06.05.2010 von Elena Beis
blogavatar

Joe Brown, der Rastafari

von Elena Beis

Obwohl sich Juda Browns Gute-Laune-Rastacafé gleich ums Eck von meinem Büro befindet, schaue ich hier mittags nur selten vorbei – ein schnelles Sandwich auf die Hand dauert bei ihm immer mindestens (!) eine dreiviertel Stunde.

Joe Brown`s Cafe auf der Buiten Street. Einer meiner Lieblingsläden. Die Öffnungszeiten hier stimmen allerdings nicht ganz  – ich habe Joe Brown noch nie vor 10Uhr morgens in seinem Laden gesehen..

Über der Tafel wird bereits vorgewarnt: Relax

Und auch die Speisen sind oftmals etwas unberechenbar. Statt des bestellten „Falafel-Wraps“ bekam ich letzte Woche ein Auberginen-Tomate-Käse-Brot und in Joes Spezialitäten-Gericht „Bean Curry“  habe ich bisher noch keine einzige Bohne entdeckt – er bereitet es am liebsten mit Kartoffeln und Kürbis zu.

Joes bean curry schmeckt auch ohne beans hervorrragend. Zusammen zum Essen gibt es dann immer sehr viele Infoblätter zu den Heilwirkungen von Kräutern. Bis vor kurzem noch handschriftlich –weiter lesen

16.04.2010 von Elena Beis
blogavatar

Party statt Rassenkrawalle

von Elena Beis

- die Fotos vom Afrikaans-Kulturfest KKNK!

Letzte Woche fand in dem kleinen verschlafenen Ort Oudtshoorn das  Klein Karoo Nasionale Kunstefees-Kulturfestival (KKNK) statt. Hier treffen sich einmal im Jahr Afrikaans-sprachige Südafrikaner, um ihre Musik, Sprache, Küche und Theaterstars zu feiern. Die offizielle Mission des Festivals ist es,  Afrikaanse Kultur am Leben zu erhalten – die inoffizielle  sich zehn Tage lang bei Volksmusik und Sonnenschein gemeinsam zu betrinken.  Jedes Jahr finden auch andere Kunstfestivals in Südafrika statt, die den Schwerpunkt auf die anderen Kulturen des Landes legen.

Da sich das KKNK ausschliesslich auf Afrikaans Kultur konzentriert, haftet ihm der Ruf einer konservativen weiß-Bauern-Veranstaltung an. In Wirklichkeit hat sich aber das KKNK über die Jahre zum  Multi-Kulti-Event gemausert. Sogar Chinesen und Nigerianer (plus Qualitätsverkaufswaren) sind mittlerweile mit von der Partie.

Während sich also vor zwei Wochen die Welt um die angespannten Rassenverhältnisse in Südafrika sorgte, feierten 50.000 Buren ganz entspannt mit… weiter lesen

14.04.2010 von Elena Beis
blogavatar

Realität vs. Hysterie

von Elena Beis

Vor ca. zehn Tagen wurde der weiße Rechtsextreme Eugene Terreblanche auf seiner Farm von zwei schwarzen Arbeitern ermordet. Zunächst gaben die beiden jugendlichen Mörder als Tatmotiv an, Terreblanche hätte sich geweigert, ihre Löhne auszuzahlen, änderten aber ihre Geschichte, und behaupten mittlerweile, Terreblanche habe sie sexuell belästigt. Die Fakten sind noch unklar. Das Einzige, was einigermaßen sicher scheint, ist, dass hinter der Tat kein politisches Motiv steckte.

Die Medien stürzten sich auf die Geschichte – und die Berichte klangen, als ob die Rassen hier bald Amoklaufen und sich gegenseitig abschlachten. In Wirklichkeit lief aber nur die Presse ein bisschen Amok.

Allen voran  die britische Klatschpresse. Im “Daily Star” wurden Engländer davor gewarnt nach Südafrika zu reisen, weil auf den Straßen bereits ein “Machete-Rassen-Krieg ” tobe.  Englische Fußballfans seien selbstverständlich (und logischerweise) Zielscheibe Nummer eins. Die WM müsse wegen dem brutalen Bürgerkrieg auf das nächste Jahr verschoben werden – usw.

Die… weiter lesen

06.04.2010 von Elena Beis
blogavatar

Definitiv no Bürgerkrieg

von Elena Beis

Warum der emotionale  Aufruhr nach dem Mord an den weißen Rechtsradikalen Terre’blanche eine Chance für Südafrika ist

Samstagnacht ist Eugène Terre’blanche, einer der wahrscheinlich hartnäckigsten, aggressivsten und bekanntesten weißen Rassisten Südafrikas, von zwei Angestellten ermordet worden. Die Presse lief heiß – hier in Südafrika, aber auch international. Bis auf die Riesenwut auf den rechtsextremistischen Kotzbrocken Julius Malema und den ANC, der dessen rassenhassschürenden Songs und Reden toleriert, sind hier allerdings keine „Rassenspannungen“ zwischen weiß und Schwarz zu spüren, wie berichtet wird.  Nach der hauptsächlich medialen Aufregung der ersten zwei Tage, haben sich die Gemüter wiederweitestgehend  beruhigt und man diskutiert  in südafrikanischen Radio-, Fernsehsendungen und Newsportalen bereits, wie man die Nation besser vereinen könne.

Im Stadtalltag ist von dem Vorfall absolut nichts zu merken. Die einzigen Spannungen gibt es gerade in dem kleinen Ort  Ventersdorp, wo Terre’blanche zuletzt gelebt hat, und wo gerade die zwei bekennenden jugendlichen Mörder dem Haftrichter vorgeführt… weiter lesen

01.04.2010 von Elena Beis
blogavatar

Ayoba!

von Elena Beis

Ayoba ist das neuste (schwarz-) südafrikanische Trendwort und  heisst soviel wie alles klar, genauschön, lässig, klasse, cool, wunderbar, sexy, hallo, ciao, nett, heiss, sehe ich auch so - und sehr vieles mehr.  Man kann es letzlich zu allem sagen, was halbwegs positiv ist. Das Gegenteil von Ayoba ist So-not-Ayoba. Populär & allgemein bekannt geworden ist  Ayoba! erst durch die WM-Werbekampagnen in den letzten drei Monaten.

Ein Ayoba-Plakat, das an so einem Ayoba-Tag wie heute Ayoba-Werbung für eine AyobaAyoba-Stadt macht

Einwanderer, Touristen und ein paar weiße Südafrikaner haben das multifunktionale & ausnahmsweise einmal leicht auszusprechende südafrikanische Wort begeistert aufgenommen und quatschen ihre schwarzen Brüder und Schwerstern bei jeder sich nur bietenden Gelegenheit mit Ayoba! an. Die geistreiche Kommunikation läuft dann oftmals so ab: “Ayoba – englisches Blablablablabla – Ayoba, dude.  Ayoba. Ayoba!” oder einfach nur: “Ayoba” – was auch immer das dann heißen soll.

Seit einigen Wochen… weiter lesen

30.03.2010 von Elena Beis
blogavatar

Deutschland gefährlicher als Südafrika

von Elena Beis

- und obendrein werden deutsche Busse bald mit auseinanderfallenden Minitaxis nach südafrikanischem Modell ersetzt.

Ein Südafrika-Aufenthalt ist sicherlich weit nicht so lebensbedrohlich, wie es in den Medien dargestellt wird, aber wer hätte DAS gedacht? Laut der heutigen Schlagzeilen rangiert Südafrika in Punkto Reisesicherheit über Thailand, Spanien und sogar(!): Deutschland. Ich hab es hier schwarz auf weiß vor mir stehen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Brite ermordet wird, sei in Deutschland mehr als doppelt so hoch verglichen zu Südafrika, heißt es in dem Aufmacher-Artikel der „Cape Times“.

Diese doch recht optimistischen Statements werden mit den Zahlen einer neuen Studie des britischen Auslands- und Commonwealth-Amtes untermauert.

In der Studie wurde verglichen, wie oft Briten in den unterschiedlichen Urlaubsländern die Hilfe ihre Konsulate in Anspruch nahmen.

Von den 663 580 Briten, die sich zwischen April 2008 und März 2009 in Südafrika aufhielten, wurden laut des Reports nur 48 Tode gemeldet – die Mehrzahl… weiter lesen

24.03.2010 von Elena Beis
blogavatar

Südafrikanische Sicherheitslage und ‘German Angst`

von Elena Beis

Wenn ich aus meinem Bürofenster auf die Long Street schaue, stechen mir deutsche Touristen, die gerade angekommen sind, sofort ins Auge. Sie wirken immer leicht verloren und schwer misstrauisch. Sie verstecken ihr am Bankomaten abgehobenes Geld ganz auffällig in unauffällige hautfarbene Bauchbeutel. Sie drehen sich oft nach hinten um. Sie fragen sehr viel – Ist es zu gefährlich hier zu parken?  Kann man hier abheben?  Darf man ins Taxi steigen? – und ihnen steht die Erleichterung ins Gesicht geschrieben, wenn sie ihr Hotel abends unbeschadet erreichen. Sobald man mit ihnen ins Gespräch kommt, erzählen sie mit einer Mischung aus Faszination, Abscheu, Angst und Unglauben die grausamsten Horroranekdoten aus Südafrika. Dabei handelt es sich oftmals um Geschichten, die hierzulande unbekannt sind – wie zum Beispiel die Geschichte von der Frau aus Durban, die bei Tageslicht mitten auf der Strandpromenade von Durban vergewaltigt wurde.

Deutsche Besucher machen sich zunächst einmal überdurchschnittlich große… weiter lesen

16.03.2010 von Elena Beis
blogavatar

Good Morning, Kapstadt.

von Elena Beis

Es war ein ungünstig gelegenes Blockseminar, das mich in meinem letzten Studiensemester an das Ende von Afrika katapultierte. Denn statt den Winter in München zu verbringen, auf das zweitägige Pflichtseminar Ende Februar zu warten und mich in der Zwischenzeit mit freiwilligen Vorlesungen gewissenhaft weiterzubilden, packte ich im Herbst kurzerhand den Koffer, buchte den billigsten Kapstadt-Flug, der sich auftreiben ließ, und kam nach Südafrika ohne den geringsten Plan.

Mit einer Sache hatte ich allerdings nicht gerechnet: dass ich fünfeinhalb Jahre später immer noch feststecken würde zwischen Xhosas, Buren und Zimbabwer, Steinzeit und Hochmoderne, den Ärmsten der Armen und den Reichsten der Reichen, überwiegend fröhlichen Menschen in durchschnittlich verzweifelten Lebenslagen, polygamen Demokraten und den Geistern der Toten, die hier bei Businessentscheidungen und Beziehungskonflikten noch ein paar Wörtchen mitzureden haben; und dass ich meinen organisierbaren Münchner Alltag gegen diese komplett ruhelose Kulisse langfristig austauschen würde.

Schon mein kurzer Weg zur Arbeit gleicht… weiter lesen