Das geistige Ende der Gen-Kanone
von saveourseeds
Das Europäische Patentamt hat ein strategisches Gentechnik-Patent der Firma Monsanto, das dem Konzern über 10 Jahre gute Dienste geleistet hatte, jetzt für ungültig erklärt. Gewissermaßen mit “vorgehaltener Gen-Kanone” hatte Monsanto exklusives “geistiges Eigentum” auf sämtliches gentechnisch verändertes Soja-Saatgut dieser Welt beansprucht. Jetzt wurde der Gentechnik-Monopolist mit seinen eigenen Waffen geschlagen; mit den Argumenten nämlich, die Monsanto gegen den ursprünglichen Patentinhaber (Agracetus) vorbrachte bevor es die Firma 1996 schluckte.
Das in den Achziger Jahren unter anderen von Agracetus erfundene Verfahren, mit einer Gen-Kanone fremdes Erbgut auf winzigen Goldpartikeln in die DNA einer Pflanze zu schießen, sollte ein umfassendes Eigentumsrecht an allen Pflanzen, die solcherart manipuliert wurden, begründen.
Was sollte das Berufungsgericht des Europäischen Patentamtes schließlich zu einem Patent sagen, dessen Eigentümer selbst erklärt hatte es sei weder neu noch technisch nachvollziehbar? Die Patent-Richter annullierten das Patent aus rein technischen Gründen. Es sei handwerklich nicht sauber. Die grundsätzlichen Fragen zur Patentierbarkeit ganzer Pflanzensorten und deren Manipulation beantworteten sie nicht.
Der späte Sieg über eines von Dutzenden Patenten, mit denen Monsanto nach wie vor seine gentechnisch veränderten “RoundupReady” Sojabohnen schützt, zeigt zweierlei: Auch die abenteuerlichsten Geschichten können für 13 Jahre als Patent geschützt werden, wenn man nur über ausreichend fleissige Anwälte verfügt. So lange werden überlebenswillige Firmen und verwertungsbewußte Wissenschaftler keinen Konflikt mit dem weltgrößten Inhaber von Gentechnik-Patenten eingehen. Zweitens aber: Hartnäckigkeit lohnt sich dennoch. Die klagenden NGOs, die ETC Group aus Canada und Greenpeace waren jahrelang an dem Fall drangeblieben und haben schließlich Recht bekommen.
Bei hunderten von Patenten, die jedes Jahr in diesem Bereich bei völlig überforderten Patentrichtern in München angemeldet werden, verdient diese Sisyphos-Arbeit ganz besonderer Hochachtung.
Doch der Kleinkrieg wird nicht zu gewinnen sein, wenn das eigentliche Anliegen, “Kein Patent auf Leben” nicht Stück für Stück und sehr viel grundsätzlicher durchgesetzt wird.
Übrigens: Zielen kann man mit der “gene gun” bis heute leider nicht wirklich. Die fremde DNA etabliert sich irgendwo im Genom des beschossenen Organismus.
Mehr über den “Trick mit der Gen-Kanone” von Greenpeace
Artikel in Nature
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