Gouverneur von Parana enteignet Syngenta

von saveourseeds

Roberto Requiao, der konservative Governeur des südlichen brasilianischen Bundesstaates Parana hat “im Interesse der Öffentlichkeit” ein 120 ha großes Grundstück in Santa Tereza do Oeste, auf dem der Agrarmulti Syngenta gentechnische Experimente durchgeführt hatte, enteignet. Er will das Gelände jetzt in ein agro-ökologisches Ausbildungsbildungszentrum für Kleinbauern umwandeln.
Im März diesen Jahres, während der Internationalen Biodiversitäts-Konvention, in Paranás berühmter Hautpstadt Curitiba, hatten Mitglieder der Landlosen-Bewegeung MST das Testgelände besetzt und verlangt, daß die Gentechniksoja, die Syngenta dort testete vernichtet wird. Mit Erfolg. Wahlkampfgerecht solidarisierten sich Requiao und die Umweltministerin Marina Silva mit den Landlosen. Die Umweltbehörde IBAMA brummte Syngenta eine Strafe von 1 Millionen Real (360.000 €) auf, weil der Test zu nah am Iguacu Nationalpark gelegen war und ordnete die Vernichtung der Gentech-Kulturen an.Die Landlosen aber blieben mit ihren Familien auf dem Gelände und richteten sich dort bäuerlich ein. Anfang diesen Monats endlich hatte Syngenta einen höchstrichterlichen Räumungsbefehl erwirkt, um sie von dem Gelände der Firma zu vertreiben. Nachdem die Landlosen das Gelände geräumt hatten, schlug Requiao, mittlerweile wiedergewählt, zu und erklärte Sygenta die Enteignung zum Schutze der Umwelt vor Verschmutzungen aller Art.



Der populistische Haudegen ist bekannt für seine beinharte Gentechnik-Gegnerschaft in einem der wichtigsten Soja-Anbaugebiete des Landes. Es heißt, den Vertreter von Monsanto habe er, bei einem ersten Annäherungsversuch eigenhändig mit der Faust aus dem Governeurspalast vertrieben. Bei der Welt-Konferenz im März verstörte er die Regierungsvertreter mit Kampfansagen gegen die “Multinationale Gentechnik-Mafia” und begeisterte die Umwelt- und Bauernverbände mit Brandreden für eine gerechte Landwirtschaft und Landverteilung und Großplakaten in Curitiba, auf denen eine grinsende Vogelscheuche “GMO go home” verkündete.

Sein Bruder leitet den größten Soja-Umschlagshafen, Paranagua, den er jahrelang zur no go zone für Monsanto’s Roundup Reday Soja gemacht hatte. Anfang diesen Jahres verlor er allerdings die Auseinandersetzung mit Lulas Zentralregierung, die eine Öffnung des Hafens für Gentech-Soja erzwang.

Syngenta hat bisher weder die Strafe gezahlt, noch die Absicht, das Gelände aufzugeben, sondern zieht vor Gericht. Dort können sich die Dinge in Brasilien oft über Jahre hinziehen.


3 Kommentare zu "Gouverneur von Parana enteignet Syngenta"

  1. genechnisch verändertes saatgut ist nicht keimfähig; das heist, jeder bauer muss saatgut kaufen.
    viel spass

    Antwort von Benny Haerlin:

    Ist es leider sehr wohl: Deshalb schickt Monsanto in Kanada und den USA sogar seine Pinkerton-Detektive auf die Felder um die Bauern zu kontrollieren. In Brasilien und Argentinien sieht es dagegen bisher mit der Durchsetzung der Patentansprüche noch nicht so toll aus für Monsanto & Co. Deshalb wird dort ein grosser Teil schwarz gehandelt. Da Soja auch kein Hybrid-Saatgut ist, gedeiht die Saat, ob gentechnisch oder nicht, prächtig. Das sogenannte Terminator-Saatgut, dem gentechnisch die Keimfähigkeit ausgetrieben wird, ist bisher noch weltweit geächtet und nicht auf dem Markt.

  2. Pingback: Save Our Seeds » Blog Archive » Syngenta: Umsatzrückgang, Entlassungen und Gewinnrekord

  3. Was Governeur Roberto Requiao in Brasilien gegen die Gentechnik getan hat war das einzig Richtige!

    Da müßte noch viel mehr getan werden. Wo bleiben die deutschen Volksvertreter mit Ihrem Engagement???
    Ich frage mich wirklich ob es noch welche gibt, die beim Karriereaufstieg der Versuchung von Schmiergeldern widerstehen können und sich zum (Gesundheits-)Wohl der Allgemeinheit, somit auch für sich selbst,
    einzusetzen trauen!

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