Bauern-Task-Force im internet
von saveourseeds
Der deutsche Bauernverband ist nicht nur längst im Informations-Zeitalter angekommen. Er tritt jetzt mit einer eigenen “internet-task-force” an. Sie “stöbern regelmäßig in den Foren und Info-Plattfomen“, um im Netz “Meinungsbildung gegen den Bauernverband frühzeitig zu entdecken, aktiv einzugreifen oder selbst auch Themen positiv zu besetzen”. Dass seine Mitglieder dies “meist unter Pseudonym” tun sollen, ist vielleicht nicht soooo toll. Trotzdem freuen wir uns schon auf die Beiträge von Herrn Sonnleitners Web-Knechten und -Mägden. Hier der DBV-Aufruf zur Teilnahme an der task-force im Originalton:
“22.5.09 Internet-Task-Force | Info-Mail Nr. 01 | Aufnahme der Arbeit – Tipps und Hinweise
Sehr geehrte Damen und Herren,es ist soweit: die Internet-Task-Force nimmt ihre Arbeit auf. Vielen Dank für Ihre Rückmeldung und die Bereitschaft zur Mitwirkung. Die Gruppe setzt sich zusammen aus praktischen Landwirten, Mitgliedern, Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen des DBV und der Landesbauernverbände mit Interesse an der Nutzung der Online-Medien.Zukünftig wollen wir uns mit Ihrer Unterstützung in verschiedenen Diskussionsforen oder agrarischen Informations-Plattformen im Internet wie z.B. http://www.landlive.de, http://www.agrarheute.com oder http://www.topagrar.com aktiv beteiligen. Ziel dieser Interent-Task-Force ist es, Diskussionen und Meinungsbildung gegen den Bauernverband frühzeitig zu entdecken, aktiv einzugreifen oder selbst auch Themen positiv zu besetzen. Sie können zum Erfolg dieser Online-Öffentlichkeitsarbeit unmittelbar beitragen, indem Sie regelmäßig mitwirken und dabei eindeutig für den Berufsstand Position beziehen.
Was ist zu tun?
Sie melden sich als Privatperson (private E-Mail-Adresse, meist mit Pseudonym) in verschiedenen “landwirtschaftlichen” Foren wie landlive oder topagrar an. Empfehlenswert sind ebenso nicht-landwirtschaftliche Foren, z.B. bei taz (http://blogs.taz.de) oder spiegel (http://forum.spiegel.de/).
Sie stöbern regelmäßig in den Foren und Info-Plattformen und erhalten auf diese Weise einen guten Überblick über die Themen und Dynamik der Diskussionen. Wenn Sie dort auf “fragliche, kritische Diskussionen” stoßen, mischen Sie sich in die Diskussion aktiv ein und machen auf diese Weise indirekt positive Werbung für die Land- und Forstwirtschaft und dessen Berufsverband.
Parallel teilen Sie uns diese entdeckten Themen und Diskussionen nach Berlin (mailto:dienennenwirhierjetztmalnicht@bauernverband.net) mit. Wir leiten diese Informationen an alle Mitglieder der Internet-Task-Force weiter. Zusätzlich werden wir Sie in gewisser Regelmäßigkeit mit einer Info-Mail über interessante Online-Themen, -Projekte und -Diskussionen informieren.”
Wenn das nicht professionelle und moderne PR ist! Nun rätseln wir natürlich: Stammt dieser Kommentar bereits von einem Undercover-Agenten des Bauernverbands oder der etwa? Wir tippen eigentlich eher auf den: “Julia” erscheint uns echt verdächtig.
Vorsorglich teilen wir schon mal mit: Verunglimpfung der Kommentare anderer Leser als “das ist ja reine DBV task-force” oder “so ein Mist kann nur von der Bauerverbands-task-force stammen” bitten wir höflichst zu unterlassen!
P.S.
Da findet man als verschlafenes Wochenend-Ei mal ein nettes abseitiges Thema am Montag morgen und stellt drei Stunden später fest: Ist ja schon in aller Munde. Die Süddeutsche berichtet über eine Geheime Taskforce, die Transparenz-Initiative Lobby-Control wirft dem DBV Manipulation vor, Bioland ist entsetzt, der DBV-Generalsekretär Born gibt zu bedenken, dass man bei der task-force immerhin nicht wie die Deutsche Bahn mit einer Agentur zusammenarbeite, die sogar Geld für ihre task-force ausgibt. Auch beim virtuellen “Rindertreff” von top-agrar wird darüber schon heiss diskutiert. Die AbL höhnt (siehe Kommentar) und Spiegel Online schrieb schon am Samstag “Bauernverband will Internet Foren unterwandern”. Das trug ihm sogleich das etwas verünglückte Autoren-bashing eines leicht aufgeschwemmten “CEO von talkabout – stehe für moderne PR 2.0″ in seinem “amplify”-blog ein: “Ich finde es abolut legitim, wenn Bauern sich an der Meinungsbildung beteiligen”” schreibt Mirko Lange und wirft damit reichlich Kommentar-Blasen in seiner PR community. Zum twittern!
Wir stimmen Herrn Lange natürlich derart abolut zu, dass es aboluter kaum geht. Und deshalb jetzt mal ran meine Damen und Herren vom Bauernverband. Taten statt Worte! Wir erwarten zügige und unterhaltsame Unterwanderung auf allen Kanälen und garantieren honorarfreien Abdruck. Hier – kostenfrei – noch ein kleiner PR tip: Um dem hässlichen Vorwurf der Heimlichkeit und 5. Kolonne offensiv zu begegnen, drehen Sie den Spiess doch einfach um und zeichnen sie offensiv mit “bauern-task-force”.
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Hmm, klingt konspirativ/kriminell, sicher dass das nicht aus dem Handbuch zum chinesischen Strassenkampf stammt ?
Nein, in China schalten sie, wie im Iran, bei Strassenkämpfen bekanntlich gerne das internet einfach mal ab. Gehört eigentlich eher zum ganz legalen Einmaleins des viralen Marketings von Monsanto bis Obama.
Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft – AbL vom 12.6.2009:
„Internet-Task-Force“ des Bauernverbands – peinlich, nutzlos und entlarvend
Die bauernverbands-kritische Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hat amüsiert auf die Versuche der Bauernverbandsspitze reagiert, durch eine „Internet-Task-Force“ gezielt Einfluss auf Internetforen in landwirtschaftlichen und außerlandwirtschaftlichen Medien zu nehmen. „Wie schwach müssen die Positionen des Bauernverbands in der Öffentlichkeit und bei seinen Mitgliedern sein“, so AbL-Geschäftsführer Uli Jasper, „wenn er sich mit so verzweifelten und entlarvenden Taktiken eine eigene passende Öffentlichkeit zurecht zimmern will?“
Das Bauernverbands-Referat für Öffentlichkeitsarbeit hatte vor kurzem um Mitglieder für eine Task-Force geworben. Diese sollen in Internetforen „Diskussionen und Meinungsbildung gegen den Bauernverband frühzeitig entdecken“ und bei „fraglichen, kritischen Diskussionen“ sofort – und koordiniert durch die Bauernverbandsspitze – „eingreifen“. Unter Pseudonymen wollen sich auch Ehrenamtliche und Hauptamtliche an dieser Kampagne beteiligen. Ausdrücklich als Ziele genannt werden die Internet-Plattformen http://www.agarheute.com , http://www.topagrar.com sowie die Foren von taz und SPIEGEL.
AbL-Sprecher Jasper verwies darauf, dass der Deutsche Bauernverband wegen seines Lobbyismus für die Milchindustrie und gegen die Milchmengen-Regulierung mittlerweile von der großen Mehrheit der Milchbauern als Gegner betrachtet werde. Innerhalb des Bauernverbands seien die innerverbandlichen Diskussions-möglichkeiten allerdings sehr beschränkt. Fast alle Agrarzeitungen, von vielen Bauern nur noch als „Grüne Prawda“ bezeichnet, gehörten zudem direkt oder indirekt dem Bauernverband. Die Bauernverbandsspitze setze so seit langem ihren agrarindustriellen Kurs gegen die Interessen der großen Mehrheit der Mitglieder durch. Beim „Bauerntag“ in Bamberg zum Beispiel habe sich das Präsidium mit einer Mehrheit von Ackerbau- und Schweinehaltungs-Delegierten rigoros über die Milchbauern-Mehrheitsposition für die Beibehaltung der Milchquoten hinweggesetzt.
„Der peinliche Versuch des Bauernverbands, weitere Mitglieder für seine Internet-Task-Force zu werben, wird nichts nützen“, so Jasper, „seine Politik gegen die Interessen der Mehrheit wird dadurch mitnichten mehrheitsfähig, sondern nur sehr viel durchsichtiger, anstößiger und angreifbarer.“
Hallo Pseudonym,
echt lustig der Beitrag!
Ach ja, eines habe ich noch vergessen. Danke für den netten Hinweis, dass in dem Posting ein Tippfehler war. Ich habe das “s” bei “abolu” ergänzt.
Im Übrigen habe ich noch einen Kommentar verfasst. Den findet man hier: http://talkabout.amplify.com/2009/06/15/absurde-diskussion-manipulationsvorwurfe-gegen-bauernverband/