Posts Tagged ‘Welt der Mode’

17.06.2012 von Jakob Hein
blogavatar

Aus der Welt der Mode VII – die Jacken der MüHo

von Jakob Hein

(c) dpa

Oliver Kahn steht mal wieder im Zentrum einer Defensive – gegen die “fragwürdige” Kritik an der ZDF-Berichterstattung bei der Fußball EM. Sein Argument: “bessere Quoten kann man fast nicht haben”. Vollkommen richtig, offensichtlich liegen alle Kritiker falsch, denn wenn die Quoten stimmen, dann muss die Sendung gefallen. Woran sonst sollte es liegen, dass die Berichterstattung über die Lieblingssportart des internationalen Turniers einer Favoritennation gute Quoten hat? Da ist es doch nicht in Ordnung, wenn der “Stern” das Spektakel als ” Nachmittagstee für Senioren” bezeichnet “mit einer bemühten Altenpflegerin Müller-Hohenstein und einem Experten Kahn, der in der Plastikkulisse für so viel gute Laune sorgt, als würde er am Strand Gebühren für die Strandkörbe eintreiben.” Dieses Motiv greift auch die “Frankfurter Rundschau” auf, wenn sie von einer ” Touri-Suse von Sonnenschein-TV, die den Strandkorbverleiher von Boltenhagen interviewt” spricht.

Die “Süddeutsche Zeitung” beschreibt die ZDF-Kulisse als ” …eine Art… weiter lesen

03.05.2012 von Jakob Hein
blogavatar

Aus der Welt der Mode VI

von Jakob Hein

Auf unsere Äußerungen zum Thema Mode erhalten wir hier immer Hunderte Zuschriften. “Vielen Dank für Eure tollen Tipps”, beginnt die typische Rückmeldung, “aber ich hätte da mal eine direkte Frage:” Häufiges Thema ist, wie man erkennen kann, ob einem ein bestimmtes Kleidungsstück aus der Reklame gut stehen würde oder nicht.

Hier mal eine Faustregel: Wenn es bei einem Fotomodell auf einem arrangierten und hinterher noch ausgiebig nachbearbeiteten Foto doof aussieht – dann glaub’ nicht, dass es bei Dir gut aussehen könnte. Jetzt mal ehrlich C&A: Was soll die Aktion? Das irgendwie zu knappe Unterteil und das irgendwie unentschlossen die Brüste plattmachende und zu den Seiten auseinanderdriftende Oberteil und die direkt aus dem Handarbeitsladen von Frau Krause gekauften Ohrringe (“Sie können das tragen, Frau Möhringer!”) vor allem aber dieser Bauchbinder! Was soll der uns sagen? “Noch zehn Zentimeter länger und dann frisst mich die Hexe.” Oder: “Für mich reicht es gerade… weiter lesen

30.03.2012 von Jakob Hein
blogavatar

Aus der Welt der Mode (V)

von Jakob Hein

Nicht oft genug kann vor Mode gewarnt werden, die bei jungen Supermodels im Fotoshooting nach einer umfangreichen Korrektur durch Bildbearbeitungsprogramme gerade noch so nicht vollkommen albern aussieht. Solche Kleidung sieht bei normalen Menschen in aller Regel vollkommen blöde aus.

Ein schönes Beispiel ist die gezeigte rosa Hose. Selbst das irgendwie transzendent in den Wüstensand schauende Fotomodell sieht so aus, als hätte es seiner fünfzehn Jahre jüngeren Schwester die Sommerhose und den Buddeleimer geklaut und den Buddeleimer aber für das Foto in den Weiten seines Pullovers versteckt, der seinerseits die knochigen Folgen der Magersucht zu verbergen sucht. Der Betrachter ist ingesamt verwirrt von der schlechten Harmonie der Körperteile. Der dünne Oberkörper wird großzügig umweht vom Pullover der Größe S, wirkt also fragil und klein. Die Beine hingegen sind groß und gut entwickelt, hier wurde offensichtlich die Frage der Verkäuferin im Fotoshop (“Darf’s ein bisschen mehr sein?”) mit einem kräftigen “Ja!” beantwortet.… weiter lesen

22.01.2012 von Jakob Hein
blogavatar

Arte jetzt als Messe-Diener?

von Jakob Hein

Die Grenze zwischen Qualität und Quantität ist mitunter hauchdünn.

Es gäbe soviel, was man im Fernsehen zeigen könnte: Alle Folgen von “Monthy Python’s Flying Circus” oder die sehr lustige Serie “Extras” über Nebendarsteller, in der sich die Creme de la Creme englischer Filmstars als komplette Ekelpakete darstellt (legendär: David Bowie) oder ein paar alte Folgen von “Pinky und der Brain” über zwei Mäuse auf dem Weg zur Weltherrschaft. Es wäre auch in Ordnung, einfach mal zwei Stunden lang nur ein schwarzes Bild zu senden, aus Solidarität mit Wikipedia und als Fanal gegen die allerorten verbreitete Geschwätzigkeit.

Aber der gebührenfinanzierte Sender “arte”  hat all dies gestern nicht gemacht. Statt dessen zeigten sie lieber fast zwei Stunden lang Werbung im Abendprogramm. Auf der Berliner Textil-Messe “Fashion Week” gibt es eine Veranstaltung namens “Style Nite”. Dort zeigen Models Mode während Bands Musik spielen. Natürlich war die Choreographie perfekt, klar dass die… weiter lesen

13.01.2012 von Jakob Hein
blogavatar

Österreich: so bleiben Besucher Fremde

von Jakob Hein

Zwei Frauen im Dirndl stehen auf einer Art Steg, der sich von den Stegen bei uns daheim darin unterscheidet, dass er nicht mit einem Ufer verbunden ist.

Die Frauen schauen sich in die Augen, entspannt schreiten sie geradeaus, der klaren Tiefe des Sees entgegen, den sicheren Tod vor sich, durch ihre traditionelle Kleidung ahnen wir, dass sie noch der Tradition folgen, dass die Madln nicht am Schwimmunterricht teilnehmen durften, es sei denn in besonderen Fällen, mit einer Sondererlaubnis vom Herrn Pfarrer.

Der Flözner-Ehi hat die Damen offensichtlich hierher gepaddelt, er muss ihnen nun beim Sterben zusehen und soll die ersoffenen Weibsbilder zum Schluss zurück zum Weiher bringen, wo ihre Körper verbrannt und ihre Herzen vom Dorf-Gspinschti im rohen Zustand verspeist werden, während die entmenschten Kinder um den Fuder springen, fröhlich “Satanas, Satanas” kreischend.

Nur mit den Kleidern soll der Ehi heuer guat aufpasche, denn die kann man allweil noch gut… weiter lesen

12.01.2012 von Jakob Hein
blogavatar

Augen auf im WSV!

von Jakob Hein

Also früher gab es ja nur normale Schuhe und im Winter zog man sich Stiefl an. Die waren für Männer und Frauen gleichermaßen unbequem, von der ARmee entlehnte Funktionsbekleidung, niemand konnte das Ende des Schnees abwarten, denn die unbequemen Dinger zog man nicht freiwillig an und aus zog man sie nicht gern selbst, es gab sogar “Stiefelknechte” zu kaufen: Holzbohlen mit einer Aussparung, in die man seine Stiefelhacken pressen konnte, um die verdammten Dinger vom Fuß zu bekommen. Dann ging es weiter zu den Mokassins, bis man endlich Sandalen anziehen konnte, natürlicher Fußkomfort, im Frühling gern auch noch mit Socke, im Sommer ohne.

Heute kennt sich ja kein Mensch mehr aus mit den Outdoor- und Backpacker- und Walking- und so weitering- Schuhen. Aber reduzierte Stiefel, dazu hat man damals Halbschuhe gesagt.

31.12.2011 von Jakob Hein
blogavatar

Seinen inneren Waffenstillstand finden

von Jakob Hein

Es kommet im Leben darauf an, Vogel zu sein und nicht Müllsack

Gegen Silvesterfeiern zu sein, ist letztendlich auch so eine ausgelutschte Position wie gegen Halloween zu sein oder sich jeden September über die Weihnachtsdekorationen in den Kaufhallen zu wundern oder zu sagen, in den Lesebühnen würden eh nur lustige, aber leider unliterarische Alltagsgeschichten vorgelesen werden. Irgendwann mag die Kritik mal einen wahren Kern gehabt haben, durch die Abkehr vom Objekt hat sie dann aber ihre Position nicht weiterentwickeln können und mittlerweile liefern sich die Eigenschaften Banalität, Überholtheit und Rückwärtsgewandtheit ein Kopf-an-Kopf-Rennen über den ersten Platz auf dem Siegertreppchen der Sparte “Am genausten zutreffende Beschreibung”. Wobei gerade die Überholtheit der Position trotz ihres Namens gute Aussichten auf die goldene Medaille hat, da durch das Abkoppeln von neuen Informationen die Kritik langsam zur Meinung wird, um dann zur Ideologie zu gerinnen. Klar, das spart viel Zeit für Neues, aber… weiter lesen

30.12.2011 von Jakob Hein
blogavatar

Mitleid als Verkaufsargument

von Jakob Hein

Nein, ich sitze hier nur so und schaue aus dem Fenster.

Auf den ersten Blick sieht diese Ladendekoration eines Erfurter Edelgeschäftes eher etwas eigenartig aus: Statt die schicken bedruckten Kleider des Ladens zu tragen oder die edlen verzierten Gürtel, die filigran gestrickten Pullover oder die reizende Wäsche, trägt dieses Modell den grauen Schlafanzug. Dazu sitzt sie so da, das ihr Hinterteil nicht eben vorteilhaft aussieht, man kann sagen, fett sieht es aus, weil man keine Gefühle einer Person verletzt, weil es gar nicht so leicht ist, das bei einem in der Fabrik gefertigten Modell überhaupt hinzubekommen und es unmöglich ist, dass der Hintern im engeren Sinne fett ist, na gut, er besteht aus verarbeitetem Erdöl, aber das zählt nicht. Zwischen den schlampig verarbeiteten Baumwollfetzen schaut der ebenfalls aus Baumwoll gefertigte  lila Schlüpfer hervor, nicht keck oder kokett, sondern eher mit einem resignierten Seufzer.  Zwar ist der Kopf nicht… weiter lesen

26.12.2011 von Jakob Hein
blogavatar

Neue Megatrends

von Jakob Hein

Nicht mehr im Trend, so feierte man früher oder heute, wenn man out ist: Saufliaisons mit Sauftouristen von 7 Uhr abends bis früh um 6

Wir in der scene (Autor gibt zu erkennen, dass er selbst der scene angehört, womöglich sogar in leitender Position, denn warum sonst darf er für die crowd sprechen?) haben ja immer eine tolle neue Idee “am Start”, wie wir so sagen.

Bei der gestrigen sehr schönen und sehr vollen Reformbühne (Dank an die bescheidenen Reptilienfonds-Leser, die nicht einmal ihre juristisch verbrieften Freibiere eingefordert haben) gab es jedenfalls gleich drei verschiedene Einladungen von Leuten aus der scene zu einer offensichtlich ganz neuen, total steilen, megatrendigen, man ist schon fast geneigt schnaften Partyidee für den Jahreswechsel zu sagen.

“Ich feiere zu Hause, wenn Du willst kann Du auch kommen” lautet das Konzept kurz umschrieben. “Es steht was zu essen auf dem Tisch und wer kommt,… weiter lesen

21.09.2011 von Heiko Werning
blogavatar

Exklusiv: Vorab-Manuskript der Papstrede vor dem deutschen Bundestag

von Heiko Werning

Alle diskutieren darüber, aber noch niemand hat sie gelesen – dem Papst ergeht es wie Bruder Sarrazin. Das muss ein Ende haben: Übermittelt vom pontifikalen Redenschreiber  Anselmus Neft SJ und mit göttlichem Beistand ist der Reptilienfonds weltexklusiv in der glücklichen Lage, das Manuskript der Rede des Papstes, die dieser am morgigen Donnerstag vor dem deutschen Bundestag halten wird, vorab zu veröffentlichen:

Sehr geehrte Damen und Herren!

Es ist für mich ein besonderer Moment, vor dem deutschen Bundestag zu sprechen. Doch stehe ich hier als politisches oder als religiöses Oberhaupt des Vatikanstaates? Und was verbindet Politik und katholische Kirche heute in Deutschland überhaupt noch miteinander? Ich stehe hier als Stellvertreter einer Gemeinschaft, die einen Schatz an moralischer Erkenntnis und Erfahrung in sich verwahrt, der für die ganze Menschheit von Bedeutung ist. Dabei ist jedoch nicht zu übersehen: Das Katholische ist in Deutschland zu einer Stimme unter vielen geworden. Der Staat begreift sich längst als weltanschaulich neutral und garantiert die Glaubensfreiheit. Dazu gehört auch die Freiheit, nicht an Gott zu glauben, sondern sich selbst und den Mammon an dessen Stelle zu setzen. Doch da, wo alles möglich ist, wo alles als gleich gilt, da wird auch schnell alles gleichgültig. Das ist es, was die katholische Kirche meint, wenn sie von einer Diktatur des Relativismus spricht.

Doch liegt in dieser Entwicklung auch eine große Chance: Wie wir erst nach dem Sündenfall ein freiwilliges und authentisches „Ja“ zu Gott sagen können, können wir uns in der obdachlosen Demokratie ohne äußeren Zwang auf unsere wahre Heimat besinnen. So betrachtet ist der demokratische Zeitgeist eine felix culpa, eine glückliche Schuld also, da aus der vorübergehenden Verwirrung eine größere Klarheit erwachsen und schließlich die verwirrte Diktatur des Relativen einer entwirrten Diktatur des Absoluten weichen kann.

Es ist wahr: In Deutschland sind Staat und Kirche nicht in jeder Hinsicht getrennt. Noch gibt es zwei große Parteien, die das Wort „christlich“ in ihrem Namen tragen. Auch zieht der Staat die Kirchensteuer ein und finanziert aus Einkommenssteuer, nicht aus Kirchensteuer, zum Beispiel diesen Papstbesuch, die Arbeit der Caritas und etwa 90 % der Kosten katholischer Schulen, Krankenhäuser und Altersheime. In diesen staatlich finanzierten Einrichtungen kann die Kirche nach ihren Maßstäben entscheiden, wen sie einstellt und wen nicht. Ich danke an dieser Stelle herzlich dem deutschen Steuerzahler, gleich welchen Glaubens, dass er mit seinem großzügigen Steuergeschenk zum Ausdruck bringt: Ja, ich sehne mich nach Verbundenheit mit dem wahren Glauben. Auch das ist Politik.

Jedoch keine Politik, die den jeweils modischen Stimmungsschwankungen einer orientierungslosen säkularen Mehrheit zu Willen ist, sondern die sich allein der Wahrheit verpflichtet. Das führt beizeiten zu Spannungen. Um ein Beispiel zu geben: Manche kritisieren, dass der Vatikanstaat neben Weißrussland der einzige europäische Staat ist, der die Menschenrechtscharta nicht unterzeichnet hat. Die katholische Kirche tritt weltweit für Menschenrechte ein, „Menschenrechte“ heißt für uns aber nicht „Frauenrechte“ und darf also nicht heißen, die gottgewollten Unterschiede der Geschlechter einzuebnen. Mann und Frau haben vor Gott den gleichen Wert, aber ihre Aufgaben im Schöpfungsplan unterscheiden sich. Seit ein paar Jahrzehnten mehren sich Spekulationen im wissenschaftlichen Gewand, die von „Gender“ sprechen, als seien männlich und weiblich nur gesellschaftliche Konstrukte. Da heißt es, die in der Genesis von Gott angeordnete Herrschaft des Mannes über die Frau sei bloße Ideologie. Hier muss die Kirche ihrerseits die Wahrheit gegen eine aggressive atheistische Ideologie verteidigen.

Auch aus den eigenen Reihen wird immer wieder gefordert, Frauen den Zugang zum Priesteramt zu öffnen. Doch die Antwort lautet: Non possumus. Wir können nicht. Wenn Papst … weiter lesen