Dass der Mann tatsächlich Landwirtschafts- und Verbraucherminister wird, ist zwar glücklicherweise nicht zu befürchten.Dennoch ist die Berufung des Bauernverbands-Vize und Agrar-Industriellen Udo Folgart in das Schatten-Team von Frank-Walter Steinmeier ein programmatischer Schlag ins Kontor: Ein vehementer Befürworter von Gentechnik, Agrarsprit und Industriemilch vertritt jetzt das landwirtschaftliche Profil der SPD. Tiefer in den Filz von Bauern- und Raiffeisenverband, Agrarindustrie, Subventionslobby alter Schule und ehemaliger DDR-LPG-Seilschaften hätten die Genossen nicht greifen können. Wie sie mit einem derart groben Klotz Verbraucherinnen oder aufgebrachte Kleinbauern begeistern wollen bleibt ihr Geheimnis. … weiter lesen
Archive for Juli, 2009
180 Millionen Dollar Entschädigung zahlten die Herstellerfirmen des Kampfmittels “Agent Orange”, allen voran Monsanto und Dow Chemical, 1984 amerikanischen Kriegsveteranen um weitere gerichtliche Verfolgung abzuwenden. 1996 wurden deren Krankheiten auch von der US-Regierung als Kriegsschäden anerkannt und seither entschädigt. Die eigentlichen Opfer des Supergiftes in Vietnam dagegen sind erst kürzlich vor dem Supreme Court der USA erneut abgeblitzt. Am 10. August übergibt “SODI”, eine Entwicklungshilfeorganisation, die aus dem Solidaritätskomitee der DDR hervorgegangen ist und seit Jahrzehnten “Agent-Orange”-Opfer in Vietnam unterstützt, am Brandenburger Tor 20.000 Unterschriften zur Unterstützung der vietnamesischen Opfer. … weiter lesen
Man nehme: Kohlendioxid, ein wenig Wasser, reichlich Sonne und einen gentechnisch veränderten Geheim-Organismus, packe alles in solarpanelartige Biokonverter und fertig ist der Sprit: Billig wie Öl. Der Firma Joule Bioechnologies ist es jedenfalls gelungen, von der New York Times bis zum Wallstreet Journal das höhere Ende der Medienlandschaft für ihre Geschichte zu interessieren. Sie kündigte an, schon im nächsten Jahr Pilotanlagen neben CO2-trächtige Kraftwerke und Zementfabriken in sonnenreichen Gegenden zu bauen. Wasfür ein “photosynthetischer” Organismus sich hinter ihrem Markennamen “Helioculture” verbirgt, will die Firma aber erst bekannt geben, wenn die entsprechenden Patente registriert sind. Na dann schaumama und stellen uns solange den Angstschweiss auf der Stirn der Agrarsprit-Investoren CO2-Versenker vor.
Was stellen Sie sich unter „Bioökonomie” vor? Vielleicht, wie Bioprodukte sich rechnen, oder die Wirtschaft „bio” wird oder das Leben seine eigene Ökonomie hat? Man rätselt was die neue Kreation uns sagen will und wer vor allem uns die Botschaft schickt. Bio heißt Leben, Oikos der Haushalt, soviel haben wir gelernt, klingt irgendwie schick, soll es wohl auch. Neuerdings hat Deutschland einen Bioökonomie-Rat. Mit zwei Millionen Euro Taschengeld von Forschungsministerin Annette Schavan alimentiert, soll er „wissenschaftlich fundierte Analysen zur nachhaltigen Nutzung von Biomasse entwickeln und Vorschläge für eine nationale Innovationsstrategie machen.” Wir sind enttäuscht: Alles eine Biomasse? Dann lesen wir die Mitgliederliste des Rates und sind noch enttäuschter: Ausschließlich hochkarärtige Technokraten und Manager aus Industrie und Wissenschaft mit grober Gentechnik-Schlagseite. … weiter lesen
Lassen sich Umwelt- und Bioverbände von Annette Schavan über deren “Runden Tisch zur Grünen Gentechnik” ziehen? Während Ilse Aigner dem Treffen diesmal fern blieb, das Schavan zur Verteidigung der Gentechnik gegen ihr Gentechnik-Anbauverbot eingerichtet hat, erschienen die Verbände mit zusätzlichen Experten und einem Thesenpapier zur Sicherheitsforschung. Auf der Webseite des Forschungsministeriums war prompt die Rede von “ersten Annäherungen in der Gentechnikdebatte” während sie sich ansonsten in Seitenhieben gegen die CSU erging. … weiter lesen
Wenn es darum geht, aus der selbstgemachten Misere auf Kosten der Steuerzahler Geld zu machen und sie damit noch zu vergrössern ist sich der Deutsche Bauernverband scheinbar für nichts zu schade. Mit seinem neuesten Vorschlag, zur Reduzierung des Milchangebotes eine Sonderprämie für Kuhschlachtungen zu bezahlen, ist er allerdings diesmal selbst bei der EU-Kommission abgeblitzt. … weiter lesen
Richtig, war ja dieses Mal auch nicht so schwer: Die Zitate unseres gestrigen Rätsels stammen aus der Enzyklika “Caritas in veritate” von Benedikt XV.
Grosse Worte zu grossen Themen, mit denen auch wir uns in diesem blog regelmäßig befassen. Unsere Sommerfrage: Aus welchem kürzlich veröffentlichen Manifest stammen die folgenden Passagen? Der Autor bietet Lösungen für die beschriebenen Probleme an, die wir zur Verschleierung seiner Identität zunächst aussen vor gelassen haben. Seine Einschätzungen halten wir für bemerkenswert. Die Lösung des Rätsels gibt es morgen, während wir uns schon an der Ostsee aalen. … weiter lesen
Die Sache hat uns keine Ruhe gelassen: “Zensur bei Tchibo” beklagte sich “NOVO”, ein techno-libertäres Fortschritts-Magazin wider das ökologisch verschwiemelte Gutmenschentum. Der Autor hatte versucht, im online shop des Kaffee- und Gemischtwarenkonzerns sein ganz persönliches T-Shirt zu gestalten: “Gentechnik – ja bitte” sollte draufstehen und auf der Rückseite „Gentechnik hilft gegen den Hunger auf dieser Welt“. Dies habe Tchibo rundweg abgelehnt. Politisch nicht korrekt? Der NOVO-Aktivist hakte nach und fand seinen Verdacht bestätigt. Tchibo wollte sein Geld einfach nicht. Schlimmer noch: Heute bekamen wir Post vom Tchibo Versand, daß unser T-Shirt mit der Aufschrift “Gentechnik? Nein Danke!”, das wir zur Überprüfung der Sachlage bestellt hatten, soeben in den Versand gegangen ist. Wir leiden mit NOVO und haben ihnen deshalb für’s Erste einen superschicken virtuellen Ersatz gestrickt. … weiter lesen

Ein Sturm auf die Bastille wie heute vor 220 Jahren ist es zwar nicht gerade, aber doch ein Zeichen, dass über tausend Milchbauern aus Deutschland, Frankreich, Portugal, den Niederlanden und Belgien vor dem Straßburger “Raumschiff” setzen, in dem sich heute das neue Europaparlament konstituiert. Zu der Demonstration hatten das European Milkboard und die Kleinbauernorganisation “Via Campesina” gemeinsam aufgerufen. Während der Milkboard-Chef Romuald Schaber vor dem Parlament einen Systemwechsel in der Milch-Politik forderte, wurde der bekannteste Exponent von Via Campesina, der französische Käsebauer José Bové feierlich in sein Amt als grüner Euro-Parlamentarier eingeführt. … weiter lesen