Bill Gates, Melinda, Maniok und Monsanto

von saveourseeds

Die Bill und Melinda Gates Stiftung hat nach dem Vize-Chef von Monsanto, Robert Horsch, einen weiteren “St. Louisianer” in ihr Team zur Bekämpfung des Hungers in Afrika berufen. Diesmal kommt er vom Donald Danforth Centre für Pflanzenforschung in Monsantos Heimatstadt St. Louis, das den philantropischen Bedarf des Unternehmens deckt.

Kent Lawrence, kennt sich zwar nicht mit Pflanzen aus, dafür aber mit Gesetzen, Politikern, Bürokraten und Medien und damit wie man ihnen Gentechnik verkauft. Sein Spezialgebiet ist Afrika, wo er seit Jahren versucht, gentechnisch veränderte Cassava, zu Deutsch Maniok, heimisch zu machen; bislang ohne Erfolg, dafür aber mit umso mehr Presseaufwand und noch mehr Geld: 30 Millionen Dollar haben Monsanto und die Bill und Melinda Gates Foundation seinem bisherigen Arbeitgeber für die gentechnische Bearbeitung der robusten und in ganz Afrika verbreiteten Knolle zur Verfügung gestellt. Das ist sehr viel Geld, wenn es um Agrarforschung geht.

Herausgekommen ist bisher lediglich ein Prototyp, der nach einer Methode des Chefs des Zentrums gegen den Cassava-Mosaik-Virus resistent war. Sieben Jahre lang, wenn man den St.Louisianern glauben darf, dann verflüchtigte sich auf bisher noch nicht vollständig aufgeklärte Weise die Resistenz wieder. Das gab das Danforth Zentrum im Juni vergangenen Jahres eher kleinlaut zu Protokoll. Getestet werden konnte das Konstrukt in Afrika ohnehin nicht, weil keine Regierung dazu die Erlaubnis geben wollte.
Sehr vollmundig dagegen beklagt sich Kent Lawrence über die technologiefeinliche Haltung vieler afrikanischer Regierungen, denen er seine Gentech-Cassava “free of charge” zur Verfügung stellen will. Kostenlos heißt dabei vor allem, ohne oder mit geringer Lizenzgebühr auf die von Monsanto und anderen gehaltenen Patente.

Cassava ist buchstäblich ein Überlebens-Mittel in vielen armen und trockenen Ländern: Die Wurzel, die ursprünglich aus Brasilien stammt, überlebt im Boden Dürren und andere Widrigkeiten und liefert auch dann noch Nährwert, wenn Mais und Reis versagen. Sie bringt gute Ertragsmasse und wird als stärkehaltiges Mehl verarbeitet. Allerdings hat Cassava einen gravierenden Nachteil: Roh ist sie hochgiftig. Erst wenn die Blausäure aus der Knolle heraus gewaschen und getrocknet wurde, wird sie genießbar. Das Gift macht sie allerdings gegen viele Schädlinge resistent und scheint auch mit ihrer Trockenheitsbeständigkeit zu tun zu haben. Kein convenience Produkt also, dafür bewährt seit den Tagen der Mayas.
Jetzt soll der Cassava im Rahmen des von Gates und der Rockefeller Foundation geförderten Projektes “BioCassava-Plus” die Blausäure gentechnisch entfernt werden. Auch sonst hat man mit der Knolle einige vor: Der Eisen- und Zinkgehalt soll versechsfacht werden, der Proteingehalt vervierfacht, der Vitamin-A und E Gehalt verzehnfacht, die Verrottung verzögert werden. Und dann war da natürlich noch die ursprüngliche Virus-Resistenz. Man hat den Eindruck als sollten in einer Knolle alle Ernährungs-Defizite Afrikas auf einmal behoben werden. Derartige techno-fix Konzepte haben sich bisher nicht als besonders robust und effektiv erwiesen. Sie kommen aus dem Labor und nicht vom Felde, machen grossen Wirbel, und erweisen sich in der Praxis meist als untauglich.

Im vergangenen Mai meldeten Cassava-Ingenieure an der Ohio-State University einen ersten Erfolg: “SUPER-SIZED CASSAVA PLANTS MAY HELP FIGHT HUNGER IN AFRICA”
doppelt so grosse Cassava hatten sie in ihrem Gentechnik-Labor produziert. Der Bericht eines brasilianischen Forschers, der durch einfache Kreuzungen mit Wildformen gar zehnmal so grosse Knollen erzielte, ging bei der Begeisterung der glatt unter. Well, there is no business like show business, würde Kent Lawrence vielleicht sagen.

Sein bisheriger Chef, für den er als international director arbeitete, freut sich jedenfalls über den Verlust seines Mannes: Es könne nichts schaden, wenn jetzt gleich zwei Saint Louisianer die Fäden zum größten Stiftungs-Geldbeutel der Welt zögen, meinte er. Es würde nicht verwundern, wenn sich bald noch mehr Monsanto-Mannen in Seattle einfinden.

By Eric Hand, 01/05/2007, St. Louis Post-Dispatch

Danforth Centre Cassava update, June 2006

St. Louis team fights crop killer in Africa
By Eric Hand, 12/10/2006, St. Louis Post-Dispatch

A failure of hope
By Editorial 12/13/2006, St. Louis Post-Dispatch


4 Kommentare zu "Bill Gates, Melinda, Maniok und Monsanto"

  1. Frage: Was ist der Unterschied zwischen Bill Gates und Gott?
    Antwort: Gott hält sich nicht für Bill Gates.

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  4. Mits der Initiative AGRA (Initiative für eine ‘neue’ grüne Revolution in Afrika) hat die Bill und Melinda Gates Stiftung insgesamt ein Förderprojekt für die Agro-Multies aufgelegt. AGRA wird von der Gates Stiftung in enger Kooperation mit den großen Agro-Chemie-Multies durchgeführt und dient der flächendeckenden Durchsetzung von genetisch manipuliertem Saatgut in Afrika. Kritische Basisinitiativen aus Afrika sehen dies als den Versuch der Agro-Multies die landwirtschaftliche Produktion in Afrika in ihre Kontrolle zu bringen.

    Dazu:
    http://irrliche.org/politische_kritik/bill_und_melinda_gates_stiftung.htm
    http://www.pambazuka.org/en/category/features/47017

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