31.05.2010 von Elena Beis
Als tausende weiße Rugby-Anhänger vor zwei Tagen Soweto stürmten, schrieben sie ein kleines Stück südafrikanische Geschichte.
Samstagabend traten die Rugby-Mannschaft aus Pretoria, die Blue Bulls, und die Rugby-Mannschaft aus Kapstadt, die Stormers, ihr „Super 14“ Finale an – und das mitten in dem schwarzen Township Soweto.

Die Kapstädter Tageszeitung Cape Times machte am Freitag schon Stimmung auf das Spiel
Rugby ist in Südafrika traditionell Sport der Weißen – vor allem der Buren – und deswegen war es ein besonderes Ereignis, dass sie ausgerechnet in Fußball-Stadium des größten schwarzen Townships des Landes das Finale austrugen. Während der Apartheid wurde unter schwarzen Südafrikanern Rugby als der Sport der Unterdrücker angesehen. Auch heute ist Rugby beliebter bei Weißen als schwarzen – und Fußball wiederum beliebter bei Schwarzen als Weißen.
Die „Super 14“ entspricht der Fußball „Champions League“ in Europa. Die stärksten Teams der südlichen Hemisphäre spielen jedes Jahr mehrere Monate lang gegeneinander… weiter lesen
13.05.2010 von Elena Beis

Bei Jo Brown kann man nicht nur etwas zu essen, sondern während dessen auch erfahren, was es mit der Welt auf sich hat
Jedesmal, wenn ich Joe, den Rastafari, einen Besuch abstatte, lerne ich etwas Neues dazu. Heute unterhalten wir uns über vegetarische Kost. Joe hält sich fern von Fleisch, seitdem er sich den Rastafaris angeschlossen hat, und ist überzeugt, dass Menschen, die tote Tiere in sich hineinstopfen, nicht sehr gesund sein können. Er erzählt mir, dass es “in Südafrika Menschen gäbe” – „wir nennen sie die Boer“ (= er meint die afrikaansstämmigen Farmer), die zu jeder Mahlzeit Fleisch essen. Ich finde es wirklich witzig, wie er, der halbfarbige indisch-aussehende Rastafari mit dem Cape Flats-Akzent, von den Buren spricht, als seien sie eine völlig exotische Randgruppe, die man jemanden wie mir, einer Nicht-Südafrikanerin – auch wenn sie schon seit Jahren hier lebt – erklären muss. Südafrika ist je nachdem… weiter lesen
16.04.2010 von Elena Beis
- die Fotos vom Afrikaans-Kulturfest KKNK!
Letzte Woche fand in dem kleinen verschlafenen Ort Oudtshoorn das Klein Karoo Nasionale Kunstefees-Kulturfestival (KKNK) statt. Hier treffen sich einmal im Jahr Afrikaans-sprachige Südafrikaner, um ihre Musik, Sprache, Küche und Theaterstars zu feiern. Die offizielle Mission des Festivals ist es, Afrikaanse Kultur am Leben zu erhalten – die inoffizielle sich zehn Tage lang bei Volksmusik und Sonnenschein gemeinsam zu betrinken. Jedes Jahr finden auch andere Kunstfestivals in Südafrika statt, die den Schwerpunkt auf die anderen Kulturen des Landes legen.
Da sich das KKNK ausschliesslich auf Afrikaans Kultur konzentriert, haftet ihm der Ruf einer konservativen weiß-Bauern-Veranstaltung an. In Wirklichkeit hat sich aber das KKNK über die Jahre zum Multi-Kulti-Event gemausert. Sogar Chinesen und Nigerianer (plus Qualitätsverkaufswaren) sind mittlerweile mit von der Partie.
Während sich also vor zwei Wochen die Welt um die angespannten Rassenverhältnisse in Südafrika sorgte, feierten 50.000 Buren ganz entspannt mit… weiter lesen
06.04.2010 von Elena Beis
Warum der emotionale Aufruhr nach dem Mord an den weißen Rechtsradikalen Terre’blanche eine Chance für Südafrika ist
Samstagnacht ist Eugène Terre’blanche, einer der wahrscheinlich hartnäckigsten, aggressivsten und bekanntesten weißen Rassisten Südafrikas, von zwei Angestellten ermordet worden. Die Presse lief heiß – hier in Südafrika, aber auch international. Bis auf die Riesenwut auf den rechtsextremistischen Kotzbrocken Julius Malema und den ANC, der dessen rassenhassschürenden Songs und Reden toleriert, sind hier allerdings keine „Rassenspannungen“ zwischen weiß und Schwarz zu spüren, wie berichtet wird. Nach der hauptsächlich medialen Aufregung der ersten zwei Tage, haben sich die Gemüter wiederweitestgehend beruhigt und man diskutiert in südafrikanischen Radio-, Fernsehsendungen und Newsportalen bereits, wie man die Nation besser vereinen könne.
Im Stadtalltag ist von dem Vorfall absolut nichts zu merken. Die einzigen Spannungen gibt es gerade in dem kleinen Ort Ventersdorp, wo Terre’blanche zuletzt gelebt hat, und wo gerade die zwei bekennenden jugendlichen Mörder dem Haftrichter vorgeführt… weiter lesen
16.03.2010 von Elena Beis
Es war ein ungünstig gelegenes Blockseminar, das mich in meinem letzten Studiensemester an das Ende von Afrika katapultierte. Denn statt den Winter in München zu verbringen, auf das zweitägige Pflichtseminar Ende Februar zu warten und mich in der Zwischenzeit mit freiwilligen Vorlesungen gewissenhaft weiterzubilden, packte ich im Herbst kurzerhand den Koffer, buchte den billigsten Kapstadt-Flug, der sich auftreiben ließ, und kam nach Südafrika ohne den geringsten Plan.
Mit einer Sache hatte ich allerdings nicht gerechnet: dass ich fünfeinhalb Jahre später immer noch feststecken würde zwischen Xhosas, Buren und Zimbabwer, Steinzeit und Hochmoderne, den Ärmsten der Armen und den Reichsten der Reichen, überwiegend fröhlichen Menschen in durchschnittlich verzweifelten Lebenslagen, polygamen Demokraten und den Geistern der Toten, die hier bei Businessentscheidungen und Beziehungskonflikten noch ein paar Wörtchen mitzureden haben; und dass ich meinen organisierbaren Münchner Alltag gegen diese komplett ruhelose Kulisse langfristig austauschen würde.

Schon mein kurzer Weg zur Arbeit gleicht… weiter lesen