Was aus den Veröffentlichungen in “Nature” bei Spiegel online wurde faßt der Helgoländer Vorbote so zusammen: “Spiegel Online gibt uns aktuell das schöne Beispiel einer gelungenen Wissenschaftsmeldung für sinnfreie Unterhaltungsmedien mit bildungsblödem Anspruch. Für Journalismusstudenten im Erstsemester hat HV das Erfolgsrezept entschlüsselt.” Wie die “sieben katzengoldigen Regeln lauten” finden Sie im Grundkurs Wissenschaftsmeldung
Archive for Oktober, 2006
Das Genom der Honig-Biene ist zwar nicht “entschlüsselt”, wie manche Medien berichteten, aber immerhin systematisch sequenziert. Darüber berichtet das Honey Bee Sequencing Consortium in der neuesten Ausgabe von Nature. Schon Gregor Mendel habe sich nach den Erbsen den Bienen zugewandt, bemerken die Autoren, sei aber bei der Systematisierung gescheitert, weil er den Sex der Königin nicht unter Kontrolle bekam. Auch die 170 Wissenschaftler, die jetzt auf 19 Seiten in Nature ihre vorläufigen Erkenntnisse über die genetischen Grundlagen des Bienenstaates veröffentlichen, sind gescheitert, freilich auf unvergleichlich höherem Niveau.
Die Biene, bemerkt der Nestor der Evolutions- und Sozial-Biologie, Edward O. Wilson, in einem lesenswerten Kommentar “How to make a social insect” gehöre neben dem Menschen und der Quallenart der Siphonophoren zu den drei Spitzengruppen sozialer Organisation von Lebewesen auf diesem Planeten, gemessen an ihrer Kommunikations- Gruppen-Interaktionsfähigkeit und Arbeitsteilung. Mit der Sequenzierung des Bienen-Genoms kann nun also die Jagd… weiter lesen
Wenn es bei uns Herbst wird, bricht auf der südlichen Halbkugel der Welt der Frühling aus – eine feine Sache für globale Pflanzenzüchter, die dort säen, wenn sie hier ernten und auf diese Weise statt einer zwei Pflanzengenerationen pro Jahr ausbringen können. Das hat zu einem bioloigschen “just-in-time” System bei der Saatgut-Produktion geführt. Frisch von chilenischen Feldern kommt ein nicht unbeträchtlicher Teil der Samen, die hier im nächsten Frühjahr angebaut werden. Weil nichts so global organisiert ist wie die Gentechnik-Industrie, wird in Chile – obwohl oder gerade weil es dort noch nicht einmal ein Gentechnikgesetz gibt – neben dem gentechnikfreien Saatgut für Europa auch das Gentech-Saatgut für Nordamerika vermehrt. Zuweilen hat das böse Folgen. Manch eine Saatgutpartie wurde in den letzten Jahren wegen gentechnischer Verunreinigung zurückgewiesen.
Auf Einladung des gen-ethischen Netzwerks berichten heute abend um 19 Uhr in der Kulturetage “Mosaik”, Oranienstr. 34, 10999 Berlin-Kreuzberg (U-Bahn Moritzplatz oder Kottbusser Tor)… weiter lesen
Vor fünfzehn Jahren sagte der damalige Präsident von Monsanto, seine Firma wolle zum “Microsoft der Landwirtschaft” werden. Immerhin hält das Unternehmen heute Patente an 90 Prozent aller auf dem Markt befindlichen Gentechnik-Pflanzen. Jetzt hat die Bill und Melinda Gates Foundation den Vizepräsidenten des Gentechnik-Multis, Robert Horsch, geheuert, damit er u.a. zusammen mit der Rockefeller Foundation den Hunger im südlichen Afrika mit gentechnisch verändertem Saatgut überwindet. Horsch wird in Seattle einem Team von demnächst 600 Stiftungsmitarbeitern beitreten, deren Entscheidungen für die Zukunft des Planeten bald wichtiger sein werden als die der meisten Regierungen der Welt.
Telepolis: Setzt Gates Stiftung auf genverändertes Saatgut?Seattle Times: Want to work for the Gates Foundation?
Was ist das? Bringt Druckpapier zum Glänzen, macht Verpackungspapier luftdurchlässiger und hält Klebstoff länger flüssig. Richtig: Eine gentechnisch veränderte Kartoffel aus dem Hause BASF. Essen sollte man sie lieber nicht, wegen Antibiotika-Resistenzen, aber auch mangels Geschmack. Kritiker könnte die Industrie-Knolle deshalb zum Schlucken bringen, weil ihre unkontrollierte Verbreitung – im Gegensatz zu Mais oder Raps – mit vergleichsweise einfachen Mitteln unterbunden werden kann. Wie Amflora Wühlmäusen, Kartoffelkäfern und Regenwürmern bekommt, ist bisher nicht bekannt; auch ihre Auswirkungen auf die bunte Welt der kleineren Bodenorganismen nicht. Dafür soll sie aber schon im kommenden Jahr auf deutschen Äckern wachsen und deutsche Stärke produzieren.
FR online – Die gestärkte Knolle
Hintergründe zur noch nicht erteilten Zulassung bei der EU: C/SE/96/3501
Update 27.11.06: Süddeutsche Zeitung: “Gestärkte Knolle”
Der Fernseh-Sender 3sat will wissen was wir von der Agro-Gentechnik halten und online einen “Streit um Körner” führen:
3sat.online
Alle Maiskulturen, die wir kennen, stammen ursprünglich aus Mexiko. Seit etwa 8000 Jahren werden dort die Kolben kultiviert. Deshalb gibt es in Mexiko die größte Vielfalt an Mais-Sorten. Züchter aus aller Welt suchen hier nach neuen Eigenschaften und rettenden Resistenzen gegen Mais-Krankheiten. Wenn sich in diesem “Centre of Origin”, wie das der Fachmann nennt, gentechnisch veränderte Sorten ausbreiten und mit den Originalen kreuzen könnte der Schatz der Vielfalt schweren Schaden nehmen. Deshalb ist bis heute der Anbau von Gentech-Mais in Mexiko verboten. Selbst die NAFTA, die den Fall 2004 untersuchte, empfahl dringend, Dieses Verbot wurde vergangene Woche noch einmal bestätigt – zum Ärger von Monsanto & Co. Es könnte dennoch bald fallen: Die Gentechnik-Lobby arbeitet hart an neuen Zulassungsbestimmungen, zunächst für Freisetzungsversuche.
Mexico Rejects Biotech Corn Planting – New York Times
Inter Press Service: Mexico Shuts the Door on GM Maize
Hintergrund vom NAFTA Umweltausschuss: Maize and… weiter lesen
Die National Academies of Science der USA machen sich Sorgen um die Bienen und andere Bestäuber. Ihre Zahl geht deutlich zurück. Dreiviertel aller blühenden Pflanzen der Welt aber sind beim Sex auf tierische Hilfe angewiesen. Deshalb blühen sie ja so schön und duften so gut. Wenn niemand mehr da ist, der ihren Liebreiz zu würdigen weiss und dabei den Pollen von Blüte zu Blüte trägt, wird es kritisch.
The National Academies Some Pollinator Populations Declining
Vor zehn Jahren wurde die erste gentechnisch manipulierte Sojabohne nach Europa exportiert. Das gilt als Startschuss der kommerziellen Agro-Gentechnik. Die weltweiten Anbauflächen sind gewaltig gestiegen, die Akzeptanz dagegen gesunken. Wie geht das zusammen? Darüber macht sich Matthias Brake in telepolis lesenswerte Gedanken.
Wenn der Bauer Gentechnik-Mais anbaut, dann wird’s beim Nachbarn auch “ein Bisschen” gentechnisch, ob er will oder nicht. Das nennt man dann “Ko-Existenz” und die soll demnächst per Verordnung geregelt werden, damit auch alles seine Richtigkeit hat. Wie die “gute fachliche Praxis” des Gentech-Bauern künftig aussehen soll, will am 25. Oktober der Ausschuss für Verbraucherschutz in einem Hearing wissen und hat dazu allerlei Experten geladen. Ob das Landwirtschafts-Ministerium auch dabei sein wird, ist ungewiss. Das hat bisher nämlich noch gar keinen Entwurf für die Verordnung vorgelegt.
Wer am Mittwoch morgen um acht noch nichts Besseres vor hat, kann der Anhörung im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, Sitzungssaal 3.101
beiwohnen, muß sich aber vorher unter Angabe des Geburtstags anmelden bei: elv-ausschuss@bundestag.de. Wer verschlafen hat kann die Expertenweisheit nachlesen unter http://www.bundestag.de/ausschuesse/a10/anhoerungen/a10_28/index.html