden haben, dass ich noch keinen Bio-Printer in der Küche habe, hocken sie ständig bei uns im Hausflur, und sobald man mal die Tür aufmacht, fallen sie über einen her: »Los, schlachte mich!« gurren sie dann aufgeregt auf mich ein. »Schlag mir den Kopf ab! Nimm mich aus! Tranchier mich, aber richtig!« Dabei flattern sie dann so albern und unbeholfen um einen herum. Sie können ja nichts dafür, denke ich mir, aber es sieht einfach furchtbar aus. Wenn sie wenigstens noch Federn hätten! Aber die mussten diese DNA-Ingenieure ja auch gleich wegmachen, war ja niemandem mehr zuzumuten, den Festtagsbraten vor der Zubereitung auch noch zu rupfen. Da, meine… weiter lesen
01.01.2013 von Jakob Hein
Viele Menschen scheinen sich im Sinne eines kontrollierten Trinkens am Jahresanfang eine großzügige Alkoholmenge vorzunehmen. Im nachfolgenden Jahr verlieren sie die Kontrolle, trinken zu wenig und schlittern dann am Jahresende in die Sinnkrise: Wie sollen sie den ganzen Alkohol schaffen, sollen sie sich für nächstes Jahr etwa weniger vornehmen? Hektisch versuchen sie dann meistens noch vor Jahreswende so viel zu trinken, wie überhaupt zu schaffen ist, um das eigene Konto für das nächste Jahr nicht kürzen zu müssen.
Wenn man nach einem solchen Trinkgelage am 1. Januar einen brummenden Kopf und einen flauen Magen sein eigen nennt, stärkt wohl nichts so sehr Körper und Seele wie eine dieser köstlichen “Ket-Knacker” (gesehen am Bahnhof Lichtenberg). Es gibt sie offensichtlich in den Geschmacksrichtungen Verkehrsunfall, Rindersperma und Spinatdurchfall. Schwer, sich da zu entscheiden.
26.12.2012 von Jakob Hein
23.08.2012 von Heiko Werning
Halten wir doch zu Beginn fürs Protokoll erst einmal fest: Es wird weltweit zu viel Fleisch gegessen, vor allem in den entwickelten Ländern. Viel zu viel. Schon aus ernährungsphysiologischer Sicht, aber das soll hier nicht weiter interessieren. Aber eben auch aus Tierschutz- und Umwelt-Sicht, darum soll es hier gehen. Große Flächen wurden und werden, besonders drastisch in Südamerika, für die Weidewirtschaft, zunehmend aber auch für den Anbau von vor allem Soja gerodet. Das ist ein großes Naturschutzproblem. Das so gewonnene Soja wird zu sehr hohen Prozentsätzen wiederum für die Fleischproduktion eingesetzt, und zwar nicht in den tropischen Ländern, sondern bei uns. Das führt zu großen Umweltproblemen und ist ein gefährlicher Irrweg. Deswegen trägt jeder, der weniger oder kein Fleisch isst oder gar auch auf Milchprodukte verzichtet, im derzeitigen Welternährungssystem zu einer Verbesserung bei. Seid also geknuddelt, liebe Vegetarierinnen und Vegetarier. Und sogar Ihr, liebe Veganerinnen und Veganer.
Nun habe… weiter lesen
21.08.2012 von Heiko Werning
Fressen und gefressen werden – die Grundkonstante der Evolution gilt auch für den, der sich am meisten Gedanken darüber macht. Der Mensch ist ein Allesfresser, der nicht nur Körner und Blätter verputzt, sondern auch Mitgeschöpfe, die ihn zuvor noch treuherzig angeguckt haben. Der archaische Vorgang des Tötens aber gefällt uns nicht, weshalb wir ihn in abgeschottete Exklaven delegiert haben. Doch auch die zum freundlich lächelnden Gesicht gegossene Wurstscheibe hat zu lebenden Tieren gehört, die sich nicht freiwillig das Bolzenschussgerät an die Schläfe gesetzt haben, selbst wenn sie angesichts der Zustände in der Intensivtierhaltung durchaus Anlass dazu hätten.
Viele Menschen mögen deshalb kein Fleisch mehr essen. Was naheliegend ist, zumal wir zu viel davon verzehren, mit deprimierenden Folgen für Tier, Mensch und Umwelt. Wäre die Welt also eine bessere, wenn die Menschheit auf eine vegetarische oder gar vegane Ernährung umstiege? Eher nicht. Der Flächenverbrauch wäre immens, denn der Mensch kann pflanzliche… weiter lesen
04.02.2012 von Jakob Hein

Don't we all like the Wurst: Vielleicht ist nachher sogar noch Platz für ein hot dog?
Der Wissenschaftsteil der Süddeutschen Zeitung berichtet gestern über ein psychologisches Experiment zum Menschenbild von Fleischessern gegenüber Vegetariern. Die Wissenschaftler befragten Fleischesser zu ihren Assoziationen über Vegetarier. Diese wurden von 47% der Fleischesser mit negativen Begriffen wie “nervend” und “arrogant” beschrieben. Wurden die Fleischesser zum Bild der Vegetarier über sich selbst befragt, waren sie überzeugt, dass die Vegetarier ein schlechtes Bild von ihnen hätten. Die Wissenschaftler interpretieren diese Studie übrigens nur als ein Beispiel dafür, wie sich Mehrheiten durch Minderheiten moralisch bewertet fühlen können.
Die Erkenntnisse der Wissenschaftler könnten nicht schöner bestätigt werden als durch die Leserkommentare auf sueddeutsche.de. Der Artikel ist momentan der am meisten kommentierte und der Ton ist scharf.
So schreibt henrytheeighth: “Blöde Witzchen sind nichts gegen die verbrecherische menschenverachtende Ideologie der Hardcore-Veganer. Im Internet finden sich widerlichste… weiter lesen
31.01.2012 von Jakob Hein
Die Genregrenzen lösen sich zunehmend auf, hätte man früher gesagt, als die Menschen noch etwas mit dem Begriff des Genres anfangen konnte. Heute, da kann man sich sofort Schauspieler nennen, wenn man nur ausreichend hysterisch ist, sofort Musiker, wenn man ein Instrument gerade halten kann, sofort Maler, wenn jemand Geld dafür bezahlt und sogar wenn man die Musik anderer Leute zu Gehör bringt, gilt man heute als Musikschaffender.
Klar, dass in so einer Welt auch Köche längst nicht mehr die Erfüllungsgehilfen irgendwelcher Traditionen sind, sondern kreative, wilde, freie Menschen, die aus dem, was der Planet so hergibt, Essen zaubern. Und wie schön ist es da, wenn DJ Cooker am Abend nicht die “Symphonie aus Sauerkraut” oder die “Arien über Apfelrotkohl” herunterleiert, sondern einfach mal ein paar frische “Hits mit Hack” auflegt. Wer freut sich nicht, wenn er ein paar “Asia Hack Muffins und mehr” appetitlich angerichtet auf seinem Tellerchen findet?… weiter lesen
14.01.2012 von Jakob Hein

Feine Doppelmoral: Bei Medikamenten für kranke Vögel meckern, aber wenn man ihnen Drogen gibt, nichts sagen.
„Keime aus dem Hühnerstall“ und „Nicht scharf auf Antibiotika“ mit solchen und ähnlichen Schlagzeilen wird in unverantwortlicher Weise durch die Journaille wieder die nächste Sau – pardon, das nächste Masthenderl durchs Dorf gejagt. Nachdem man keine Feder mehr findet, die man noch beim Bundespräsdialhahn, bzw. –Wulff rupfen kann, geht es nun zum nächsten Pseudoskandal. Wie üblich wird das Problem dabei aus einer völlig eingeengten, reißerischen Perspektive betrachtet, die journalistische Ausgewogenheit entspricht der Besonnenheit eines Lynchmobs im Alabama.
Unbestritten ist es, dass jährlich etwa 900 Tonnen Antibiotika in der Tiermast eingesetzt werden, davon aber entfällt nur ein Teil auf die knusprigen Henderl, schließlich muss auch noch für die Ochsen und Sauen etwas übrig bleiben. Klar, dass hier die üblichen Vegetarier wieder einen Grund sehen, auf die fleischverarbeitende Industrie einzuteufeln, aber das sind… weiter lesen
23.12.2011 von Jakob Hein

Erfreut sich gerade Weihnachten zunehmender Beliebtheit als Alternative zu Rind und Gans: Kennerfleisch
Im Johannesevangelium wird Jesus als das Fleisch gewordene Wort Gottes beschrieben. “Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns” (Joh. 1,14). Ist es vielleicht deshalb notwendig, Weihnachten riesige Mengen Fleisch zu essen, in einer Art symbolischen Akt, in dem versucht werden soll, sich das Wort Gottes, dass ja laut Bibel an diesem Datum Fleisch geworden ist, gewissermaßen einzuverleiben?
Wenn es so ist: Weiß Gott oder zumindest sein Sohn von diesem Brauch? Ist das abgesprochen mit den Herrschaften? Weil wir uns natürlich nur in die Denkweise von einfachen Menschen hineinversetzen können, die es meistens nicht so großartig finden, wenn andere sie verspeisen, symbolisch oder nicht. Aber sicher ticken da Gottheiten anders. Nur wie?